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Interferenzstrom gegen Schuppenflechte

Interferenzstrom wird seit über dreißig Jahren in der Orthopädie eingesetzt und wurde im Jahr 2000 erstmalig auch zur Schuppenflechte-Behandlung herangezogen.

Die Technik

Es handelt sich beim Interferenzstrom um einen schwachen, niederfrequentierten Wechselstrom. Zwei elektrische Wechselströme mit ähnlicher Frequenz von etwa 4000 Hertz werden dabei überlagert.

Wie wirkt Interferenzstrom gegen Schuppenflechte?

Bei Schuppenflechte teilt sich die Haut abnormal schnell. Während sich die Haut bei gesunden Menschen alle vier Wochen erneuert, passiert dies bei Psoriasis-Patienten bereits innerhalb von sieben Tagen. Die Folge: die im Übermaß produzierte Haut stirbt ab, der Körper stößt sie ab, und es entstehen teilweise immens viele Hautschuppen (Hautflocken).

Verantwortlich für diese Überproduktion ist ein Botenstoff mit dem Namen cAMP, der für „zyklisches Adenosinmonophosphat“ steht. Wirkt ein Reizstrom in bestimmten Frequenzen auf die Hautzellen, kann sich dadurch die Konzentraion des cAMP verringern – und damit auch die übermaßige Zellteilung.

Behandlung und Wirksamkeit

Erste Tests fanden im Jahr 2000 an der Uni Mannheim statt. Dabei wurden 12 Patienten mit Interferenzstrom behandelt, elf davon erfuhren eine deutliche Besserung ihrer Haut. Die Patienten litten allesamt seit über einem Jahr unter starker Psoriasis an den Händen, Nägeln und Füßen. Andere Therapien zuvor hatte keinerlei Erfolge gezeigt.

Notwendig war dafür eine dreimonatige Behandlung, während derer die Patienten zweimal täglich ihre Hände in kleine Wannen legen mussten, in denen Strom floss. Dabei verspürten sie nur ein leichtes Kribbeln.

Interessant ist die Interferenzstrom-Behandlung auch deswegen, weil Nebenwirkungen in der Untersuchung ausblieben, die Therapiemethode ohnehin ungefährlich ist, und zudem auch nach mehrmaliger Anwendung nicht an Wirksamkeit einbüßte.

Ein Nachteil: die Therapie wirkt erst nach frühestens 6 Wochen Anwendung und damit viel später als Medikamente mit Cortison oder Vitamin D. Unklar scheint außerdem noch, inwiefern die Therapie auch an anderen Körperstellen eingesetzt werden kann, die weniger gesondert zugänglich sind als Hände und Füße.

Die Wirksamkeit des Interferenzstrom gegen Schuppenflechte muss in weiteren Studien mit mehr Patienten und anderen Psoriasis-Formen überprüft werden.
 

 


Quelle: Neue Züricher Zeitung, 10.05.2000

 


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2 Antworten zu “Interferenzstrom gegen Schuppenflechte”

  1. Sabine sagt:

    Da stimmt aber was nicht…. eine niedrige cAMP konzentration ist oft der Start einer Zellvermehrung. PSO-Erkrankte haben einen niedrigen cAMP wert der erhöht wird, damit die vermehrte zellteilung aufhört. außerdem hat es Einfluss auf die Zelldifferenzierung (steigert sie)

  2. Waldemar999 sagt:

    Was Sabine sagt stimmt. Bei Dertinger heißt es:

    “So ist in psoriatischen
    Hautzellen das cAMP wie auch das Verhältnis von cAMP zu
    cGMP (zyklisches Guanosin Monophosphat) gegenüber normaler
    Haut erniedrigt [17,21], häufig ein Startsignal für die Zell proliferation.
    Demnach könnte eine therapeutische Strategie darin
    bestehen, das cAMP zu erhöhen.”

    12 Jahre ist das niemandem aufgefallen!

    Und Keiner hält es für nötig diesen Fehler auszubessern.

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