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Interview mit Jens

Jens ist 35 Jahre alt und der Autor des Neurodermitis Portal jucknix. Von der jucknix Redaktion interviewt, berichtet er von seiner persönlichen Neurodermitis-Geschichte. Und davon, wie er die Krankheit nach 32 Jahren praktisch durch Zufall in den Griff bekam.

Seit wann / wie lange hast Du Neurodermitis?
Seit meiner Kindheit hatte ich Neurodermitis. Als Baby bereits als Milchschorf. Später dann als Kind und Jugendlicher äußerte sich die Krankheit durch sehr trockenen Haut und fortwährendem Juckreiz, vor allem in den Kniehehlen, den Armbeugen und am Hals.

Wie fing die Krankheit an?
Die Krankheit fing bei mir bereits nach wenigen Lebenswochen an. Zunächst als Milchschorf, im Kindheitsalter dann mit sehr trockener Haut und ständigen Juckreizschüben. Zudem habe ich seit ich denken kann unter diversen Allergien (Nahrungsmittel und Pollen) sowie unter Asthma bronchiale gelitten. Meine Eltern waren übrigens nicht überrascht. Denn auch mein Vater hat als Kind unter Neurodermitis gelitten.

Welche Erfahrungen hast Du in der Schule gemacht? Wie haben Deine Mitschüler auf die Ekzeme reagiert?

Ehrlich gesagt habe ich nicht sehr darunter gelitten weil ich mir immer gesagt habe, dass es schlimmere Krankheiten gibt, von denen ich stets verschont worden bin. Und obwohl Schwitzen ja nicht besonders zuträglich bei Neurodermitis ist, da der Schweiß den Juckreiz fördert, habe ich immer sehr viel Sport getrieben. Ich habe halt versucht, die Neurodermitis nicht zum Lebensmittelpunkt werden zu lassen. Auch wenn das nicht immer leicht fällt.

Wie haben Deine Eltern Dir die Krankheit erklärt?
Meine Eltern sind mit mir von einem Hautarzt zum nächsten gegangen. Keiner konnte mir wirklich helfen. Als alle schulmedizinischen Versuche, von gefühlten 1.000 ausprobierten Cremes über Lichttherapie bis hinzu Klimatherapie an der Nordsee und in den Bergen, gescheitert waren, haben meine Eltern zusätzlich alternative Methoden wie Akupunktur und Homöopathie ausprobiert. Sie haben wirklich alles versucht, wofür ich ihnen heute sehr dankbar bin. Geholfen hat es aber eher wenig.

Warst Du als Kind durch die Hautkrankheit eingeschränkt, wenn ja bei was?
Von der Neurodermitis habe ich mich einfach nicht einschränken lassen. Allerdings haben Schwimmbadaufenthalte wegen des Chlors meine Haut zusätzlich austrocknen lassen. So dass ich nie wirklich gern Baden gegangen bin. Zudem habe ich zwischen 13 und 15 Jahren sehr stark unter Heuschnupfen gelitten. Schnitzeljagd durch Wiesen und Felder gehörte somit nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen :-) .

Wie hat sie sich dann entwickelt bis Du erwachsen warst?
Die schlimmste Zeit mit der Neurodermitis hatte ich in der Pubertät. Zu dieser Zeit war meine Haut teilweise so trocken, dass mir die Haut einfach aufgeplatzt ist. Insbondere im Gesicht, wo die Haut doch sehr empfindlich ist, ist es ein schreckliches Gefühl, wenn alles spannt und man bei jedem Gesichtszug spürt, dass die Haut zu trocken ist. Obwohl es von der Neurodermitis heißt, dass sie sich im Jungendlichenalter verliert und nur noch wenige Erwachsene unter Neurodermitis leiden, war das bei mir nicht so. Ich bin erst durch Zufall im alter von 32 Jahren zu einer nahezu vollständigen Heilung gekommen.

Was fandest Du am unangenehmsten an der Neurodermitis?
Die trockene Haut und der nicht aufhörende Juckreiz waren am schlimmsten. Und die Worte meiner Mutter: “Nicht kratzen!”.

Was war Deine schlimmste Situation mit dem “atopischen Ekzem”?
Ich bin mal bei der Lichttherapie “verbrannt” worden. eine Arzthelferin hatte die UV-Kabine zu intensiv eingestellt. Die Folge war Sonnenbrand am ganzen Körper. Und zwar Anfang Januar. Drei Tage später konnte ich mir die Haut fetzenweise vom Körper ziehen.

Was hat Dir durch die Krankheit gefehlt, gab es Dinge, auf die Du als Erwachsener verzichten musstest?
Man hat mir immer wieder geraten, wenig Süßigkeiten zu essen. Oft habe ich mich daran gehalten, meistens nicht :-) .

Wann wurde die Krankheit bei Dir schlimmer? Gab es bestimmte Situationen, in denen vermehrt Schübe auftraten?
Ja, in schulischen und beruflichen Stresssituationen.

