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Nahrungsmittelallergie

Eine Nahrungsmittelallergie ist eine Reaktion des Immunsystems, bei der harmlose Lebensmittel fälschlicherweise für gefährliche Eindringlinge gehalten werden. Das Immunsystem produziert dabei Antikörper, um Nahrungsbestandteile zu attackieren. Dabei wird vor allem Histamin in hohen Mengen ausgeschüttet, welches dann jedes Organ einschliesslich Haut, Lunge und Magen-Darm-Trakt angreifen kann. Bereits winzige "Verunreinigungen" des Essens mit Allergenen können dabei eine allergische Reaktion auslösen.

Die Ursachen von Nahrungsmittelallergien

Warum Nahrungsmittelallergien sich vor allem in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet haben, ist heute noch eine Frage, auf die die Wissenschaft eine umfassende Antwort sucht. Als sicher erscheint jedenfalls, dass Nahrungsmittelallergien durch eine Kombination aus Veranlagung und Umwelteinflüssen entstehen.

Die wichtigsten Nahrungsmittel-Allergene

Neurodermitis-Patienten und Asthmatiker sind oftmals auch Allergiker, eine Allergie führt daher oft auch zu einer Verschlechterung der Neurodermitis. Dies zeigt sich vor allem durch stärkeren Juckreiz und Ekzembildung. Jedes dritte an Neurodermitis erkrankte Kind leidet unter einer Nahrungsmittel- oder Lebensmittelallergie. Nur 14 Inhaltsstoffe in Lebensmittel sind verantwortlich für ganze 90% aller Nahrungsmittelallergien.

  • Eier
  • Erdnüsse
  • Fisch
  • Getreide mit Gluten: Dinkel, Gerste, Hafer, Kamut, Roggen, Weizen
  • Krebstiere
  • Milch
  • Schalenfrüchte: 
    Cashewnüsse, Haselnüsse, Macadamia, Mandeln, Paranüsse, Pistazien, Queenslandnüsse, Walnüsse)
  • Schwefeldioxid und Sulfite (ab einer Menge von zehn Milligramm pro Kilogramm bzw. Liter)
  • Sellerie
  • Senf
  • Sesamsamen
  • Soja
  • Süßlupinen und Lupinenerzeugnisse
  • Weichtiere, z.B. Schnecken

Typisch bei Kindern sind allergische Reaktionen auf Hühnereier, Nüsse, Kuhmilch, Soja, Weizenmehl und Fisch. Jugendliche und Erwachsene vertragen häufig auch Obst- und Gemüsesorten sowie manche Kräuter und Gewürze nicht.

Genauso können auch Zusatzstoffe (Konservierungsmittel, Farbstoffe, Aromen) und Chemikalien (Rückstände von Spritzmitteln) im Essen Allergene darstellen. Mehr dazu unter Ernährungsbasierte Therapien.

Nahrungsmittelallergene einatmen

Nicht nur der Verzehr von Nahrungsmittelallergenen kann allergische Reaktionen hervorrufen, sondern auch in der Luft befindliche Spuren der Nahrungsmittel.

Mehr dazu unter Allergierisiko beim Kochen, Nahrungsmittelallergene in der Luft und Nahrungsmittelallergene eingeatmet – Stärke der allergischen Reaktion

Nahrungsmittelallergie Symptome

Neben Juckreiz und Ekzembildung gibt es weitere Symptome von Nahrungsmittelallergien, u.a. Nesselausschlag, Schwellungen, Hustenreiz und Atemnot, Bauchkrämpfe und Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis hin zu einem anaphylaktischem Schock.

Diagnose von Nahrungsmittelallergien

Voraussetzung für eine Behandlung ist natürlich die Kenntniss darüber, auf welche Nahrungsmittel man allergisch reagiert. Um das herauszufinden, kann man sich verschiedener Mittel bedienen. Die erste Möglichkeit bieten eine Vielzahl von Allergietests, die man beim Arzt durchführen lassen kann. Bei Verdacht auf systemisch-allergische Reaktion auf Nahrungsmittel darf allerdings ambulant keine Testung erfolgen – die Testung darf nur stationär, also in der Klinik, durchgeführt werden.

Alternative Tests wie das "Auspendeln", Elektroakupunktur, Bioresonanztechniken oder Kinesiologie eignen sich übrigens nachweislich nicht als zuverlässige Allergietests. In etlichen Studien entsprach die Trefferquote dem Zufall. 

