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Rosshaar

Rosshaar ist das härtere und kürzere Körperhaar, Schweifhaar und Mähnenhaar von Pferden. Früher wurde das Rosshaar überall dort eingesammelt, wo es Pferde gab, man wusch es mit heißem Wasser aus, sortierte es nach Farben und verkaufte es auf dem Markt.

Rosshaar – Eigenschaften und Verwendung

Langes Rosshaar wurde benutzt:

  • Für Perücken (die je nach Zeit von Männern und Frauen des Adels getragen wurden)
  • Die kurzen Haare hingegen nutzte man für:
  • Zöpfe (zusammengedreht und ins Haar geflochten)
  • Polstermaterial für Reitsattel, Rosshaarkissen, Matratzen
  • Füllmaterial in der Schneiderei
  • Rosshaardecken

Daneben nutzten weitere Berufsgruppen das Haar der Pferde:

  • Siebmacher
  • Bürstenmacher
  • Fischer (zur Herstellung von Angelscnüren)

Auch noch heute wird das Material verwendet, neben der Bespannung von Streichbögen nutzt man es als Polstermaterial und in der Schneiderei. So werden zum Beispiel Sakkos oder Mäntel an der Vorderseite mit Rosshaar wattiert, wozu dieses von der Ausgangsform Zopf per Hand oder mittels Krempelmaschine zerfasert wurde. Beliebt ist das Produkt vor allem wegen seiner Elastizität und Federung, es verleiht Textilien einen dauerhaft glatten Fall. Es wird fast nur in sehr hochwertigen Textilien verarbeitet, auch, weil die Verarbeitung recht aufwändig ist.

Allein lassen sich Rosshaare nicht verspinnen, sie müssen stets mit Baumwolle umspinnt werden, wonach sie zu Schussgarn geformt werden können.

Als Zwirnrosshaar bezeichnet man endlosen, mit Baumwollfaden umzwirnten Faden, den man nicht mehr manuell in das Webfach einlegen muss, wodurch sich die Rosshaare nicht mehr so leicht herausarbeiten.

Als Bestandteil von Matratzen macht man sich zunutze, dass Rosshaar bis zu 25 Prozent seines Eigengewichts annehmen kann, ohne sich feucht anzufühlen. Dadurch führt der Nachtschweiß nicht zu einer feuchten Matratze, was insbesondere bei warmen Temperaturen zu einem angenehm trockenen Bettklima führen soll.

Zudem wird es manchmal noch immer in der Polsterbranche eingesetzt bei der Aufarbeitung wie auch bei der Herstellung neuer, hochwertiger Polstermöbel und zur Wandbespannung. Der Begriff „Rosshaar“ als Oberstoff meint hier meist:

  • 70% Rosshaaranteil
  • Kettfaden aus Baumwolle, Polyester oder Seide

Heute wird in der Textilbranche jedoch zunehmend auf Kunstrosshaar (Crinol) auf Basis von Viscose statt auf natürliches gesetzt.

Rosshaar im Handel

Wer heute Rosshaar kaufen will, sollte sich genau beim Anbieter erkundigen, woher es stammt, wie es hergestellt wurde, welche Substanzen zugesetzt wurden (Allergie-Gefahr) etc. Dementsprechend können sich nämlich auch die Eigenschaften und Qualität unterscheiden.

Die Anbieter scheinen das Produkt überwiegend aus Südamerikanischen Ländern und aus der Mongolei zu beziehen. Bereits im Ursprungsland wird die Rohware meist 2 Stunden lang in 120°C heißem Wasser gewaschen, beim hiesigen Importeur dann nochmals mit Spezialmaschinen, bevor Spinnmaschinen zum Einsatz kommen, die die Haare zu einem Strang drehen, bevor sie erneut in kochendem Wasser desinfiziert und anschließend getrocknet werden.

Als „Schweifhaar“ wird übrigens reines Haar aus dem Pferdeschweif bezeichnet, beim Rosshaar handelt es sich dagegen, wie eingangs erwähnt, in der Regel um eine Mischung.

Rosshaar und Allergien

Wer Produkte aus bzw. mit Rosshaar kauft, sollte darauf achten, dass es mit möglichst wenigen chemischen Zusätzen verarbeitet ist. Gute und für Menschen die zu Allergien neigen geeignete Produkte wurden weder gebleicht, noch enthalten sie Farbstoffe. Die Wolle sollte aus ökologischem Anbau stammen. Siegel wie der Öko-Tex-Standard 100 erleichtern die Auswahl dabei.

Enthalten die Produkte Substanzen wie Farbstoffe oder Duftstoffe, können sie allergische Reaktionen auslösen.

Es gibt auch eine Rosshaar-Allergie, die Allergene stammen dabei sowohl aus der äußeren Eiweißschicht des Haares, als auch aus Kot, Urin und Schweiß des Pferdes. Inwiefern die Reinigung und Verarbeitung diese Allergene vollständig beseitigt, können wir nicht sicher sagen.
 


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