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Sitzbad

Das Sitzbad ist ein medizinisches, sogenanntes „balneotherapeutisches“ Verfahren, mit dem Anal- und Genitalbereich behandelt werden.

Sitzbäder sind also Behandlungsverfahren aus dem Gebiet der Balneologie – der Bäderkunde, die auf die therapeutische Verwendung von natürlichen Heilquellen, Heilgasen und Peloiden abzielt und sowohl in Form von Bädern, als auch Tinkturen oder Inhalationen angewendet werden kann. Als Gründer der Balneotherapie gilt Emil Osann.

Beim Sitzbad und anderen Varianten der Balneotherapie nutzte man traditionell Wasser aus Heilquellen, das besonders reich an Mineralstoffen ist. Von Kneippkuren und der Hydrotherapie im Allgemeinen unterscheidet sich die Balneotherapie durch die höhere Konzentration von im Wasser gelösten Substanzen. Heilwässer müssen mindestens 1 g/kg anorganische, gelöste Stoffe sowie deren Ione enthalten.

Neben dem Sitzbad unterscheidet man Vollbäder, Teilbäder und Inhalationsbäder, also Dampfbäder. Die Bäder können kalt, halb-kalt, lauwarm, warm oder heiß durchgeführt werden, höchstens jedoch bei 40°C.

Bei warmem Wasser wirkt das Sitzbad sowohl physikalisch durch die Wärme als auch chemisch durch Zusätze wie Kamille.

Die Bäder werden insbesondere angeboten in Kureinrichtungen von Kurorten, wo sie meist zur Physiotherapie gezählt werden. Sie können ärztlich verordnet werden und gehören zu umfassenden Behandlungsplänen einer Kur. Haupteinsatzgebiet von medizinischen Bädern sind rheumatische Erkrankungen – bei den Sitzbädern geht es hingegen in erster Linie um die Haut.

Sitzbad – Anwendung und Formen

Eingesetzt wird das Sitzbad unter anderem bei folgenden Erkrankungen:

  • Analfissuren
  • Hämorrhoiden
  • Herpes genitalis
  • Nachbehandlung von Operationen wie der Spalung von Perianalthrombosen

Dabei verzichtet man auf stark alkalische Seifen, die die empfindliche Haut im Bereich von Genitalien und Analregion reizen würden. Stattdessen werden milde, pH-neutrale und rückfettende Seifen verwendet.

Zur therapeutischen Wirksamkeit können dem Sitzbad warme Lösungen mit Kamille oder verdünnte Antiseptika wie Betaisadona beigefügt werden.

Typische Sitzbäder sind die folgenden:

  • Eichenrindenbad: enthält Gerbsäure, wirkt bei nässenden Hautkrankheiten
  • Jodbad: in Wasser, das reich an Jodid ist – wird unter anderem bei Furunkulose angewendet
  • Kleiebad / Malzbad: stillt Juckreiz bei Hauterkrankungen
  • Kohlensäurebad: kohlendioxid-haltiges Wasser fördert die Durchblutung
  • Moorbad: enthalten Badetorf, das die Wärme nur sehr langsam abgibt, gut geeignet für Überwärmungsbäder
  • Sauerstoffbad: während des Badens wird dem Wasser Sauerstoff zugeführt, das Wasser sprudelt daher
  • Schwefelbad: in Wasser mit Schwefelwasserstoff, soll antibakteriell wirken und wird unter anderem bei chronischen Ekzemen, Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis) angewendet
  • Solebad: mit bis zu 6% Salz im Wasser, bei Rheuma und Hautkrankheiten

sowie das Inhalationsbad, bei dem dem körperwarmen Wasser ätherische Öle beigefügt werden, und das zur Therapie von Atemwegserkrankungen angewendet wird.

Sitzbad selbst zubereiten

Während es in der Krankenpflege spezielle Waschschüsseln für Sitzbäder gibt, muss man daheim meist improvisieren.

Und das geht so:

  • Sitzring von Toilette hochklappen
  • Plastiktütete darüber stülpen und festmachen
  • Sitzring der Toilette zurückklappen
  • Eine Mulde formen
  • Die Therapielösung in die Mulde füllen
  • Sitzbad für 5-10 Minuten wirken lassen
  • Anschließend wird die Plastikfolie durchbohrt, sodass die Flüssigkeit ins die Toilette abfließt und heruntergespült werden kann.

Das Sitzbad muss jedoch nicht auf der Toilette durchgeführt werden, man kann es auch in der Badewanne anwenden – entweder in der bloßen Badewanne oder mit einer Sitzbad-Auflage, die es zum Beispiel im Sanitär-Geschäft gibt.

  • Kamille als getrocknete Blüten oder im Teebeutel bereithalten
  • Badewanne mit 40°C warmem Wasser füllen, sodass Anal- oder Genitalregion vom Wasser abgedeckt werden
  • Kamille hinzugeben, Badewasser ziehen lassen für 10-15 Minuten
  • Temperatur des Badewassers kontrollieren: sollte maximal 35 haben
  • In die Badewanne steigen für etwa 20 Minuten
  • Leicht Abtrocknen (tupfen, nicht mit dem Handtuch reiben)
  • Anziehen und ggfs. für eine Stunde ins Bett legen, damit das Sitzbad seine volle Wirkung entfalten kann

Die Bäder sollten nur ein- bis zweimal wöchentlich durchgeführt werden.
 


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