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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (8)

Wussten Sie schon, …

dass erste „Heufieber“beobachtungen bereits 1862 von Philip Phoebus als Rundbriefe herausgegeben wurden? Phoebus erfasste erstmals Fälle aus ganz Europa tabellarisch. Seinen Beobachtungen zufolge war Heufieber und Heuasthma eine Erkrankung der oberen Gesellschaftsschichten (Grafen, Herzöge). Diese Beobachtung ist verständlich, als Hauslehrer hatte er ausschließlich Kontakt mit diesen Gruppen.

Es stellt sich deshalb natürlich die Frage, ob sich der einfache Bürger überhaupt einen Arzt leisten konnte und somit wohl eher nicht wegen Heuschnupfens zum Arzt ging. Bereits 1883 äußerte der Londoner Arzt John Elliotson (1791-1868) nach Beobachtung seiner Patienten die Vermutung, dass Gräserpollen Auslöser für eine Krankheit sein könnten. 1874 wurde der erste Heuschnupfenauslöser von Charles Harrison Blackley diagnostiziert, Blackley gilt als Begründer der Heuschnupfen- und Pollenforschung. Die Londoner Ärzte William Heberden und John Bostock prägten die Begriffe „Katarrh“ bzw. „summer catarrh“. Der „Große Brockhaus“ berichtet 1880 erstmals über „Heufieber“.

Heuschnupfen ist die am meisten verbreitere und auch am meisten unterschätze allergische Erkrankung. Schnupfen wird oft vorschnell auf eine beginnende Grippe geschoben, aber immer wiederkehrende Symptome wie Schnupfen, Reizhusten, entzündete Augen usw., besonders im Frühjahr,  sollten auch unter dem Aspekt Allergie untersucht werden. Aktuellen Erhebungen zufolge sind in Deutschland 20-30 % aller Allergiker von Heuschnupfen betroffen. Da sich bei einem Drittel dieser Patienten durch den sogenannten Etagenwechsel auch ein Asthma entwickeln kann, ist Heuschnupfen beileibe keine harmlose Erkrankung.

Man sagt, es dauert 2-3 Jahre, um einen (unbehandelten) Heuschnupfen zu verfestigen, und 20-30 Jahre, um ihn wieder los zu werden. Zu einer adäquaten frühzeitigen Behandlung gehört natürlich die Desensibilisierung, aber auch das Wissen um eventuelle Kreuzallergien. 91 % aller Lebensmittelallergien sind pollenassoziiert, d.h. die Lebensmittel haben einen gemeinsamen Allergenkern (eine bestimmte Eiweißstruktur) mit Pollen aller Art. Der Körper erkennt nicht den speziellen Kontakt (ob Polle oder Apfel), aber die bestimmte Struktur. Deshalb sind Desensibilisierungen oft wenig erfolgreich, wenn nebenher täglich das auslösende Allergen verzehrt wird. Leider weist der behandelnde Arzt nicht immer auf die notwendige Karenz der besonderen Kreuzallergene hin.

Sie kennen vielleicht z.B. den Begriff „Birke-Sellerie-Beifuss-Syndrom“, wahrnehmbar durch Kratzen, Jucken im Hals und/oder Nackenbereich, Schleimhautschwellungen bis hin zu Atemnot. Aus Frustration wird dann oft die Behandlung abgebrochen und als unwirksam dargestellt. Vielleicht geben Sie dem Allergologen mit diesem Hinweis eine erneute Chance, Ihrem Heuschnupfen entgültig den Garaus zu machen. Übrigens: bei Kindern bis zu 10 Jahren sowie bei Neurodermitikern sollte die Desensibilisierung immer oral, d.h. mit Tropfen durchgeführt werden! Außerdem sollte jedes Jahr am Ende der Pollenzeit die Zusammensetzung der Pollenlösung überprüft und notfalls neu bzw. den tatsächlichen Beschwerden aktuell angepasst werden. Tipp: Als besonders wirksam bei allen Pollensymptomen gilt z.B. Galphimia glauca (D3, je 5 Globuli) oder auch Klosterfrau Allergin. Dazu helfen meersalzhaltige Nasensprays sowie das als Einzeldosis verpackte konservierungsmittelfreie Euphrasia (Augentrost).

In der Apotheke
Sagt der Apotheker zum Kunden: „Ich gebe Ihnen erst mal nur den Beipackzettel mit – wenn Sie den gelesen haben, nehmen Sie das Medikament sowieso nicht mehr ein.“

Bei meinen Söhnen wurde auch frühzeitig eine Desensibilisierung begonnen und jährlich neu überprüft. Als nach vielen Jahren bei meinem älteren Sohn immer noch einige hartnäckige Symptome übrig blieben, sollte ein letzter Versuch einer Desensibilisierung mit Frühjahrspollen gestartet werden. Dies war besonders wegen seiner extremen Reaktionen bei Haselnuss wichtig. Bei der Vorbesprechung meinte der behandelnde Arzt, es bliebe noch eine, wenn auch unwahrscheinliche, Möglichkeit, woran dieser fehlende Erfolg liegen könnte. Tatsächlich stellte sich dann im Test heraus, dass er stark auf den Schimmelpilz Aspergillus niger reagierte. Dieser fiese Kerl findet sich in der freien Natur und setzt sich z.B. auf Gras oder feuchtem Laub ab. Er verursacht u.a. die gleichen Symptome wie Pollen und kann Asthma auslösen. Dazu ist Aspergillus sowie andere Schimmelpilzarten ganzjährig aktiv. Er wird zusätzlich in der Lebensmittelindustrie u.a. als natürlicher, nicht deklarationspflichtiger Konservierungsstoff eingesetzt. So auch bei der Bierherstellung, was bei dem einen oder anderen den „Kater“ trotz geringem Konsum erklärt. Zitronensäure wird z.B. zu 90 % aus Stoffwechselprodukten des Aspergillus niger hergestellt. Lebensmittel mit dem Zusatz „keine Konservierungsstoffe laut Lebensmittelgesetz“ sind nicht frei von Konservierungsmitteln, sie enthalten diese natürlichen Konservierungsstoffe, die als Allergen erheblichen Schaden anrichten können.

Nachdem das Ergebnis nun feststand, wurde gleichzeitig die letztmalige Behandlung des Heuschnupfens  per Spritze (bisher immer mit Tropfen) und des Aspergillus per Tropfen ganzjährig mit täglicher Dosis durchgeführt. Es lohnt also, auch mal abseits der üblichen Testreihe zu suchen, wenn sich trotz aller Bemühungen kein wesentlicher oder abschließender Erfolg einstellt.

 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung geht an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de


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