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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (9)

Wussten Sie schon, …

dass die Kreuzallergie auf Apfel auch „Schneewittchen-Syndrom“ genannt wird? Im Märchen stirbt Schneewittchen an einem vergifteten Apfel, ihr bleibt schlicht die Luft weg. Wie man heute vermutet, litt sie an Heuschnupfen und als Folge davon an einer Kreuzallergie auf Steinobst, in diesem Fall auf den Apfel. Das führte zu Schwellungen im Hals, was wiederum die Atmung behinderte. Da auch der Kontakt mit einem Kreuzallergen u.U. tödlich verlaufen kann (Asthmaanfall, Anaphylaxie,

Schleimhaut-schwellungen bis hin zum Ersticken), hatte Schneewittchen in der damaligen Zeit und der abgelegenen Wohnsituation ohne Notarzt schlechte Karten. 

Doch glücklicherweise kam der Prinz und ließ sich nicht abschrecken, sondern leistete dank seiner, wenn auch laienhaften, medizinischen Kenntnisse Erste Hilfe mittels Mund-zu-Mund-Beatmung. Der gläserne Sarg soll übrigens ein Sinnbild für Neurodermitis sein, doch davon später.

Das Kreuz mit den Kreuzallergien

Jedes pflanzliche Lebensmittel teilt sich eine artverwandte Eiweißstruktur mit bestimmten Pollen und bildet somit eine botanische Familie. Da kann es passieren, dass der Pollenallergiker bei Hasel- oder Erlenpollenflug plötzlich Probleme mit Apfel, Möhre oder Nüssen bekommt, die er ansonsten im Jahresverlauf gut verträgt. Beifussallergiker entwickeln oft eine Sellerieallergie. Sellerie ist eines der stärksten Allergene (wie Hasel- und Erdnuss), wird vielfältig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und löst schwere Reaktionen von Atemnot bis Anaphylaxie aus. Bekannt ist dies unter dem Namen „Möhre-Sellerie-Beifuss-Syndrom“. Da sich die Reaktionen auf Kreuzallergene meist im Hals-Mund-Bereich abspielen, nennt man das auch Orales Allergie-Syndrom (OAS). Ungewöhnliche Kreuzreaktionen geben schon mal Anlass zu Detektivarbeit, denn wer weiß schon, dass Kinder mit Gräserpollenallergie während der „Saison“ wieder zum Bettnässer werden können, da der Niesreiz sich manchmal andere Wege sucht.

91 % aller Nahrungsmittelallergien sind pollenassoziiert, d.h. Reaktionen auf das entsprechende Nahrungsmittel wären nicht vorhanden, wenn nicht eine Allergie auf eine bestimmte Pollenart vorläge (Minorallergen). Typische Kreuzreaktionen treten bei 30-70 % der Pollenallergiker auf. Unser Körper erkennt nicht, ob wir gerade einen Apfel essen oder Blütenpollen einatmen, er reagiert auf die bestimmte Eiweißstruktur. Das Meiden des betreffenden Kreuzallergens vor allem in der “Saison” mindert nicht nur die Beschwerden, sondern hilft langfristig, den Heuschnupfen zu überwinden. Allerdings muss nicht jedes bekannte Kreuzallergen (bei der Birke allein 54) gemieden werden, sondern nur dasjenige, bei dessen Verzehr Unverträglichkeitsreaktionen beobachtet werden!! Vielleicht haben auch Sie schon eine Behandlung aus Unwissenheit abgebrochen oder ärgern sich über den mangelnden Erfolg einer Behandlung?
Symptome wie Halskratzen, Jucken, vor allem im Hals-Nacken-Brustbereich, sind immer ein Hinweis für kreuzreaktive Allergene vom Soforttyp (pollenassoziierte Lebensmittel). Die Geschmacks- und Geruchsnerven laufen in diesem Bereich zusammen und da diese Allergene quasi direkt bei Kontakt anfangen zu „wirken“, gibt es auch meist schon beim Verzehr oder unmittelbar danach die entsprechenden Symptome (Trief- oder juckende Nase, Kratzen im Hals, Magenkrämpfe und/oder Durchfall, Rötung oder Schwellungen an Mund, Lippen bis hin zu Anaphylaxie etc.). Das Auftreten solcher Symptome sollte Ihnen Anlass sein, Ihre Allergie bzw. den Umgang mit kreuzreaktiven Lebensmitteln neu zu überdenken.

„Es gibt bereits alle guten Vorsätze, wir brauchen sie nur noch anzuwenden“. Blaise Pascal (1623-1662), französischer Mathematiker und Philosoph

Meine Kinder haben wie viele andere Kinder früh Apfel und Möhre bekommen, sie haben allerdings auch beide früh einen Heuschnupfen entwickelt. Ich hatte den Kinderarzt zwar nach Alternativen gefragt, weil mir bekannt war, dass Studien den Zusammenhang mit früher Beikost von Apfel und Möhre und ebenso frühem Beginn von Heuschnupfen belegten, doch laut Kinderarzt seien die Lebensmittel gesund  und müssen unbedingt gegeben werden. Leider hatten beide (damals knapp 4 und 16 Monate) jedes Mal innerhalb einer halben Stunde nach dem Verzehr starken Durchfall. Als ich das bei einer Untersuchung ansprach, meinte der Kinderarzt: „Gute Frau, Sie müssen den Kindern mal zeigen, wie man richtig kaut, dann haben die auch keinen Durchfall mehr!“. Nach meiner bisherigen Erfahrung mit dem Arzt (siehe bisherige Kolumnen) habe ich Apfel und Möhre aus der Ernährung gestrichen und siehe da, auch der Durchfall war weg.

Zwei Monate vorher habe ich mit den Kindern (und den helfenden Großeltern) zum ersten Mal eine Kur gemacht. Da sie beide da noch Apfel etc. bekamen, war das Windeln wechseln quasi eine sportliche Dauerbeschäftigung, in der Enge der Ferienwohnung auch eine geruchsintensive Herausforderung. Beim Kurarzttermin passierte, was passieren musste, mein Jüngster erbrach plötzlich heftig die kurz zuvor gefütterten Möhren. Während ich das Kind auf der Toilette versorgte, hörte ich Tumult im Wartezimmer. Dort hatte mein anderer Sohn in der Zwischenzeit einen heftigen Durchfall und musste von meiner Mutter unter den amüsierten Blicken der Wartenden „notversorgt“ werden. Der Heimweg wurde dann mit zwar frischer Windel, aber ansonsten in Freikörperkultur angetreten.

 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung geht an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de


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