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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (21)

Wussten Sie schon, …

dass eine Urlaubsreise für Allergiker gut bedacht sein sollte? Schließlich ist nicht jedes Urlaubsgebiet, nicht jede Jahreszeit und vor allem nicht jede Unterkunft geeignet. Auch Flugreisen müssen gut geplant sein, denn neben Schad- oder Duftstoffen, ja sogar Insektiziden in der Flugkabine (Einsatz obligatorisch bei Langstreckenflügen) kann auch die Ernährung während eines Langstreckenfluges sowohl den Allergiker als auch das Flugpersonal bzw. das Angebot der Bordküche so manchen an seine Grenzen bringen. Daneben erfordert die jeweilige Art der Allergie generalstabsmäßige Vorbereitungen, um die Urlaubstage stress- und allergenfrei genießen zu können.

Zunächst ist die Wahl des Urlaubsgebiets maßgebend für den gewünschten Erholfaktor. So sind Pollenallergiker am besten an der Nordsee (Dänemark, Niederlande, Belgien, Frankreich, englische Küste), Ostsee, nord- und ostfriesische Inseln, Helgoland, bayrische Alpen, spanischen und italienischen Küste, Mittelmeerraum (Capri, Sizilien, Kreta, Sardinien, Zypern, Menorca, Djerba, Korsika u.a.) und vor allem Island (kaum Baum- oder Gräserpollen) aufgehoben. Beachten Sie, dass die Blütezeit innerhalb von Europa z.T. mit 4-wöchiger Verzögerung eintritt. Quasi pollenfrei sind Ägypten, Israel, Nordafrika, generell karge Regionen, Küstenregionen mit auflandigem Wind, Türkei, Australien, Florida, tropische Länder, Lateinamerika, Fernost. In Europa gelten als nahezu pollenfrei alle Gebirge ab 1000m (gänzlich pollenfreie Gebiete ab 1800 m), Island, Nord- und Ostdeutsche Inseln (weniger Pollen, pollenfrei bei Wind aus Richtung See), kleinere Inseln im Mittelmeer (z.B. Malta, griechische Inseln), Kanaren.

Hausstaubmilbenallergiker finden ideale Bedingungen in den bayrischen Alpen, Österreich und der Schweiz. Je höher die Lage des Ortes, je weniger Milbenvorkommen, denn die Luftfeuchtigkeit nimmt mit der Höhe ab. Milben bevorzugen aber hohe Luftfeuchtigkeit. Unter Umständen ist es sinnvoll, eigene Encasings mitzubringen und für die Dauer des Aufenthalts die Hotelbetten damit auszurüsten. Auch Schimmelpilze, die an sich überall vorkommen, werden bei hoher Luftfeuchtigkeit deutlich dezimiert. Ansonsten sollten Komposthaufen oder Abfallbehälter in der Nähe des Hotels/Ferienwohnung/Pension gemieden werden. Wichtig zu wissen wäre auch, ob Zimmerpflanzen, Luftreiniger oder Klimaanlage vorhanden sind bzw. abgeschaltet werden können, das Bad ein Fenster hat oder wie alt die Matratzen sind und wann zuletzt renoviert wurde.

Ein überempfindliches Bronchialsystem oder eine Tierhaarallergie erfordern keine besondere Ortswahl, allerdings sind eventuelle Schadstoff- oder Duftstoffkontakte zu meiden wie z.B. Duftstoffanpflanzungen (Lavendelanbau in Frankreich), Industrieregionen, Hotel/Pension an einer vielbefahrenen Straße (Feinstaubbelastung), allgemeine Duftstoffkontakte (z.B. parfümierte Hotelräume), Zigarettenrauch oder Tierhaarkontakte, vor allem auf Bauernhöfen mit Viehhaltung. Bei Asthma bronchiale sollte ein trockenes Klima bevorzugt werden, z.B. Kanaren, Balearen oder westliches Mittelmeer, bei allergischem Asthma z.B. Nordsee oder Hochgebirgslagen.
Übrigens: Tierhaarallergiker haben bei Flugreisen kein Recht auf einen Sitzplatz fernab von z.B. Hunden. Der medizinische Dienst der Lufthansa z.B. rät sogar zu einer Cortisontablette vor Flugbeginn! Nur wenn ein allergischer Notfall während des Fluges auftritt, kann der Betroffene lt. einschlägiger Gerichtsentscheide die Unterbringung des Tieres in ausreichender Entfernung verlangen.

