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Sich selbst erkennen und heilen – Interview mit Kathrin

Kathrin Rick, Autorin, litt 30 Jahre unter ihrer Neurodermitis. Ihre Erfahrungen hat sie im Buch „Gefangen Geheilt in Neurodermitis-Haut“ festgehalten. Kathrin sagt, ihre Neurodermitis sei durch Selbstheilung inzwischen Vergangenheit.

Liebe Kathrin, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst für die jucknix-Leser, die sicher – wie auch wir – sehr gespannt sind und mehr erfahren wollen über Dich, Deine Geschichte und Dein Buch. Magst Du Dich zunächst kurz vorstellen?

Gerne. Ich bin 41 und im Bereich Reinkarnationstherapie tätig. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Weg zur Heilung, die dadurch geschieht, dass unbewusste Persönlichkeitsanteile in sich erkannt, erfahren und in das Leben integriert werden (schreibenundheilen.de/). Diese Arbeit mit Menschen, die ich sehr liebe, ist eine Folge meiner eigenen Heilungserfahrung. In meinem ersten Buch „Gefangen Geheilt in Neurodermitis-Haut“ geht es um Themen, die mit Neurodermitis zusammenhängen und die ich selbst erfahren oder in meinem Umfeld beobachtet habe. Das Buch erzählt eine Geschichte und bietet eine Anleitung zur Selbstheilung. Es ist gewürzt mit schriftstellerischer Phantasie, allerdings nicht bei den Kernaussagen zu Neurodermitis und Heilung.

Wann fing die Neurodermitis bei Dir an? Ist der Auslöser bekannt?

In meinem dritten Lebensjahr und nur an Handgelenken und Armbeugen. Meine Mutter vermutete äußere Ursachen, etwa den schmutzigen Spielplatz, doch ich bin mir im Nachhinein sicher, dass der Verlust meines ungeborenen Geschwisterkindes die Neurodermitis ausgelöst hat. Ich war darüber sehr enttäuscht, habe meine Verletzung allerdings nicht gezeigt, sondern in mir und vor mir selbst vergraben. Dieses Muster habe ich während meiner Neurodermitis-Zeit beibehalten, wenn ich Liebgewonnenes verlor oder verletzt wurde, und deswegen erscheint mir der Verlust als Ursache schlüssig.

Was war für Dich am schlimmsten an der Neurodermitis? Wie hat Deine Haut Dich eingeschränkt – „gefangen“ wie Dein Buchtitel aussagt?

Das wechselte im Laufe der Zeit: In meiner Kindheit waren es die langen, dunklen, durchwachten und durchkratzten Nächte. In der Pubertät stand die Frage im Vordergrund, wie ich mich, so wie ich aussah, anderen Menschen präsentiere bzw. mich vor ihnen verstecke. Und sehr bald kam Angst vor der Zukunft hinzu, also die Frage, wie ich mein ganzes Leben mit dieser Einschränkung verbringen solle. Welche genau? Mich krank zu fühlen, energielos, ängstlich, entstellt, traurig und an einem freien, sorglosen Leben gehindert.

Welche schulmedizinischen Therapien hast Du ausprobiert? Kannst Du einschätzen, bei wie vielen Ärzten Du mit Deiner kranken Haut warst?

Kortison, Antihistaminika, UV-Bestrahlung, Zahnsanierung (von Amalgam), hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel wie Calcium und Zink, Präparate wie Nachtkerzenöl, Bäder, unzählige Salben und Lotionen und Diät. Ich war bei so vielen Ärzten – zwischen zehn und fünfzehn –, wie für mich nötig waren, um einen anderen Weg einzuschlagen.

Auf Deiner Website schreibst Du, auch Diäten haben zu Deinem Therapieprogramm gehört. Inwiefern hattest oder hast Du Deine Ernährung umgestellt, und mit welcher Wirkung?

Ich habe einen Bluttest über 100 gängige Nahrungsmittel machen lassen und mich in meiner Ernährung 15 Monate strikt an das Ergebnis gehalten. Dieses konnte sich sehen lassen: keine Kuhmilchprodukte, kein Soja, keinen Zucker, keinen Kakao, kaum Fleisch oder Fisch, keine sauren Obstsorten, nur einige Gemüsesorten, kaum Gewürze. In der Zeit ist es mir gelungen, das Kortison abzusetzen.

Du sagst, Du hast auch in Beziehungen Linderung der Neurodermitis gesucht. Was meinst Du damit? Und was hat dieser Ansatz für Dich gebracht?

Habe ich das gesagt? Also ich habe Nähe gesucht, eine Form der Geborgenheit, die ich irgendwann in meiner Kindheit verloren hatte. Natürlich habe ich diese nicht gefunden; denn ich war ja kein Kind mehr. Und ich habe, zumindest unbewusst, Bestätigung als Frau gesucht; denn diesbezüglich hatte ich in meiner jüngeren Jugend einiges versäumt. Dieser Ansatz, wie Du es nennst, hat mir deutlich gemacht, dass ich anderswo, nämlich in mir, nach Stabilität und Liebe suchen muss, statt sie durch andere Menschen bekommen zu wollen. Dies ist – nicht nur für Neurodermitis-Betroffene – ein längerer Prozess, und deshalb gibt es von mir auch ein zweites Buch zum Thema Lieben und Loslassen (http://www.schreibenundheilen.de/15.html). Auf jeden Fall habe ich in meinen Beziehungen gelernt, wieder Nähe, vor allem körperliche Nähe, zuzulassen, und dafür bin ich sehr dankbar.

