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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (19)

Wussten Sie schon, …

dass von der belgischen Skeptikerorganisation SKEPP für den Nachweis paranormaler Fähigkeiten ein Preisgeld in Höhe von 1.000.000 € ausgelobt wurde? Der Wettbewerb läuft noch bis zum 30. September 2013. Wie ich ja schon in anderen Kolumnen erwähnt habe, tummeln sich viele Anbieter auf dem Markt der sogenannten Suggestivbehandlungen. Jeder verspricht „Heilung“, bisher konnte aber niemand den Nachweis einer Wirkung über den Glaubensaspekt hinaus erbringen. Wie schon seit vielen Jahren besteht für Anbieter solcher sogenannten alternativen Methoden die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Überprüfung, versierte Prüfexperten sind Dr. Rainer Wolf und Dr. Martin Wahner. Sie arbeiten zusammen mit der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“, kurz GWUP („Die Skeptiker“), die, wie auch andere europaweite Skeptikerorganisationen, SKEPP bei der Durchführung der Tests unterstützen.

Am 4. März 2013 stellten sich zwei Bewerber den genormten Testanforderungen. Als erster präsentierte ein Kandidat seine Methode der Ortung eines Handys in Stand-by-Modus (Strahlung) mittels Doppelrute aus Draht. Dazu brachte er zehn Margarinebecher sowie zehn Fliesen (irdenes Material) mit, um die Becher damit abzudecken. Dem 1-aus-10-Verfahren entsprechend wurde vor jeder Runde ausgelost, in welchen Becher das Handy gelegt wurde. Die anderen Becher blieben jeweils leer. Von insgesamt 13 Durchgängen sollten mindestens 7 Treffer erfolgen, damit der Kandidat zum Haupttest nach Belgien konnte. Der Kandidat (Gerhard R.) schaffte mit 4 Treffern einen neuen Rekord, bisher gelang das nur 3x, die Zufallserwartung lag bei 1,3. Zweifel über die Rutenmethode kamen dem Kandidaten nicht, er meinte vielmehr, dass er seine Methode eben noch verbessern müsste.

Ein anderes Kaliber war Kandidat Nummer zwei: Burkhard K. bezeichnet sich als Heiler und Medium. Er sei „spirituell“ geführt und könne dies nutzen, um „jedes von der Industrie oder der Natur erzeugte Produkt auf seine Reinheit, Verträglichkeit oder Schadstoffbelastung“ hin zu prüfen, auch wenn das Produkt abgedeckt sei. Man einigte sich auf einen mit Insektengift besprühten Apfel. Das Apfelstück kam in ein Marmeladenglas mit Schraubverschluss, damit keine Gerüche entweichen konnten. Anschließend wurde das Glas mit einer Pappschachtel abgedeckt. Der Test wurde mit dem oben beschriebenen 1-aus-10-Verfahren in 13 Durchgängen durchgeführt. Der Kandidat erwies sich bei der Durchführung als ungewöhnlich schnell, denn das Ergebnis wurde ihm quasi unmittelbar von seiner spirituellen Führung übermittelt – leider war die spirituelle Führung an diesem Tag etwas unaufmerksam, Herr K. erzielte statt der erwarteten 13 Treffer nur einen einzigen. Er zeigte sich sichtlich schockiert und kündigte an, seine Tätigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls einzustellen. Doch wie er später am Tag einer anwesenden Journalistin mitteilte, hat ihm zwischenzeitlich seine spirituelle Führung „erlaubt“, weiterzumachen. Na dann, Ende gut, alles gut.

Wer über aktuelle Hintergründe der Parawissenschaft und ähnliches informiert werden möchte, kann über e-skeptiker-abo@gwup.org einen kostenlosen Newsletter bestellen. Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt bietet die Aktion für Geistige und Psychische Freiheit im Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V.,  www.AGPF.de .

