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Erfolgsgeschichte Anna: Ursachenforschung und Yoga anstatt Cortison

Seit wann / wie lange hast Du Neurodermitis?

Meinen ersten Neurodermitisschub hatte ich mit sechs Monaten, in meinem ersten Winter – und seither begleitet es mich mein Leben lang, mal mehr, mal weniger, aber immer im Winter mehr.

Wie fing die Krankheit an?

In diesem Winter hatte ich es vor allem an den Händen, die ich mir bis tief ins Fleisch aufgekratzt hatte.

Welche Erfahrungen hast Du in der Schule gemacht? Wie haben Deine Mitschüler auf die Ekzeme reagiert?

Es gab schon ein paar weniger schöne Reaktionen, zumal „damals“ (vor 30-40 Jahren) kaum jemand Neurodermitis hatte. Lange Zeit war ich die einzige in der Klasse, erst die letzten beiden Jahre vor dem Abi kam noch ein Mädchen mit Neurodermitis in die Klasse, die damals schon schwerer als ich betroffen war.

Wie haben Deine Eltern Dir die Krankheit erklärt?

Zusammen mit unserem Hausarzt haben sie immer wieder nach Erklärungen gesucht, aber wirklich eine Erklärung hat ja bis heute niemand – sonst wäre man sicher auch mit der Behandlung schon weiter.

Warst Du als Kind durch die Hautkrankheit eingeschränkt, wenn ja bei was?

Ich habe mich schon vor allem in Zeiten mit schlechtem Hautbild sehr in mich zurückgezogen. Außerdem wurde Neurodermitis „damals“ – weil man es im Gegensatz zu heute(!!!) – nicht besser wusste, vor allem mit Cortison behandelt – mit den entsprechenden Folgeschäden: Gastritis und Magen- und Zwölffindergarmgeschwüre, gravierende Darmprobleme, Lungenentzündungen (wegen des geschädigten Abwehrsystems), ständige Nebenhöhlenvereiterung, und und und … Das machte mein Leben dann erst richtig schwer! Mit Anfang 20 habe ich dann für sehr lange Zeit von Cortison die Finger gelassen.

Wie hat sie sich dann entwickelt, bis Du erwachsen warst?

In der Pubertät war sie sehr heftig, danach habe ich zum ersten Mal, wie schon erwähnt, kein Cortison mehr genommen, weil ich durch die ständigen Cortisongaben nur noch krank war. Die Haut war danach zwar sehr schwierig, aber bei mir breitete sich wenigstens nicht mehr jeder kleine Husten zur Rippenfellentzündung aus.

Was fandest Du am unangenehmsten an der Neurodermitis?

Alles! ;-) Die Einschränkung, das Ausgeliefertsein, der Juckreiz, der einen nicht mal schlafen lässt, die Entstellungen … Aber trotzdem sehe ich auch „Vorteile“ der Neurodermitis. Sensibler zu sein hat ja auch seine guten Seiten. Und es gibt noch mehr.

Was war Deine schlimmste Situation mit dem “atopischen Ekzem”?

Der „große“ Cortisonentzug vor sechs Jahren. Das war die wahre Hölle! Und dieser Entzug und die unerwartet schlimmen Folgen der vorherigen Cortisoneinnahmen, in die ich mehr oder minder reingeschlittert bin durch eine einzige „dämliche“ Cortisonspritze,  waren es dann auch, die mich veranlasst haben, dieses Buch „Das zweite Gesicht“ zu schreiben – um zu warnen und zu zeigen, dass Cortison allzu leicht eine Zeitbombe werden kann. Man kann eine chronische(!) Erkrankung nicht (allein) mit Akut(!)medizin behandeln.

Was hat Dir durch die Krankheit gefehlt, gab es Dinge, auf die Du als Erwachsener verzichten musstest?

Ich denke, sie hat mein ganzes Leben beeinflusst – und mein Sein und Werden. Es hat natürlich Einfluss auf den Charakter und die Sicht auf sich und die Welt, wenn man ständig mit einer chronischen Erkrankung konfrontiert ist, die nach außen auch noch so stark sichtbar ist. Aber, wie ich auch in dem Buch beschreibe: Die Neurodermitis hat nicht nur Nachteile. Ich habe durch sie auch viel gelernt und muss ihr in eigenen Bereichen, so paradox das klingen mag, sogar dankbar sein.

Wie viele Ärzte hast Du in der ganzen Zeit aufgesucht, wie viele Therapien ausprobiert?

Sehr viele Ärzte, bis ich gemerkt habe, dass sie alle das Gleiche machen – mit einer Ausnahme: Mit Anfang 40 kam ich in das dermatologische Krankenhaus in Leutenberg, das sich auf Neurodermitis spezialisiert hat und wo ich dann auch den harten Cortisonentzug gemacht habe. Dort wird wirklich therapiert, und zwar eben ohne Cortison, und dort habe ich dann auch sehr viel über die Krankheit und den Umgang mit ihr gelernt – und wie viel man als Frau schon während der Schwangerschaft tun kann, um die Allergiegefährdung der eigenen Kinder wenigstens gering zu halten.

