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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (11)

Wussten Sie schon, …

dass sich die Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind e.V. (AAK e.V.) nach schwierigen Jahren aufgerappelt und unter dem Vorsitz der ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Marianne Stock weitermachen will?  Jetzt ist man fleißig auf der Suche nach neuen Mitgliedern und hofft gleichzeitig, dass auch ehemalige Mitglieder erneut mitmachen. Ob das gut gehen wird?

Die AAK e.V. hat sich seinerzeit aus der Zusammenarbeit betroffener Eltern allergiekranker Kinder gegründet, Sprecherin bzw. späterer Vorstand war Frau Marianne Stock aus Herborn. Unzweifelhaft hat die AAK e.V. viel bewegt, sowohl politisch als auch praktisch in der Selbsthilfe. Zu den vielfältigen Angeboten gehörten Infobriefe, Wochenendveranstaltungen zu allergierelevanten Themen, praktische Hilfe vor Ort sowohl in telefonischer Beratung als auch in Selbsthilfegruppen. Vielleicht ist es unvermeidlich, dass in einer straff organisierten Gruppe einer immer das letzte Wort hat und dadurch irgendwann glaubt, dass alle nach dieser Pfeife tanzen müssen. Ein Problem tritt aber dann auf, wenn Andersdenkende rausgemobbt werden. Ohne kritische Stimmen oder die Möglichkeit, Entscheidungen zu hinterfragen, entsteht eine Diktatur und die notwendige Kontrolle ist nicht mehr gegeben. Nur so ist es zu erklären, warum letztlich alles aus dem Ruder lief. Angefangen bei nur dem Worte nach Vorstandsmitgliedern, die immer nur soweit informiert wurden, wie es notwendig war, Unterschriften zu leisten hatten, aber keine Nachfragen geduldet bzw. Leute geschickt manipuliert und Kündigungen unterschlagen wurden (deshalb immer hohe Mitgliedszahlen.

Meine spätere Kündigung wurde auch mit weiteren Beitragsabbuchungen unterlaufen). Nicht zu vergessen der Neubau eines AAK-Hauses (nebenbei bemerkt ein wohldurchdachtes Haus), ohne dass tatsächlich die Kosten gedeckt werden konnten, Geldtransfers über private Konten, Strafantrag „aufgrund vielfältigen Fehlverhaltens der Vorsitzenden“ (Dezernat Wirtschaftsdelikte), Insolvenzverfahren usw. (der Bericht des Insolvenzverwalters umfasst 17 Seiten! Auszüge liegen mir vor). Inwieweit der Untreue- bzw. Betrugsverdacht ausgeräumt wurde, ist mir nicht bekannt, es scheint aber geklärt zu sein, sonst wäre Frau Stock sicher nicht die neue (alte) Vorsitzende, oder…? Als Mitglied des DAAB e.V. weiß ich, dass vor Jahren ein Rundschreiben darauf hinwies, dass alle Anfragen an die AAK über den DAAB laufen, die „Interessengemeinschaft AAK“ existierte 10 Jahre lang nur auf dem Papier. Die Homepage der AAK (mit überholtem Bild- und Infomaterial) suggeriert durchgehend eine funktionierende Organisation, es geht also mit maßlosen Übertreibungen munter weiter.

In meiner fast 12jährigen Zugehörigkeit in der AAK e.V. habe ich viel über Allergien und die Mechanismen der allergischen Reaktionen gelernt und auch die Möglichkeit bekommen, 1991/1992 an einem Ratgeber für Eltern allergiekranker bzw. allergiegefährdeter Kinder mitzuschreiben, vielleicht kennen Sie das „ABC der Ernährung“? Nach vielen arbeitsreichen Wochenenden in Herborn gab es dann zum Erscheinungsdatum ein signiertes Freiexemplar, das war es aber auch. Nachhaltig in Erinnerung bleiben die Hindernisse, die besonders engagierten Mitgliedern in den Weg gestellt wurden. Ich will hier nur ein paar Beispiele nennen, die zeigen, wie das so ablief.
 