Urlaubsreisende mit Chemikaliensensibilität erwartet leider nur in wenigen ausgewählten Häusern entspannte Ferien, da eine Vielzahl an Kriterien zu erfüllen ist. So z.B. bereits die Anreise, wenn  Bahnabteile oder Flugzeuge nicht beduftet sein sollten. Weitere Fragen wirft die Unterkunft auf, wie ist z.B. die Lage der Unterkunft (Hochspannungsleitungen? Funkantennen?), ist es ein Nichtraucherhotel, wann wurde zuletzt renoviert, werden duftstofffreie Wasch-, Pflege- und Putzmittel benutzt, gibt es eine strahlungsarme Telefonanlage und können eventuell vorhandene Halogenlampen ausgetauscht werden? Generell wird die Suche nach geeigneten Unterkünften erleichtert auf www.oeko-planet.de/urlaub-allergie/index.php , dort sind u.a. allergikergerechte Unterkünfte aufgelistet. Hilfe bietet auch der DAAB e.V., Mitglieder erhalten in ausgewählten Unterkünften Rabatt. Einzelne Adressen oder Übersetzungen gängiger Lebensmittel können auch bei mir erfragt werden.

Nahrungsmittelallergiker können ihren Urlaubsort ebenfalls frei wählen, sie müssen ihr Augenmerk eher auf das Nahrungsmittelangebot des Ortes/Hotels etc. richten. Der Leitspruch erfahrener Reisender ist: „Koch es, brat es, schäl es – oder vergiss es“. Weitere Kriterien sind: gibt es Einkaufsmöglichkeiten am Ort? Sind Gaststätten/Hotels auf Allergiker eingerichtet? Ist geschultes oder zumindest lernwilliges Personal vorhanden? Werden die Speisen vollständig deklariert bzw. ist eine individuelle Speisezubereitung möglich?
Der Anbieter glutenfreier Lebensmittel, Dr. Schär (und Glutano), will Betroffenen (in Kooperation mit der Deutschen Zöliakiegesellschaft) das Leben leichter machen. Dazu kann im Internet unter www.glutenfreeroads.com nach Hotels, Supermärkten und Restaurants gesucht werden, die sich im gewünschten Gebiet befinden und in denen glutenfreie Speisen angeboten werden. Weitere Tipps für Nahrungsmittelallergiker finden Sie auch in meinen bisherigen Kolumnen.   

Nicht jede Fluggesellschaft ist bereit, Allergikerkost anzubieten, so verweigern dies z.B. German Wings und Germania. Bei TUI, Lufthansa, Airberlin, IBERIA, Aeroflott besteht die Möglichkeit, bei der Buchung auf Unverträglichkeiten und Allergien hinzuweisen und spezielle Gericht vorzubestellen. Swiss Air bietet bereits Menüs ohne Milch, Laktose, Ei, Weizen und Gluten an, auch ohne Vorbestellung! Viele Fluggesellschaften haben generell laktosefreie Menüs an Bord. Alle Fluggesellschaften reichen nuss- bzw. erdnusshaltige Snacks, auch bei vorherigem Hinweis auf Unverträglichkeit! Eine informative Broschüre „Allergikergerechte Flugreisen“ bietet z.B. der DAAB e.V., einfach anfordern unter info@daab.de. Im übrigen sollte man trotz vorheriger Information bei Ankunft an Bord nochmals kritisch nachfragen, über den Wolken ist es für einen Alternativplan zu spät. Wenn alle Stricke reißen: Mit einem Attest vom Arzt darf in der Regel die Allergikerkost auch von zu Hause mitgebracht werden.

