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Kälteurtikaria

Die Kälteurtikaria ist eine häufige Form der physikalischen Urtikaria (Nesselsucht), die sich meist erst im Laufe des Lebens entwickelt. Ursache der Hauterscheinungen (Quaddeln, Rötungen, Juckreiz, Brennen) ist bei der Kälteurtikaria ein Kontakt mit Kälte, etwa kalter Luft oder kaltem Wasser. Etwa 15% aller Betroffenen einer physikalischen Nesselsucht leiden unter dieser Form. In Deutschland sind etwa 30.000 Menschen betroffen.

Die Erkrankung trifft Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer, meist im jungen Erwachsenenalter. In kalten Ländern tritt sie etwas häufiger auf.

Durchschnittlich bleibt sie für fünf Jahre, bevor sie wieder verschwindet. Die meisten Beschwerden treten in unseren Breitengraden im Winter auf.

Kälteurtikaria und Kälteallergie

Zwar erzeugt die Kälteurtikaria ähnliche Symptome wie eine Allergie, dennoch handelt es sich nicht um eine Allergie. Eine Allergie gegen Kälte gibt es nicht. Denn: von einer Allergie spricht man, wenn der Körper Antikörper gegen an sich harmlose Substanzen bildet, die beim Kontakt mit der Substanz das Immunsystem auf den Plan rufen, welches entzündliche Reaktionen startet, die für die typischen Allergie-Symptome verantwortlich sind. Da kälte kein Stoff ist und entsprechend kein Antikörper gebildet werden kann, gibt es keine Kälteallergie.

Kälteurtikaria – Ursachen

Die genauen Ursachen der Kälteurtikaria sind noch nicht klar. Soviel scheint aber festzustehen: die Mastzellen werden durch Kälte angeregt und schütten Histamin und andere entzündliche Mediatoren aus, die wiederum die entzündlichen Reaktionen verursachen. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Reaktion gegen unbekannte Hautantigene, die erst bei Kälte gebildet werden. Auch die sensorischen Hautnerven könnten eine Rolle spielen.
Bekannt ist, dass viele Betroffene einer Kälteurtikaria auch an weiteren Nesselsucht-Formen erkrankt sind, zudem treten Allergien, Asthma und Neurodermitis überdurchschnittlich oft bei diesen Patienten auf. Auch Infektionskrankheiten (HIV, Masern, Hepatitis, …) scheinen das Risiko einer Erkrankung zu erhöhen.

Kälteurtikaria – Symptome

Nach dem Kontakt mit Kälte in Form von kalter Luft, kalten Flüssigkeiten oder einem kalten Gegenstand treten die Beschwerden auf: die Haut rötet sich, Quaddeln bilden sich und es kommt zu Juckreiz – dieselben Symptome also, die nach dem Berühren einer Brennnessel auftreten, daher der Name Nesselsucht.

Was „kalt“ ist und was nicht, ist ganz unterschiedlich: manche Patienten bekommen bereits bei einer Temperatur von unter 26°C ernsthafte Probleme, was ihren Alltag und ihr Leben massiv einschränkt. Ein Sprung ins kalte Wasser kann zu einem Schock, gefolgt von Bewusstlosigkeit, gefolgt von Tod durch Ertrinken führen.

Auch kalte Getränke sind gefährlich: der Hals kann anschwellen, Erstickungstod droht.

Kälteurtikaria – Therapie

Wichtigste Maßnahme der Behandlung einer Kälteurtikaria ist das Vermeiden von Kälte – auch, weil die Erkrankung lebensbedrohliche Folgen haben kann.
Darüberhinaus wird Patienten empfohlen, ein Notfallset bei sich zu tragen. Dieses kann Cortison und ein Antihistaminik enthalten, außerdem einen Adrenalin-Pen, einheitliche Regelungen zur Zusammensetzung des Notfall-Sets gibt es jedoch nicht. Antihistaminika und Cortison können auch außerhalb von Notfällen eingesetzt werden, auch in Kombination. Daneben können Leukotrien-Antagonisten zum Einsatz kommen sowie Antibiotika und Ciclosporin A sowie Capsaicin. Unter Umständen kann weiterhin eine UV-B-Phototherapie helfen. Neue Therapien auf Basis von Antikörpern gegen IgE sind vielversprechend, so zum Beispiel das aus der Asthmatherapie bekannte Omalizumab.

Wirkstofflose Fettsalben schützen die Haut ein bisschen gegen direkte Kälteeinwirkungen.


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