Ab1987/88 war ich zunächst Mitglied des Ortsverbandes Kreuztal, 1989 konnte ich in Olpe eine eigene Gruppe bilden. Zu den monatlichen Treffen wurde von mir ein Thema vorbereitet, Infomaterial erstellt, oft auch ein Referent eingeladen, dazu Teilnahme an Fortbildungen in Herborn, Infostände auf Messen, Schulfesten organisieren usw., das alles ehrenamtlich. Mit der Zeit habe ich begonnen, auf Anfrage auch Vorträge zu halten, Kochkurse anzubieten und nebenbei eigene Rezeptbücher herauszugeben. Da ich für diese Tätigkeiten ein Honorar bekam bzw. ein bescheidenes Einkommen erwirtschaftete, rief mich eines Tages Frau Stock an und meinte, ich als Mitglied eines Selbsthilfeverbandes wäre diesem mehr verpflichtet als dem schnöden Mammon. Wohlgemerkt habe ich Vorträge, zu denen ich als Gruppensprecherin der AAK eingeladen wurde, immer ohne Entgeld gehalten. Honorar bekam ich als VHS-Dozentin. Wenn ich unbedingt Geld verdienen wolle, dann könnte ich doch Fußpflegerin lernen, das hätte Frau XY (ein Redaktionsmitglied) doch auch gemacht. Da fände man immer eine Anstellung und könnte so auch die Rente finanzieren. Dann rückte sie damit heraus, dass das Gespräch mitgehört wird (was mich nicht störte). Sie meinte, eine Möglichkeit wäre auch, dass ich doch mein VHS-Honorar dem Verein spende! Das Spielchen hatten wir schon mal, da rief man mich Samstag Abend an, ob ich nicht am anderen Tag morgens nach Herborn kommen und für einen erkrankten Referenten einspringen könnte, es gäbe auch ein Entgeld für Anfahrt und verpatzten Familiensonntag. Nach dem Vortrag bekam ich zwar das Geld, wurde aber gleichzeitig deutlich darauf hingewiesen, dass man erwartet, dass ich zumindest die Hälfte des Entgelds dem Verein spende (der Rest deckte soeben die Fahrtkosten). Nach den Erfahrungen vorgewarnt, war ich dann trotzdem nicht bereit, meine VHS-Honorare zu spenden, was in Herborn, sprich bei Frau Stock, nicht gut ankam.

Die Quittung kam kurz darauf, ich erhielt im April 2001 wieder einen Anruf. Man möchte sich mit mir und den Gruppenmitgliedern treffen. Bei dem Treffen (Frau Stock kam mit zwei „Zeugen“, das hätte uns schon merkwürdig vorkommen müssen) stellte sich erst einmal heraus, dass sie die Vorstandsmitglieder (und Zeugen) über den wahren Zweck des Gesprächs getäuscht hatte. Das führte zu großem Unmut auch seitens der Zeugen. Dann kam sie zu ihrem eigentlichen Anliegen: Ich solle als Gruppensprecherin zurücktreten, denn durch mein enormes Wissen wäre das keine Selbsthilfe- sondern eine Therapiegruppe! Und Selbsthilfe müsse von Laien praktiziert werden! Außerdem könnte die AAK ihre anerkannte Gemeinnützigkeit verlieren, wenn Leute wie ich den Verein vertreten! Das wollte ich doch wohl nicht provozieren? Welche Macht man doch als VHS-Dozent hat! Anmerkung: Ich erinnere mich so gut, weil ich damals ein Gedächtnisprotokoll angefertigt hatte.

Bei den Arbeitstreffen in Herborn hatte ich schon schnell gemerkt, dass zu viel Wissen nicht gewünscht war, nur eine hatte immer Recht, das nervt dann irgendwann. Nun verschlug es mir aber die Sprache. Ich könne ja weiterhin der Gruppe mit meinem Wissen zur Seite stehen und auch durchaus die Gruppe leiten, nur offiziell sollte jemand anders den Vorsitz übernehmen. Da aus der Gruppe niemand diesen Posten wollte (damit verbunden wäre die Zusammenarbeit mit Frau Stock) und man geschlossen zu mir stand,  wurde dann die Auflösung der Olper Gruppe beschlossen. Die monatlichen Treffen der Olper Gruppe endeten damit April 2001. Lange Zeit vorher und bis zum Schluss wurde in der Mitgliederzeitung von mehr als 200 Regionalgruppen gesprochen, tatsächlich bestanden in den letzten Jahren vor der Insolvenz nur etwa 15 Regionalgruppen bundesweit, davon 14 mit sporadischen und meine mit weiterhin monatlich stattfindenden Treffen (auch in den Ferien, bei Regen und Sturm usw.). Die Gruppe blieb übrigens bestehen, nur jetzt als unabhängiger Allergikertreff.

