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Nesselausschlag

Nesselausschlag (auch: Urtikaria, Nesselsucht, Nesselfieber) bezeichnet eine Erkrankung, bei der die Haut auf bestimmte Reize krankhaft reagiert, zum Beispiel auf Medikamente oder Nahrungsmittel (allergischer Nesselausschlag), auf physikalische Reize wie Wasser, Licht, Druck, Wärme oder Kälte, oder auf immunologische Reize und Stress. Oft kann die Ursache auch gar nicht gefunden werden, dann handelt es sich um eine idiopathische Urtikaria.

Nesselausschlag zeigt sich in seinen typischen Quaddeln oder Hautrötungen, häufig geht der Ausschlag mit Juckreiz einher.

Während der akute Nesselausschlag meist innerhalb von sechs Wochen wieder verschwunden ist, kann er bei chronischem Verlauf über Jahre oder Jahrzehnte bestehen.

Urtikaria gehört zu den häufigsten Krankheiten, jeder vierte bis fünfte Deutsche ist einmal oder häufiger in seinem Leben davon betroffen. Die akute Nesselsucht tritt fünf- bis zehnmal häufiger auf als die chronische.

Anders als bei den seit einigen Jahrzehnten massiv zunehmenden Allergien verbreitet sich der Nesselausschlag nicht weiter – vor 30 Jahren waren etwa genauso viele Menschen betroffen wie heute.

Nesselausschlag – Ursachen und Formen

Auslöser des Ausschlags ist aus den Mastzellen freigesetztes Histamin. Histamin macht die Hautblutgefäße weiter, wodurch es zu Wassereinlagerungen in der Lederhaut kommt.

Die Gründe für die Histaminausschüttung sind vielfältig:

  • Allergie: der Körper reagiert auf an sich harmlose Substanzen aus der Luft, Nahrung oder nach Kontakt und leitet die entzündlichen Prozesse ein (betrifft nur jeden 10. Nesselausschlag)
  • Autoreaktivität: der Organismus verträgt körpereigene Stoffe nicht (Autoimmunerkrankung)
  • Überempfindlichkeit gegen Medikamente, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Aromastoffe u.a. in Kosmetikprodukten oder der Nahrung
  • Histaminabbaustörung: Histamin sammelt sich übermäßig in den Mastzellen an
  • Chronische Infekte, die sich ausschließlich im Rahmen eines Nesselausschlags bemerkbar machen (versteckte Entzündungsherde)
  • Andere organische Ursaschen wie Störungen in der Nebennierenrinde
  • Infektion mit Helicobacter pylori oder anderen Bakterien
  • Stress (wird noch diskutiert, ob dies wirklich ein Auslöser ist – ein verstärkender Einflussfaktor ist er jedoch nachweislich)

Den vermutlich größten Anteil hat die physikalische Urtikaria, bei der der Ausschlag nicht durch chemische Substanzen ausgelöst wird, sondern durch äußere Einwirkung von zum Beispiel:

  • Quaddeln nach einer mechanischen Einwirkung: nach Druck, Streichen, Kratzen oder Drücken der Haut (Urticaria factitia)
  • Kälte (Kälteurtikaria oder „Kälte-Allergie“)
  • Hitze
  • Sonne (Sonnenurtikaria)
  • Vibrationsurtikaria

Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Pseudoallergie, verursacht durch ein fehlgesteuertes Histamin-System im Körper.
Seltener treten die folgenden Formen des Nesselausschlags auf:

  • cholinergische Urtikaria und adrenergische Urtikaria: Ausschlag durch Aktivierungen im vegetativen Nervensystem, zum Beispiel wenn die Körpertemperatur steigt
  • aquagene Urtikaria („Wasser-Allergie“): Symptome beim Kontakt mit Wasser, selbst mit destilliertem (vermutet wird, dass beim Wasserkontakt lösliche Substanzen der Haut mit dem Wasser in die Poren eingeschwemmt werden)

Nesselausschlag – Symptome

Der Hautausschlag beginnt mit blassroten bis stark roten Erhebungen der Haut, die an Mückenstiche erinnern. Die Hautveränderungen werden im Folgenden größer, Quaddeln oder Erytheme entstehen, die zum Teil sehr stark jucken können.

Daher auch der Name der Erkrankung – die Symptome erinnern nämlich, noch mehr als Mückenstiche, an die Hautreaktionen nach Kontakt mit Brennnesseln (Urtica). Die als Quaddeln bezeichneten Schwellungen können nur wenige Millimeter groß sein, oder aber auch handtellergroß werden. Bei Quaddeln handelt es sich um ödematöse Erhabenheiten der Lederhaut zwischen blass-weiß, hautfarben oder hellrot.

Um die Quaddeln herum gibt es meist eine rötliche Hautveränderung, zudem kann der Ausschlag über den Körper wandern.

Von „disseminierten Urtikaria“ ist die Rede, wenn große Teile der Haut von den Symptomen betroffen sind.

Die Beschwerden sind nach 12 Stunden in der Regel nicht mehr sichtbar.

Manchmal kommt es im Rahmen des Ausschlags auch zur Bildung eines Quincke-Ödems mit Schwellungen im Gesicht, an der Mund- und Rachenschleimhaut und am Kehlkopf – dieses Ödem führt zu Atemnot und kann lebensbedrohlich sein.

Nesselausschlag – Behandlung

Gelingt es, den Auslöser zu identifizieren, sollte dieser gemieden werden. Die Suche nach den Auslösern ist häufig eine echte Mammutaufgabe, die mitunter einen Krankenhausaufenthalt nötig macht. Schließlich sind die möglichen Ursachen so vielfältig und komplex, dass weder Ärzte noch Patienten bei der Hälfte der akuten Nesselsucht den Auslöser finden, bei der chronischen Urtikaria bleiben die Auslöser sogar in zwei Dritteln der Fälle unbekannt.

Zwar verschwinden die Nesselausschlag-Symptome meist innerhalb von einigen Stunden, allerdings kann sie auch länger bestehen bleiben oder in einer Schwere auftreten, die spezielle Medikamente notwendig macht. Die chronische Urtikaria wird häufig mit Antihistaminika oder Kortison behandelt – Wirkstoffe, die die akuten Symptome lindern, vor allem den teils quälenden Juckreiz.

Da es während eines Ausschlags auch zu Ödemen im Gesicht kommen kann, die zu Atemnot führen und lebensbedrohlich sein können, sollten schwer Betroffene stets ein Notfallset und einen Notfallpass bei sich tragen (ähnlich wie schwer betroffene Allergiker). Dies gilt vor allem bei Kälte-Urtikaria oder wenn in der Vergangenheit schon mal Luftnot, ein Angioödem oder Kreislaufreaktionen im Rahmen des Nesselausschlags aufgetreten sind.

Eine ursächliche Behandlung oder Heilung ist nicht möglich, jedoch verschwindet die Erkrankung häufig genauso plötzlich, wie sie aufgetreten ist.
 


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