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Neurodermitis – Formen und verbundene Krankheiten

 

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

 

Wussten Sie schon, …

 

dass die Grunderkrankung Neurodermitis viele Gesichter hat? Neurodermitis (Atopische Dermatitis/AD) wird vom Laien meist als juckende Hautkrankheit wahrgenommen, aber: nicht immer reagiert der Neurodermitiker deutlich sichtbar über die Haut, manchmal überwiegen Symptome wie häufige Bindehautentzündungen, starkes Schwitzen, Rötungen der Haut oder unspezifische Hautverdickungen ohne auslösende Infektion. Weitere Stigmata (charakteristische, aber nicht krankheitsspezifische Hautzeichen) sind z.B. die Dennie-Morgan-Falte (doppelte Lidfalte), ein erhöhter IgE-Serum-Spiegel (manchmal ohne allergietypische Symptome), weißer Dermographismus, auch „Vitiligo“ genannt, oder palmoplante Hyperlinearität, die sich durch verstärkte Handlinienzeichnung äußert.

 

Vitiligo („Scheckhaut“, „Weißfleckenkrankheit“) ist eine Hauterkrankung, die zu fortschreitender Depigmentierung der Haut führt und ca. 0,5 % der Weltbevölkerung betrifft. 50 % der Vitiligo-Betroffenen sind bereits vor dem 10. Lebensjahr betroffen, Vitiligo betrifft vor allem junge Menschen. Im Kindesalter sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen. Diese erkranken aber später in ihrem Entwicklungsverlauf auffällig häufiger als Mädchen. Im Erwachsenalter sind beide etwa gleich häufig betroffen (Interview Frau Prof. Dr. Regina Förster-Holst, Kiel 2013). Die Depigmentierung beruht auf einem Verlust der Melanozyten in der Epidermis. Ursache sind u.a. Störungen der Immunfunktion, Veränderung von Zellorganen, Stress (mechanische Verletzungen, UV-Kontakt, Bleichmittel, emotionaler Stress).

 

Andere Länder wie z.B. Frankreich sind schon viel weiter in der Erkenntnis, welche häufigen Folgeerkrankungen durch Neurodermitis ausgelöst werden können. So ist u.a. durch langjährige Beobachtungen die besondere Infektanfälligkeit bekannt, vor allem Hautinfektionen durch Staphyloccocus Aureus sind signifikant höher bei Patienten mit Neurodermitis. Auch weiß man schon lange, dass viele Neurodermitiker in der Folge einer nicht oder nicht ausreichend behandelten Allergie später Heuschnupfen oder allergisches Asthma entwickeln und oft zudem an chronischer Sinusitis leiden.

 

Die Haut von Kindern und Erwachsenen mit AD ist üblicherweise mit einer hohen Zahl von Staphylococcus aureus besiedelt. Zwar nimmt man an, dass dieser Keim eine Rolle bei den entzündlichen Hautprozessen spielt, doch eine orale Antibiotikabehandlung reduziert weder die Symptome noch den Schweregrad des atopischen Ekzems. Vielmehr bringt sie die Gefahr neuer Resistenzen mit sich und für die Patienten zusätzliche Belastung durch Nebenwirkungen. So sollte eine antibiotische Therapie nur bei Neurodermitikern mit nachgewiesener Infektion und in Kombination mit anderen Maßnahmen verwendet werden.

 

Andere Pilz,- Virus- oder Bakterielle Infektionen treten ebenfalls gehäuft  auf. Die durch Kratzen oder wegen extremer Trockenheit lädierte Hautoberfläche macht es Viren und Bakterien besonders leicht einzudringen. Zu diesen Infektionen gehören auch Dellwarzen, sie treten nur bei Neurodermitikern auf.  Die durch Viren aus der Pockengruppe ausgelöste Infektion betrifft vor allem Kinder und ist ansteckend. Die wässrigen Pöckchen treten u.a. im Gesicht auf (oft auch an den Augenlidern), am Hals, in den Achseln, am Oberkörper, den Händen und Füßen, bei Erwachsenen meist im Genitalbereich. Vor allem das vermehrte Auftreten an den Füßen hat sich unter dem Begriff Schwimmwarzen den meisten Eltern schulpflichtiger Kinder eingeprägt.

