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Wussten Sie schon, …? – Kolumne von Roswitha Stracke (1)

Liebe Leser,

das Thema Allergien ist in seiner Gesamtheit sehr umfangreich und ein Ende ist wohl eher nicht abzusehen. Manchmal treten ernsthafte Gesundheitsbeeinträchtigungen auf, manchmal bleibt es bei leichteren Einschränkungen. Im Verlauf der Zeit ergeben sich auch immer Situationen, die einen überfordern oder durch den Lerneffekt weiterbringen. Von Zeit zu Zeit gibt es Situationen, wo man einfach nur lachen muss/kann, um nicht zu verzweifeln. Ich möchte in dieser neuen Kolumne versuchen, alle Aspekte einer allergischen Erkrankung anzusprechen und Ihnen dabei auch die Komik, die sich in manch einer Situation ergibt, deutlich zu machen.

Insgesamt werde ich über Wissenswertes, Aktuelles, Humoriges berichten, immer wieder gepaart mit eigenem Erleben. Auch praktische Tipps für den täglichen Umgang mit Allergien in Alltag, Küche, Beruf und besonderen Lebenslagen werden nicht fehlen. Sie dürfen der Redaktion aber auch gern eigene Wunschthemen mitteilen, ich werde dann gezielt darauf eingehen. Doch lassen Sie mich mit einer Geschichte beginnen, die sozusagen die Initialzündung für alles war, was ich im Laufe der Jahre aufgebaut habe:

Wussten Sie schon, dass etwa 10 % der Kinder mit atopischer Dermatitis eine nicht IgE-vermittelte Allergie auf Kuhmilch haben? Kinder, die über Magen-Darm reagieren (gastrointestinal), weisen sogar weit überwiegend eine nicht IgE-vermittelte Form auf. Frau Dr. Kirsten Beyer, Leiterin des Bereichs Nahrungsmittelallergie im Allergie-Centrum-Charite´ Berlin, rät deshalb, alle Kinder mit atopischer Dermatitis sowie unklarem Erbrechen, Durchfällen oder Gedeihstörungen/mangelnder Gewichtszunahme auf eine mögliche Kuhmilchallergie zu untersuchen. Da ein Allergietest durchaus falsch negativ sein kann, rät sie zudem, unabhängig vom Testergebnis, zu einer Kuhmilchkarenz über einen Testzeitraum von ca. 4 Wochen. Daran anschließen sollte sich ein Provokationstest bei einem Facharzt in einer Klinik, da es immer auch zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen kann. (Quelle: Allergo Journal)

Mein älterer Sohn fing bereits in der Geburtsklinik an, auf die Nahrung mit Erbrechen und zunehmend mit Ekzemen zu reagieren. Wegen eines Kaiserschnitts wurde er die ersten Tage mit normaler Babynahrung gefüttert. Aber auch beim späteren Stillen behielt er die Nahrung nicht bei sich. Ein endloser Kreislauf von Füttern und Erbrechen begann. Der Hautzustand verschlimmerte sich immer mehr, so dass er mit 2 Monaten aussah wie ein frisch gekochter Krebs mit aufgeplatzter Haut. Die Hilfe des Kinderarztes bestand darin, eine Beteiligung der Milchnahrung abzustreiten (ein Bluttest war angeblich negativ), dabei hat das Kind unmittelbar nach jeder Mahlzeit, egal ob Flasche oder Stillen, nahezu alles im hohen Bogen wieder erbrochen. Ich sollte das Kind alle zwei Stunden (Tag und Nacht) mit einer Fettsalbe einreiben, was ich auch gemacht habe, das wäre das einzige, was hilft. Leider ohne Erfolg. Im Gegenteil, nach dem Einreiben oder einem Ölbad mit dem gleichen Wirkstoff rötete sich die Haut extrem und schwoll ordentlich an. Wie ich später erfuhr, enthielten sowohl Salbe als auch Ölbad ein starkes Kontaktallergen!

Nach wiederholtem Nachfragen und Bitten, sich das Kind doch noch mal genau anzusehen, meinte er: „Das muss ich nicht, das ist so bei Neurodermitis, da ist die Haut mal besser, mal schlechter“. So, endlich hatte ich einen Begriff, dem ich nachgehen konnte. Außerdem sollte ich, damit ich endlich Ruhe gab, dem Kind eine Sojanahrung geben. Gesagt, getan, das ging 2-3 Wochen gut, dann begann das Spiel von Neuem – Erbrechen, Ekzeme, Schreien, Jucken – von neuem. Laut Kinderarzt kein Zeichen einer Unverträglichkeit, schließlich kann man gar nicht auf Soja reagieren!

Dank der Informationen einer Selbsthilfeorganisation habe ich auf eigene Faust die Ernährung nochmals geändert, mein Sohn bekam ca. 6 Wochen lang nur Reiswasser (Reis gekocht, Reiswasser aufgefangen, mit Rapsöl und einer Prise Salz angereichert) und siehe da, die Ekzeme verschwanden völlig. Das Kind wurde ruhig, schlief durch und nahm an Gewicht zu. Wenn ich auch nur die kleinste Menge an Soja dazu gab, konnte danach quasi die Küche neu tapeziert werden. Der Kinderarzt war überzeugt, der Kleine hat keine Allergie, sondern eine Magengrippe und müsste an den Tropf, ich böse Mutter habe mich aber geweigert. Da Reiswasser auf Dauer keine Lösung war, habe ich eine H.A.- Nahrung gegeben und Gott sei Dank wurde die vertragen. Im Laufe einiger Jahre kamen weitere, z.T. lebensbedrohliche Allergien dazu, andere lösten sich in Wohlgefallen auf, alles in allem geht es ihm heute aber gut.

Autorin:
Roswitha Stracke
allergieberatung-stracke.de

 


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