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Sport gegen Asthma

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

Wussten Sie schon, …

dass die richtige Sportart und gezielte Übungen das Atemvolumen des Asthmatikers erweitern und gleichzeitig die Atemwegsmuskulatur stärken können? Früher (und sicher auch noch heute) war es Usus, Asthmatikern vom Sport abzuraten. Heute weiß man, dass Sport die Bewegungs- bzw. Aktivitätsmöglichkeiten und damit auch die Lebensqualität des Asthmatikers erheblich verbessern kann. Dazu ist es notwendig, Menschen mit Atemwegsproblemen frühzeitig zu schulen, neben Sport z.B. auch durch das Erlernen richtiger Atemtechniken (Asthmaschulung). Außerdem lässt sich das Asthma heute mit modernen, hochwirksamen Asthmamedikamenten so gut behandeln, dass in der Regel bei körperlichen Anstrengungen keine oder nur wenige Beschwerden auftreten.

Unter dem Begriff “Asthma” versteht man das Empfinden von mehr oder weniger schwerer, meist anfallsweise auftretender Atemnot. Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, nach Schätzungen der WHO sind mittlerweile ca. 400 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland etwa 7 Millionen. 10 % aller Todesursachen werden durch Atemwegsinfekte verursacht (Rang 3 der Todesursachenstatistik, siehe auch www.stat-bund.de ). Auslöser sind Allergene aller Art, aber auch Pseudoallergene wie z.B. Histamin oder auch diffuse Reize wie Kälte, Hitze, Nebel etc.. Asthma muss so früh und so adäquat wie möglich behandelt werden, auch wenn die Beschwerden nur zeitweise oder nur bei bestimmtem Allergenkontakt auftreten.

Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass die Gesundheit der Atemwege von sauberer Luft abhängt. Bis 1534 vermutete man, dass die Lunge „das Herz mit Luft erfrische“, die genaue Funktion der Lunge war nicht bekannt. Doch erst 1534 entdeckte Theophrasus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, dass über die Lungenbläschen (Alveolen) lebensnotwendiger Sauerstoff in das Blut gelangt. Auch von Asbest oder Feinstaub hatte man vorher nichts gewusst, aber Paracelsus war sicher, dass die häufig tödlichen Erkrankungen, an denen viele Bergleute litten, ihre Ursache in „Ausdünstungen der Berge“ zu finden seien. Die Auswirkungen, die Schwefeldämpfe und Stäube auf die Lungen haben, sind seit Paracelsus beschrieben und  gelten seit Beginn des Industriezeitalters als Tatsache.

Asthma beginnt nicht mit Luftnotanfällen, sondern still und heimlich mit häufigem Räuspern, Reizhusten, Mundatmung, nächtlichem Aufwachen zu bestimmten Uhrzeiten. Erwachsene werden durch den Hustenreiz
wach, Kinder auch ohne dieses Alarmsignal, die typischen Zeiten sind 23 Uhr (bei Kindern) und 3-4 Uhr morgens. Kinder schrecken oft hoch, weinen oder sind nur halb wach, nach einem Schluck Wasser schlafen sie meist weiter. Auffällig sind schon vorher Abwehrmechanismen, d.h. das Kind meidet Anstrengungen (Laufen, Sport, Treppen steigen) oder Aktivitäten (auch Lachen) werden durch (mehr oder weniger ständiger) Reizhusten, Atemnot, starkes Schwitzen begleitet („Anstrengungsasthma“). Weitere deutliche Symptome sind die hochgezogenen Schultern und immer wiederkehrende Hustenanfälle, z.T. mit Erbrechen sowie Husten nach Eisessen oder Trinken kalter Getränke. Übrigens haben Kinder immer auch ein Anstrengungsasthma, Erwachsene nicht unbedingt. Das Anstrengungsasthma ist keine eigenständige Asthmaform, sondern tritt bei bestehendem Asthma zusätzlich auf, auch wenn bei Kindern als Besonderheit keine ständigen oder üblichen Asthmabeschwerden vorliegen bzw. zugeordnet werden konnten.

Laut dem Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) ist die erste Bronchitis meist der Beginn des Asthmas, wenn bzw. weil diese nicht richtig behandelt, d.h. die Bronchitis nur mit Schleimlösern oder Hustenstillern „unterdrückt“ wird. Weitere Alarmsignale sind Giemen („hörbare“ pfeifende Geräusche bei der Ausatmung – vor allem bei Kindern),  erschwerte Atmung oder ein Engegefühl im Brustkorb. Die Beschwerden können auch nur saisonal auf auftreten oder saisonal verstärkt sein. Neurodermitis, Heuschnupfen oder familiäre Allergie- oder Asthmageschichte (Eltern, Geschwister) sind die typischen Vorläufer. Auslöser sind u.a. felltragende Tiere, chemische Aerosole (Gerüche), Temperaturwechsel, Hausstaubmilben, Medikamente (ASS, ß-Blocker), Anstrengung, Pollen, (viralen) Atemwegsinfekten, Rauch, starke emotionale Belastung u.v.m.. Bei Erkältungskrankheiten besteht meist die Neigung zu bronchialer Mitbeteiligung, die „Erkältung“ dauert länger als zehn Tage und/oder die eingeschränkte Lungenfunktion besteht auch in beschwerdefreien Intervallen (z.B. Reizhusten bei Anstrengung). Wenn sich die Symptome unter einer Therapie bessern, ist das schon der Beweis einer richtigen Diagnose.

