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Tacrolimus

Tacrolimus (FK506) ist ein verschreibungspflichtiger Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren oder Calcineurinhemmer. Erstmals zugelassen wurde das mittel für den klinischen Einsatz am Menschen 1994 in Amerika. Als selektives Immunsuppressivum wird es vor allem dafür eingesetzt, Abstoßreaktionen bei der Organtransplantation zu verhindern, zudem gilt es als Alternative zu Cortison in der Therapie von Neurodermitis.

Die Patente für das Präparat liegen beim japanischen Pharmaunternehmen Fujisawa Healthcare Inc. Der Name leitet sich ab aus „tsukubaensis macrolide immunsuppresivum“ – bei Tacrolimus handelt es sich nämlich um ein Molekül der Gruppe der Makrolide, das erstmals 1987 aus Streptomyces tsukubaensis isoliert wurde.

Im Handel erhältlich sind folgende Mittel mit Tacrolimus:

  • zur lokalen Anwendung auf der Haut: Protopic (D, A, CH)
  • zur Einnahme als Tabletten: Advagraf (EU), Modigraf (EU), Prograf (EU), und verschiedene Generik wie Tacrolimus HEXAL (D,A)

Tacrolimus – Wirkung und Anwendung

Tacrolimus unterdrückt Immunreaktionen und gehört zur Gruppe der Calcineurin-Inhibitoren, es wirkt ähnlich wie Ciclosporin. Es greift bei der Aktivierung von T-Zellen und des Calcineurins ein. Dies führt dazu, dass das Immunsystem nicht mehr (oder weniger stark) auf transplantierte Organe oder Allergene reagiert. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Tacrolimus anderen Immunsuppressiva wie Cyclosporin A oder Azathioprin überlegen ist.

Tacrolimus kann als Salbe aufgetragen (topische oder lokale Anwendung) oder innerlich eingenommen (systemische Anwendung als Tablette, in Ausnahmefällen per Injektion da Gefahr anaphylaktischer Reaktionen) werden.

In Form von Falben wird es vorwiegend zur Behandlung von Neurodermitis angewendet, wobei es wie Cortison als Entzündungshemmer agiert. Allerdings schafft dies Tacrolimus in einer selektiveren Weise. Tacrolimus führt zwar nicht – wie Cortison – zur Verdünnung der Haut und zu erhöhtem Innendruck, hat aber dennoch reichlich mögliche Nebenwirkungen, siehe nächster Abschnitt. Eingesetzt werden kann die Salbe sowohl bei akuten Beschwerden (reaktive Therapie) als auch langfristig in geringer Dosierung, um neue Krankheitsschübe der Neurodermitis hinauszuzögern oder abzuschwächen (proaktive Therapie).

Oral, oder in Ausnahmefällen intravenös, gilt Tacrolimus als Mittel zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen des Körpers bei Organtransplantationen von Nieren, Leber oder Herz.Weiterhin wird es manchmal eingesetzt bei Autoimmunerkrankungen, bei denen andere Medikamente nicht gewirkt haben, etwa bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. In Europa ist das Medikament für diese Zwecke jedoch nicht zugelassen.

Tacrolimus wirkt innerhalb weniger Tage.

Tacrolimus – Nebenwirkungen

Zunächst als nebenwirkungsarme Cortison-Alternative gefeiert, ist inzwischen klar: auch Tacrolimus kann teils erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.

Bei der inneren Anwendung (systemische Therapie) treten vor allem die folgenden Nebenwirkungen auf:

  • Hepatotoxizität
  • Myokardhypertrophie
  • Gastrointestinale Beschwerden:  Nausea, Diarrhö, Erbrechen
  • Nephrotoxizität
  • Neurotoxizität: Tremor, Hypertonie, Insomnie, Verwirrungszustände, Depressionen, Krämpfe, Neuropathien
  • Immunsuppression: Vermehrte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, maskierte Infektionen
  • Störungen des Metabolismus: Hyperkaliämie, Hypomagnesiämie, Hyperglykämie, Diabetes mellitus Typ I
  • Erhöhtes Tumorrisiko

Auf der Haut angewendet gibt es die folgenden möglichen Tacrolimus-Nebenwirkungen:

  • Brennen
  • Juckreiz
  • Hitzegefühl und Rötung
  • Erhöhtes Risiko für Lymphdrüsenkrebs und UV-Licht-bedingten Hautkrebs (theoretisch, wissenschaftliche Nachweise stehen noch aus)

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA gab im Februar 2005 eine Gesundheitswarnung für Tacrolimus-Präparate zur lokalen Anwendung heraus. Die Europäische Gesundheitsbehörde sowie die Europäischen Ekzemexperten hingegen schätzen die Mittel im Gesamten als positiv und empfehlenswert ein.

Tacrolimus-Salben sind ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen. In jedem Fall erfordert die Verwendung des Arzneimittels eine engmaschige Einstellung und Kontrolle durch den Arzt. Gerade bei Anwendungsfehlern und zu hoher Dosierung drohen massive Nebenwirkungen.


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