});

Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (25)

Wussten Sie schon, …

dass auch Neugeborene und Säuglinge bereits eine Kontaktallergie entwickeln können? Kontaktallergien sind bei Kindern häufiger als bisher angenommen. So können z.B. schon die Namensbändchen im Krankenhaus bei einem Neugeborenen ein Kontaktekzem auslösen. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass 13-25 % der gesunden Vorschul- und Schulkinder eine Sensibilisierung aufweisen, die aber nicht immer behandlungsbedürftig ist, z.B. weil sich der Auslöser gut meiden lässt oder nur kurzfristig bestand. Bei positiv getesteten Kindern unter 18 Jahren waren etwa 13 % ohne Beschwerden und bis zu 71 % mit einer bereits bekannten allergischen Erkrankung. Eine behandlungsbedürftige Kontaktallergie lag bei 25-90 % der getesteten Kinder vor. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen, was z.T. auch hormonell bedingt ist.

Ein durch die Menses erhöhter Hormonspiegel kann den Allergietest gravierend beeinflussen, so dass es zu falsch positiven Ergebnissen kommen kann. Auch sind, allerdings selten, sowohl bei Mädchen in der Pubertät als auch Frauen allergische Reaktionen (meist in Form von aufflammenden Ekzemen) auf den veränderten Hormonhaushalt möglich. Die Beschwerden begrenzen sich aber dann auf die Zeit der Regelblutung.

Mit dem Begriff Kontaktekzem werden Unverträglichkeitsreaktionen benannt, die durch physikalische oder chemische Einwirkung auf die Haut entstehen. Nicht alle Kontaktekzeme entstehen durch eine Allergie, einige sind schlicht das Resultat einer „Überdosierung“ eines problematischen Stoffes. Eine Kontaktallergie entsteht durch ständigen Hautkontakt zu einem Allergen. Das Kontaktekzem ist meist auf ein bestimmtes Hautareal beschränkt. Je nach Stärke der Reaktion kann es zu nässenden Pusteln, Ödemen, ausgeprägtem Juckreiz oder brennenden Missempfindungen kommen. Ein kurzzeitiger Kontakt lässt das Ekzem schnell wieder abklingen, dauernder Kontakt führt zu einem chronischen Ekzem mit sich ausbreitendem Erscheinungsbild. Dazu gehören auch extrem trockene, raue, schuppige, faltige oder sich verhärtende, knotige Kontaktstellen mit schmerzenden Einrissen (Hände, Augenregion, Nacken usw.) sowie Ekzeme um den Mund (periorale Dermatitis).

Kontaktekzeme unterscheiden sich nach Allergen und betroffener Körperstelle. Sie treten je nach Art binnen 24 Stunden auf und erreichen nach 48-72 Stunden ihr Maximum, wobei aber auch Spätreaktionen nach 96 Stunden möglich sind. Bei Kindern sind die häufigsten Auslöser Nickel (Ohrringe, Kettchen, Hosenknöpfe, Gürtelschnallen, Handymaterial), Duftstoffe (z.T. auch Perubalsam), Gummiinhaltsstoffe (Regenkleidung, Gummistiefel, Knieschützer, Luftballons, Gummibänder in Strümpfen etc.), Thiomersal (Konservierungsmittel in Cremes, Kontaktlinsen, Augentropfen, Impflösungen), Chromat (z.B. dunkle Textilien, Imprägnier-mittel in Lederschuhen), Kolophonium (u.a. Kleber, Pflaster, Musikinstrumente, Isolierband, Kosmetik), Arzneimittel (antibakterielle Salben, Antihistaminika) und pflanzliche Zusatzstoffe (Wollwachs, Kamille, Henna).

Nickel ist auch bei Kindern mit Abstand das häufigste Allergen. Eine Nickelallergie zeigt sich häufig an den Ohren, Handgelenken, im Nacken sowie als wässrige Knötchen unter der Haut, ruft aber auch Reaktionen über das Magen-Darm sowie das zentrale Nervensystem hervor (Nickelionen binden sich an die Nervenenden). Wenn sich das Ekzem nicht nur auf einen bestimmten Bereich begrenzt, sondern auch dort Reaktionen hervorruft, wo kein direkter Hautkontakt mit Nickel zustande kommt, sollte an eine Unverträglichkeit von nickelreichen Lebensmitteln gedacht werden. Hier kann eine nickelarme Ernährung zu Symptomfreiheit verhelfen. Nickelreich sind z.B. Vollkorn jeder Art, Kakao, Hülsenfrüchte, Brokkoli, Nüsse. Statt blind ideologischen (oft sinnfreien) Ernährungsvorschriften zu folgen, ist es Zeit, manche Ernährungs- und Verhaltensweisen neu zu überdenken und den kleinen Allergiker bzw. sein überlastetes Immunsystem mit einer allergenreduzierten Ernährung zu entlasten.

