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Lungenerkrankungen und Atemwegserkrankungen behandeln

 

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

 

Wussten Sie schon, …

 

dass von Forschern ein Wirkstoff entwickelt wurde, der bei mehreren Formen von lebensbedrohlichem Lungenhochdruck wirkt? Dafür wurden die Forscher nun mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Ansatzpunkt der Forschung war, dass Patienten mit Lungenhochdruck zu wenig Stickoxid bilden, das wiederum ein gefäßerweiterndes Enzym stimuliert. Fehlt den Patienten dieses Enzym, genau gesagt das Enzym Guanylatcyclase, verengen sich die Lungenarterien, in denen dann der Druck steigt. D.h. für Betroffene, dass schon kleinste Anstrengungen wie z.B. Treppen steigen zu schwerer Atemnot führen kann. Ohne Therapie führt Lungenhochdruck durch die permanente Überlastung der Gefäße zum Herztod. An Lungenhochdruck können auch bereits Kinder erkranken.

 

Lungenhochdruck ist der Oberbegriff für einen chronisch erhöhten Blutdruck in der Lunge. Auslöser sind Herz- oder Lungenerkrankungen. Zu den auslösenden Lungenerkrankungen gehören COPD und Asthma.

 

Den Forschern von Bayer Pharma Leverkusen und der Justus-Liebig-Universität Gießen gelang es, das gefäßerweiternde Enzym unabhängig vom Stickstoffmonoxid herzustellen – auf rein molekularer Basis. „Durch diesen komplett neuen Mechanismus in der Pharmakologie wurde eine neue Medikamentenfamilie geschaffen“, so Dr. Ardeschi Ghofrani von der Justus-Liebig-Universität. Das Medikament kann bestimmten Patienten helfen, für die es bisher keine oder keine ausreichende medikamentöse Behandlung gab. Zudem können bei anderen Betroffenen die Symptome gemildert werden. Teilweise gelinge es, diese wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Das Medikament muss allerdings auf Dauer eingenommen werden.

 

Lungenerkrankungen sind heute meist gut behandelbar, lediglich bei einem von fünf Patienten schlagen die gängigen Behandlungen nicht in gewünschter Weise an. Seit 2005 ist die Anzahl der Patienten, die an Asthma sterben, um ein Drittel gesunken. Aktuellen Daten zufolge sterben „nur“ noch etwa 1000 Patienten in Deutschland an Asthma. Die optimale Therapie orientiert sich am Auslöser bzw. der bestmöglichen Karenz. Das können Allergene sein (Nahrungsmittel, Tierhaare, Pollen, Medikamente), aber auch Virusinfektionen, Giftstoffe, Rückfluss von Magensäure, Rauchen usw.). In manchen Fällen ist zudem eine Medikation mit Omalizumab (bindet IgE-Antikörper) oder Mepolizumab (blockiert den Botenstoff Interleukin 5 und senkt so die Zahl der entzündungsfördernden Eosinophilen) hilfreich. Besonders Mepolizumab  ermöglicht den Patienten eine erheblich verbesserte Lebensqualität, indem weniger schwere Anfälle auftraten und die Lungenfunktion sich spürbar verbesserte. Eine weitere Studie konnte beweisen, dass Patienten, die wegen der Schwere der Erkrankung Kortison-Tabletten einnehmen mussten, diese Medikation unter Mepolizumab bis um die Hälfte reduzieren konnten. Das Medikament kann voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2016 verschrieben werden und wird sicher die Behandlung des (schweren) Asthmas revolutionieren.

 

Ein nicht zu vernachlässigender und in   den aktuellen Focus geratener Punkt bei der Behandlung des Asthmas ist der Vitamin D-Spiegel. Die Fachzeitschrift „Pädiatrische Allergologie“ weist aufgrund diverser Studien darauf hin, dass Vitamin D eine positive Wirkung auf den Asthma-Verlauf haben kann. Vitamin D sollte täglich in einer Menge von 60 nmol/l aufgenommen werden. Nach den bisherigen Kenntnissen scheint die Bestimmung des Vitamin D-Spiegels im Serum-Blut (VitD25 OH) insbesondere bei Risikogruppen sinnvoll. Dazu gehören:

  • Menschen mit häufigen Infekten
  • Asthmatiker
  • Übergewichtige (adipöse) Patienten
  • Dunkelhäutige Menschen
  • Patienten mit Vitamin D-armer Ernährung (z.B. auch Milch- oder Fischallergiker, Vegetarier)
  • „Stubenhocker“
  • Ältere Menschen mit geriatrischen Erkrankungen (und schlechter Ernährungslage)
  • Säuglinge und Kleinkinder (die in Wintermonaten dick vermummt werden)