„Unser Wellensittich ist weggeflogen“, sagt die Mutter, als Moritz aus der Schule kommt. „Dieser Schlawiner! Deshalb hat er mir gestern, als ich Hausaufgaben gemacht habe, immer über die Schulter in den Atlas geschaut.“

Bei Reisen ins Ausland kann ein Allergieausweis in der entsprechenden Landessprache erstellt werden, so z.B. unter www.allergieausweis.de in den Sprachen Dänisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Kroatisch, Italienisch, Portogiesisch, Spanisch und Türkisch. Die Übersetzungen wurden in Zusammenarbeit mit Ärzten entwickelt. Ein Ausweis in einer Sprache kostet 4,95€, bis zu 10 Sprachen kosten 9,95 €. Für weitere 2,95 € gibt es zusätzlich den Zugang zu einer Website, auf der sich der fremdsprachige Arzt einloggen und in der zum Allergieausweis passenden Sprache rund 1.000 Fragen zur Anamnese stellen kann, die der Patient dann auf Deutsch lesen kann.

Im Kurort sagt der Einheimische zu einem Gast: „Das Klima ist hier ausgezeichnet. Als ich ankam, konnte ich nicht sprechen, nicht laufen und hatte keine Haare.“ – „Donnerwetter! Wie lange sind Sie denn schon hier?“ – „Seit meiner Geburt.“

Nachdem ich in der Kolumne Nr. 15 auf ein äußerst negatives Beispiel einer allergikergerechten Unterkunft eingegangen bin, will ich heute gerechtigkeitshalber von einem überragend guten Beispiel berichten. Mitte Mai 2013 war ich (wieder mit unserer VdK-Gruppe) in Bad Königshofen, dem kleinsten Bad in Bayern/Unterfranken, einem idyllischen und sehr gastfreundlichen Ort. Nach meinen Erfahrungen im Vorjahr trat ich die Anreise sehr skeptisch an und war auf alles gefasst (dachte ich). Was mich tröstete, war der Gedanke, dass in einem Kurort wohl genügend Lokale zur Verfügung stehen, in denen ich mein Glück versuchen konnte, wenn es mit der Verpflegung im Hotel Ebner nicht klappt (gebranntes Kind…). Doch zu meiner Überraschung und großen Freude bin ich so was von verwöhnt worden. Nicht nur, dass der Koch schnell und kreativ auf meine speziellen Wünsche einging, ja, ich musste weder auf Vorspeise noch Nachtisch verzichten, alles war optimal zubereitet. Beim Frühstück fand ich meine (gekennzeichnete) Margarine schon am Platz vor, das Büffet hatte genügend Auswahl für mich und der Kaffe (Nickelallergiker aufgepasst) wurde in Porzellankännchen serviert! Zum Wahnsinnsservice gehörte sowohl das frische Zubereiten von milch-eifreien Nudeln für die Suppe als auch das selbst hergestellte Eis, eine Kreation aus gefrorenen und halbgefrorenen verträglichen Früchten! Einen vierten Stern hat sich das Hotel allein dafür verdient! Das Hotel verdient daneben natürlich auch Komplimente für Gastfreundlichkeit und das „Drumherum“, sprich Rolli-Rampe/Fahrstuhl, Biergarten, Tanzmusik (ich steh ja eher auf Linkin Park, aber man kann nicht alles haben), hauseigenes Hallenbad sowie einen Wellnessbereich mit Fließwasser im idyllischen Garten inklusive der Pfauen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Auch für Kinder ein wahres Paradies.

Fazit: Man sollte nie „nie“ sagen. Meine feste Überzeugung, dass Urlaub für mich immer ein unkalkulierbares Abenteuer bleibt, wurde hier in den Grundfesten erschüttert. Mein Kompliment an die Eignerfamilie Klaus Ebner, das hat noch kein Hotel so wunderbar hingekriegt! – Ach, und falls Sie mal in der Nähe sind und Gelegenheit haben, bei einem Konzert die Hallbach Rebellen zu sehen (mit der Marienlieder-Polka!), achten Sie mal auf den jüngsten Nachwuchs. Eine Musikerin brachte ihre ca. 3jährige Tochter mit (einschließlich Mini-Stühlchen), die ganz konzentriert auf ihrer Mundharmonika spielte, ab und an mal einen liebevollen Knuff von der Mutter bekam, wenn sie zu laut wurde, aber alles in allem den Musikvereinen Hoffnung gibt, dass auch der Nachwuchs immer mit Freude dabei ist. Wir waren jedenfalls begeistert.
 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de


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