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Von Scharlatanen und Geschäftemachern

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

 

Wussten Sie schon, …


 

dass Geldgeschäfte immer noch auf Erden getätigt werden und nicht im „esoterischen Himmel“? Trotz gegenteiliger Behauptung konnte ein Guru aus der Schweiz die Zuwendungen seiner Jünger nicht den „Unsterblichen“ im Jenseits zukommen lassen, sondern behielt das Geld stattdessen für sich. Aufgeflogen ist er aber nicht durch die Einsichten seiner gutgläubigen Geldgeber, sondern durch die Ex-Ehefrau, die den Betrug (aus Rache?) aufdeckte.

 

Wie konnte es soweit kommen?  Der Guru konnte z.B. ein Ehepaar aus Bayern davon überzeugen, ihm den biblischen „Zehnten“ (10 % ihres Bruttoeinkommens) zu überlassen. Er sei in der Lage, das ihm gespendete Geld im Geiste zu transferieren und längst Verstorbenen im Jenseits zu übermitteln, die dann mit diesem Geld auf Erden Gutes vollbringen können. Laut eigener Aussage stand er mit den Toten in direktem Kontakt. Seine Überzeugungskraft reichte aus, insgesamt 135 000 € allein von dem besagten bayrischen Ehepaar  zu erhalten, bis diese von der mittlerweile verlassenen Ehefrau des Gurus über den tatsächlichen Betrug informiert wurden. Daraufhin haben sie Anzeige erstattet, gegen das daraufhin erfolgte Urteil des zuständigen Landgerichts legte der Beklagte Berufung ein. Das nun zuständige Oberlandesgericht München wies die Berufung zurück und verurteilte den Guru ebenfalls zur Rückzahlung des Betrags, zuzüglich der Zinsen. Zwar ist „dem Senat kaum nachvollziehbar, wie jemand daran glauben kann, dass eine physisch reale Geldübergabe an in Wirklichkeit lange verstorbene Persönlichkeiten erfolgt, auch wenn diese nach Überzeugung des Klägers und seiner Ehefrau unsterblich waren“, doch das Ehepaar war offensichtlich fest davon überzeugt.

 

Eine „göttliche“ Geschäftsidee hatte 1990 auch ein Yogalehrer, der seinen Auftrag, eine Energiepyramide zu erbauen, vom ägyptischen Gott Horus persönlich bekommen hat, sozusagen auf geistigem Wege „gechannelt“. Mit diesem Auftrag solle er „die Orientierungslosigkeit“ auf der Erde beenden. Sicher ist, dass er seine Orientierungssuche nach einträglichen Pfründen erfolgreich beenden konnte, denn dem göttlichen Willen geschuldet kosten die Energiepyramiden (aus profanem Acryl) von wenigen Hundert bis mehrere Tausend Euro.

 

Oder was ist aus der Idee geworden, dreckiges Wasser mit einem „Twister“ zu reinigen, anwendbar laut seinem Erfinder auch auf den Ganges, eines der dreckigsten Flüsse der Welt. Der Twister (eine Art Küchenmixer) sorgt dafür, dass sich das Wasser durch Verwirbeln wieder an seine Quelle erinnert und damit wieder „rein“ wird (aus der Quelle kommt schließlich reines Wasser). Alles logisch, oder? Hat mal jemand ausgerechnet, wie viele Twister benötigt werden, um einen Fluss von mehr als 2.500 km Länge zu reinigen?

 

Seltsame Auswüchse hatten auch in einer Kita überhandgenommen. Die Kita („Deutschlands erster Kelten-Kindergarten“) fiel durch exotisch anmutende Erziehungsmethoden, giftige Pflanzen auf dem Spielplatz und die Verabreichung von „gesegnetem“ Salz auf, das Sozialministerium schloss die Kita dann 2011 mit sofortiger Wirkung. Der Träger ging in Berufung, allerdings ohne Erfolg. Zu schwerwiegend waren die Vorkommnisse, u.a. wurden fachliche Entscheidungen „ausgependelt“, homöopathische Mittel „gegen Risse in der Aura“ verabreicht, giftige Pflanzen im Garten belassen, damit die Kinder lernen, damit umzugehen und vieles mehr. Das Sozialministerium sah daraufhin keine andere Möglichkeit als der Kita die Betriebserlaubnis endgültig zu entziehen. Das Verwaltungsgericht Kassel schloss sich der Meinung des Sozialministeriums an und kam in seinem Urteil (AZ: 5 K 484/10.KS) zu dem Schluss, dass „die Kita das Wohl der betreuten Kinder gefährde“.