Merken Sie? Das sind sozusagen die Hauptbestandteile „moderner“, aber leider risikoreicher Ernährung. Denn Nickel wird nur in verschwindend geringer Menge als Spurenelement benötigt (ca. 5 µg/Tag), allein 100 g Kakao enthalten aber schon an die 1000 µg. Müsli mit Nüssen und Schokostückchen, Gebäck mit Kakao, Nüssen oder Nutella aufs Brot, da kommt schon was zusammen, nicht wahr?

Ich bekam im Alter von ca. 5 Jahren auf mein Drängeln hin von meiner Lieblingstante ein Paar Ohrringe geschenkt. Leider hatte ich nicht lange was davon, da sich an den Ohrläppchen nässende, später eiternde  Ekzeme bildeten. Heute weiß ich, dass damals der Grundstein für meine Nickelallergie (ausgeweitet auf Nickel in Nahrungsmitteln) gelegt wurde. Mein u.a. dadurch ausgelöstes chronisches Handekzem, an dem ich fast 20 Jahre litt, wurde vom Hautarzt als typisches „Hausfrauenekzem“ abgetan, obwohl ich dank einer fleißigen Schwester bis dato keinen Handschlag im Haushalt machen musste. Die Diagnose Nickelallergie wurde erst Jahre später von einem versierten Allergologen gestellt.

Bei einem chronischen Handekzem entwickelt sich häufig eine „Pfropfsensibilisierung“ auf  Inhaltsstoffe von Salben, Hautschutz- und anderen Pflegestoffen wie z.B. Duftstoffe oder Konservierungsmittel. Deshalb sollten auch bei Kindern auffällig trockene, rissige Hände bzw. Handekzeme frühzeitig erkannt und vor allem die Ursache beseitigt bzw. behandelt werden, um spätere teure Behandlungen, eventuell berufliche Umschulungen usw. vermeiden zu können.

Konservierungsmittel lösen bei Kindern z.B. Ekzeme im Gesicht, an den Armen sowie im Gesäß- und Windelbereich aus. Duftstoffe wirken auf die Schleimhäute der Atemwege, Ekzeme um den Mund und an den Füßen weisen auf Gummiinhaltsstoffe, bedenkliche Kleber (Schuhe) bzw. Chromat hin. Ekzeme auf der Kopfhaut können von pflanzlichen Zusatzstoffen ausgelöst werden (z.B. Wollwachs in Shampoos, Pflegelotionen, Kindercremebad). Pflanzliche Zusatzstoffe wie Wollwachs (Lanolin) spielen eine zunehmende Rolle, da viele Neurodermitiker schon frühzeitig mit fettreichen Salben behandelt werden (z.B. Linola Fett, Neuroderm u.a.), die empfindliche, oft rissige Haut nimmt so aber die bedenklichen Inhaltsstoffe auf. Wollwachs ist ein Hauptbestandteil von Pflegecremes für Kinder. Eines der häufigsten Kontaktallergene –Bufexamax- ist mittlerweile verboten.

Apropos Kontakt: Großes Schild auf der Damentoilette einer Raststätte: „BITTE die WC-Bürste benutzen! Danke.“ – Darunter: „AUUUUA!“

Um dem Auslöser des Ekzems auf die Spur zu kommen, ist eine ausführliche Anamnese und das „klinische Bild“ ausschlaggebend, d.h. wie ausgeprägt ist das Ekzem, an welcher Stelle tritt es auf usw. Ein Hauttest (Epikutan) kann ein von außen wirkendes Allergen erkennen, der Test empfiehlt sich aber erst ca. 3-6 Wochen nach Abklingen des Ekzems, da es sonst zu falschen Ergebnissen kommen kann. Medikamente oder cortisonhaltige Salben müssen vorher abgesetzt werden. Auch für Kinder gibt es eine geeignete Testreihe, die u.a. Nickelsulfat, Kolophonium, Thiuram, Duftstoffmix, Wollwachs und andere bei Kindern wahrscheinliche Allergene enthält. In Einzelfällen können auch andere Produkte oder Stoffe getestet werden, die der Patient als Testmaterial mitbringt. Daneben muss und kann der Facharzt andere Ursachen für ein Ekzem (z.B. Nahrungsmittel) abgrenzen. Die Behandlung besteht im günstigsten Fall in einer vollständigen Karenz, manchmal muss mit Medikamenten oder genau abgestimmten Salben lindernd nachgeholfen werden. Vor allem sollte bei den kleinen Allergikern vorsorglich auf duft- und konservierungsmittelhaltige Stoffe verzichtet werden.

