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Integrative und Anthroposophische Medizin – Interview mit Heinrich Brettschneider

Schulmedizin und alternativen Heilmethoden stehen nach wie vor sehr häufig noch auf Kriegsfuß miteinander. Dabei müssen sich die zwei Ansätze keineswegs widersprechen. Heinrich Brettschneider, Facharzt für Innere Medizin, Homöopath und anthroposophischer sowie naturheilkundlicher Arzt, erklärt im jucknix-Interview wie alles gemeinsam als “integrative Medizin” zu bemerkenswerten Erfolgen bei Neurodermitis, Asthma und Schuppenflechte führen kann.

Hallo Herr Brettschneider, vielen lieben Dank, dass Sie sich Zeit für die jucknix-Leser nehmen. Wir freuen uns sehr, Sie für das Interview gewonnen zu haben, da wir Ihren Ansatz für sehr, sehr spannend halten. Möchten Sie sich und Ihre Praxis zunächst kurz vorstellen?

Hallo, und danke für die Gelegenheit, meine Methoden etwas bekannter zu machen!
Ich habe eine Privatpraxis in Landsberg am Lech, das heißt, ich bin kein Vertragsarzt der gesetzlichen Krankenkassen. Das bedeutet einerseits, dass die Patienten entweder privat versichert sein, oder alle ärztlichen Maßnahmen selbst finanzieren müssen.

Was zunächst wie ein Nachteil erscheint, hat aber auch viele Vorteile: Nie bin ich überlastet mit Formalitäten, die das Gesundheitssystem den Ärzten aufzwingt, und nie gibt es eine Einschränkung dahingehend, wer zu mir kommen kann.

Denn obwohl ich als Internist qualifiziert bin, kann ich voll meinen persönlichen Interessen nachgehen, das heißt, mich in besonderem Ausmaß auch noch mit kindlichen Entwicklungsstörungen, ADS und ADHS, psychischen Störungen bei Erwachsenen und Jugendlichen, wie Depressionen und Panikstörungen, sowie mit Hautkrankheiten, Haarausfall, Fruchtbarkeitsstörungen des Mannes und der Frau, sowie Gelenk- und Skeletterkrankungen aller Art beschäftigen. Tag und Nacht trage ich deshalb mein Mobiltelefon als meine Praxis-Zentrale bei mir, bin also rund um die Uhr erreichbar.

Können Sie bitte kurz erklären, was anthroposophische Medizin ist? Was heißt “integrative Medizin” und welche Vorteile hat sie, vor allem bei Neurodermitis, Asthma und Schuppenflechte?

Anthroposophische Medizin beruht auf der Forschung Rudolf Steiners, der erkannt hat, dass sich das menschliche Leben auf vier Ebenen des Daseins ereignet, die man auch als „Wesensglieder“ bezeichnen kann: Neben seinem Physischen Leib, dessen Gesetzmäßigkeiten der Chirurgie zugrundeliegen, hat der Mensch einen „Äther- oder auch Lebensleib“, der der Träger der Selbstheilungskräfte ist, einen „Astral- oder auch Empfindungsleib“, den Träger der Liebefähigkeit, und eine „Ich-Organisation“, den Träger der Erinnerungsfähigkeit, die es dem Menschen ermöglicht, individuelle Verantwortung innerhalb einer individuellen „Biographie“ zu übernehmen.

Wegen der Vielschichtigkeit der menschlichen Natur ist es wenig hilfreich, wenn verschiedene medizinische Richtungen miteinander auf Kriegsfuß stehen. Rudolf Steiner sprach schon deshalb nicht von einer alternativen, sondern einer erweiterten Medizin. Heute ist der dazu synonyme Begriff der „Integrativen Medizin“ in Gebrauch.

„Integrative Medizin“ verlangt vom Arzt, dass er die vier genannten Ebenen des Menschseins in der Diagnostik zu unterscheiden, und in der Therapie zu integrieren vermag. Bei den genannten Krankheitsbeispielen: Neurodermitis, Asthma und Schuppenflechte liegen funktionelle Störungen vor, die die Neigung haben, chronisch zu verlaufen, weil sie auf langfristigen Verschiebungen in dem vierfachen Wesensglieder-Gefüge des Organismus beruhen. Diese Verschiebungen zu diagnostizieren und in der Therapie so anzusprechen, dass die Selbstheilungskräfte aktiviert werden, ist das Wesen der „integrativen Medizin“.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die erzielten Heilungen nachhaltig sind, weil sie nicht dem Organismus aufgezwungen werden, sondern sich aus den organismuseigenen Selbstheilungskräften, also den Kräften ergeben, die auch die Gesundheit ausmachen.

