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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (4)

Wussten Sie schon,

dass Bezeichnungen wie „Allergen- bzw. Allergiefrei“ oder „Allergiefilter“ nicht immer hilfreich sind? Ganz davon abgesehen, dass Produkte nie völlig allergenfrei sein können (dafür kann man auf die unterschiedlichsten Inhalte reagieren), bieten sie auch keinen garantierten Schutz, denn was für den einen absolut tabu ist, verträgt der andere problemlos. Solche gutgemeinten (gut gemeint ist schlecht gemacht) Hinweise können allzu leicht dazu verführen, dass schlecht informierte Allergiker unbewusst die notwendige besondere Vorsicht außer Acht lassen.

Oder wussten Sie, dass die Bezeichnung „Allergiefrei“ sich manchmal nur auf einzelne Bestandteile wie z.B. Nüsse bezieht, im Produkt aber durch aus Milch, Ei oder ein anderes, individuell starkes Allergen enthalten sein kann? Artischocken sind z.B. ein Kreuzallergen auf Latex (Ananas, Banane etc.), wer das nicht weiß, erlebt vielleicht wie ich einmal ein beeindruckendes Beispiel aggressiver Urtikaria, obwohl ich doch sorgfältig darauf geachtet hatte, dass keine Ananas enthalten ist (für mich ein großes Problem). Im Bäckereihandwerk wird z.B. Weizen so verarbeitet, dass er als glänzender Überzug auf Brote oder Gebäck gestrichen werden kann, das sogenannte „Floating“, fatal für den Weizenallergiker.

Oder können Sie auf Anhieb den glänzenden Belag von einem harmlosen Zuckerguss unterscheiden? Ein anderes Beispiel: Als „Allergen- oder Duftstofffrei“ deklarierte Pflegeprodukte können trotzdem allergische Reaktionen auslösen, denn der eingesetzte pflanzliche Grundstoff gibt ebenfalls Geruchsstoffe ab, der Begriff „Reizend“ gewinnt dann neue Bedeutung. Allergenfrei heißt auch nur, der Stoff ist als Allergen noch nicht (oder nur in begrenztem Maße) aufgetreten.

Allergenfilter werden immer häufiger von Lebensmittelherstellern oder speziellen Versandadressen von Allergikerkost angeboten. Aber auch hier ist die Funktion manchmal lückenhaft. Es gibt Seiten, auf denen nur jeweils ein Allergen herausgefiltert werden kann, ideal sind Angaben zu mehreren Allergenen gleichzeitig.

Sonst sucht man sich dumm und dusselig nach Produkten ohne Milch, dann ohne Ei, dann ohne….. Erdnussallergiker sollten nicht unter „nussfrei“ suchen, sondern gezielt Erdnuss eingeben (eine Hülsenfrucht, genau wie Soja). Übrigens: Intoleranzen haben nichts unter dem Filter „Allergenfrei“ zu suchen, denn das sind keine Allergien! Unangenehm fallen mir auch immer wieder „Rezepte für Allergiker“ auf (Buchhandel, Internet), die jeweils nur ein Allergen meiden (z.B. milchfrei), dafür aber andere Allergene wie Ei, Nüsse etc. lustig einsetzen. Natürlich gibt es nicht „den Allergiker“, aber allergenarm ist für mich ein Rezept, dass ich nicht erst noch nach allen Seiten abändern muss, sondern ein Rezept, dass auch bei multiplen Allergenen geeignet ist.

Da grenzt sich die Theorie oft deutlich von der Praxis ab. So wird in einem von Oecotrophologen erstellten Rezeptbuch für Kinder gesagt, dass es für Käse (zum Überbacken) keine Alternative gibt. Das stimmt so nicht, denn ebenso gut geeignet sind z.B. milchfreie Margarineflöckchen, Kokoscreme oder eine Soße aus Wasser (oder verträglicher Brühe) und Mehl/Stärke, alles gut gewürzt. Im Handel bekommen Sie auch pflanzliche Käsecreme aus Mais oder bei Verträglichkeit geeignete Soja- oder Haferprodukte usw.. Individuelle Anfragen beantworte ich an dieser Stelle gerne.

Titus Lucretius Carus, 55 v. Chr.: « Was die Nahrung für den einen, ist dem anderen tödlich Gift.“

Als ich vor Jahren das erste Mal auf der Suche nach Milch- und Ei-freier Nahrung, vor allem Babynahrung, war, ging ich mit einem Zettel bewaffnet in den Supermarkt. Auf dem Zettel hatte ich mir die üblichen, mir bis dahin aber unbekannten Bezeichnungen für Milch und Ei aufgeschrieben (z.B. Molke, Lactalbumin, Lysozym etc.), damit ich beim Einkauf auf Nummer Sicher gehen konnte. Natürlich dauerte es lange, bis ich so einige Lebensmittel zusammen bekam, ich erntete bei dem ständigen Vergleich mit meinem Zettel auch komische Blicke. Nach einiger Zeit trat eine Verkäuferin auf mich zu und fragte, was ich denn da so mache. Ich habe ihr die Situation erklärt. Sie fing an zu lachen und meinte, da hätte sich der Chef wohl umsonst Sorgen um Betriebsspionage gemacht!

Für die Einzelberatung bereite ich auch immer eine individuelle, vor allem aktuelle Einkaufsliste vor, denn eine Karenz kann einfach leichter begonnen werden, wenn ich gezielt geeignete Lebensmittel für die ersten Tage einkaufen kann ohne den vorab erwähnten Stress. Bis vor kurzem habe ich dazu problemlos Auskünfte der Hersteller bekommen, meist in Form von ausführlichen Zutatenlisten. So konnte ich dann die gewünschten Angaben heraussuchen, ohne stundenlang auf den Bildschirm starren zu müssen. Leider sparen heute viele Firmen, sodass diese Listen in den meisten Fällen nicht mehr erstellt werden. Andere Firmen weigern sich generell und verweisen auf die Zutatenangaben auf den Produkten. Ich antworte dann immer, ob man sich schon mal die Horden von Allergikern vorgestellt haben, die in den Läden „herumstehen“ und erst einmal sorgfältig die Zutatenangaben studieren müssen? Und das bei Tausenden von Produkten eines Marktes? Fast nie bekomme ich darauf eine Antwort. Klar gibt es das Internet und ich wette, Sie sind immer noch dabei, alle Produkte von Knorr, Dr. Oetker, Eden……. auf Verträglichkeit hin zu überprüfen!?
 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung sowie die besten Wünsche für das neue Jahr gehen an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de


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