Die drei Erkenntnisstufen der Medizin:
Früher: „Das ist nicht wahr.“
Gestern: „Das ist nicht so wichtig.“
Heute: Das ist weiter nichts Neues.“

Nickelallergien sind bereits bei Kindern weit verbreitet, der Kinderarzt tut sich aber meist schwer, diese Diagnose überhaupt in Betracht zu ziehen bzw. seinen Patienten frühzeitig an einen Facharzt weiterzugeben. Behandlungsresistente Ekzeme werden mittels Cortison „in Schach“ gehalten, Eltern immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht immer alles eine Allergie ist und man „damit leben muss“. Doch muss man das wirklich? Fällt es schon schwer, Nickel als Ekzemverursacher bei Kindern zu vermuten (eigentlich ein typisches Berufsallergen), so wird Nickel in Nahrungsmitteln als Auslöser schlicht verleugnet. Sicher, einen funktionierenden Allergietest auf Nickel in Nahrungsmitteln gibt es nicht und nur eine nickelarme Ernährung über mindestens 3 Monate bringt Klarheit, aber bei der heutigen Ernährungsweise mit viel Vollkorn, Nüssen, Kakao usw. (siehe auch meine Infos bei www.nickelfrei.de) sollten auch beim Kinderarzt mal die Scheuklappen fallen. Nickel hat viele verschiedene Gesichter, ein krasses Beispiel nenne ich hier, weitere werden sicher folgen.

Nickel und Bulimie – des Wahnsinns fette Beute

C. hatte schon als Säugling dank der vollkornlastigen Ernährung durch die gesundheits-bewusste Mutter unter extremen Blähungen zu leiden, neben ausgeprägten, latent vorhandenen Ekzemen kamen später häufige Infekte und eine Frühblüher- und Gräserpollenallergie. Die begonnene Hyposensibilisierung per Tropfen musste irgendwann wegen starker Reaktionen abgebrochen werden. Mit 15 Jahren bekam sie eine schwere Grippe, seitdem hatte sie ständig Übelkeit, Kopfschmerzen und verlor in kurzer Zeit viel Gewicht, obwohl sie weiterhin alle Mahlzeiten zu sich nahm. Wegen angeblicher Magersucht wurde sie auf Veranlassung besagter Ärztin einer Kinderklinik vorgestellt. Dort hielt man trotz gegenteiliger Beteuerungen von Mutter und Tochter eine Essstörung – Bulimie – (43 Kilo bei 165 cm) für die Ursache. Unter Überwachung der Ernährung inklusive Wiegen nach jeder Mahlzeit  magerte sie immer weiter ab. Sie wurde dann schließlich ohne Befund entlassen, da die Diagnosen Magersucht oder Essstörung nicht bestätigt werden konnten. Man schob die Beschwerden kurzerhand auf die Geburt des jüngsten Geschwisterkindes und empfahl zur weiteren Behandlung einen Psychologen. Der Mutter fiel dann irgendwann auf, dass die Übelkeitsanfälle immer nach einer Mahlzeit mit Getreide (immer noch aus Überzeugung Vollkorn) auftraten und ging mit der Tochter in eine Fachklinik für Allergien. Nach 6 Wochen intensiver Testung stand fest, dass C. unter einer ausgeprägten Nickelallergie litt. Eine nickelarme Ernährung ließ dann sowohl das chronische Ekzem abheilen als auch die „Magersucht“ verschwinden.

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 


Das könnte Dich auch interessieren:

  1. Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (22) Wussten Sie schon, … dass die BARMER GEK laut der...
  2. Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (20) Wussten Sie schon, … dass auch Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen und...
  3. Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (24) Wussten Sie schon, … dass eine Verordnung des Reichsgesundheitsministers der...
  4. Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (16) Wussten Sie schon, … dass Metallallergien beim Versagen von Metall/Metall-Endoprothesen...
  5. Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (21) Wussten Sie schon, … dass eine Urlaubsreise für Allergiker gut...

Kommentare sind geschlossen.