Über die suggestive Wirkung mancher Behandlungen haben wir ja schon gehört. Betreiber werden sicher sagen, dass nicht alles, was hilft, auch wissenschaftlich zu beweisen ist bzw. sein müsste. Zum Teil stimmt das auch, siehe Placebo- bzw. Nocebo-Effekte. Wer aber behauptet, dass seine Methode alles heilt (oder erkennt) von Allergie bis Zahnweh, darf sich nicht wundern, wenn ein Beweis gefordert wird. Der Beweis sollte dann auch Aussagekraft haben. Glauben und damit Nichtwissen haben im Mittelalter gereicht, heute sollte man sich kein X für ein U vormachen lassen. Der DAAB e.V. sagt dazu: „Neue Diagnosemethoden müssen sich an bewährten Verfahren messen lassen. Eine neue Behandlungsmethode muss in vergleichenden Untersuchungen wirksamer sein als ein Placebo.“ Auch wenn der Spruch „Probieren geht über Studieren“ durchaus praktischen Wert hat, kann hier das Ausprobieren wirkungsloser Methoden eine erfolgreiche, vor allem rechtzeitige sinnvolle Behandlung verhindern bzw. unnötig verzögern.

Oft verwundert, mit welchem Selbstbewusstsein da agiert wird, Selbstzweifel bestehen nie. Aber auch von Seiten der „Gläubigen“ verwundert das unbedingte Vertrauen in wissenschaftlich nicht bewiesene Methoden. Doch warum glauben Menschen so offenkundigen Unsinn? Die Ebene des Verstandes und der Vernunft bilden sich erst spät in der Entwicklung des Menschen. Bis dahin „glaubt“ er, was ihm vorgegeben wird, „das ist bzw. war schon immer so“ (besondere Gefahr der Manipulation). Der Mensch glaubt, was das Hirn ihn glauben lässt (Quelle: Warum der Mensch glaubt, Martin Urban, 2005). So kann sich der Mensch bei unvollständigen Informationen „ein Bild machen“. Das bewusste Ich lässt sich täuschen, auch wenn das Großhirn sagt: Das ist Quatsch. Wer das weiß, kann alle anderen manipulieren (siehe auch Kolumne Nr. 12 zu Suggestivbehandlungen).

Ein Kalenderblatteintrag bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen keine zusätzliche Schlauheit, keine neuen Ideen, wir brauchen nur weniger Dummheit.“

Als vor einigen Jahren auch im  hiesigen Raum alternative Behandlungsmethoden, in diesem Fall Bioresonanz, „modern“ wurde, tat sich ein Anbieter besonders hervor. Es gab praktisch keine Krankheit, die er nicht heilen konnte. In einem Vortrag vor einer Gruppe Interessierter sah er nirgendwo ein Problem (weder bei Diabetes, Herzinsuffizienz, Verlust einer Niere etc..), das nicht mit ein oder mehreren Sitzungen (und guter Bezahlung) behoben werden konnte. Dieses „Allmachtsgebaren“ ist übrigens einer der heftigsten Kritikpunkte zu den sogenannten Suggestivbehandlungen alternativer Anbieter.

Eine junge Mutter aus der Selbsthilfegruppe sah hier eine Möglichkeit, ihren mit Anaphylaxie reagierenden Sohn von seiner Kaseinallergie zu befreien. Nach der Sitzung war laut Anbieter die Allergie völlig weg und das Kind hätte nie mehr Beschwerden beim Verzehr von Milch. Die Mutter gab ihrem Kind zu Hause direkt ein Milchprodukt, glücklich, nun mehr keine Einschränkungen zu haben……..der Versuch endete im Krankenhaus, wo der Kleine wegen anaphylaktischem Schock behandelt werden musste. Einige Zeit später wurde dieser Anbieter (praktischer Arzt) von seinen Kollegen „gegangen“, nach Beschwerden bei der Ärztekammer wegen weiterer „Unfälle“ hat er sozusagen das Weite gesucht.

„ Der Mensch lebt durch den Kopf
Der Kopf reicht ihm  nicht aus….
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben
Allen Lug und Trug….“

Auszug aus „Dreigroschenoper“, Berthold Brecht

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 

 


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