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Streptokokken

Streptokokken sind Bakterien. Die Bakterien können in Form einer Streptokokken-Infektion verschiedene Krankheiten wie Scharlach bedingen, werden aber auch als Teil von Probiotika eingesetzt, um die Darmflora nach der Verabreichung von Antibiotika zu stabilisieren.

Streptokokken – Vorkommen, Eigenschaften und Arten

Streptokokken sind Teil der normalen Bakteriengesellschaft, die sich in und an Menschen und Säugetieren ansiedeln. Geraten sie jedoch aus dem Ruder, können sie schwere Erkrankungen hervorrufen.

Streptokokken sind Bakterien aus der Abteilung der Firmicutes, aus der Klasse der Bacilli, der Ordnung Lactobacillales, der Familie Streptococcaceae und der Gattung Streptococcus. Sie sind grampositiv, aerotolerant, annähernd kugelförmig und in Ketten geordnet. Sie bewegen sich nicht aktiv, bilden keine Sporen, dafür manchmal aber Schleimhüllen. Sie verwerten hauptsächlich von Kohlenhydraten und bilden vor allem Milchsäure. Am besten vermehren sie sich bei 37°C,  sie wachsen jedoch bei jeder Temperatur zwischen 10 und 45°C.

Folgende Arten der Streptokokken sind wissenschaftlich erwähnt:

  • S. agalactiae Lehmann & Neumann 1896
  • S. anginosus (Andrewes & Horder 1906), Smith & Sherman 1938
  • S. avium
  • S. bovis Orla-Jensen 1919
  • S. canis Devriese et al. 1986
  • S. difficilis corrig. Eldar et al. 1995
  • S. durans (ex Sherman & Wing 1937) Knight et al. 1984
  • S. dysgalactiae (ex Diernhofer 1932) Garvie et al. 1983
  • S. equi Sand & Jensen 1888
  • S. gallolyticus Osawa et al. 1996
  • S. iniae Pier & Madin 1976
  • S. mitis Andrewes & Horder 1906
  • S. mutans Clarke 1924
  • S. pasteurianus Poyart et al. 2002
  • S. pneumoniae (Klein 1884) Chester 1901
  • S. porcinus Collins et al. 1985
  • S. pyogenes Rosenbach 1884
  • S. salivarius Andrewes & Horder 1906
  • S. sanguinis corrig. White and Niven 1946
  • S. suis (ex Elliot 1966) Kilpper-Bälz & Schleifer 1987
  • S. uberis Diernhofer 1932
  • S. viridans (Sammelbegriff)

Eingeteilt werden diese Bakterien nach der sogenannten Lancefield-Klassifikation, insgesamt sind 84 einzelne Stämme bekannt. Unterschieden werden sie anhand eines Oberflächenproteins in Gruppen von A bis W sowie in solche, die keiner gemeinsamen Gruppe zuzuordnen sind wie Pneumokokken oder Oralstreptokokken.

Streptokokken-Infektion

Die Streptokokken-Infektion bezeichnet eine Erkrankung, die durch Bakterien aus der Gattung der Streptokokken ausgelöst wurden.
Für den Menschen als Krankheitserreger relevant sind vor allem:

  • A-Streptokokken
  • B-Streptokokke
  • Pneumokokken

Die anderen Gruppen führen entweder grundsätzlich nicht beim Menschen zu Beschwerden oder nur dann, wenn das Immunsystem geschwächt oder geschädigt ist.

Infektion mit A-Streptokokken

Die A-Streptokokken zählen zu den häufigsten Krankheitserregern dieser Bakterien-Gattung. Betroffen sind von Infektionen meist die oberen Atemwege, seltener auch die Haut.

Zu den durch A-Streptokokken hervorgerufenen Erkrankungen der Atemwege zählen:

  • Scharlach: tritt meist bei Kindern zwischen 3 und 10 Jahren auf, selten auch bei Erwachsenen, zeigt sich durch hohes Fieber, Halsschmerzen, einen rötlichen Hautausschlag, der am Hals beginnt und sich über den Rumpf auf die Beugeseiten von Armen und Beinen ausbreitet. Weitere Symptome sind Blässe um Mund und Nase sowie eine „Himbeerzunge“ mit Schwellung und geröteten, abstehenden Geschmacksknospen. Das Risiko einer Scharlach-Ansteckung ist am höchsten bei oder kurz nach einer Antibiotika-Behandlung. Die Inkubationszeit beträgt 3 Tage. Bei einer erneut auftretenden Scharlachinfektion durch erneute Ansteckung ist nur noch der Hals entzündet, Hautausschlag tritt keiner mehr auf. Bei Scharlach drohen Komplikationen – insbesondere Entzündungen der Herzwand.
  • Streptokokkenpharyngitis: vor allem bei Kindern über 6 Jahren, mit Fieber und Halsschmerzen, wird übertragen per Tröpfcheninfektion (wenn erkrankte Personen atmen oder niesen), bricht 3 Tage nach der Ansteckung aus.
  • Folgende Hauterkrankungen können durch eine A-Streptokokken-Infektion bedingt sein:
  • Wundrose (Erysipel): sich flächenhaft ausbreitende Hautrötungen scharf abgegrenzt zum gesunden Gewebe, Hitzegefühle auf der Haut, Fieber und Schüttelfrost. Befallen sind hier sowohl obere als auch tiefere Hautschichten
  • Phlegmone: tiefere Hautschichten befallen, resultiert aus Wunden oder übermäßiger Besiedlung an der Haut und Eindringen in die Blutbahn
  • Impetigo contagiosa: eitrige Entzündung der obersten Hautschicht (Epidermis)
  • Wundscharlach: Wunde mit Scharlachstreptokokken infiziert, Scharlach ohne Halsentzündung
  • Kindbettfieber / Wochenbettfieber (Puerperalsepsis): fieberhafte Blutvergiftung wenige Tage nach der Geburt, kommt heute kaum noch vor, da durch mangelnde Hygiene bedingt

Nach einer solchen Infektion kann es nach 1,5-3 Wochen zu Folgeerkrankungen kommen, die durch im Körper gebildete Antikörper hervorgerufen werden und noch weiterhin im Blut zirkulieren, wo sie nun fälschlicherweise körpereigene Zellen angreifen – damit handelt es sich bei den Folgeerkrankungen also um Autoimmunkrankheiten:

  • Akutes rheumatisches Fieber, z.T. mit Befall von Gelenken oder Weichteilen wie Herz, tritt nach Infektion der oberen Atemwege auf
  • Akuter Nierenbefall (Glomerulonephritis): nach Befall der Haut
  • Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis (Herzerkrankungen)

Um derartigen Folgen vorzubeugen, werden Antibiotika über 10 Tage verordnet, am häufigsten Benzylpenicillin (Penicillin G) und Oralcephalosporin, bei Unverträglichkeit Erythromycin.

Sollten bereits schwere Verläufe mit Folgeerkrankungen aufgetreten sein, müssen die Betroffenen oft über Jahre Antibiotika einnehmen, da bei einer erneuten Ansteckung starke Immunreaktionen und ernsthafte Symptome drohen.

Bei Verdacht auf eine Infektion kann der Arzt diese mittels Untersuchung der Symptome und Laboruntersuchung eines Abstrichs von Rachen oder einer Wunde nachweisen.
 


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