Ich habe meine Mitgliedschaft nicht, wie die anderen Gruppenmitglieder, sofort gekündigt, sondern erst etwa zu Beginn des Insolvenzverfahrens, da ich in der Vergangenheit schließlich mitbekommen habe, dass „Abtrünnige“ in der darauf folgenden Ausgabe der Mitgliederzeitung gnadenlos verrissen wurden (auch unter Verdrehung der Tatsachen), den Triumph gönnte ich Frau Stock dann doch nicht. Auf eine unschöne Art wurde auch eine andere Sprecherin „ausgebootet“, die im Namen der AAK e.V. eine Krabbelgruppe für kleine Allergiker gegründet und die Raummiete auf die Mütter umgelegt hatte (die AAK trug die Kosten nicht, die sollten als Spende von der Sprecherin geleistet werden). Das war Anlass, sie sofort aufgrund von „Nebeneinnahmen“ zur Kündigung zu nötigen. Wir trafen uns dann später als Fachreferenten bei einer innovativen Marketingfirma wieder.

Fazit: Der neue Vorstand tut gut daran, sich nicht blind vereinnahmen zu lassen. Auch wenn ein guter Wille hinter dem Gedanken der Selbsthilfe steht, so heiligt nicht jedes Mittel den Zweck.

Ein Bauer steht auf seiner Obstwiese und starrt in den Wipfel des Apfelbaums, aus dem es verdächtig raschelt. Er ruft: „Kann ich Ihnen helfen?“ Tönt es aus dem Baumwipfel: „Nein danke, wir sind eine Selbsthilfegruppe!“

Seltsame Methoden finden sich aber auch an unerwarteter Stelle: Als ich vor 23 Jahren die AAK-Gruppe in Olpe gründete, wollte die örtliche Kinderärztin (von der Gemeinschaftspraxis habe ich ja schon öfter berichtet) dies verhindern und übte Druck auf die kirchliche Organisation aus, die den kostenlosen Raum zur Verfügung stellte. Wie sicher auch anderswo werden unliebsame Stimmen schnell mundtot gemacht, man (der Club der Ärzte, Schützenbrüder, Golfer) regelt das untereinander.

Der Leiter der Organisation beharrte aber auf dem Nutzen einer solchen Gruppe und die Einflussnahme blieb ohne Erfolg. Ihre Argumente (Zitat): „Es ist ja lobenswert, wenn Betroffene mal Rezepte austauschen können, aber Fragen zu Behandlungsmöglichkeiten, Karenz, Alltag etc. kann nur der Arzt beantworten. Außerdem gibt es für Haut- oder sonstige Probleme ja Salben und Medikamente, die wurden schließlich nicht umsonst erfunden“. Außerdem würden sich Eltern mit der Diagnose Allergie „nur unnötig Sorgen machen und womöglich nachts vor Sorgen nicht schlafen können.“ Wenn es denn „mal zu Nebenwirkungen käme, dann gibt es auch dafür eine Lösung.“  Karenz oder praktische Tipps wären deshalb ein zu starker Eingriff in das Alltagsleben, „das könnte ich doch verstehen?“ Den Zahn habe ich ihr gezogen, denn wenn ich manches im Vorfeld gewusst hätte, wäre meinen Kindern eine Menge erspart geblieben und das habe ich sehr deutlich gemacht.

Im übrigen, wo wären wir heute, wenn es die überwiegend gut informierten  Selbsthilfegruppen mit ihren wertvollen Erfahrungstipps nicht gäbe? Ach ja, wir müssen ja nur einfach warten, bis der Arzt uns grundlegend informiert! Ich muss wohl nicht erwähnen, dass in besagter Praxis selten eine Allergie diagnostiziert wird? Es gibt immer nur zwei Varianten: Entweder ist es so schlimm, das hat man noch nicht erlebt oder es ist alles nur Einbildung. Ach wie schön einfach kann das Leben sein!
 

Unser herzlicher Dank für den Artikel und ihre Unterstützung geht an:

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de

 


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