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Tierhaarallergie – Woran man sie erkennt und was man tun kann

 

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

 

Wussten Sie schon, …

dass in deutschen Haushalten 22,3 Millionen Haustiere heimisch sind? Davon sind 7,8 Mio. Katzen in 16,3 % der Haushalte, 5,3 Mio. Hunde in 13,2 % der Haushalte (d. H.), 5,3 Mio. Kleintiere in 5 % d. H., 3,5 Mio. Ziervögel in 4,9 % d. H., 2,2 Mio. Gartenteiche in 4,1 % d. H., 2,0 Mio. Aquarien in 4,3 % d. H. und 0,4 Mio. Terrarien in 1,2 % d. H. In diesen Haushalten werden demgemäß hohe Konzentrationen von Tierhaaren gefunden, die über die Kleidung auch außer Haus getragen werden. Das Haustier hat insbesondere in Großstädten einen Teil der Natur ersetzt, den Kinder vom Land noch auf Wiesen und in den Ställen finden. Dort findet man noch Tiere in ihrem ursprünglichen „Betätigungsfeld“, in der Stadt nehmen Tiere mangels zu jagender Mäuse oder Bewachen des Hofes dann die Rolle eines vermenschlichten Mitbewohners an.

Tierhaare sind nach den Pollen die zweithäufigste Ursache für Inhalationsallergien. Inhalative Allergene von Tieren finden sich im Urin, im Speichel und auf den Tierhaaren. Tierhaarallergiker zeigen zu 50 % im Test auch eine weitere Sensibilisierung auf ein anderes Tier. Die beiden größten allergenen Eiweißstrukturen in Tierbestandteilen sind Lipokaline (kleine Moleküle, Majorallergen) und Serumalbumine (Haupteiweißbestandteil von Plasma). Lipokaline binden nur gering andere Eiweiße, deshalb entstehen selten Kreuzreaktionen. Albumine binden dagegen sehr gut andere Eiweiße, deshalb werden häufig als Folge Kreuzreaktionen beobachtet. Die IgE-vermittelten Reaktionen auf Tierhaare können deshalb auch eine Allergie auf Fleisch auslösen, so z.B. Katze zu Schwein, Hund, Pferd oder (seltener) Huhn, bei 90 % aller Kuhmilchallergiker (Kasein) z.B. auf Rind. Typische Symptome sind nach der Mahlzeit öfter auftretende Übelkeit (evtl. mit Erbrechen), Bauchgrimmen, Juckreiz.

Symptome einer Tierhaarallergie (IgE-vermittelt) äußern sich in Juckreiz, Reizhusten, Asthma, Quaddeln, verstärkter Juckreiz, Rötungen, Schleimhautschwellungen, Augenlidschwellungen, Bindehautentzündungen, chronische Ekzeme, Kontaktekzeme(z.B. bei Tierzüchtern) u.v.m. Die Sensibilisierungsraten gegen Hunde- oder Katzenallergene liegen in der nordeuropäischen Bevölkerung bei 4-14 %.

Katze

Bereits 1570 wurde von Pietro Andrea Mattioli über Reaktionen auf Katzenhaare berichtet. Er schildert, wie ein Mensch starke Beschwerden entwickelte, wenn er in einem Raum mit einer Katze war. Der Mediziner machte nach längerer Beobachtung schließlich die Katzenhaare für die Reaktionen verantwortlich. Erste Beschreibungen in der Literatur zu Karenzmaßnahmen bei Katzenallergie wurden um 1700 veröffentlicht, klinische Studien begannen erst Anfang der 1920er Jahre. 5-10 % der Bevölkerung reagiert allergisch auf Katzenhaare (Fel d1), allein 14,9 % aller Kinder haben bereits bei Geburt eine Katze im Haushalt, davon haben ca. 5 % aller Schulkinder eine Allergie auf Haustiere. Eine Sensibilisierung auf Katzenhaare erhöht die Gefahr eines allergischen Asthmas um ein Vielfaches. So bildeten sich laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2011 bei 22 % der insgesamt 1.207 Teilnehmern (Kinder im Alter von ca. 11 Jahren) binnen 9 Jahren ein allergisches Asthma und bei 47 % eine allergische Rhinokonjunktivitis. Ähnliche Prozentzahlen ergaben sich in einer schwedischen Studie mit 2.000 Kindern. Auch konnte eine Kreuzreaktivität zwischen Katzen- und Hundehaaren festgestellt werden (Fel d2 und Can f3), ebenso ein Fel d1-ähnliches Allergen in Hundeschuppenextrakten verschiedener Hunderassen. Es empfiehlt sich also nicht, statt einer Katze einen Hund zu halten. Unabhängig davon produzieren männliche Katzen mehr Fel d 1 als weibliche. Aggressive weibliche Katzen setzen weniger Fel-d 1-Allergene frei als zutrauliche und soziale Katzen (also vielleicht doch lieber eine kratzende, fauchende Katze als ein Schmusetierchen?).

