Welchen Einfluss hat die Schilddrüse auf die Haut? Natascha Eiglmeier, selbst Betroffene einer Schilddrüsenerkrankung und Betreiberin des unabhängigen Patienten-Informationsportals www.schilddruese-augsburg.de, erklärt, welche Rolle die Schilddrüse für eine gesunde Haut spielt und was ihr bei einer Unter- oder Überfunktion bei Hautpflege & Co. beachten müsst.
Die SD zählt mit zu den wichtigsten endokrinen (= in den Körper abgebende Sekrete) Drüsen, mit einem Gewicht von ca. 25-40 g und der Form eines Schmetterlings.
Sie sitzt an der Vorderseite des Halses in der Höhe des 1. -4. Luftröhrenknorpels unterhalb des Kehlkopfes und wird von einer äußeren und inneren Bindegewebskapsel umgeben die vorne mit der Muskulatur und hinten mit der Luftröhre verbunden ist. Darum folgt sie beim Schlucken der Kehlkopfbewegung. Hinten an den SD-Lappen sitzen die Nebenschilddrüsen.
Erkrankt die SD kommt es zu SD-Funktionsstörungen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Man unterteilt sie in SD-Unterfunktion = Hypothyreose und SD-Überfunktion = Hyperthyreose.
Ursachen für eine SD-Unterfunktion sind:
Angeboren, Hashimoto, nach akuter SD- Entzündung oder SD-Entfernung, nach Strahlentherapie, bei extremen Jodmangel = Jodmangelkropf, Hypophysenerkrankungen, Schädig-ung des Hypothalamus, Hormonresistenz, zu hohe Thyreostatikazufuhr (= SD-Hormon-Hemmer), kalte Knoten.
Ursachen für eine Überfunktion sind:
Morbus Basedow, autonome Adenome (= heiße Knoten), SD-Karzinom, akute SD-Entzündung, zu hohe SD-Hormonzufuhr, Jodexzesse, erhöhte TSH-Produktion des Hypophyse
Das charakteristische Hautbild bei einer SD-Unterfunktion zeichnet sich aus durch:
- trockene, spröde, rissige Haut
- die Haut wirkt blass und teigig
- das Gesicht wirkt schwammig und aufgedunsen
- Wassereinlagerungen an den Augenlidern
- Augenlider können gerötet und schuppig sein
- manchmal Bindehautentzündung
- mitunter schmerzhaftes Einreißen der trockenen Haut an den Fingerkuppen
- trockene Schleimhäute an Augen, Nase, Mund, Rachen und im Genitalbereich
- bei Frauen erhöhter Pilzbefall im Genitalbereich
Das typische Erscheinungsbild der Haut bei einer SD-Überfunktion äußert sich in:
- schmal wirkendes Gesicht, manchmal eingefallen
- es kann zu einem Hervorstehen der Augäpfel kommen = Exopthalmus ( kommt in seltenen Fällen auch bei Hashimoto vor)
- gerötete, gut durchblutete, feuchte Haut
- vermehrte Schweißabsonderung
- durch vermehrtes Schwitzen und daraus resultierenden gehäuften Waschen, trocknet die Haut aus
Der Grund für die Hautbeschwerden liegt darin, dass erst bei optimaler SD-Hormonlage der Stoffwechsel des Körpers wieder richtig funktioniert. Solange dies nicht der Fall ist, bleiben die Beschwerden bestehen und können nur symptomatisch behandelt werden. Die ursächliche Behandlung findet mit dem Einstellen der SD-Hormone statt. Stimmen diese, so verschwindet auch die Hautsymptomatik von selbst.
Was Sie bei SD-Funktionsstörungen nicht benutzen dürfen:
- Algenprodukte, Alginprodukte
- Solebäder
- Jod
- Totes Meersalz
Der Grund dafür liegt in den hohen Jodkonzentration die diese Stoffe beinhalten. Bei Hashimoto und Morbus Basedow werden dadurch die Krankheiten nur weiter angeschürt und neue verschlechternde Krankheitsschübe sind die Folge. Dazu kommt dass beim Basedow, oder den autonomen Adenomen durch Jodzufuhr die Überfunktion zusätzlich angeregt wird.
Bei beiden Funktionsstörungen verschlechtert sich das Befinden merklich. Die einzige Ausnahme bildet der Jodmangelkropf.
Worauf sollten Sie achten sollten und was Sie bei SD-Funktionsstörungen benutzen können :
SD-Patienten müssen ausprobieren was ihnen hilft. Denn was beim einen gut angeschlagen hat, wirkt beim anderen gar nicht und das ist auch nicht verwunderlich, weil jeder Körper seinen eigenen optimalen Stoffwechsel hat.
Trotzdem gibt es ein paar Richtlinien die dem Betroffenen bei der Suche nach dem richtigen Produkt helfen können:
- Verwenden Sie keine Salben, Cremes für Gesicht, Körper, Hände und Füße, Lotionen, die Duftstoffe und Konservierungsmittel enthalten, da diese das Hautbild verschlechtern und sogar Hautunverträglichkeiten hervorrufen können.