Wie viel Hoffnung hattest Du noch nach all diesen Versuchen, nach all den Jahren?

Ich habe im Laufe der Zeit immer wieder die Hoffnung verloren und in diesen Phasen keine mir sinnlos erscheinenden Therapieversuche unternommen, sondern den Kopf in den Sand gesteckt und angenommen, die Neurodermitis werde mich lebenslänglich begleiten. Aber ich habe Hoffnung stets neu geschöpft und in Taten umgesetzt – glücklicherweise bis zum Schluss.
 
Was war Dein Wendepunkt, der Moment, als Dein persönlicher Weg der Heilung begann?

Es war der Moment, als ich das Plakat sah, das den Vortrag „Neurodermitis ist heilbar“ ankündigte. Damals habe ich innerlich einen Lichtblick gefühlt, den ich nie zuvor erlebt hatte, und im Vergleich zu welchem die UV-Betrahlung, zu der ich unterwegs war, ein matter Schimmer zu sein schien. Dennoch musste ich noch viele Schritte gehen, nicht nur zu dem Vortrag, bis ich die Botschaft für mich umsetzen konnte.

In welcher Klinik warst Du? Wie wurdest Du dort behandelt? Und was hast Du gelernt?

Ich war als Erwachsene in der „alten“ Kinderklinik Gelsenkirchen, die von Prof. Dr. Stemmann geleitet wurde. Dort habe ich ein Erklärungsmodell für Neurodermitis kennen gelernt, das für mich schlüssig war, weil es sowohl mit dem Dogma der Schuld als auch mit dem der Vererbung und Unheilbarkeit brach. Ich habe gelernt, was ich für mich tun konnte und musste, um die Neurodermitis nicht mehr zu brauchen. Dadurch habe ich zum ersten Mal in meinem Leben reflektiert, nach welchen Mustern ich dachte, fühlte und handelte, und Impulse bekommen, mich diesbezüglich zu verändern. Diesen Prozess beschreibe ich ausführlich in meinem Buch. Wie ich behandelt wurde? Liebevoll und konsequent. Ich war gerne in der Klinik, doch es drängte mich schließlich, meine Erkenntnisse umzusetzen.

Wie ging Dein Weg weiter nach dem Klinikaufenthalt?

Ich habe die Sichtweise und Übungen, die ich in der Klinik gelernt habe, in meinem Leben angewendet. Daran musste sich mein privates Umfeld erst gewöhnen und ich mich umgekehrt an die Reaktionen meiner Familie, Partner und Freunde, was zu mancher Auseinandersetzung und kurzfristigen Rückfällen meinerseits geführt hat. Meine innere Stärke auf diesem Weg zu mir selbst ist jedoch immer weiter gewachsen. Und dieser Prozess dauert noch an, auch wenn heute keine Neurodermitis mehr im Spiel ist.

Was empfiehlst Du anderen Neurodermitikern, die so häufig nach zahllosen langfristig wirkungslosen Therapien frustriert und verzweifelt sind? Welche Tipps möchtest Du Eltern neurodermitiskranker Kinder geben?

Glaubt daran, dass Heilung möglich ist und Krankheit eine Steuerung im eigenen Programm, die verändert werden kann, und zwar von Euch selbst. Gerade für Eltern ist es wichtig, sich zu entspannen. Die Anspannung, die sie auf ihre Kinder übertragen, wirkt meist stärker als die Therapien, mit denen sie gegenzusteuern versuchen. Und schließlich: Krankheit ist eine unangenehme, aber auch lehrreiche Erfahrung. Dies zu akzeptieren und die Botschaften der Krankheit zu begreifen und anzunehmen, ist Voraussetzung, um Heilung möglich zu machen. Wer gegenüber dem Gelsenkirchener Modell Vorbehalte hat, findet Erklärungen für Krankheit auch bei Dr. Rüdiger Dahlke und Methoden, sich selbst zu heilen, bei Quanten-Medizinern wie Dr. Deepak Chopra oder Dr. Lothar Hollerbach. Und wer sich selbst nahe ist, findet in sich die Wahrheit, dass es unser Bewusstsein ist, das über Krankheit oder Gesundheit entscheidet.

Wer sollte Dein Buch „Gefangen Geheilt in Neurodermitis-Haut“ unbedingt lesen und wo kann er es erwerben?

An Jugendliche und erwachsene Betroffene sowie Angehörige von betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen richte ich mich mit dem Buch, das es bei mir, bei Amazon.de und anderen Online-Buchhändlern sowie in allen Buchhandlungen gibt, meist über Bestellung.

Liebe Kathrin, vielen vielen Dank für das spannende Interview und für Deine Offenheit! Können Betroffene, die das Interview gelesen haben, Kontakt mit Dir aufnehmen, wenn ja wie?

Bitteschön, Tim. Und ich danke Dir, dass Du meiner Erfahrung und der Botschaft, die ich vermitteln möchte, diesen Raum schenkst. Ich bin über meine Homepage www.schreibenundheilen.de erreichbar, per E-Mail (k.rick@schreibenundheilen.de) und oft auch telefonisch (05461–959100).
 


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Eine Antwort zu “Sich selbst erkennen und heilen – Interview mit Kathrin”

  1. Randolf Treutler sagt:

    Kathri habe Dein Interview auf Facebook geteilt. Ist auch für andere Betroffene sehr hilfreich.

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