 

Zur Vitamin D-Familie gehören die Vitamin D2 in pflanzlichen Lebensmitteln (Ergocalciferol) sowie Vitamin D3 in tierischen Lebensmitteln (Cholecalciferol). Vitamin D kann mit Hilfe des Sonnenlichts vom Körper selbst aus Cholesterin gebildet werden. 15- 30 Minuten Tages/Sonnenlicht zwischen März und Oktober reichen dazu aus. Säuglinge sollten aber auf jeden Fall im ersten Lebensjahr ein Vitamin D-Präparat bekommen. Auch kann eine erhöhte Produktion von Parathormon (PHT) die Aufnahme bzw. Umwandlung von Vitamin D verhindern. Eine Überprüfung der Schilddrüsenwerte im Serumblut auf PHT ist bei chronischem Vitamin D-Mangel sinnvoll. Bei einem nachgewiesenen Vitamin D-Mangel (Blutuntersuchung bei Hausarzt/Internist) ist eine sogenannte Depotspritze immer noch Kassenleistung! Sie dient dazu, den Mangel schnell und effektiv zu beheben. Vitamin D ist lichtempfindlich, kann durch Sauerstoff zerstört werden (keine offene Lagerung!), hat aber nur geringe Wertverluste durch Kochen bzw. Haltbarmachen (im Gegensatz zu empfindlicheren Vitaminen wie C, A, K, E).

Die empfohlene Tagesdosis beträgt für Säuglinge und Senioren 10µg, für Kinder und Erwachsene 5-10 µg. 

                      

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, die bisherigen Richtmengen generell auf 20 µg/Tag zu erhöhen, und zwar für alle Personen unabhängig vom Alter. Das entspricht einer 4-fachen Menge der bisherigen Empfehlungen. Andere Fachkreise bleiben bei der o.g. Richtwertmenge.

 

Es ist allerdings nicht sinnvoll, generell (oder prophylaktisch) bei Asthma ein Vitamin D-Präparat zu nehmen, denn eine Überdosierung kann zu einem erhöhten Calciumspiegel im Blut führen (Hypercalcämie), was Übelkeit, Erbrechen, häufiges Wasserlassen, Nierensteine (z.B. bei Kombipräparaten Vitamin D mit Calcium) sowie Nierenschäden zur Folge haben kann. Eine dauernde Gabe von mehr als 25 µ bei Kindern bedarf der ärztlichen Kontrolle. Und immer daran denken: Sonnencreme mit hohem LSF blockt nicht nur die Aufnahme von UV-Strahlen, sondern auch die Speicherung von Vitamin D! Bei einem chronischen Vitamin D-Mangel sollte deshalb auf diesen kontraproduktiven Sonnenschutz verzichtet werden.

 

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) weist aktuell darauf hin, dass ein niedriger Eisenspiegel bei Kindern mit Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis deren Schlaf beeinträchtigen kann. Allergische Erkrankungen sind zwar an sich schon häufig Auslöser einer chronischen Müdigkeit, aber Auffälligkeiten wie gestörte oder verminderte Nachtruhe sollten Anlass sein, das Kind einem Internisten/Allergologen vorzustellen. Siehe auch www.kinderaerzte-im-netz.de

 

Patienten mit Atemwegserkrankungen können nicht nur von einem ausgewogenen Vitamin D- oder Eisen-Spiegel profitieren, sondern auch von genau abgestimmten „begleitenden“ Therapien und Karenzen. Dazu gehört z.B. Sport (z.B. Walking, Radfahren sowie besonders spezieller Lungen- oder Asthmasport und Atemmuskeltraining) Patientenschulungen (inklusive Atemphysiotherapie), Impfungen (empfohlen werden von der Ständigen Impfkommission die jährliche Grippe-Impfung sowie die gegen Pneumokokken), Asthmatagebuch für eine gute Verlaufskontrolle und vor allem das Disease-Management-Programm (DMP). Das Programm wird von den Krankenkassen angeboten, eine Teilnahme ist freiwillig. Ziel ist es, Haus- und Fachärzte sowie Krankenhäuser und Reha-Zentren zusammen zu bringen.