Therapien habe ich natürlich auch viele gemacht, auch „selbstentwickelte“, vor allem Diäten in alle Himmelsrichtungen, Magnetfelder, Brottrunk, Homöopathie, Bioressonanz, etc. Das Wichtigste ist aber, dass man lernt, sich selbst zu beobachten.

Anna, du machst Yoga. Hat dies bei der Bewältigung Deiner Neurodermitis eine Rolle gespielt?

Yoga kann sich günstig auf die Neurodermitis auswirken: Zum einen kann man mit Yoga dazu beitragen, seinen Körper zu entgiften und sein Immunsystem zu stärken, und zum anderen kann man die „angekratzten“ Nerven damit beruhigen, eben einfach innerlich ruhiger werden. Beides sind wichtige Voraussetzung für eine positive Beeinflussung der Neurodermitis.

Yoga geht auch sehr auf den Geist, die Seele und die Ausgeglichenheit ein. Neurodermitis hingegen verschlimmert sich unter Stress und psychischem Druck. Spielt Yoga in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Rolle?

Ja, wie eben schon gesagt: Yoga – das ist nicht einfach nur Dehnen, sondern das sind auch Atemübungen und Meditation. Es ist erstaunlich, wie sehr man sich schon einfach nur dadurch beruhigen kann, dass man länger aus- als einatmet. Dies und vieles mehr kann man im Yoga lernen.

Welche weiteren Therapien haben bei Dir geholfen, welche nicht?

Die Liste wäre sehr lang – in beide Richtungen. Der falsche Weg sind meiner Meinung nach Immunsuppressiva, und zwar je schlimmer man es hat, umso falscher. Je mehr ich die Reaktion meines Körpers mit Gewalt (Immunsuppressiva) runterdrücke, desto heftiger wird sie später wieder hochschlagen. Es ist ein Teufelskreis, der umso schlimmer wird, je länger man damit zu tun hat.

Hilfreich sind z.B. histaminarme und basische Ernährung (gleichzeitig), ein stressfreies Leben (ich weiß, dass man das nicht an der nächste Ecke kaufen kann! ;-) ), Entspannungsübungen und Klimakuren.

Hast Du irgendwann aufgehört, nach neuen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen?

Nein, habe ich nicht – bis heute nicht. Aber wonach ich viel mehr suche, ist, WARUM die Haut immer wieder anfängt „zu spinnen“. Das finde ich viel wichtiger. Nur wenn man die Ursache kennt, kann man sie vermeiden. Viele Ursachen kenne ich inzwischen bei mir und denke, man kann beim Lesen meines Buches sehen, wie man diese Ursachen auch bei sich selbst findet – das zumindest sagen mir die Leserreaktionen. Und eben diese Ursachenfindung ist die Basis für eine Besserung des Hautbildes.

Welche Tipps hast Du für Neurodermitiker, welche für Eltern von Kindern mit Neurodermitis?

Viele! Aber auch hier würde das wieder den Platz sprengen! Ganz wichtig ist der Kontakt zu einem guten(!) Hautarzt – und das ist für mich jemand, der einen nicht mit einem Salbenrezept oder gar mit Cortisontabletten nach Hause schickt. Die Klinik in Leutenberg ist in ihrer Arbeit wirklich vorbildlich, Eltern können dort mit ihren Kindern unterkommen, und beide lernen, mit der Krankheit anders umzugehen. Von Diätschulung über Entspannungstechniken, Vorträge und cortisonfreie(!) Salbenbehandlungen wird dort unheimlich viel gemacht. Auch Neurodermitisverbände (vor allem der Bundesverband Neurodermitiskranker aus Bobbard, http://www.neurodermitis.net/) sind sehr, sehr hilfrich!

Ich will hier wenigstens drei wichtige Tipps geben:

Das ist zum einen die histaminarme und basische Ernährung, wobei man vorher von einem Arzt abklären lassen sollte, ob man auf Histamin reagiert oder nicht.

Dann ein Tipp, die Haut nicht mehr aufzukratzen: Ich lege mir dann in einen dünnen Stoff eingewickelte Tiefkühlakkus auf die juckende Haut und/oder „krazte“ nur mit den Fingerknöcheln; auch so wird die Haut geschont.

Außerdem gibt es Cremes und ganz besondere basische Bäder von der Firma Siriderma, die sehr empfehlenswert sind und speziell für Neurodermitiker entwickelt worden sind. Auch Klimakuren halte ich für sehr effektiv!

Wie können sich Leser an Dich wenden, wenn Sie noch Fragen haben?

Einfach anmailen! Die Kontaktadresse findet sich auch auf meiner Webseite: http://www.anna-wolff.com

Vielen Dank Anna!

Anna ist Autorin des Buches "Das zweite Gesicht: Neurodermitis. Mein Weg aus der Verzweiflung"

 

Linktipp: 

Mehr zum Thema Entspannung findet ihr auf der Website Ausgeglichenes Leben.


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