- Seife sollten Sie gegen seifenfreie, parfümfreie Waschlotionen austauschen um zusätzliches Austrocknen der Haut zu vermeiden.
- Beim Baden sollten Sie auf ätherische Öle verzichten, da diese die Haut zusätzlich reizen können. Verwenden Sie stattdessen z.B. einen Teeaufguß des ursprünglich gewollten ätherischen Öls und geben Sie dem Badewasser Jojoba-Öl, oder ein anderes pflanzliches Öl bei. Diese Kombination reizt die Haut nicht, weil die Konzentration geringer ist.
- Lassen Sie sich bezüglich der Tees in der Apotheke und dem Teehaus beraten.
- Verzichten Sie auf Weichspüler und parfümiertes Waschmittel, wegen evtl. auftretenden Hautirritationen.
- Verwenden Sie keine Taschentücher und Toilettenpapiere die mit Zusatzstoffen behandelt sind wie z.B. Kamille, Aloe Vera usw. Häufig reagieren SD-Patienten mit Hautreizungen darauf.
- Die Damenwelt sollte auf Slipeinlagen mit Zusatzstoffen verzichten, da dadurch die Genitalschleimhaut gereizt werden und dadurch Entzündungen entstehen können. Auch Pilzinfektionen treten so öfter auf, da der Pilz bei der entzündeten Schleimhaut sich besser einnisten kann.
Was Ihnen helfen kann:
Vorab: Wenn Sie eine Allergie auf genannte Stoffe haben wenden Sie diese bitte nicht an!
Wenn generell Kontaktallergien bestehen fragen Sie zuvor bei ihrem behandelnden Arzt nach und lassen sich austesten!
Wenn Hautläsionen bestehen, sprich offene Stellen an der Haut suchen Sie bitte zuerst Ihren behandelnden Arzt auf und besprechen Sie Therapieansätze mit ihm!
Bei eigenmächtiger Selbstbehandlung in diesen Fällen, kann der Schaden größer sein als der Nutzen, beachten Sie dies bitte.
Bei SD-Untertfunktion:
- Bei juckender, intakter Haut haben sich Spitzwegerichtee-Auflagen oder Bäder bewährt.
- Quarkwickel helfen bei Schwellungen, Rötungen und kühlen.
- Honig mit Milch verquirrlt im Badewasser macht die Haut weich und geschmeidig. Nicht bei Pilzinfektionen anwenden!
- Cremes: Eine Mischung aus Jojoba-Öl, oder anderem pflanzlichen Öl und in Apotheken erhältlichen Wasser- in- Öl- Grundbasiscremes haben sich bei trockener Haut bewährt
Bei SD-Überfunktion:
- schnell einziehende Cremes verwenden die keinen Fettfilm hinterlassen
- waschen mit Pfefferminztee hat einen kühlenden Effekt
- Quarkauflagen kühlen und helfen dabei Entzündungsprozesse zu minimieren
- waschen mit Salbeitee kann das Schwitzen verringern, schlägt aber nicht bei jedem an
Woran Sie erkennen können das Ihre Hautsymptomatik von einer SD-Erkrankung kommt:
Bei SD-Erkrankungen haben Sie niemals nur die Hautsymptomatik. Es kommen immer mehrere Beschwerden auf ein mal zusammen, die diffus auftreten.
Hier gelangen Sie zu den Symtomlisten für die SD-Unterfunktion und SD- Überfunktion.
Die Hautsymptomatik verbessert sich automatisch und geht ganz weg bei optiomaler SD-Hormoneinstellung.
Wichtig zu wissen:
Häufig entwickeln sich bei der autoimmunen SD-Erkrankung Hashimoto Nahrungsmittel-unverträglichkeiten bis hin zu Intoleranzen, sowie Kontaktallergien. Dies kann auch bei guter Hormoneinstellung auftreten. Den Grund dafür weiß man noch nicht genau, man vermutet das es mit dem gestörten Immunsystem zu tun hat.
Tritt eine Nahrungsmittelintoleranz, oder eine Allergieform auf so muß der Patient die Therapieformen für die zusätzlich entstandene Erkrankung befolgen.
Jedoch ist es im Regelfall so das diese sekundären Krankheitsbilder im Verlauf der Hashimotoerkrankung auftreten können, sie sind aber im Laufe der Zeit rückläufig und verschwinden häufig wieder.
Abschließend ist zu sagen das die Patienten viel Geduld aufbringen müssen, da die Therapie der SD-Grunderkrankung mit ihrer Hormoneinstellung ein langwieriger Prozeß
ist. Aber mit einer optimalen Hormoneinstellung sind können Sie beschwerdearm bis beschwerdefrei werden.
Für weitere Infos wenden Sie sich an: natascha-eiglmeier@web.de oder besuchen die Internetseite: www.schilddruese-augsburg.de
Wir danken Natascha Eiglmeier herzlich für die Unterstützung und den sehr interessanten und wichtigen Artikel!
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