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Nesselsucht – Interview mit Frau Dr. Carolyn Krieg

Frau Dr. med. Carolyn Krieg ist Fachärztin für Dermatologie und besitzt die Zusatzbezeichnung Allergologie. Sie ist in München, in ihrer eigenen Privatpraxis tätig. Unter anderem leitete sie zuvor die Nesselsucht-Sprechstunde an der Hautklinik der LMU München.

Liebe Frau Dr. Krieg, vielen Dank für Ihre Bereitschaft zum jucknix-Interview! Wir freuen uns sehr über Ihre Unterstützung, insbesondere natürlich auch deshalb, weil Sie als ehemalige Leiterin der Nesselsucht-Sprechstunde über viele Erfahrungen auf dem Gebiet der Urtikaria verfügen. Möchten Sie sich und Ihre Hautarzt-Praxis zu Beginn des Interviews kurz bei den Lesern vorstellen?

Gerne. Ich bin 34 Jahre alt und gebürtig aus Regensburg. Nach meinem Medizinstudium an der Universität Leipzig war ich zunächst an der Hautklinik der LMU München beschäftigt, anschließend für mehrere Jahre in Frankfurt tätig und bin schließlich 2010 wieder nach München zurückgekehrt. Seit dem letzten Jahr habe ich eine eigene Privatpraxis in der Hackenstraße im Zentrum von München und beschäftige mich dort hauptsächlich mit konservativer Dermatologie, Kinderdermatologie und allergischen Erkrankungen. Allergische Erkrankungen und auch die Nesselsucht begleiten mich bereits seit meinem Medizinstudium. Schon für meine Promotion untersuchte ich das Verhalten bestimmter Blutzellen bei Allergiepatienten, ein Verfahren, das übrigens auch heute noch bei bestimmten Nesselsuchtformen durchgeführt wird.

Nesselsucht gehört zu den weitverbreitetsten Hautkrankheiten Westeuropas. Woran können Betroffene erkennen, dass sie oder ihre Kinder an der Krankheit leiden?

Eine Nesselsucht – oder auch Urtikaria genannt – äußert sich in stark juckenden Quaddeln (wie nach einem Kontakt zu Brennesseln), die unterschiedlich groß sein können und an allen Stellen des Körpers auftreten können. Typisch ist, dass die Hautveränderungen kommen und gehen und die Haut nach dem Verschwinden der Quaddeln wieder völlig normal aussieht. Neben den Quaddeln kann es auch zu flächenhaften Schwellungen zum Beispiel an Lippen oder Augenlidern kommen, man spricht hierbei dann von sog. Angioödemen. Die Nesselsucht kann unterschiedlich lange anhalten. Dauert sie kürzer als 6 Wochen, spricht man von einer akuten Form, dauert sie länger als 6 Wochen, spricht man von einer chronischen Form.

Welche Rolle spielt die Psyche bei der Nesselsucht (und anderen Hautkrankheiten)?

Die Psyche kann bei vielen Hautkrankheiten eine Rolle spielen. Stress kann beispielsweise Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Neurodermitis und auch die Nesselsucht negativ beeinflussen. Allerdings führen die aufgeführten Hautkrankheiten selbst auch oft zu psychischen Problemen, da sie die Lebensqualität der betroffenen Patienten häufig stark einschränken.

Wie gefährlich ist die Nesselsucht, woran zeigt sich ein Notfall und was sollte man tun, wenn es ernst wird?

Die Nesselsucht wird dann gefährlich, wenn sie Ausdruck eines beginnenden allergischen Schocks ist. So können zum Beispiel bei Insektengiftallergie nach einem Stich kurze Zeit später Quaddeln am gesamten Körper und Schwellungen auftreten, die dann von Herz- Kreislaufbeschwerden oder Magen- Darmproblemen begleitet werden können. Im schlimmsten Fall kann es zu Bewusstlosigkeit und Herz- Kreislaufstillstand kommen.

Wenn ein solcher Notfall eintritt, sollte man so schnell wie möglich einen Notarzt alarmieren, in der Zwischenzeit den betroffenen Patienten hinlegen und – wenn vorhanden – ein Notfallset – bestehend aus Antihistaminikum, Kortison und einem Adrenalin-Autoinjektor verabreichen.