Welche Rolle spielt Deiner Erfahrung nach die Psyche?
Die Psyche spielt eine große Rolle. Zum einen, weil Dir die Krankheit in manchen Situation richtig zusetzt. Oftmals kommt einer großer Schub, der Juckreiz nimmt plötzlich zu und man weiß nicht, woran es liegt, oder was man falsch gemacht hat. Zudem führen schwierige psychische Situation selbst zu einer Verschelcherung der Krankheit, z.B. bedingt durch Stress. Ein Teufelskreis kann entstehen.

Wie viele Ärzte hast Du in der ganzen Zeit aufgesucht, wie viele Therapien ausprobiert?
Ich denke, das sprengt die Länge des Interviews. Aus heutiger sicht unzählige. Meine Eltern haben damals wirklich alles versucht. Als junger Erwachsener habe ich dann aufgegeben, weitere Ärzte zu konsultieren, weil ich dachte, dass mir eh niemand helfen kann.

Von welchen Therapien hattest Du Dir am meisten erhofft?
Ich habe in sämtliche Therapien zunächst geglaubt. Denn nachdem andere Therapien nicht geholfen haben, klammerst Du Dich an jeden Strohhalm. Mit zunehmendem Alter habe ich ein wenig den Glauben an äußerlich angewendete Therapien verloren. Wie soll man mit Cremes und Salben die Krankheit der Neurodermitis bekämpfen, wenn die Ursache und der Auslöser scheinbar von innen kommt. Daher glaube ich, dass bspw. eine ausgewogene Ernährung bei Neurodermitis eine große Rolle spielen kann.

Hast Du irgendwann aufgehört, nach neuen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen?
Ja, als ich 18 war und aus meiner Sicht alles versucht hatte, habe ich aufgehört, intensiv nach einer Therapie gegen Neurodermitis zu suchen.

Wie kam es dann doch noch zur Linderung?
Ich habe per Zufall Probiotika eingenommen und mich dabei scheinbar einer Darmsanierung unterzogen. Die (positive) Wirkung auf Juckreiz und Hauttrockenheit war so stark, dass ich es selbst nicht glauben wollte. Habe die Probiotika unter ärztlicher Betreuung dann noch ca. 8 Monate genommen. Seitdem ist die atopische Dermatitis nahezu geheilt. Für mich wie ein kleines Wunder. Anmerkung der Redaktion: Die vollständige Erfolgsgeschichte von Jens gibt’s hier.

Welche Tips hast Du für Neurodermitiker, welche für Eltern von Kindern mit Neurodermitis?
Für die Eltern:
1. Meine Erfolgsgeschichte, also die Einnahme von Probiotika oder eine Darmsaanierung hilft nicht bei jedem. Zwar belegen Studien aus Skandinavien, dass damit auch andere Erfolge erzielt haben. Aber eben nicht jeder.
2. Alles ausprobieren, was geht. Es gibt zahlreiche Behandlungsmethoden, von Cremes, über Lichttherapie bis hinzu Klimaaufenthalten und Akupunktur. Bei einem hilft das eine, bei dem anderen das andere.
3. Sich mit der Krankheit auseinandersetzen. Denn nur wenn man versteht, was Neurodermitis ist, wie eng das Thema mit Allergien zusammenhängt und was man alles versuchen kann, ist man in der Lage, die atopische Dermatitis zu bekämpfen.
Für die Kinder:
Neurodermitis ist keine schlimme Krankheit. Wenn ihr euch richtig verhaltet, wird sie Euch kaum im täglichen Leben einschränken. Zudem verschwindet die Krankheit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, wenn ihr älter werdet.

Wie können sich Leser an Dich wenden, wenn Sie noch Fragen haben?
Jederzeit gern über info@jucknix.de. Da ich neben dem Betreiben des jucknix-Portals einer anderen hauptberuflichen Tätigkeit nachgehe, kann es sein, dass eine Antwort ein paar Tage dauern wird. Aber ich antworte auf jeden Fall.

Vielen Dank Jens!


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Eine Antwort zu “Interview mit Jens”

  1. Harry sagt:

    Hallo Jens,
    seit meiner Kindheit leide ich an starker Neurodermitis und bin heute 56 Jahre alt. Unzählige Klinikaufenthalte und Therapien haben mich mein Leben lang begleitet und oft waren es nur noch die Kortison Präparate die überhaupt noch eine Linderung brachten. Oft hatte ich den Verdacht, dass die tatsächlichen Ursachen dieser Erkrankung im Immunsystem des Darmtraktes zu suchen sind und habe auch unzählige “Darmsanierungen” und Diäten hinter mich gebracht doch stets mit enttäuschenden Ergebnissen. Aufgrund deines Artikels habe ich ein Präparat mit den von dir erwähnten Keimen probiert und bereits seit wenigen Tagen eine deutliche Besserung erreicht. Offenbar sind es gerade die zwei Keime die du in deinem Artikel erwähnst!
    Vielen Dank dafür, Danke, Danke, Danke!!
    Viele Grüße Harry

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