Kortison gegen Schuppenflechte

Oft verschrieben, genauso oft verschrien. Kortison (Cortison), das bereits fünf Jahrzehnte eine wichtige Rolle in der Behandlung von Schuppenflechte innehat, ist wirksam, aber keinesfalls frei von Nebenwirkungen. Dennoch gilt Kortison als ein bewährtes Mittel und führt weltweit die Listen der am häufigsten gegen Psoriasis verschriebenen Medikamente an – wenn es auch mit Vorsicht eingesetzt werden muss und nicht zur dauerhaften Anwendung geeignet ist.

Wie Kortison gegen Schuppenflechte wirkt                
                 
Kortison ist eines von vielen verschiedenen Glukokortikoiden. Glukokortikoide sind Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Kortisol. Sie wirken stark gegen Entzündungen, unterdrücken bei Psoriasis übertriebene Immunreaktionen, hemmen die vermehrte Zellteilung und bremsen die Kollagenbildung. Die Haut entzündet sich weniger und Schuppenbildung sowie Verhornung werden reduziert. Zudem verdichten sich die Gefäße, die Folge: das Nässen geht zurück.

Die richtige Anwendung von Kortison

Kortison wird entweder lokal auf die Schuppenflechte-Herde, Pusteln oder Nägel aufgetragen oder zur systemischen, also innerlichen Therapie verordnet. Besonders im letzteren Fall wirkt Kortison in vielen Fällen schnell und stark. Doch auch als Creme oder Salbe entfaltet das Medikament eine schnelle und deutliche Linderung.

Nach Deutschlands “Kortison-Papst” Prof. Roland Niedner gelten folgende Regeln für die Anwendung:

 

  • Kortison darf nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden aufgrund der möglichen Nebenwirkungen, auch die weitere Behandlung der Psoriasis kann negativ beeinträchtigt werden durch zu lange Verabreichung
  • Meistens wird eine Behandlungsdauer mit Kortison-Cremes und -Salben von maximal zwei bis vier Wochen empfohlen
  • Die Therapie sollte mit dem stärksten (!) Präparat begonnen werden, von jedem Wirkstoff sollten bestenfalls immer gleich zwei verschiedene Mittel verschrieben werden, damit der Patient testen kann, was bei ihm am besten wirkt

Je nach Hautareal dringt der Wirkstoff unterschiedlich stark ein. Besondere Vorsicht ist im Gesicht und im Genitalbereich geboten. Gliedmaßen und Rumpf lassen Kortison weniger stark eindringen.

Kortison wirkt in Salben besser als in Cremes, in beidem besser als in einer alkoholischen Lösung. Wer die betroffenen Hautareale nach dem Auftragen mit einer Folie abdeckt, erhöht die Wirkung um den Faktor 5 bis 10. Dies kann in Frage kommen bei Schuppenflechten an den Händen oder Füßen, da die dortige Haut weniger Kortison aufnimmt. Ein solches Vorgehen muss aber unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden.

Um die Nebenwirkungen des Kortison zu verringern, kann eine Intervalltherapie zum Einsatz kommen: hierbei werden Glukokortikoide-Cremes und Hautpflegesalben abgewechselt. Nach drei Tagen Kortisonsalbe folgen dann zum Beispiel vier Tage Pflegesalbe.

Ein großer Nachteil des Kortisons ist die hohe Rückfallquote der Symptome nach dem Absetzen des Medikaments. Viele Patienten erleiden die Schuppenflechte-Symptome bereits ein paar Wochen erneut – und häufig sogar stärker als zuvor. Aus diesem Grund werden Kortison-Therapien oft mit Lichttherapien oder mit der Behandlung durch andere Wirkstoffe abgeschlossen. Außerdem verringert ein behutsameres Ausschleichen der Kortisontherapie das Risiko eines Rückfalls.

Nebenwirkungen

Ein großer Teil der heute weit verbreiteten, oft etwas diffusen Kortisonangst geht zurück auf die Anfänge der Kortisontherapien. Als Wundermittel gefeiert, wurde es schnell und in großen Dosen verabreicht – ohne die Nebenwirkungen zu kennen. Heute weiß man besser Bescheid. Außerdem sind inzwischen Kortison-Präparate der vierten Generation auf dem Markt mit deutlich weniger innewohnenden Risiken. Zu den Kortisonsalben der vierten Generation gehören:

  • Wirkstoff: Hydrocortison-Aceponat; Handelsname: Retef
  • Wirkstoff: Hydrocortison-Buteprat; Handelsname: Pandel
  • Wirkstoff: Hydrocortison-Butyrat; Handelsname: Alfason
  • Wirkstoff: Methylprednisolon-Aceponat; Handelsname: Advantan
  • Wirkstoff: Prednicarbat; Handelsname: Dermatop

Kortison kann trotzdem noch immer – insbesonderer bei unsachgemäßer Anwendung – zahlreiche Nebenwirkungen hervorrufen. So kann die Haut im Laufe eines Langzeit-Kortisoneinsatzes sehr viel dünner werden, ihrer Hauptfunktion als Schutzschicht des Organismus vor Schädlingen kann sie dann nur noch unzureichend nachkommen. Das gilt auch für die lokale Anwendung, denn auch über die Haut kann der Wirkstoff in den Organismus eintreten – und eingreifen. Daher muss die Therapie mit Sorgfalt geplant und gewissenhaft kontrolliert werden. Für einen ununterbrochenen Einsatz ist Kortison nicht geeignet. Mehr zu den Kortison Nebenwirkungen                                              
           

Alle Schuppenflechte Behandlungen

 

Quellen:           
Dr. D. Burkhardt, Prof. Dr. K. Degitz: Rat und Hilfe bei Schuppenflechte; Südwest Verlag A. Unholzer, Prof. Dr. H. C. Korting: Psoriasis vulgaris (Psoriasis, Schuppenflechte)
Prof. Dr. H. Meffert: Schuppenflechte; Verlag Gesundheit (Medicus)
Forschung und Praxis (177/1994), Vortrag von Professor Niedner in Berlin (Januar 2003) 
       

Teilen

Das könnte Dich auch interessieren:

  1. Dithranol zur Schuppenflechte-Behandlung Dithranol reduziert die übersteigerte Oberhautbildung bei Psoriasis, die auch für...
  2. Schuppenflechte: Innerliche Behandlung Die innerliche Behandlung zielt darauf ab, auf das Immunsystem Einfluss...
  3. Schuppenflechte: Äußerliche Behandlung Die äußerliche Behandlung der Schuppenflechte setzt dort an, wo Schuppenflechte...
  4. Teer gegen Schuppenflechte Teer wird schon seit mehr als einem Jahrhundert bei chronischen...
  5. Methotrexat zur Schuppenflechte-Behandlung Methotrexat oder MTX wird zur Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt und...

Dein Kommentar

*