Katzenhaltung ist übrigens gar nicht so schwer – schon nach wenigen Tagen haben sie uns das Wichtigste beigebracht. Sie wissen ja: ein Hund denkt: „Der Mensch gibt mir Essen, Obhut und verwöhnt mich. Sie sind Götter.“ Eine Katze denkt: „Der Mensch gibt mir Essen, Obhut und verwöhnt mich. Ich bin ein Gott!“

Auch wenn das Entfernen einer Katze aus dem Haushalt eine große emotionale Belastung bedeutet, so ist das doch notwendig, denn ein Haushalt mit Katze zeigt eine 600-fach höhere Allergenbelastung! Der Allergengehalt fällt erst nach ca. 6 Monaten in tolerierbare Grenzen ab, hier ist also Geduld gefragt, bis die Beschwerden sich verringern. Katzenhaare verteilen sich großflächig und kommen auch vor in Schulen, Büros, dem öffentlichen Nahverkehr, Restaurants, Einkaufszentren usw.  

Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist bei Katzenhaarallergie gut möglich, aber nicht so erfolgreich wie bei Pollen. Über 90 % der Patienten klagen dabei über Nebenwirkungen. Das Präparat „ToleroMune“ wird derzeit als bessere Alternative für die Behandlung von Katzenhaarallergien erprobt. Bei dieser Form der Immuntherapie sollen bereits 4 Injektionen über einen Zeitraum von drei Monaten genügen. Laut Ergebnissen aus der bisherigen Forschungsarbeit der britischen Biotech-Firma Circassa und der kanadischen Universität Ontario konnten so die Symptome bei 202 Testpersonen um die Hälfte verringert werden.

Der hypoallergene Hund

Generell betroffen von einer Hundehaarallergie sind in Deutschland etwa 8 % der Einwohner. Trotz vielfältiger Werbeversprechen der Hundezüchter sind der sogenannte Portugiesische Wasserhund sowie 11 weitere als hypoallergen beworbene Rassen tatsächlich nicht hypoallergen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie mit 60 Hunderassen am Henry-Ford-Hospital Detroit, die auf den Boom um den Wasserhund des amerikanischen Präsidenten reagierte

Als relativ allergenarm gilt der Labrador. Die Allergenkonzentration (Can f1) ist bei Männchen stärker als bei Weibchen, wobei die Länge des Fells keine Rolle spielt. Andere Hunderassen zeigen kaum Unterschiede in Allergenkonzentration. Pudel, denen wegen des wolligen Unterfells eher  geringere Allergenabgabe nachgesagt wird, setzen mehr Allergene frei als Labradore! Haarlänge oder Hormonstatus spielen keine Rolle, sondern eher eine verstärkte Schuppenbildung.

Eine Langzeitstudie mit 10.000 Kindern, die mit Hunden aufwuchsen, zeigte einen gewissen Schutzeffekt vor dem Entstehen von Allergien. In Haushalten mit Hunden wurde demnach das Allergierisiko vermindert. Die genaue Ursache dafür ist noch nicht geklärt, vermutet wird aber, dass besondere Faktoren wie der Umgang mit dem Hund im Freien oder bislang unbekannte Keime dafür verantwortlich sind. Die Studienlage hat sich bei Katzen nicht bestätigt!

Pferdehaarallergien

Laut der Europäischen Stiftung für Allergieforschung  gehören Pferdehaare und Epithelallergene zu den aggressivsten inhalativen Allergenen, die einen allergischen Schnupfen, Bindehautentzündungen, lebensbedrohliche Atemnotanfälle  und Asthma auslösen. Es gibt keinen wissenschaftlich gesicherten Beweis, dass diese Allergene nicht zu allergischen Reaktionen führen! Keine Pferderasse ist für Allergiker geeignet!