 

Als ich kürzlich von meiner Krankenkasse das Angebot bekam, an diesem Programm teilzunehmen, habe ich trotz meiner Vorkenntnisse als Allergie- und Asthma-Dozentin den entsprechenden Vordruck meiner Hausärztin gegeben. Die Sprechstundenhilfe war sehr erstaunt, dass es sowas gab und hat vehement verneint, dass eine Teilnahme über die Praxis möglich ist. Man hätte aber gern eine Grippe-Impfung durchgeführt. Die wiederum habe ich abgelehnt, da ich seit Urzeiten keine Grippe hatte, mein Asthma gut eingestellt ist und ich zudem noch nie im Leben eine Impfung bekommen habe. – Grundsätzlich ist eine Grippeschutzimpfung für Asthmatiker eine gute Sache, aber Impfen um des Impfens willen finde ich bedenklich, sinnvoll meiner Meinung nach nur bei ständigen Infekten oder schweren Vorerkrankungen. -

 

Manche Ärzte unterscheiden zwischen Infektasthma und chronischem bzw. obstruktivem Asthma. Das Wort Infektasthma (Infekte der oberen Atemwege sowie Bronchitis mit Entzündungen der unteren Atemwege) impliziert, dass es sich um harmlose Erkältungen (z.B. „grippaler Infekt“) oder eine vorübergehende „Kinderkrankheit“ wie Masern handelt. Dem ist aber nicht so, denn jeder Infekt (Viren, selten Bakterien) der Atemwege „reizt“ die empfindlichen Lungenwege und macht sie anfällig für weitere Reize, auch Allergene. Bei einer akuten Bronchitis steht der trockene Husten im Vordergrund, beim Asthma ist auch die Atmung an sich betroffen. Der Ärzteverband Deutscher Allergologen ist auch weiterhin der Ansicht, dass bereits die zweite Bronchitis der Beginn des Asthmas ist. Unter diesem Aspekt sollte immer spätestens dann ein Facharzt konsultiert werden. Mittel wie Salbutamol oder andere bronchienerweiternde Sprays und Inhalierhilfen bzw. hustenlindernde Säfte (z.B. Thymian) sind begleitend möglich, aber keine therapeutische Behandlung.

 

Eine Mutter erleichtert zur anderen: „Mein Kind hat endlich die Kinderkrankheiten überstanden: Masern, Windpocken und eine 6 in Mathe!“

 

 

Was für Auswüchse die Verharmlosung des Asthmas haben kann, zeigt dieses Beispiel: S. war als Säugling „unauffällig“ und hatte trotz familiärer Vorbelastung keine Hautprobleme, wohl aber deutlichen Milchschorf. Etwa um den zweiten Geburtstag herum konnte der chronische Schnupfen sowie die sich häufenden Atemnotsanfälle nicht mehr ignoriert werden, war aber für die Familie immer noch kein Anlass für einen Facharztbesuch. Der Kinderarzt sprach lange Zeit von „Pseudokrupp“, eine nähere Untersuchung fand nicht statt (Anmerkung: Pseudokrupp ist eine infektiöse Halserkrankung, die aber nach dem 1. Lebensjahr nicht mit Atemnot einhergeht, da die Luftröhre dann altersbedingt geweitet ist und der Luftstrom ungehindert fließt). Nach 3 kurz aufeinander folgenden Lungenentzündungen wurde das Kind mit Fieber und Atemnot zwar in eine Klinik eingeliefert, von dort nach einer Tropfbehandlung mit Cortison und Antibiotika aber ohne weitere Information wieder entlassen. Daraufhin wechselte man zu einem alternativen Kinderarzt, der das offensichtliche Asthma längere Zeit mit Globuli behandelte und sich zu der Diagnose „schwache Lungen“ verstieg. Nach weiteren schweren Atemnotsanfällen, dazu häufigen Bindehautentzündungen, chronischer Müdigkeit und auffälligem Schwitzen kam man auf Empfehlung zu mir. Ein gewisser Druck, endlich voranzukommen, bestand auch in der bevorstehenden Einschulung, für die der Junge gesundheitlich stabiler sein sollte. Gegen den Wunsch des Kinderarztes konnte ich die Familie nach einem langen, eingehenden Beratungsgespräch zu einem Termin bei einem Allergologen sowie einem Pneumologen in einer speziellen Allergieklinik überreden. Dort wurde bei dem mittlerweile 6jährigen Kind die längst fällige Diagnose Asthma gestellt und die dringend notwendige Behandlung eingeleitet sowie „nebenbei“ IgE-vermittelte Reaktionen auf Milbe, Hühnerei und Fischeiweiß festgestellt.



 

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de


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