Auch vor den sogenannten IgG-Tests auf spezifisches Imunglobulin G (IgG oder IgG4) warnen die namhaften Allergologenverbände, da die hier gelieferten Ergebnisse völlig irrelevant sind: das gesunde Immunsystem antwortet nämlich ganz natürlich auf den Kontakt mit Nahrungsmitteln durch die Produktion von IgG4-Antikörpern. Beispiele sind für IgG-Tests sind Allergeoscreen, Cytolisa-Test, Imupro 300, Novo Test und Select 181.

Alternativ oder ergänzend zu den Allergietests kann auch ein Ernährungstagebuch Aufschluss geben, in dem aufgenommene Nahrungsmittel und eventuelle spätere Beschwerden aufgezeichnet werden.

Schlägt die Haut und der Juckreiz jedes Mal auf, wenn man ein bestimmtes Lebensmittel zu sich nimmt, ist der Allergietests beim Arzt jedoch negativ, dann handelt es sich oft um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit bzw. Nahrungsmittelintoleranz, nicht um eine Allergie.

Behandlung von Nahrungsmittelallergien

Erste Studien zeigen, dass eine Hyposensibilisierung, die auch bekannt ist unter dem Namen Spezifische Immuntherapie, auch bei Nahrungsmittelallergien helfen kann. Vor allem dann, wenn es sich bei der Nahrungsmittelallergie um eine Kreuzallergie zum Heuschnupfen handelt. Die Darmsanierung scheint zwar nicht selten erfolgreich zu sein, ihre Wirkungskraft bei Allergien ist bisher aber nicht nachgewiesen.

Ansonsten bleibt meistens nur der strenge Verzicht auf die betreffenden Lebensmittel und Inhaltsstoffe.

Grundsätzlich gilt dabei: Die Ernährung sollte zunächst nur gezielt umgestellt werden – und nachdem man sich über das Allergen sicher ist. Unsinnige Diäten können Kinder in ihrer Entwicklung gefährden.

Kennzeichnung der Allergene

Für die 14 Hauptallergene ist EU-weit vorgeschrieben, dass sie auch bei kleinsten Mengen auf den Verpackungen mit angegeben werden müssen – entweder sie sind im Namen des Produktes (z.B. Nusscreme), auf den Inhaltsstoffangaben oder per Etikett.

Weite 13 Inhaltsstoffe verlieren laut Studien der Europäischen Lebensmittelbehörde den größten Teil ihres allergenen Potentials durch ihre Veränderung während der industriellen Verarbeitung. Diese Substanzen wurden daher von der Allergenkennzeichnung befreit. Hierzu gehören unter anderem: Glukosesirup auf Weizenbasis, Fischgelantine, vollständig raffiniertes Sojabohnenöl und -fett oder Nüsse in Destillaten für Spirituosen.

Bei loser Ware ist die Kennzeichnung grundsätzlich nicht vorgeschrieben. Dies gilt auch für sehr kleine Verpackungsgrößen wie einer Portionspackung für Marmelade oder Milch. Und für Speisekarten in Restaurants sowie für Kantinen gibt es derzeit leider ebenfalls noch keine Vorschriften.

Mehr zur Kennzeichnungspflicht von Inhaltsstoffen

Was bedeutet "Kann Spuren von Nüssen oder Milch enthalten"?

Das ist eine freiwillige Angabe, mit der sich Hersteller juristisch absichern wollen. In einer Produktionsstraße, in der zum Beispiel vor der Vollmilch- eine Nussschokolade hergestellt wurde, könnten sich ebenfalls Spuren von Nüssen absetzen. Hat der Allergiker ein bestimmtes Produkt allerdings jahrelang vertragen, und liest dann plötzlich diesen Hinweis, dann heißt das nicht, dass er auf einmal zwangsläufig und für immer darauf verzichten muss.

Mehr zur Bedeutung von "Kann Spuren von … enthalten"
Was „In unserem Betrieb wird auch … verarbeitet“ bedeutet


Mehr erfahren über:

Die wichtigsten Allergene

Allergie Prognose – Kuhmilch, Eier, Erdnuss-, Weizen-, und Soja-Allergie im Check

Nahrungsmittelallergie – Ernährung anpassen

Nahrungsmittel ersetzen bei Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergie beim Kind

Nahrungsmittelallergie und Kindertagesstätte – geht das?

 

"Der Schriftbeitrag wurde von mir in meiner Eigenschaft als ärztlicher Beirat auf seine medizinische Aussagen geprüft. Es bestehen keine Bedenken. Der Beitrag eignet sich sehr gut als Vorinformation der Leidtragenden, kann jedoch nicht die individuelle ärztliche Diagnose, Beratung und Therapie ersetzen. Ich empfehle deshalb ausdrücklich den persönlichen Arztbesuch." Dr. med. Regine Sticken, Meldorf, www.hautarzt-meldorf.de

 


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