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Internistische Ursachen des Juckreizes – Interview mit Dr. Lunow

Dr. Reinhold Lunow ist leitender Arzt der Praxisklinik Bornheim, einer internistisch-naturheilkundlichen Gemeinschaftspraxis zwischen Köln und Bonn gelegen, die im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feierte. Im jucknix-Interview erläutert er, dass Juckreiz auch ein Zeichen für ernsthafte innere Erkrankungen sein kann. Ein individueller Gesundheitscheck sei daher besonders wichtig.

Hallo Herr Dr. Lunow und vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen für die jucknix-Leser. Möchten Sie sich zunächst kurz vorstellen: Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit?

Hallo, sehr gern. „Wir behandeln Menschen und keine Krankheiten“ – Nach diesem Leitspruch der ganzheitlichen Medizin verbinden wir in unserer Gemeinschaftspraxis klassische Schulmedizin und alternative Heilmethoden wie Homöopathie, Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin. Mit über 40.000 Check-up-Untersuchungen zählt die Praxisklinik Bornheim zu den führenden Diagnostikzentren. Zuletzt konnten wir eine weitere Praxis in Swisttal-Heimerzheim eröffnen. Unsere Patienten kommen aus ganz Deutschland und teilweise auch aus dem Ausland. Neben der überregionalen Tätigkeit als Check-up-Zentrum sind wir auch als Hausärzte tätig.

Beim Thema Juckreiz denkt man in der Regel zunächst an Allergien und Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Inwiefern kann die Ursache auch eine innere Erkrankung sein?

Die Ursachen von Juckreiz sind sehr vielfältig. Bei manchen Symptomen ist der Zusammenhang schnell klar. Nehmen Sie z. B. bei Allergikern das Augenjucken je nach Pollenflug bestimmter Sträucher und Bäume. Oder eine große, schmerzende Schwellung am Fuß nach einem Insektenstich. Gleiches gilt für Hauterkrankungen wie die Neurodermitis. Häufig ist die Haut, vor allem bei älteren Menschen, auch einfach zu trocken. Schwieriger fällt die Beurteilung, wenn das Jucken nicht mit einer Veränderung der Haut verbunden ist oder eine Veränderung ohne erkennbare Ursache auftritt. Dann können ernste innere Erkrankungen hinter dem Juckreiz stecken.

An welche Erkrankungen denken Sie dabei?

Stoffwechselerkrankungen könnten im Spiel sein. Dies gilt vor allem für die Zuckerkrankheit, den Diabetes mellitus. Ein schwankender oder zu niedriger Blutzuckerspiegel führt dazu, dass die Körperzellen nur unzureichend versorgt werden. Die Hautdurchblutung ist beeinträchtigt, was den Juckreiz begünstigt. Ein erhöhter Blutzuckerwert wiederum führt zu mehr Wasserausscheidung, die Haut trocknet aus und beginnt zu jucken.

Auch eine Blutarmut, verursacht durch Eisenmangel, kann zu trockener Haut und in der Folge zu Juckreiz führen. Dies ist der Fall, wenn wir zu wenig Eisen über die Nahrung zu uns nehmen oder die Aufnahme von Eisen im Darm gestört ist. Eine weitere Ursache in diesem Zusammenhang sind Blutverluste, etwa durch genitale Blutungen bei Frauen. Aber auch chronische Blutungen aus Organen führen zu Eisenmangel, weil sie oftmals gering sind und daher lange unbemerkt bleiben, etwa im Bereich des Magen-Darm-Traktes.

Können auch kranke Organe zu Juckreiz führen?

Ja, durchaus möglich. Ist etwa die Leber erkrankt und die Produktion von Galle oder der Gallefluss gestört, kann es zu generalisiertem Juckreiz, also am ganzen Körper kommen. Ähnlich verhält es sich bei Störungen der Nieren. Ein allgemeiner Juckreiz kann hier Zeichen für eine Niereninsuffizienz sein: Die Niere arbeitet nicht richtig, die Urinausscheidung ist gestört, Harnstoff und andere Schadstoffe verbleiben im Blut und vergiften dieses auf Dauer.

Wie verhält es sich mit Medikamenten? Können auch sie für Juckreiz verantwortlich sein?

In der Tat sind manche Medikamente bekannt dafür, dass als Nebenwirkungen auch Juckreiz auftreten kann. Dies betrifft z. B. Mittel gegen epileptische Erkrankungen. Ein Hautausschlag tritt dann gern in Kombination mit einem Juckreiz auf. Auch Antibiotika und Opiate können Juckreiz auslösen. Gleiches gilt für Infusionslösungen, die Stärke enthalten und bei der Behandlung schwerer Blutverluste eingesetzt werden.

Das sind alles komplizierte Prozesse. Kann man als Laie solche Zusammenhänge erkennen?

Diagnose und Behandlung eines unklaren, anhaltenden Juckreizes gehören immer in ärztliche Hände. Der Arzt macht sich auf die Suche nach der Ursache, denn sie entscheidet über die Therapie. Um die Bedeutung von Juckreiz zu verstehen, muss man sich klar machen, dass der Juckreiz ein Symptom, also ein Zeichen für eine Erkrankung ist; er selbst ist nicht die Krankheit.

Daher sollte man grundsätzlich auch einen vermeintlich harmlosen Juckreiz – wie etwa das eingangs erwähnte allergisch bedingte Augenjucken – vom Arzt abklären lassen und nicht eigenmächtig zu Antiallergika greifen.

Wie gehen Sie in Ihrer Praxis vor, wenn ein Patient mit unklarem Juckreiz zu Ihnen kommt?

Schon im Gespräch mit dem Patienten gewinnen wir erste wichtige Hinweise, wenn wir etwa nach der Krankheitsgeschichte, den Lebensgewohnheiten und Medikamenteneinnahmen fragen und uns die Haut des Patienten anschauen. Die dermatologische Untersuchung geht mit der internistischen Hand in Hand. Das Blutbild und gegebenenfalls Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen
liefern weitere Hinweise, ob eine innere Erkrankung vorliegt. Ist diese erkannt, können wir entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten, so dass auch der Juckreiz verschwindet.

Welche Rolle spielt die gesundheitliche Vorsorge zur Verhinderung von Juckreiz?

Da Juckreiz das Zeichen für eine innere Erkrankung sein kann, ist Vorsorge auch zur Vermeidung von Juckreiz wichtig. Wer regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht, mindert deutlich sein Risiko, von einer ernsthaften Erkrankung „überrascht“ zu werden. Ebenso lassen sich Risiken, die etwa genetisch oder durch Lebensgewohnheiten bedingt sind, frühzeitig erkennen und behandeln. Zum Team unserer Praxisklinik gehören daher auch Ernährungsberaterinnen, denn Präventivmedizin wird bei uns ganz groß geschrieben. Auf Gesundheitscheck.de bieten wir viele Informationen dazu, wie wichtig ein Gesundheitscheck ist und was man dabei beachten sollte.

 

 

 

Vielen Dank Herr Dr. Lunow für das sehr interessante Interview!


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