Britannicus (41 nach Christus), Sohn von Kaiser Claudius und seiner dritten Ehefrau Messalina, reagierte nach jeder Reitübung mit brandrotem Ausschlag im Gesicht. Damit ist er der erste bekannte Pferdeallergiker in der Geschichte der Allergologie.


Federn

1550 konnte der Mailänder Arzt Gerolamon den Erzbischof John Hamilton (1511-1571) erfolgreich behandeln. Der gute Erzbischof hatte immer nachts heftige Anfälle mit Atemnot und Husten. Nach 40tägiger Beobachtung des Patienten ließ er das mit Gänsefedern gefüllte Bettzeug gegen eines aus Seide und Leinen, gefüllt mit Stroh, austauschen und die Anfälle verschwanden.

Allergische Symptome im Zusammenhang mit Vogelhaltung sind nicht immer auf die Federn oder als Kreuzreaktion bei Milbenallergie bzw. auf Milben, Vogelkot oder Sandflöhe im Käfigsand zurückzuführen. Ein möglicher Auslöser kann die im Vogelfutter (sogenannte Zwitschermischung) enthaltene Hirse oder auch Sonnenblumenkerne sein. Eine Allergie auf Aquariumsfische ist deshalb auch meist eher eine Reaktion auf die im Fischfutter enthaltenen Wasserflöhe. Tierpfleger sensibilisieren sich eher auf Affenurin, Elefanten- oder Wasserbauchschweinhaare usw.

Auch der Taubenschlag in der Nachbarschaft kann zu Asthmasymptomen (lymphatisches Asthma) bzw. der sogenannten Taubenzüchterlunge führen, und das nicht nur beim Züchter selbst.


Was tun?

Im Rahmen der Präventionsmaßnahmen wird natürlich vor der Tierhaltung im Allergikerhaushalt gewarnt, denn der vorausschauende Verzicht ist sicher einfacher als die spätere Einsicht, doch besser früher an die künftige Gesundheit des Kindes gedacht zu haben. Studien oder Zeitungsberichte, die angeblich allergikergeeignete Haustiere anpreisen, sind daher unverantwortlich. Sie sind zwar interessant (und Grundlage weiterer eingehender Forschungen), eine direkte Umsetzung aber verbietet sich aus den genannten Gründen – oder soll Ihr Kind das Versuchskaninchen sein? Marktschreierische Verkaufsstrategien sollten also kein Anlass sein, mit der fragilen Gesundheit von allergiegefährdeten Kindern zu spielen – auch nicht in bester Absicht. Kein Hund, noch weniger eine Katze, ist geeignet, ein Kind mit allergischer Veranlagung vor dem Ausbrechen einer Allergie zu bewahren! Was sich im ersten Moment für den Laien so optimistisch anhört – „Hundehaltung hat einen gewissen Schutzeffekt“ – ist in der Interpretation durch den Laien eher ein Wahrnehmungsproblem. Anschaulich gemacht wurde das einmal in einem Interview mit renommierten Allergologen in der Frage: Wenn Kindsgeburten und Storchenpopulation korrelieren, ist dann zur Senkung der Geburtenrate der Abschuss von Störchen geeignet? Außerdem haben es Fachärzte oft schwer, Eltern den Verzicht auf Haustiere als Teil der Prävention „schmackhaft“ zu machen, wenn dem Zeitungsberichte entgegenstehen mit den vereinfachten Aussagen einer präventiven Tierhaltung. Wer kann als Laie schon eine Studie „lesen“, um so die Kombination aus Studiendesign (Probandenauswahl, Wohnort, Wohnsituation, Land/Stadt, Hygienevoraussetzungen etc.), Patientenselektion und Datenerhebung ins rechte Licht zu rücken.