 

Aber auch Heilpraktiker verfallen immer dubioseren Methoden, Patienten (zahlende Kunden) an sich zu binden. Normalerweise bekommen Heilpraktiker ja ohne große Schwierigkeiten die „Absegnung“ des zuständigen Gesundheitsamtes, soweit sie nicht in ärztliche Belange „hineinpfuschen“. In Thüringen kam es letztens zu einem Streit zwischen Thüringer Behörden und Heilpraktikern über eine besondere „Geschäftsidee“. Das Gesundheitsamt in Jena hat einer Naturheilkundlerin deren Therapiemethode verboten, Kranke mit Luft aus einem Bienenstock zu behandeln. Angeblich soll die inhalierte Luft beruhigend auf die oberen Atemwege wirken. Nun sind ja Glauben und Wissen nicht immer einer Meinung und wie man am Beispiel des bayrischen Ehepaars sieht, auch nicht immer rational nachvollziehbar, aber diese „Heilmethode“ (oder sollte ich sagen Wahnsinnsidee?)  grenzt doch sehr an bewusste Täuschung, wenn nicht Körperverletzung (z.B. durch eingeatmete Pollen, Pilz- und andere Sporen etc. ausgelöste oder verstärkende Atemnot bis hin zum Kreislaufkollaps).  

 

Natürlich müsste uns der Verstand sagen, dass wir hier massiv getäuscht werden, aber wie sieht es wirklich mit unserem Verstand aus? Ein Spiegel-Artikel (52/13) zum Thema „Der Glaube der Ungläubigen“ provoziert mit dem einfachen Gedanken, was wir machen, wenn uns z.B. 20,- € in bar geboten werden, wir aber einen symbolischen Vertrag mit dem Teufel abschließen müssten oder wir einen tadellosen, frisch gereinigten Pullover von Adolf Hitler anziehen sollten? Da sehen wir gleich (katholische Erziehung ist alles) die Hölle vor uns oder schütteln  uns vor Ekel beim Gedanken an die Toxine des Grauens im besagten Pullover. Laut einer Umfrage 2013 glauben sogar 38 % an die Existenz von Engeln, da sind auch Vorträge auf Esoterikmärkten zum Thema „Was sagen Engel zur aktuellen Weltsituation?“ ein (einträgliches) Mittel, die Erwartungshaltung dieser Menschen zu erfüllen.

 

Zum gleichen Kreis der mit dem Suggestionsgen ausgestatteten Menschenverführer gehört auch der mehrfach einschlägig verurteilte  „Krebsarzt“ Dr. Ryke Geerd Hamers, der als Schüler des als Galilei von Gelsenkirchen bekannten Arztes Dr. Stemmann (siehe auch Kolumne Nr. 31) auch der Germanischen Neuen Medizin frönt, wonach jeder seine Krankheit selbst verschuldet hat und z.B. Krebs nur die logische Strafe für seine Sünden ist (die GNM inklusive markiger „brauner“ Sprüche ist ein Relikt aus der NS-Zeit). Das Landgericht Hannover verurteilte im Februar 2015 ein Elternpaar wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Bewährungsstrafen, weil es den Weisungen Dr. Hamers zufolge sein Diabetes-Kind mit Rohkost von Insulin „entwöhnt“ hat – mit besagten tödlichen Folgen. Den körperlichen Verfall des Kindes sah die Mutter als Folge einer Magen-Darm-Infektion an, den Zusammenhang mit dem Insulin-Entzug verwies sie „als Quatsch“. Laut Anklage sollen die Eltern ab Juni 2009 bewusst und gewollt die Insulingabe reduziert haben, weil sie an die Heilsvorstellungen der Neuen Germanischen Medizin glaubten. Die Mutter hatte Kontakt mit Dr. Hamers. Richter Wolfgang Rosenbusch zu den Eltern beim Urteilsspruch: „Sie können sich bei einem Kind aber nicht beliebig irrationalen Vorstellungen hingeben.“

 

Wer  seine Mitmenschen fesseln will, muss nur Begriffe wie „ganzheitlich“, „naturheilkundlich“ oder „energetisch“ (oder „vegan“, „laktosefrei“, „glutenfrei“) verwenden, dann lauschen alle gebannt und sind bereit, auch den größten Blödsinn zu glauben. Warum ist das so? Eine Erklärung ist, dass unser Leben weitestgehend reglementiert ist (Gesetze, Höflichkeitsgebote), wer sich aus der Masse herausheben will, muss etwas Besonderes bieten oder annehmen. Je exotischer das Mittel der Wahl, desto interessanter macht man sich. Jeder will „Fußspuren“ hinterlassen. Früher blieb man über  seine Kinder und Kindeskinder im Gedächtnis der Nachkommen, heute durch Klicks (oder peinliche Videos) im sozialen Netz. Manchmal hat es echt seinen Vorteil älter zu sein, dann kann man es sich erlauben, nicht mehr jeden Mist mitzumachen.