Das Abhören des Brustkorbs ohne Befund schließt ein Asthma nicht aus, das ist nur bei einer Lungenentzündung erfolgreich. Bei allergischem Asthma muss schon vorher mit einem Allergen provoziert werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können. Dazu gehört neben der Anamnese auch ein positiver Allergietest (IgE, Hautallergietest, Blutallergietest) sowie ein positiver Lungenfunktionstest (als letzte Sicherheit). Bei Kindern unter 6 Jahren wird symptomatisch behandelt.

Da durch körperliche Anstrengung vermehrt und hastiger geatmet wird, kann bei sportlichen Aktivitäten leicht Atemnot eintreten. Bei Kindern kommt grundsätzlich immer wie schon erwähnt auch ein Anstrengungsasthma dazu. Sport ist aber wichtig, um die Atemmuskulatur zu trainieren. Deshalb muss und soll nicht auf Sport verzichtet, sondern den Gegebenheiten angepasst die richtige Sportart und die zumutbare Belastung gefunden werden. Geeignet sind alle Ausdauersportarten, deren Belastung der Patient langsam steigern kann und die er regelmäßig macht (auch gezieltes Krafttraining). Sport kann auch dazu beitragen, dass der Schleim aus der Lunge besser abtransportiert und die Atemtiefe erhöht wird. Außerdem kann die Schwelle, bei der Atemnot auftritt, angehoben werden, d.h. die Atemnot tritt gar nicht oder erst bei größerer Anstrengung auf.  Um unliebsame Überraschungen (z.B. Luftnot, Reizhusten) zu vermeiden, sollte immer vor der Anstrengung ein bronchienerweiterndes Präparat angewendet und die Notfallmedikamente bereitgehalten werden!! Das gilt auch, wenn die Atemeinschränkung erst nach einiger Zeit auftritt. Die Lunge wird es Ihnen danken, wenn Sie nicht bis zum Äußersten warten.
Bevor man sich für eine Sportart entscheidet, kann ein Termin beim Arzt/Pneumologen klären, welche Sportart und welches Trainingspensum individuell geeignet erscheint. Ein Lungenfunktionstest zeigt den derzeitigen Schweregrad der Erkrankung an, ebenso kann der (eventuell zusätzliche) Einsatz von Medikamenten und/oder eines Notfallsprays besprochen werden (wohlgemerkt neben der regelmäßigen Einnahme Ihres individuellen Asthmamedikaments).  Das ideale Maß an Belastung und Entspannung kann in einer Asthmasportgruppe erlernt werden, örtliche Sportvereine bieten u.a. Behindertensport an (meist läuft der Asthmasport unter dieser Rubrik), ebenso Selbsthilfeverbände (z.B. DAAB e.V. in den Ortsgruppen). Kinder mit Asthma sollten auch eine Asthmaschulung oder zumindest krankengymnastische Übungen erlernt haben, bevor sie am Schulsport teilnehmen, natürlich gehört auch eine umfassende Information des Sportlehrers dazu. Gut geeignet bei Asthma sind Aquasportarten (hier allerdings auf Belastung durch Chlor achten, die Haut trocknet dadurch schneller aus), Squash (vor dem Sport Haut cremen, Schweiß kann Juckreiz auslösen), Tischtennis und andere Ballsportarten (Milbenallergiker sollten ggfls. auf vorherige Reinigung der Halle drängen), Tanzen, Fitnesstraining (Hautkontakt mit Geräten meiden (Metalle), deshalb Kleidung mit gutem Hautschutz wählen) sowie Radfahren und Walken (Vorsicht bei Pollenflug, an Sonnenschutz denken), nach individueller Beratung auch Eislaufen und Ski-Langlauf (höhere Kältebelastung).

Ganz wichtig: Damit Sie als Leistungssportler nicht in Dopingverdacht geraten, muss die Medikamentgabe besonders sorgfältig mit dem Arzt abgesprochen werden, denn die Grenze zwischen „erlaubt“ und „unerlaubt“ ist manchmal papierdünn, da auch zwischen „verbotenen Wirkstoffen“ und „verbotenen Methoden“ ein Unterschied besteht. Inhalieren des verordneten Asthmasprays ist übrigens kein Doping!