 

Eine besondere Form der Neurodermitis ist die Nesselsucht/Urtikaria, sie tritt bei etwa 25 % der Neurodermitiker auf. Hier reagiert der Körper auf unterschiedliche Auslöser in Form von mehr oder weniger ausgeprägten juckenden Quaddeln auf, aber auch mit Schwellungen bzw. Wasseransammlungen unter der Haut (Angioödem). Sie kann sporadisch oder auch chronisch auftreten. Auslöser der spontanen Urtikaria mit einem Krankheitsverlauf von weniger als 6 Wochen sind meist Infekte, Schmerz- oder andere Arzneimittel. Die chronische Urtikaria besteht länger als 6 Wochen und ist meist die Folge einer pseudoallergischen Reaktion auf z.B. Intoleranzen, einen Befall mit Helicobacter pylori (Magenschleimhautbakterium), thermische oder mechanische Reize (Wärme. Kälte, enge Kleidung), synthetische Folsäure und z.B. chronische Infekte (Magen, Zähne, Darm).  Die physikalische Urtikaria wird u.a. ausgelöst durch Licht (UV- und/oder sichtbares Licht), Wasser (Aquagene U.), Scherkräfte (Kratzen auf der Haut), Vibrationen (z.B. Presslufthammer), erhöhte Körpertemperatur (cholinergische U., z.B. durch Anstrengung, scharfe Gewürze), Kontakturtikaria, körperliche Anstrengung, z.T. in Verbindung mit Nahrungsaufnahme.

 

Urtikaria im Kindesalter (1-10 Jahre): Betroffen sind laut der Geburtenkohortenstudie LISAplus und GINIplus ca. 1 %, die Urtikaria bildet damit  eine häufige Erkrankung im Kindesalter. Jungen sind mit 14,5 % betroffen, Mädchen mit 16,2 %. Alle hatten eine allergische Sensibilisierung mit Erdnuss, Soja und Weizenmehl, aber nicht gegenüber Inhalationsallergenen. Sehr stark war auch die Vorgeschichte mit elterlicher Atopie/Urtikaria als auch mit Ekzem, Asthma und Heuschnupfen.

 

Laut einer aktuellen Studienveröffentlichung des AllergoJournal besteht bei Kindern und Jugendlichen mit Neurodermitis ein um 50 % erhöhtes Risiko für AD(H)S, auch hyperkinetisches Syndrom genannt. Auf dieses Thema bin ich ja bereits näher eingegangen. Die gleiche Studie kam auch zu dem Ergebnis, dass Neurodermitis eine signifikante Assoziation mit psychiatrischen bzw. psychosomatischen Störungen bei Erwachsenen (Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Somatisierungen, zwanghafte Störungen) aufweist, hier besteht ebenfalls eine Erhöhung der Krankheitswahrscheinlichkeit um 50 %. Spielt manchmal im Verlauf einer chronischen Erkrankung die Psychosomatik eine symptomauslösende oder symptomverstärkende Rolle, so konnte ein solcher Zusammenhang vor allem bei Kindern in mehreren Studien ausgeschlossen werden. Psychosomatische Erkrankungen können aber eine Folge der belastenden chronischen Erkrankung sein – und nicht Ursache. Diffuse psychosomatische Symptome bei Erwachsenen – bis hin zu ausgeprägten Depressionen – sollten immer auch unter dem Aspekt einer Neurodermitis untersucht und behandelt werden.

 

Zum psychiatrischen Formenkreis gehört auch Autismus. AD(H)S und Autismus haben eine etwa 75 %-ige Überlappung der Symptome.

 

Ein weniger bekanntes Nebenmerkmal der Neurodermitis ist der sogenannte Graue Star. Der Fachbergriff  Katarakt steht für „Wasserfall“ oder „herabstürzend“ und beschreibt damit die nachlassende Sehkraft durch die sich trübende Augenlinse. Die Embryonalentwicklung des Menschen im Mutterleib soll Ursache der Linsentrübung bei anlagebedingten Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Morbus Wilson sein. Auch kann sich z.B. eine Kuhmilcheiweißallergie beim Neurodermitiker als Augenlinsenerythem manifestieren. Neue Erkenntnisse belegen, dass die allergische Reaktion am Auge (okulär) mehr als „nur“ eine IgE-vermittelte Konjunktivitis ist. Bei okulären Allergien ist das ganze Auge betroffen, d.h. neben der Bindehaut auch die Lider, Hornhaut, Tränendrüse und Tränenfilm.