Merke: Für Personen ohne erhöhtes Allergierisiko besteht kein Grund, die Haustierhaltung aus Präventionsgründen einzuschränken. Aber: Da die Auswirkungen der Haustierhaltung bei Risikokindern derzeit nicht eindeutig abzuschätzen sind, ist die Anschaffung eines felltragenden Tieres (u.a. Hund, Katze, Meerscheinchen, Hase/Zwerghase, Vögel, Hamster etc.) weiterhin nicht zu empfehlen. Dies gilt insbesondere für Katzenhaltung (Weißbuch Allergie in Deutschland). Aber auch „nackte“ Tiere können Allergien auslösen, dazu gehören Schlangen, Leguane und Eidechsen, die neben Ratten relativ oft als Exoten (Alleinstellungsmerkmal?) in Wohnungen zu finden sind.

Sollte es trotzdem zu einer Tierhaarallergie gekommen sein, so ist nach Art des Tieres bzw. der Gesamtkontamination zu sanieren. Das bedeutet immer eine strikte Karenz mit eventuellem Entfernen des Tieres bei schweren Symptomen. Bleibt das Tier dennoch im Haushalt (z.B. wenn älteren Menschen die Abschaffung des Tieres nicht mehr zugemutet werden soll), darf es natürlich auf keinen Fall auf Bett oder Couch liegen und nie in den Schlafraum gelassen werden. Eine Ledercouch bzw. abwaschbare (Leder)-Sitzbezüge, glatte, leicht wischbare Fußböden sowie ein tägliches Staubsaugen können helfen. Kontaktpersonen müssen Sie bitten, vor dem Besuch frische Kleidung anzulegen (vor allem Katzenliebhaber), um ein Reintragen der Tier/Katzenhaare in die Wohnung zu verhindern. Hund oder Katze sollten möglichst 1x pro Woche duschen oder je nach Fell mit feucht/nassem Lappen gründlich abgerieben werden. Helfen könnte hier das Produkt PetalCleanse (Zoofachhandel), eine shampooähnliche Lösung, die regelmäßig direkt auf das Fell gegeben wird und die Allergenfreigabe verhindern soll. PetalCleanse neutralisiert laut der Studie allergene Eiweißstrukturen direkt im Fell. In England ist das Produkt mit dem „Allergy UK Consumer Care“ – Preis ausgezeichnet. In einer Studie mit 106 Patienten waren 97,7 % nach 4 Wochen beschwerdefrei, die Anzahl der Studienteilnehmer ist allerdings für eine richtungsweisende Empfehlung zu gering. Fraglich ist auch, ob sich Hund/Katze diese Dauerbehandlung gefallen lassen, gleich ob mit oder ohne Shampoozusatz.  

Bei Schülern sollte gewährleistet sein, dass sie z.B. im Biologieunterricht Abstand halten können zu  ausgestopften oder lebenden Tieren, dies gilt auch für Kindergarten- und Schulkinder bei eventuellen Besuchen im Zoo oder Zirkus, Bauernhof, Taubenschlag usw. Auch das Reinigungspersonal muss involviert werden, denn besonders bei Kindern mit Asthma und bekannter Katzen/Tierhaarallergie muss der Klassenraum bzw. die Turnhalle öfter feucht gewischt werden (Entfernen von Tierhaaren, Milben). Tipp: Ich empfehle immer, die Möglichkeit einer Feststellung des Vermerkes „H“ (siehe Kolumne Nr. 20) für das allergiekranke Kind, dann können z.B. Mehrkosten für die Reinigung u.U. über den Landschaftsverband bzw. KIBIZ (auch zusätzliche Integrationskraft) abgerechnet werden.  

Denken Sie auch daran, dass Kaninchenfelljacken-, Mützen, Mantelfutter, Tierfellteppiche, Angorawäsche, Roßhaarmatratzen, Wollkleidung, Polsterfüllungen usw. Tierhaare enthalten! Bearbeitetes Leder enthält keine Allergene mehr, Beschwerden können hier aber von Schimmelpilzenzymen, Farb- oder Gerbstoffen ausgelöst werden. Pferdehaarallergikern verbietet sich generell Reitsport, manche vertragen aber Reiten im Freien, dagegen Stallarbeit und Fellpflege gar nicht.

Als Therapie sollte immer als erstes eine gründliche Wohnraumsanierung stattfinden. Dazu gehört, vor allem die Räume, in denen sich z.B. eine Katze aufgehalten hat, neu zu tapezieren, alle Möbel, Flächen, Gardinen etc. gründlich nass zu reinigen und Wolldecken u.ä. zu waschen. Bei starken Reaktionen auf Tierhaare (ab RAST 4) und nicht zu meidenden Allergenkontakten unbedingt immer eine Hyposensibilisierung in Betracht ziehen, da die Gefahr des Wechsels der Symptome zu einem Asthma sehr hoch ist.