Was passiert, wenn man mit den angesprochenen Beschwerden neu in Ihre Praxis kommt? Was macht eine gute, zuverlässige Diagnose für Sie aus? Und woran erkennt man hingegen – insbesondere als von Hautkrankheiten oder Asthma Betroffener – beim Diagnosegespräch, dass man den Arzt besser wechseln sollte?

Im ersten Gespräch muss vor allem die Diagnose kritisch überprüft und im Hinblick auf die individuelle Situation eingeschätzt werden. Es hat nämlich wenig Zweck, erst einmal mit der Therapie zu beginnen (außer im Notfall natürlich), und dann hinterher, wenn es anders läuft als gewünscht, mit der Diagnostik nochmals von Vorne zu beginnen.

Bei den Hautkrankheiten führen Salbenbehandlungen nur ausnahmsweise zum Ziel. Deshalb sollte man den Arzt gleich wieder wechseln, wenn er bloß eine Salbe verschreibt. Bei Asthma kann zwar die Verschreibung von Sprays für die Erst-Versorgung notwendig sein. Wenn es dabei aber bleibt, so ist man hier auch Fehl am Platz.

Auf der Website Ihrer Praxis führen Sie die Therapiekonzepte Heileurythmie, Misteltherapie und Hypnose als Grundpfeiler Ihrer Arbeit an. Heileurythmie und Misteltherapie sind wahrscheinlich vielen Lesern nicht geläufig. Was hat es auf sich damit?

Die Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie, die in hohem Maße den individuellen Krafteinsatz des Patienten nutzt. Im Falle, dass der Patient dazu gewillt ist, liegt der Vorteil darin, dass der Patient es schließlich lernt, sich selber zu heilen.

Die Misteltherapie ist vor allem durch ihren Einsatz bei Krebs bekannt geworden. Weniger oder gar nicht bekannt ist, dass die Misteltherapie auch bei Rheumatoider Arthritis (Gelenkrheuma), Auto-Immunkrankheiten, und Schuppenflechte sehr erfolgreich sein kann, wenn sie in der richtigen Dosierung eingesetzt wird.

Hypnose wird überwiegend bei Angststörungen und Sucht angewendet. Gibt es auch Anwendungsfälle für Neurodermitiker, Asthmatiker oder Psoriatiker? Kann man sich zum Beispiel das schädliche Kratzen bei Neurodermitis damit “abgewöhnen” oder den wahrgenommenen Juckreiz reduzieren? Auch über Meditation kann man auf Ihrer Website www.mutzuheilung.de lesen. Hilft Meditation bei atopischen Erkrankungen?

Hypnose wird, wie sie richtig bemerken, bei Angststörungen und Sucht angewendet, wobei die Fettsucht nicht zu vergessen ist. Bei atopischen Erkrankungen benötige ich sie ebenso wenig wie die Meditation. Die Meditation ist vor allem bei Typ-2-Diabetes und bei reaktiven Depressionen im Zusammenhang mit Todesfällen angebracht.

Welche Erfahrungen haben Sie in der (ganzheitlichen) Behandlung von Neurodermitis, Asthma und Psoriasis gemacht? Unterm Strich: was hilft wirklich, und was nicht?

Man muss hier unterscheiden zwischen der rein symptomatischen Hilfestellung und der nachhaltigen Heilung. Wie oben schon gesagt, helfen weder Salben bei Neurodermitis und Psoriasis, noch Sprays bei Asthma nachhaltig. Sie können aber dennoch in der Soforthilfe von begrenztem Wert sein.

Neben der richtigen Behandlung durch einen qualifizierten Arzt ist meist auch das persönliche Zutun entscheidend. Regelmäßige Hautpflege ist auch sehr wichtig in Zeiten mit weniger Beschwerden zum Beispiel, ein Punkt, der leider viel zu häufig vernachlässigt wird. Was können oder sollten die Betroffenen selbst tun, um Ihre Krankheiten bestmöglich in den Griff zu bekommen?

Leider ist nicht nur eine angemessene Hautpflege, sondern oftmals auch die Nahrungsumstellung erforderlich. Die letztere setzt geeignete Testverfahren voraus, die von den privaten, aber nicht von den gesetzlichen Kassenkassen bezahlt werden. Die Umsetzung der erforderlichen Nahrungsumstellung fällt dann zumeist doch noch wesentlich schwerer, als die Vermeidung hautreizender Kosmetik.

Besten Dank für das sehr interessante Interview Herr Brettschneider! Können sich die Leser bei weiteren Fragen an Sie wenden, wenn ja, wie?

Gern geschehen! Hoffentlich waren meine Antworten verständlich, und weder zu lang noch zu kurz. Wie ich schon sagte, ist mein Mobiltelefon meine Praxis-Zentrale, die Tag und Nacht zur Verfügung steht. Zu finden bin ich im Internet unter www.mutzurheilung.de

 

 


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