 

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) ist eine Sonderform bzw. Komplikation der Neurodermitis. Nach Schätzungen sind etwa 2% der Bevölkerung betroffen. Ursache ist eine Entzündung der Haarwurzel als Überaktivität des Immunsystems, aus bisher unerforschten Gründen stuft es die Haare als Fremdkörper ein und bekämpft sie. Das Haar fällt kreisförmig aus. Etwa ein Drittel der Allergiker leiden an k. H. Dabei handelt es sich nicht um die Folgen eines Vitamin- oder Mineralstoffmangels im Gegensatz zu anderen Formen des Haarausfalls, auch eine Vergiftung, Mangelernährung, psychische Belastung oder Umweltschadstoffe können als Ursache ausgeschlossen werden. In einigen Fällen kommt es auch zu Nagelveränderungen, sogenannten Tüpfnägeln.

 

Der kreisrunde Haarausfall (k. H.) war bereits Hippokrates (460-370 v.Chr.) als „Fuchskrankheit“ bekannt. Schon damals konnte man beobachten, dass Füchsen das Fell (die Haare) flockenförmig ausfiel. Damit hatte man eine Bezeichnung für das unerklärliche Problem gefunden. Im Gegensatz zur Neuzeit galt als probates Mittel dagegen allerdings Hühnerdreck oder Kuhfladen mit Honig vermischt, eine Zeiterscheinung, die wir uns sicher nicht zurückwünschen. Ob diese Behandlung Wirkung zeigte, lässt sich leider nicht mehr belegen.

 

In der Regel hat der Mensch etwa 100 000 Haare. Ein Haarzyklus umfasst die Wachstumsphase, eine Übergangsphase und letztendlich die Ruhephase, dann beginnt der Zyklus von neuem. Haarausfall gilt bis zum 30. Lebensjahr bei einer Menge von 50 Haaren pro Tag als normal, bis zum 40. Lebensjahr 60 Haare und nach dem 50. Lebensjahr 100 Haare. Wenn man das Gefühl hat, mehr Haare zu verlieren und diese vor allem nicht mehr nachwachsen, dann muss geklärt werden, ob es sich um einen reversiblen (rückgängig machbar) oder irreversiblen Vorgang (Alocepia androgenetica) handelt. Der irreversible Haarausfall ist meist erblich-hormonell bedingt (Geheimratsecken, lichter Scheitel). Die reversible Variante (das Haar fällt büschelweise aus) hat verschiedene Ursachen, u.a. bestimmte Medikamente, Ernährungsfehler, Infektionskrankheiten, Stress, hormonelle Veränderungen u.v.m. und kann mit geeigneten Therapieansätzen (Cortison, Zink, Schilddrüsenhormone) behandelt werden. Der kreisrunde Haarausfall ist zu 80 % auf die Kopfhaut beschränkt, bei Männern meist auch um den Bart herum.

 

Mögliche Ursachen sind Nahrungsmittelallergien, Schwermetalle (Nickel, Chrom, Kobalt, Blei), Jodmangel, aber auch Jodunverträglichkeit (Lichen ruber) oder Reaktionen auf Wasch- und Pflegemittel, besonders auf Shampoo, Haarspray, Haar Gel, Tönungen, Haarfärbemittel. Therapieansätze sind IgE-Allergietests, spezielle Immuntherapie, allgemeine Untersuchungen wie Blutbild, Blutsenkung, Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsen-hormonbestimmung (PTH), Eisenwerte im Serumblut, Vitamin- und Mineralstoffhaushalt oder Trichogramm (mindestens 50 Haare werden ausgerissen und untersucht).

 

Die derzeitige Immuntherapie umfasst eine Behandlung mit Chemikalien: der Wirkstoff Diphenylcyclopropenon (DPCP) wird auf die Kopfhaut aufgetragen und löst eine begrenzte Entzündung/Allergie (ähnlich einem Sonnenbrand) aus, dadurch bekommt das Immunsystem eine andere Aufgabe und die Haarbälge können sich erholen. DPCP ist nicht als Medikament zugelassen und wird von Hautärzten vorsichtig und exakt eingestellt.