Seneca, Philosoph + Erzieher Neros (4 v. Christus – 65 n. Christus), gilt als der erste bekannte Asthmatiker der Geschichte. Berühmte Sportler mit Asthma sind u.a. Martina Hingis, Dennis Rodman (Basketball), Paul Scholes (ManU), Tom Dolan (Schwimmer), Amy van Dyken (Schwimmerin, Olympia-Gold), Jerome „The Bus“ Bettis ((Football), Mary Joe Fernandez (Tennis), Thomas Rupprath (Schwimmer), Nancy Hogshead (Schwimmerin, Olympia-Gold), Debbie Meyer (Schwimmerin, Olympia-Gold), Sir Sebastian Coe (Leichtathlet), Simone Luder (Läuferin), Lasse Kjus (Skiläufer), Peter Stöger (Fussball), Jackie Joyner-Kersee (Leichtathletin), Axel Zülle (Radrennfahrer), Denise Bielmann (Eiskunstlauf), Miguel Indurain (Radrennfahrer), Mark Spitz (Schwimmer, Olympia-Gold), Claudia Pechstein (Eisschnelllauf), Christian Keller (Schwimmer), Ricco Gross (Biathlon), Jochen Behle (Ski-Langlauf-Bundestrainer), Anni Friesinger (Eisschnelllauf).

Für jede Sportart gilt: Vor dem Start aufwärmen! Gymnastik, Dehnübungen oder ein lockerer Lauf über 30 Minuten reichen dazu aus. Gehen Sie nie ohne Ihre Notfallemedikamente zum Sport, Kinder sollten dieses immer in einer speziellen Notfalltasche (siehe z.B. www.anabag.de) mit sich führen (Sportlehrer/Trainer informieren!). Wer einen Adrenalinpen von Jext hat, bekommt die Tasche kostenlos ( www.jext.de ). Bei Bedarf ruhig auch mal eine Pause einlegen und vor allem bei gerade bestehenden Infekten, starkem Pollenflug, hohen Ozonwerten oder sehr niedrigen Außentemperaturen (unter 5 °C) auf Sport verzichten!

Biowetter-Vorhersage in der Westfalen-Post vom 8.7.2004: „Das Wetter ist für den Organismus in besonderem Maße belastend. Asthmatiker und Menschen haben vermehrt Beschwerden.“

Vor einigen Jahren ist unter meiner Mithilfe eine Asthmasportgruppe für Kinder gegründet worden, eingebunden in den örtlichen Sportverein, angeleitet durch eine geschulte Asthmatrainerin. Unser Ziel war, Kindern mit der Diagnose Asthma das richtige Maß an Bewegung, Anstrengung und Entspannung (u.a. durch Lippenbremse) beizubringen. Die Mütter konnten in der Halle bleiben, um auch einige Übungen zu Hause weiterführen zu können. Vor Beginn und nach Ende der Übungsstunde wurde bei jedem Kind der Peak-Flow-Wert (Lungenvolumen) gemessen, so konnte auch die Belastungsgrenze ausgelotet und im Verlauf des Trainings die Steigerung gemessen werden. Um im Bedarfsfall medizinische Hilfe parat zu haben, musste sich ein ortsansässiger Arzt bereit erklären, falls notwendig, Hilfe zu leisten, soweit kein Problem. Die Praxis war im gleichen Ort angesiedelt, der Arzt also sicher schneller in der Sporthalle als z.B. ein Notarzt. Der anvisierte Arzt wollte alle Kinder vor Beginn der Maßnahme untersuchen, auch dies ist normal. Leider empfahl er den Müttern, ihr Kind doch nicht zum Asthmasport zu bringen, denn das wäre doch erst bei schwerem Asthma notwendig und soweit wäre das Kind (noch) nicht. Dem guten Mann (ein Arzt der alten Schule) war nicht beizubringen, dass gerade der frühzeitige Asthmasport doch dazu dient, durch gezielte Übungen und Erlernen richtiger Atemtechniken nicht nur die körperliche Fitness zu steigern, sondern auch ein schweres Asthma (durch fatales Abwarten) zu verhindern.

Dazu passt auch die Meinung einer antroposophischen Klinik, die einer Mutter empfahl, die Diagnose Asthma für sich zu behalten (so auch weder Schule noch Sportlehrer zu informieren), denn das Kind könnte sonst darunter leiden. Aus diesem Grund setzte die Mutter auch die zuvor begonnene Asthmabehandlung des Lungenfacharztes ab, denn das vertrug sich nicht mit der speziellen Einstellung der Klinik. 

Sitzt ein Elefant hoch oben im Baum auf einem As und bewundert die Aussicht. Unten stehen zwei staunende Menschen. Sagt der eine ehrfurchtsvoll: „Alles nur eine Frage der Atemtechnik!“

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 

 


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