Was hat die Menschen, die mit Nesselsucht in ihre Sprechstunde kamen, am meisten belastet?

Am meisten belastet die Patienten der quälende Juckreiz, der durch die Nesselsucht verursacht wird und die Ungewissheit, wie lange die Erkrankung dauern wird.

Gegen Juckreiz gibt es kein Patentrezept, oder doch? Welche Tipps geben Sie Patienten, die nachts aufgrund des Juckreizes nur schwer ein- und durchschlafen können?

Mein Ziel ist, dass meine Patienten durch ihre Nesselsucht-Medikamente so gut versorgt sind, dass sie keinen oder nur wenig Juckreiz haben und ihr Leben durch die Nesselsucht nicht beeinträchtigt wird. Sollte es trotzdem einmal zu starkem Juckreiz kommen, empfehle ich – wie auch bei Neurodermitis-Patienten – Kratzalternativen. Kratzalternativen können zum Beispiel sein, dass die juckende Stelle mit kaltem Wasser gekühlt wird oder mit einer kühlenden Creme sanft massiert wird.

Wie sieht die ideale Nesselsucht-Therapie aus? Welche Rolle spielen naturheilkundliche / alternative Heilmethoden?

Die ideale Nesselsucht Therapie sollte zur Beschwerdefreiheit des Patienten führen. Sie sollte gut verträgliche, nicht müde machende Antihistaminika beinhalten, und kann gegebenenfalls noch um weitere Medikamente ergänzt werden. Ich orientiere mich bei der Therapie meiner Patienten jeweils an den aktuellen Leitlinien zur Therapie der Urtikaria, die in Fachjournalen veröffentlicht werden. Zu naturheilkundlichen oder alternativen Heilmethoden in der Therapie der Urtikaria sind mir keine kontrollierten Studien bekannt, die eine Wirkung nachweisen konnten, daher kann ich hierzu keine wissenschaftlich fundierte Empfehlung aussprechen.

Wann sollte man bei Nesselsucht oder Verdacht darauf einen Hautarzt aufsuchen?

 

Ich würde in jedem Fall bei Verdacht auf eine Nesselsucht (auch bei ganz neu aufgetretenen Beschwerden) einen Hautarzt aufsuchen, da man dort eine vernünftige Therapie erhält und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden können.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Können sich die Leser bei weiteren Fragen an Sie wenden, wenn ja, wie?

Bei weiteren Fragen stehe ich gerne in meiner Sprechstunde zur Verfügung.
 

Hier die Daten der Praxis:

Dr. med. Carolyn Krieg
Privatpraxis Allergie und Haut München
Hackenstraße 7
80331 München
Tel. 089 890 65 670                                      
www.allergie-hautarzt-muenchen.de

 


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2 Antworten zu “Nesselsucht – Interview mit Frau Dr. Carolyn Krieg”

  1. Dr.Linde sagt:

    Sehr interessant und aufschlussreich.
    Inge von
    Allergologe München

  2. Jacqueline kehl sagt:

    Mein sohn, gerade 4 geworden hatte eine mittelohrentzündung und bekam amoxicillin verschrieben. Die einnahme war nur kurzzeitig (5 tage). Am 7. tag nach behandlungsbeginn bekam er eine schwere nesselsucht, welche sich die ersten beiden tage so verschlimmerte das er cortison bekam. Zusätzlich die doppelte menge cetirizin. Der juckreiz und die quaddeln gingen dadurch nicht weg, lediglich sein allgemeinzustand verbesserte sich etwas. Heute am 3. tag scheint trotz cortison 50 mg und cetirizin 2,5 ml (nicht doppelt) der juckreiz viel schlimmer, lediglich im gesicht sieht er besser aus. Arme, bauch, rücken ist alles eins geworden, unterarme, beine, po übersäht von quaddeln.
    Eine so starke reaktion ausgelöst durch amoxicillin und nicht wirklich was gegen den juckreiz ist schrecklich und absolute qual fürs kind. Ist das wirklich als reaktion auf amoxicillin in dem maß normal ?

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