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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (22)

Wussten Sie schon, …

dass die BARMER GEK laut der Mitgliederzeitschrift „Gesundheit konkret“ (3/13) mit dem Paed.Check (Paedriatie=Kinderheilkunde) die Vorreiterrolle bei der lückenlosen Versorgung von Kindern und Jugendlichen übernehmen will? Das vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) entwickelte Konzept will zielgenauer auf den Gesundheitszustand und das Krankheitsspektrum von Kindern und Jugendlichen eingehen und umfasst alle Kinder und Jugendliche von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr.

Das bis dahin seit mehr als 40 Jahren unveränderte gesetzliche Angebot der Krankenkassen wurde bereits 2008 von der BARMER um zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen erweitert (so z.B. die J2 für Jugendliche), nun soll auch den zunehmenden Entwicklungsstörungen, chronischen Erkrankungen und psychosozialen Störungen Rechnung getragen werden. Die wichtigsten Extras sind neben den U10 (Grundschule), U11 (Schüler), J2 (Jugend) vor allem die Förderung der frühkindlichen Zahngesundheit, Transition (Übergabe chronisch kranker Kinder und Jugendlicher von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin), nasale Grippeimpfung und Rotavirenimpfung sowie kürzere Wartezeiten und umfangreiche Untersuchungen (wie das bewerkstelligt werden kann, wird sich zeigen).

Krank liegt der Student im Bett. Ein Mädchen will ihn besuchen. „Der Herr hat Grippe“, sagt die ältere Dame, als sie die Tür öffnet. „Ich bin seine Schwester“. „Das ist aber nett“, sagt die Frau, „dass ich Sie kennen lerne. Ich bin seine Mutter“.

Der wichtigste Punkt aber ist neben den erweiterten Früherkennungsuntersuchungen das sogenannte „Präventionsrezept“. Dr. Klaus Rodens vom BVJK: „Für uns als Fachärzte war es deshalb besonders wichtig, die Primärprävention auszubauen. D.h. wir fahnden nicht nur nach bereits vorhandenen Entwicklungsstörungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, sondern versuchen möglichst ihre Entstehung von vornherein zu verhindern.“ Erkennt der Arzt Symptome, die auf eine chronische Entwicklung hindeuten, kann er das Kind an spezielle gesundheitsfördernde Maßnahmen überweisen, die auf eine „dauerhafte Änderung des Lebensstils“ abzielen. Leider werden hier vor allem z.B. der exzessive Umgang mit Medien (Fernsehen, Computer) oder Übergewicht durch mangelnde Bewegung genannt, nicht aber speziell Allergieprävention oder Beratung zur Karenz (wohl auch eine Frage der Interpretation).

Das bisherige gelbe Heft wird durch das erweiterte Vorsorgeheft Paed.Plus ersetzt. Um dieses im Grundgedanken hilfreiche Konzept umsetzen zu können, werden Elternfragebögen wichtige Indizien liefern, Jugendliche füllen die Fragebögen selbst aus. Hier werden Auskünfte zu altersspezifischen Verhaltensweisen des Kindes erfragt, aber auch Familiensituation, Erziehungsstil und soziales Umfeld („gläserne Familie“). An diesem Programm können alle Eltern teilnehmen, die mittels einer schriftlichen Erklärung gegenüber der Krankenkasse, die zusammen mit dem Arzt erstellt wird, die Vorteile des erweiterten Kinder- und Jugend-Programms wünschen.

Man kann gespannt sein, was diese Neuerung für den chronisch kranken Allergiker bringt. Als chronische Krankheit wäre als erstes die Neurodermitis zu nennen. Obwohl nahezu jedes zweite Kind (40 %) an Neurodermitis erkrankt, beschränkt sich die Aufklärung über die Ursachen, Symptome und Folgeerkrankungen (Heuschnupfen, Asthma) eher auf die Gabe von Salben. Hierzu habe ich ja schon häufiger sinnfreie Sprüche mancher Ärzte veröffentlicht. Wie sagt Dr. Rodens weiter: „Wir sind die einzige Facharztgruppe, die speziell dafür ausgebildet ist.“ Und: …..„In die erweiterten Kinder- und Jugenduntersuchungen haben die beteiligten Kinder- und Jugendärzte viel Herzblut und Hirnschmalz (!) hineininvestiert….“ Ob das hilft? Man wird sehen. Sicher werden – wie bisher – die „Empfangsberechtigten“ des Präventionsrezeptes von Terminkalendern und übervollen Praxen ausgebremst. Vor allem: wie will man chronisch kranken Neurodermitikern/Allergikern helfen? Durch noch mehr allgemein gehaltene Broschüren oder zeitlich begrenzte Beratungen (10 statt bisher 5 Minuten)? Wie die allgemeine Praxis trotz schöner Worte derzeit funktioniert, davon können sicher viele Eltern ein Lied singen. Oder fühlen Sie sich vom Kinderarzt bestens informiert, um eine chronische Entwicklung der allergischen Erkrankung Ihres Kindes dauerhaft zu verhindern? Nicht von ungefähr entwickeln bis zu 50 % aller Neurodermitiker als Folge einen Heuschnupfen und daraus ein Asthma. Herr Rodens bzw. die BARMER GEK haben sicher nur das schnelle Abwickeln übergewichtiger oder mediensüchtiger Kinder im Blick, ab in die Sportgruppe und dann wird das (Kind) schon laufen.