 

 

Diagnose ist die ärztliche Kunst, die Zahlungsfähigkeit seiner Patienten richtig einzuschätzen.

 

 

Über die Machenschaften geschäftstüchtiger Gurus und Menschenfänger habe ich ja schon öfter aus Praxiserfahrung erzählen können. Ein weiteres Beispiel aus dieser „Schatzsammlung“ ist folgende Geschichte: 

                   Die erste allergische Reaktion hatte A. bereits im Krankenhaus kurz nach der Geburt, sie reagierte auf ein Körperöl mit feuerroten Pusteln. Mit 4 Wochen breitete sich das Ekzem über den ganzen Körper aus. Sie wurde gestillt bei normaler Ernährung der Mutter. Mit dem Zufüttern wurde es schlimmer, A. kratzte sich blutig, die Haut zeigte offene Krater. Die Behandlung beschränkte sich auf diverse wirkungslose Salbenversuche und Antihistaminika, um den heftigen Juckreiz etwas einzudämmen. Dann begannen Atemwegsinfekte mit häufiger Bronchitis und Schnupfen. Die Familie ging zu einem Heilpraktiker, der mit Bioresonanz eine Weizenallergie feststellte. Der Wechsel zu Dinkelvollkornmehl aber verschlimmerte die Ekzeme extrem, eine von einer Hautärztin verschriebene Spezial-Salbe half auch nicht. Der Kinderarzt hatte nun leider nichts Besseres zu tun hatte als den „Galileo von Gelsenkirchen“ zu empfehlen, bekannt auch als Dr. Stemmann (Galileo war auch in seiner Zeit von den Mitmenschen völlig verkannt. Dieses Schicksal sieht der Psychoarzt auch für sich). Dieser kam seiner Linie treu bleibend folgerichtig zu der Erkenntnis, dass der Tod des Vaters der Mutter (als sie selbst noch ein Teenager war) von dieser noch nicht verarbeitet wurde und deshalb das Kind natürlich Neurodermitis habe. Der Tod des Opas der kleinen A. war für die Familie sicher ein trauriges Erlebnis, aber so ist das Leben. Die junge Mutter empfand die permanente Schuldzuweisung des Psychoarztes bzw. seiner Helfer, sie solle doch zugeben, dass sie Schuld sei, dann könne ihr Kind endlich gesunden, als sehr belastend. Ihre eigenen Allergien hat sie nach diesen obskuren Irrlehren natürlich auch nur, weil sie wohl selbst einen ungeklärten Konflikt mit ihrer eigenen Mutter hat (oder die mit ihrer Mutter, also der Urgroßmutter der kleinen A.). Wenn man lange genug sucht, hat sicher auch die Ur-, Ur-, Urgroßmutter irgendwann eine Kränkung geschluckt oder sich unverstanden gefühlt und damit die Vererbung von allergischen Erkrankungen ausgelöst.

 

Andere Beispiele für die Quacksalberei dieser „Therapeuten“ sind die Aussagen (entgegen eindeutiger medizinischer und wissenschaftlicher Grundlage), dass die Neurodermitis ausgelöst wurde durch z.B. Fahrradunfälle (Schmerzschock), partnerschaftliche Ehen (nur einer darf das Sagen in einer Familie haben, sonst herrscht Chaos in Form von Allergien), natürliche Bindung von Kind zu Mutter (auf Biegen und Brechen wird die Trennung praktiziert, denn der „Trennungskonflikt“ -Mutter kann sich angeblich nicht von Kind lösen- schafft Hautprobleme) und vieles mehr, ein Katalog des Grauens. Und doch finden sich immer wieder Menschen, die sich freiwillig einer solchen Gehirnwäsche unterziehen und nicht, was besser wäre, diesen Scharlatanen einfach ins Gesicht lachen.

 

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 


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