Richtig eincremen bei Neurodermitis

Dass die trockene Haut durch Lotionen und Cremes gepflegt werden soll, ist jedem Neurodermitis-Patienten bekannt. Doch welche Pflegemittel setze ich bei welchem Schweregrad der Neurodermitis ein? Wie behalte ich bei der Vielzahl an verfügbaren Produkten den Überblick? Und sind Cortisonsalben wirklich so schädlich, dass ich nur in absoluten Schubzeiten auf diese zurückreifen sollte? Bei diesen Fragen fühlt sich der Neurodermitis-Patient oftmals allein gelassen, weil es meist keine transaparenten Handlungsempfehlungen seitens der Medizin gibt und die Vielzahl an erhältlichen Cremes und Lotionen schnell den Überblick verlieren lässt.

Allerdings lassen sich anhand eines Stufenplans folgende Grundaussagen treffen:

  • Hautstufe 1: Die Haut ist ekzemfrei, schuppt kaum, ist leicht trocken und weist nur örtliche Rötungen auf:

Neben der täglichen Basispflege, für die herkömmliche Lotionen wie Nivea, Dove etc genutzt werden können, empfiehlt es sich, Ölbäder (z.B. Eucerin) und Duschöle (z.B. Sebamed) einzusetzen. Darüber hinaus sind in dieser Stufe des Hautzustands keine weiteren Pflegeprodukte notwendig.

Folgende Faustformel ist wichtig zu merken: Eher fettiger cremen als zu feucht. Denn Neurodermitis-Patienten benutzen häufig Pflegeprodukte, die zu viel Wasser enthalten. Dieses verdunstet schnell auf der Hautoberfläche und es kommt zum sogenannten Dochteffekt. Das heißt, der Haut wird, auch aus unteren Hautschichten, noch mehr Feuchtigkeit entzogen. Dadurch werden obere Hautschichten noch trockener.

  • Hautstufe 2: Juckreiz tritt hin und wieder auf, hauptsächlich an den bekannten Stellen Kniekehlen, Armbeugen, Hals, Nacken und Gesicht. Örtlich sind Knötchen und leichte Verletzungen durch Kratzen sichtbar:

Neben den Pflegehinweisen unter Hautstufe 1 sollte die Haut mit entzündungshemmenden Salben behandelt werden. Produkte mit Harnstoffzusätzen und Nachtkerzenöl bieten sich an.

Eine Produktübersicht mit entsprechenden Testergebnissen der für die Hautstufen 1 und 2 einsetzbaren Neurodermitis-Cremes ist im Heft "Kompakt Heuschnupfen und Allergien 2010" von ÖKO-TEST zu finden. 28 im Handel verfügbare und verschreibungspflichtige Cremes wurden verglichen. Hier geht’s zur Zusammenfassung des Tests zu Neurodermitis-Cremes.

  • Hautstufe 3: Die Haut weist Ekzeme mit starken Entzündungen auf. Aufgekratzte Ekzeme bluten oder nässen, bereits abgeheilte sind mit Krusten bedeckt. Juckreiz und Kratzen sind an der Tagesordnung:

Zusätzlich zu den allgemeinen Pflegehinweisen (Stufe 1) sollten kalte Umschläge zur Juckreizunterdrückung genutzt werden. Entzündungsherde sollten, um die Entzündung einzudämmen, lokal mit cortisonhaltigen Salben oder Antibiotika behandelt werden. Bitte in diesem Zusammenhang unbedingt Rücksprache mit dem Hautarzt halten. Denn die Cortison- und Antibiotikaanwendung sollte in Maßen erfolgen, da Nebenwirkungen und nachhaltige Schäden bei kontinuierlicher Verwendung auftreten können. 

 

Quelle:
Deutsches Ärzteblatt
Apotheken-Umschau, Heft 15. September 2010

 

"Der Schriftbeitrag wurde von mir in meiner Eigenschaft als ärztlicher Beirat auf seine medizinische Aussagen geprüft. Es bestehen keine Bedenken. Der Beitrag eignet sich sehr gut als Vorinformation der Leidtragenden, kann jedoch nicht die individuelle ärztliche Diagnose, Beratung und Therapie ersetzen. Ich empfehle deshalb ausdrücklich den persönlichen Arztbesuch." Dr. med. Regine Sticken, Meldorf, www.hautarzt-meldorf.de

 

 


Das könnte Dich auch interessieren:

  1. Panthenol bei Neurodermitis Panthenol wird zur Neurodermitis-Behandlung in Form von Wasser-Öl-Emulsionen zur äußeren...
  2. Ölbad bei Neurodermitis Mit Ölbädern kann die trockene Neurodermitis-Haut gepflegt werden. Als Badezusätze...
  3. Neurodermitis und Kosmetik – richtig schminken Schminken ist, gerade bei Neurodermitis, ein schwieriges Unterfangen. Die trockene,...
  4. Hautpflege bei Neurodermitis Im Mittelpunkt der äußeren Therapien der Neurodermitis-Behandlung steht die Hautpflege mit...
  5. Basispflege bei Neurodermitis Die (tägliche) Basispflege der Haut ist besonders wichtig bei Neurodermitis....

2 Antworten zu “Richtig eincremen bei Neurodermitis”

  1. ingrid Cramm sagt:

    Guten Tag!
    ich leide seit 2 Jahren an einer fortschreitenden Neurodermitis an den Fingern – von den Fingerspitzen weiter in Richtung Hand. Blasenbildung und besonders Rissbildung beeinträchtigen den Alltag erheblich. Jeder Griff tut weh. Ich trage Gummihandschuhe und weiße Baumwollhandschuhe. Die Hautärztin hat eine Creme angeordnet, die aus Betametason0,025g, Chlorhexidingluc. 20% und nicht ionischer hydrophile Creme gemixt wird. Was kann ich noch tun um den Tag zu erleichtern. Ich bin bald 79 Jahre.
    Vielen Dank im Voraus

  2. molotowcocktail sagt:

    Hallo,

    seit gestern gibt es in allen österreichischen Apotheken und bei vielen Haut- und Kinderärzten einen neuen Elternratgeber für Kinder mit Neurodermitis.

    Apa-Text:

    “Damit sich Eltern im Informationsdschungel besser zurechtfinden, haben
    Österreichs KinderärztInnen und ApothekerInnen einen Eltern-Ratgeber
    erarbeitet und starten nun eine gemeinsame Aufklärungsoffensive.”

    Quelle:

    http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120316_OTS0071/neurodermitis-nimmt-zu-schon-jedes-10-kind-betroffen

    direkt downloaden kann man den Ratgeber hier:

    https://www.facebook.com/SpirigPharma/app_359209974102585

    LG molotowcocktail

Dein Kommentar

*