Da kennen die Experten wohl auch nicht einen speziellen fachärztlichen Kollegen aus dem Sauerland. Dieser diagnostizierte kürzlich erst nach langem Zögern eine ausgeprägte Neurodermitis als solche, die Beschwerden traten bereit kurz nach der Geburt auf (Milchschorf, Ekzeme) und betrafen mittlerweile den gesamten Körper. Das Kleinkind wurde in den ersten 7 Monate mit wechselnden, zink- und auch cortisonhaltigen Salben erfolglos behandelt. Man sollte doch meinen, dass die „spezielle Ausbildung“ auch beinhaltet, bei chronischen Ekzemen auch die (eventuell allergene) Ernährung in Betracht zu ziehen (in den ersten zwei Lebensjahren ist die Neurodermitis immer mit einer (Nahrungsmittel)-Allergie gekoppelt). Gerade bei Babys/Kleinkindern kommen nur ein, zwei bestimmte Allergene in Frage und die gilt es doch erst zur Absicherung zu meiden, bevor schwere Geschütze aufgestellt werden. Doch das Fachwissen beschränkte sich auf die Behandlung der Hautoberfläche. Auch die absolut fehlende Besserung (im Gegenteil rapide Verschlechterung) ließ ihn nicht zaudern. Da in der hiesigen Kinderklinik kein Platz in der sogenannten Neurodermitissprechstunde (Hauptaugenmerk liegt hier leider auf der Anleitung zu Salbenumschlägen) zu bekommen war, wurde der kleine Patient stationär eingewiesen. Doch leider wurde auch dort nur oberflächlich mit Salben und wegen einer mittlerweile aufgetretenen Superinfektion mit Cortison behandelt (Fachwissen?). Durch den Tipp einer anderen betroffenen Mutter kam die Mutter des kleinen Patienten in meine Beratung. Nach einer Ernährungsumstellung konnten bereits nach wenigen Tagen sichtbare Besserungen festgestellt werden.

Von einem Facharzt mit „Spezialausbildung“ lt. Herrn Rodens wurde die Mutter eines 2jährigen Kindes auf die Pubertät vertröstet, da „gehe das (Neurodermitis) schon mal von selbst weg“. Ein Besuch beim Allergologen „ist aber nicht notwendig, der wüsste auch nicht mehr“. Der trotzdem hinzugezogene Allergologe konnte dann den auslösenden Faktor Kasein, Ei, Erdnuss nachweisen.

Ebenso beschränktes Fachwissen (allerdings umgekehrt) bewies ein anderer hiesiger Kinderarzt, der obligatorisch bei allen kleinen Patienten eine Milchkarenz anordnet (und dies mit dem gewinnträchtigen IgG4-Test untermauert), so auch bei einem stark mit Ekzemen befallenen Kind von1 Jahr. Da trotz Karenz keine Besserung eintrat, konnte auch gleich die Privatkasse des Arztes mit diversen weiteren Leistungen gefüllt werden, leider (oder voraussehbar) auch diese ohne Erfolg. Auch diese Mutter fand den Weg zu mir. Bei Nachfragen stellte sich heraus, dass der Kleine hauptsächlich „vollwertig“ ernährt wurde. Durch eigene Erfahrung hellhörig, empfahl ich einen Allergietest auf Nickel, natürlich bei einem Facharzt (Allergologe). Tatsächlich konnte schon bei diesem kleinen Kind eine starke Nickelsensibilisierung nachgewiesen werden. Unter einer nickelarmen Ernährung setzte sehr schnell eine völlige Beschwerdefreiheit ein.

So kann man es auch sehen
Eine Mutter war mit ihrem stark ekzembefallenen Kind beim Kinderarzt. Diagnose: „Das ist ein Atopisches Ekzem, ob das mal eine  Neurodermitis wird, kann man noch nicht sagen“. Anmerkung: Atopisches Ekzem ist nur eine weitere Bezeichnung für Neurodermitis.

 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung geht an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de

 


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