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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (6)

Wussten Sie schon, …

dass mit dem Urteil vom 6.3.2012 des Bundessozialgerichts in Kassel als Antwort auf eine Klage vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) nun entgültig der Neurodermitiker auf seinen Kosten für nicht verschreibungspflichtige Hautpflegemittel sitzen bleibt? Geklagt hatte eine 38jährige, schwer an Neurodermitis erkrankte Frau, da sie für diverse Basispflegemittel (fettende sowie entzündungshemmende Salben) keine Erstattung mehr durch ihre Krankenkasse bekam.

Auch die Begründung, dass durch den Einsatz der Salben ein Krankenhausaufenthalt oder sogar Arbeitsunfähigkeit vermieden werden, hatte vor dem Gericht keinen Erfolg. Da die Wirksamkeit dieser Salben nicht durch Studien belegt werden konnte, ist die Krankenkasse nicht verpflichtet, die Kosten zu übernehmen. Anders sieht es bei entzündungshemmenden Kortisonsalben oder anderen Medikamenten aus, diese Kosten werden weiterhin von den Kassen übernommen. (Quelle: Ärzte Zeitung vom 7.3.2012)

Je nach Schwere der Erkrankung ist es nicht mit einer einfachen kostengünstigen Pflegecreme getan. Mitunter müssen 2 oder 3 verschiedene Salben unterschiedlicher Zusammensetzung nebeneinander angewandt werden. Da können schnell größere Summen zusammen kommen, im vorgenannten Fall bis zu 500,- € pro Monat. Welche Salben am besten verträglich sind, ob ein geringer oder hoher Fettanteil oder antibiotischer Zusatz notwendig ist, hängt von der jeweiligen Verträglichkeit und Hautbeschaffenheit ab. Bei schlechtem Hautbild ist man geneigt, jedem Werbeversprechen nachzugeben, um möglichst schnell Linderung zu erreichen.

Leider bergen schnell wirksame Salben oft unerwünschte Zutaten. So gab es vor einigen Jahren einen Skandal um Salben mit Nerzöl, heute ist der Zusatz von Nerzöl in Deutschland verboten. Aber auch Kräuter mit einem natürlichen Gehalt an Cortison sind nicht deklarationspflichtig, wenn sie in eine sogenannte Kräutercreme eingebunden sind bzw. speziell das Cortison muss als natürlicher Bestandteil dieser Kräuter nicht angegeben werden. Solche Salben sind unter den Namen Clobetasolproprionat (siehe Clobetasol), Betamethasonvalerat (Dermoxin) oder Hydrocortison (Fenistil) bekannt. Auch Hydrocortison hat Nebenwirkungen, allerdings dauert es länger, bis diese auftreten, da der Cortisongehalt niedriger ist als bei verschreibungspflichtigen Cortisonsalben. Seien Sie also doppelt skeptisch, wenn schnelle oder vollkommene Heilung durch eine Salbe versprochen wird oder die Begriffe „Kräuterauszug, pflanzliche Extrakte, natürliche Wirkstoffe“ usw. auftauchen.

So vertreibt auch im hiesigen Raum ein geschäftstüchtiger Apotheker eine entsprechende Salbe, die, oh Wunder, sehr gut hilft. Durch eine mir bekannte Biochemikerin konnte der Zusatz dieser natürlichen Cortisone nachgewiesen werden. Da ich in Vorträgen oder in der Einzelberatung Betroffene über den „wunderbaren“ Inhaltsstoff  der Salbe informierte, kam eines Tages ein Anruf des besagten Apothekers mit der Bitte, diese Information doch zu unterlassen, „schließlich haben wir alle so unsere kleinen Geheimnisse“. Außerdem wäre das doch nicht schlimm, er mache die Betroffenen damit glücklich und verboten sei dieser Zusatz ja nicht (womit er leider recht hat).

Ich persönlich bin weiterhin der Ansicht, lieber Cortison (wenn überhaupt notwendig) kontrolliert über den behandelnden Arzt einsetzen als auf diese unkontrollierte (hinterhältige) Art. Besagter Apotheker hält auch gleichzeitig ein Darmmittel eigener Herstellung parat, dessen pflanzlicher Anteil aus Soja besteht, aber „Sojalallergie gibt es nicht, selbst wenn, ist das für Soajallergiker trotzdem verträglich“. Selbstredend empfiehlt er dieses Mittel schon Säuglingen mit ihrem empfindlichen, noch unausgereiften Darm, da so „erst gar keine Allergie oder Neurodermitis entsteht“. Günstigerweise hat er einen Bruder, der als Heilpraktiker arbeitet, so können die Kunden gleich (wechselseitig) weitergereicht werden.

PS:  Auf nickelfrei.de stelle ich ab sofort monatlich nickelarme Rezepte vor.

 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung geht an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de


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