Bei Pferdehaarallergien sind natürlich die Roßhaar- oder Schurwollmatratzen auszuwechseln (erkennbar an der Bezeichnung Sommer/Winterseite), kein Schaffell o.ä. als wärmende Unterlage ins Bett legen (Tierhaare, Wollwachs), keine ausgestopften Tiere oder Tierhäute als Dekoration, keine Felle, Pelze oder Teppiche mit Woll- bzw. Tierhaaranteil auslegen. Der Begriff Wolle bezeichnet Fasern vom Fell des Schafes, Schurwolle bezeichnet Haare von lebenden Tieren, auch von Kamel oder Angora. Schafe bzw. deren Wolle werden regelmäßig chemisch abgesprüht (Pestizide!).

Risiko Tiermedizin:

Studierende der Tiermedizin, Tierärzte und Tierarztassistenzpersonal sind vielen Allergenquellen ausgesetzt. Dazu gehört neben potentiellen tierischen Auslösern wie beim Kontakt mit Labortieren sowie Haus- und Nutztieren auch die Exposition mit pflanzlichen, mikrobiellen und chemischen Komponenten. Im Herbst 2013 startete eine große Studie („AllegoVet“) mit 4000 Studenten über den Einfluss der Tierallergenbelastung auf die Entwicklung von Sensibilisierungen und Beschwerden der Atemwege. Quelle: Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Ipa-Journal 1/2014 (Seite 34/35), „Allergierisiko im Studium“.

 

Zwei Pferde schauen den Kühen auf der Nachbarweide zu. „Möchte echt gern wissen“, sagt das eine Pferd, „wo die Kühe immer den ganzen Kaugummi herhaben!“

 

Sehr überrascht war ich, als ich zu einem Beratungsgespräch ins Haus der betroffenen Familie eintrat. Durch das Vorgespräch war bekannt, dass die Hausherrin eine Tierhaarallergie hat, aber trotz tierhaarfreier Bettausstattung und anderen Karenzmaßnahmen keine Besserung eintrat. Alle telefonisch besprochenen Sanierungsmaßnahmen schienen schon durchgeführt worden zu sein. Ich wurde deshalb ausdrücklich gebeten, doch zu der Familie zu kommen statt die Beratung in meinem Büro abzuhalten, um so direkt vor Ort eventuelle Fehlerquellen in der Karenz aufdecken und weitere hilfreiche Tipps geben zu können. Nun stellte sich schon in der Diele der wahrscheinliche Grund der fehlenden Genesung heraus: sowohl Diele als auch Wohnräume zierten als Wandschmuck unzählige ausgestopfte Jagdtrophäen, ein Paradies an Tierhaarexposition. Wie sich herausstellte, war der Ehemann passionierter Jäger. Das war dann doch des Guten zuviel! Die Liebe des Gatten zur Ehefrau war aber größer als die zu seinen Trophäen, die „Haustiere“ wurden entfernt und die Beschwerden besserten sich signifikant.

Auch das ist passiert: Vor ca. 30 Jahren wurde in einem Waldstück bei Frankfurt eine Frauenleiche gefunden. Das zieht ja immer eine aufwendige Suche nach Motiv, möglichem Täter usw. nach sich. In diesem Fall brachten die Unterlagen des Hausarztes des Rätsels Lösung. Grund für den mysteriösen Tod war nicht ein Verbrechen, sondern eine Gruppe Pferde (mit Reiter), die durch den Wald und direkt an der Frau vorbei trabte. Besagte Frau war Pferdehaarallergikerin, sie atmete die Pferdehaare ein und erlitt einen anaphylaktischen Schock, an dem sie vor Ort verstarb. Bei anaphylaktischen Reaktionen ist der Arzt verpflichtet (!), ein Notfallset zu verschreiben, außerdem sollte man immer und überall mit  dem Unvorhersehbaren rechnen und an einsamen Orten wie einem Wald ein (aufgeladenes) Handy mit sich führen. Das zumindest stand der Frau damals leider nicht zur Verfügung.

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 




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