 

Behandlung mit DPCP: Die Behandlung mit DPCP ist bei mehr als 50 % Haarausfall auf der Kopfhaut vielversprechend, meist kommt es zu mehr 60 % Besserung mit etwa 90 % Wiederherstellung des Haarwuchses. Als noch wirksamer hat sich aber in einer Studie die Kombinationsbehandlung mit Cignolin erwiesen, die Haare wachsen besser (100 %) und schneller wieder nach. Quelle: Springer Medizin 2/2015.

 

Die Behandlung mit Psoralen in Verbindung mit UV-Strahlen bestimmter Wellenlänge ist als Therapie umstritten, denn das macht die Haut lichtempfindlich. Der Wirkstoff Tofacitinib  („Xeljanz“) ist ein Mittel zur Behandlung rheumatischer Arthritis (Bezug über USA) und hier noch nicht zugelassen. Das Mittel hat aber verblüffende Wirkung gezeigt bei Haarausfall durch k. H. oder Psoriasis. Studien zur Zulassung für Deutschland laufen, dabei wird der Wirkstoff als Salbe eingesetzt. Eine Kopfhautbiopsie kann einen Befall von z.B. Pilze oder Parasiten abklären. Als lindernd haben sich spezielle Shampoos mit z.B. Brennnessel- oder Rosmarinzusätzen erwiesen sowie  Spülungen mit Rosmarintee: dazu 1 TL Rosmarin (Apotheke) mit kochendem Wasser aufgießen, 5 Minuten ziehen lassen, auf der Kopfhaut einmassieren, etwas einziehen lassen, dann abspülen. 

 

Eine Studie des Danish National Hospital kam zu dem Ergebnis, dass bei erwachsenen Patienten mit einer schweren Neurodermitis das Risiko für Hautkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) erhöht ist. Außerdem mehrten sich in der Studie die Hinweise, dass Nesselsucht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Blutkrebs ist. Ein Zusammenhang mit Therapieverfahren wie UV-Bestrahlung und Teerbädern ist laut der Studie denkbar, diese Verfahren wirken z.T. karzinogen. Allerdings sind laut der Forschungsgruppe diese Patienten meist früh in hautärztlicher Behandlung und der Krebs wird schneller erkannt (schwacher Trost).

 

Eine besonders unangenehme Form der Neurodermitis ist der Pruritus. Als kleiner Bruder des Schmerzes wurde Juckreiz (chronischer Pruritus, Prurigoform der Neurodermitis) zumeist als lästig, aber nicht zu vermeiden, verniedlicht. Dabei wird der Juckreiz je nach Grunderkrankung über unterschiedliche Nervenbahnen geleitet. Diese unterteilen sich in Dermatologische Erkrankung (atopisches Ekzem (10 %), Psoriasis vulgaris (80 % leiden an Juckreiz), Atopische Grunderkrankungen/Kontaktallergien (50%), Systemische, nicht dermatologische  E. (chronische Niereninsuffizienz, Leber- und Schilddrüsenerkrankungen, Rückstau von Gallenflüssigkeiten, Lymphome, Karzinoide, biliäre Zirrhose (über 50%), selten bei Morbus Hodgkin), Neurologische E. (Multiple Sklerose, zerebrale Infekte, Abszesse, postherpetische Neuralgie, Polyneuropathien, Dermatozoenwahn, d.h. Kratzen aus Angst vor Ungezieferbefall), Psychiatrische/psychosomatische Erkrankungen, Medikamente (Antibiotika, Antidepressiva, Antikonvulsiva, Betablocker, Gichtmittel Allopurinol u.a.), Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Hyperurikämie, dekompensierte Niereninsuffizienz, Hormonstörungen) sowie bösartige Tumore (1%). Andere mögliche Auslöser sind Parasitosen (Krätze), Altersneurodermitis, Schuppenflechte, Erythrodermie (großflächige Hautrötung) und Arzneimittelexanthem (z.B. auf  Medikamentenwirkstoffe wie Hydroxyethylstärke).

