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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (7)

Wussten Sie schon, …

dass zukünftig Anträge auf Mutter-Kind-Kuren häufiger bewilligt werden sollen als das in der Vergangenheit geschah? 2010 waren 25 % der Antragsteller erfolgreich, 2011 immerhin 29 %. Nur 30 % aller Anträge wurden nach einem Widerspruch genehmigt. Das soll nun anders werden. Vor allem sind finanzielle Erwägungen der Krankenkassen kein Grund, Kuren abzulehnen.

Der Bundesrechnungshof hat diese Verfahrensweise der Krankenkassen kritisiert. Die Gesamtausgaben für Mutter-Kind-Kuren betragen lediglich 0,16 % aller Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Die höchsten Ablehnungsraten haben übrigens Barmer GEK (42 %) und TK (35 %). Neue Richtlinien des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sollen nun für bessere Chancen bei der Antragstellung sorgen, die Begutachtungsrichtlinie „Vorsorge und Rehabilitation“ wird deshalb nun überarbeitet.

Grundsätzlich hat man bei einer chronischen Erkrankung wie z.B. Neurodermitis ein Recht auf Kurmaßnahmen, um z.B. die Arbeitskraft zu stärken bzw. zu erhalten. Was Sie auch wissen sollten: Eine Rehakur kann zwar nur alle 4 Jahre bewilligt werden, aber in den dazwischenliegenden Jahren haben Sie bzw. Ihr Kind ein Recht auf eine Vorsorgekur! Den Unterschied macht das Kreuz an der betreffenden Stelle im Antragsformular. Kinderkuren fallen in die Zuständigkeit der Krankenkasse. Diese kann zwar die Meinung des Medizinischen Dienstes (MD) einholen, ist aber an das Gutachten nicht gebunden. Auch darf der MD nicht ohne persönliche Inaugenscheinnahme entscheiden.

Des weiteren ist die Krankenkasse gehalten, binnen 14 Tagen zu entscheiden, sonst gilt die Kur automatisch als bewilligt. Der SGB IX vom 1.7.2002 regelt die Formalitäten bei Kuren für Kinder. Da heißt es: „Kinder haben ein besonderes Recht auf ein gesundes Heranwachsen und deshalb in besonderem Maße das Recht auf Rehabilitation.“ Und: Wenn länger als 6 Monate ein Zustand erreicht wird, der vom altergemäßen abweicht, handelt es sich um eine chronische Erkrankung und es besteht ein besonderes Recht auf Rehabilitation. Lassen Sie sich auch nie mündlich oder am Telefon abwimmeln, immer alles schriftlich geben lassen und mit Rechtsgrundlage. Nur dann kann man sich gezielt wehren. Weitere ausführliche Informationen zu Kuren, Formulierungshilfen bei Anträgen, Widersprüchen usw. können Sie bei Bedarf gegen eine kleine Gebühr bei mir anfordern.

Im Kinderzimmer:
Der Vater ist entsetzt und fragt seine Kinder: „Was spielt ihr denn da?“. „Doktor“. „Ja, aber was macht Susi auf dem Schrank da oben?“. „Die haben wir zur Erholung in die Berge geschickt“, antwortet sein Sohn.

Als ich zum ersten Mal eine offene Badekur für meine Kinder und mich beantragt habe, mussten wir zur Abklärung der tatsächlichen Notwendigkeit zum Medizinischen Dienst. Trotz früher Stunde (8.30 Uhr) hatten wir einige erwachsene Patienten vor uns. Leider war man nicht bemüßigt, uns vorzulassen. Nach fast 4 Stunden Wartezeit mit 3 kleinen Kindern (1, 2, 6 Jahre) inklusive umständlichem Füttern, Windeln wechseln etc. war der erste Kommentar der begutachtenden Ärztin „Die sind aber unruhig!“. Dank strenger Karenz war die Haut recht ordentlich, offene Stellen waren grad nicht zu sehen. Auch hatten alle Kinder relativ normales Gewicht, die Große konnte schon Schleife binden usw. , also laut Ärztin gesund und ohne Auffälligkeiten. Nachdem sie dann Zeuge wurde, wie die Kinder vor Aufregung ausgiebig kratzten, meinte sie:“ Ach ja, davon (Neurodermitis) habe ich gelesen, das soll ja so jucken!“. Eine Kur fand sie übrigens nicht notwendig, da die Kinder altersgemäß entwickelt waren. Die Kur haben wir erst nach einem Widerspruch bekommen, von da an aber 13 Jahre lang jährlich und ohne weitere Schwierigkeiten. Natürlich habe ich einen bitterbösen Brief an die Krankenkasse geschrieben und die unzumutbaren Umstände ausgiebig geschildert.

Einige Jahre später schlug man mir vor, doch mal allein eine Kur zu machen, da sich meine Milbenallergie womöglich in den Bergen besser kurieren ließe als an der See (Asthma). Ich habe ich mich einverstanden erklärt, wenn der Familie eine Haushaltshilfe mit ausgezeichneten Kenntnissen in Ernährung bei Typ I-Allergien (ich wollte meine Anaphylaxie-Kinder gern lebend wiedersehen), ebenso hervorragenden Kenntnissen wegen der Neurodermitis usw. zur Verfügung gestellt wird. Da man dazu nicht in der Lage war, wurde unser Kurort nie mehr in Frage gestellt.

Eine andere Mutter hatte auch das Vergnügen mit dem Medizinischen Dienst. Auch hier wurde die Kur zunächst abgewiesen mit dem Hinweis, man könnte die Kinder (beide Typ I Allergiker) ja auch mal tageweise den Schwiegereltern geben, dann hätte die Mutter mal Zeit für sich und könnte sich erholen. Die Schwiegereltern waren über 80 Jahre, herz- bzw. diabeteskrank, die Kinder 2 und 6 Jahre. Die Eltern der Mutter lebten nicht in der Nähe, der Ehemann war als Ingenieur oft wochen- bzw. monatelang im Ausland. Auf diese Hinweise hin meinte die Ärztin, Stress käme auch oft von ehelichen Problemen, ob sie denn schon mal daran gedacht hätte, sich scheiden zu lassen?

 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung geht an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de

 


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