 

Juckreiz verursacht genauso viel Leidensdruck wie Schmerz, wird aber meist nicht so ernst genommen. Ausgelöst wird Juckreiz durch mechanische (Druck, Reibung) oder taktile Reizung (Fasern eines Wollpullis), aber auch durch diverse Entzündungszellen oder Histamin in Mastzellen. Der ekzematöse Juckreiz kann durch Karenz des auslösenden Kontaktallergens unterbunden werden, der auslösende Botenstoff ist aber noch nicht eindeutig identifiziert, vermutet wird das von T-Zellen gebildete Interleukin 31. Juckreiz wird im Gehirn verarbeitet und eingeordnet. Das Kratzen lindert nicht die Symptome, sondern löst den Juckreiz aus („Alloknesis“). Die individuelle Kratzschwelle zwischen den Betroffenen variiert sehr stark. Pruritus tritt bei Neurodermitikern häufiger, stärker und intensiver auf als z.B. bei Menschen mit Psoriasis.

 

 

Arzt: „Keine Sorge, Ihrem Vater geht es gut. Er bildet sich die Krankheit nur wieder ein.“ Am nächsten Tag erkundigt sich der Arzt: „Wie geht es Ihrem Vater heute?“ – „Jetzt bildet er sich ein, tot zu sein.“

 

Viele Eltern bzw. Betroffene haben schon erlebt, dass die Beschwerden/unklare Symptome bei sich/dem Kind vom Arzt abgewimmelt werden mit dem Hinweis auf psychische Belastungen durch Kratzen oder schlaflose Nächte. Immer wieder kommt auch der Hinweis, man hat (noch) keine Ekzeme/keinen Durchfall, also kann es keine Allergie sein. Ein Trugschluss, der einem verantwortlichen Arzt nicht passieren sollte, aber jeder hat so seine eingefahrenen Ansichten. Einige von Ihnen werden sich aufgrund solcher Erfahrungen vielleicht auch in dieser Fallschilderung wiedererkennen: M. wurde 3 Wochen gestillt, dann wegen einer komplizierten Brustentzündung auf eine H.A.-Nahrung umgestellt. Die Familie entschied sich für die H.A.-Nahrung wegen der allergischen Vorgeschichte einzelner Familienmitglieder. Einige Tage nach einer Impfung anlässlich der U3-Untersuchung entwickelten sich Ekzeme am ganzen Körper, vor allem Hals, Gesicht und Brustbereich waren tiefrot und geschwollen. Der Kinderarzt sah aber keinen Grund zu einer eingehenden Diagnostik, sah die Symptome als normale und harmlose Folge der Impfung.

Durch Einsatz einer „Wundersalbe“ besserte sich das Hautbild. Das nimmt kein Wunder, denn die Salbe bestand u.a. aus einer pflanzlichen Komponente mit natürlichem Cortisongehalt (und deshalb leider nicht deklarations-pflichtig). Der kleine Bursche hatte nun eine unauffällige Haut, aber er selbst war extrem unruhig, schlug mit dem Kopf hin und her, reagierte auf vieles mit Unruhe, nervösem Verhalten und kratzte sich ununterbrochen. Auf Lakritz reagierte er mit Anschwellen des Körpers sowie heftigem Juckreiz, auf Banane „nur“ mit Juckreiz, zu bestimmten Pollenflugzeiten schwollen die Augen extrem an. Frischer Apfel führte zu Schockreaktionen und Schreikrämpfen, er war dann wie paralysiert. Das wiederum ließ beim Kinderarzt aufhorchen und den Verdacht einer psychosomatischen Störung aufkommen und sodann ein EEG veranlassen, wie zu erwarten ergebnislos. Hunderte € wurden zudem mit „Ausleitungen“ durch einen Heilpraktiker verschwendet.

Nachdem auch N., der kleine Bruder, Atemnotanfälle bekam und diese mit einem Inhaliermittel der Nachbarin für Asthma behandelt wurde – frei nach dem Motto, was dem einen hilft, kann dem anderen nicht schaden-, was wiederum bei Junior zu Nesselsucht führte, fand die Familie endlich den Weg zu einem Allergologen und nach gründlicher Diagnose in der Folge zu mir.

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 


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