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Hyaluron


Hyaluron (bzw. Hyaluronsäure) wird von Kosmetikproduzenten immer häufiger als Mittel für ältere Haut angepriesen, als „ewiger Jungbrunnen“, durch den die Haut fester, frischer und glatter werden soll. Hyaluron soll Fältchen und trockene Hautstellen verhindern. Daneben hat es zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. Doch was genau ist es eigentlich, und was ist wirklich dran an den Versprechen? Jucknix klärt auf.

Aufgaben von Hyaluron im menschlichen Körper

Hyaluronsäure (auch: Hyaluronan, Abkürzung HA) erfüllt eine Vielzahl von Funktionen im Körper.

So übernimmt sie unter anderem folgende Aufgaben:

  • Wasserspeicherung: Hyaluron speichert relativ zur Eigenmasse sehr große Wassermengen – pro Gramm bis zu sechs Liter Wasser. Zum Beispiel besteht der Glaskörper des menschlichen Auges aus bis zu 98 Prozent Wasser, welches an nur zwei Prozent Hyaluronsäure gebunden ist.
  • Druckbeständigkeit: Wasser kann kaum zusammengedrückt werden. Da die Säure viel davon binden kann, sorgt sie für Stabilität, zum Beispiel in der Embryonalentwicklung aber auch im Gallertkern von Bandscheiben, der einen großen Teil des Körpergewichts aushalten muss.
  • Schmiermittel: Hyaluron ist weiterhin Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, bei Bewegungen wirkt es als Schmiermittel.
  • Wege freihalten: Hyaluronsäure hält die Verkehrswege für wandernde Zellen frei, indem es die Zellzwischenräume erweitert.
  • Biochemische Funktionen: die Substanz ist beteiligt an der Bildung diverser, wichtiger Riesenmoleküle wie Knorpel.
  • Aufgaben im Gehirn: Unterstützt die Strukturfunktion, scheint auch eine Rolle bei Multipler Sklerose zu spielen und verhindert den Wiederaufbau von Markscheiden um Axone.
  • Zusammenspiel mit Rezeptoren: viele Rezeptoren der Zelloberflächen wirken mit Hyaluron zusammen. So werden verschiedene Zellreaktionen ausgelöst, insbesondere die Teilung und Wanderung von Zellen. Während die zum Beispiel bei der Embyronalentwicklung erwünscht ist, kann es bei Kontakt mit Tumorzellen nachteilig sein.

Hyaluron und die Hautalterung

Die Hautalterung ist von verschiedenen Faktoren – sowohl äußeren (Sonne, Rauchen, Ernährung, Stress) als auch inneren (Veranlagung, Hormone) – abhängig und wird meist mit Beginn des 30. Lebensjahres sichtbar. Tendenziell haben Menschen mit fettiger Haut erst später sichtbare Falten. Grund für die Alterung der Haut ist vor allem der Verlust an Feuchtigkeit – die Haut wird trockener und verliert an Spannkraft, stellt weniger kollagene und elastine Fasern her, die sie geschmeidig machen. Daneben spielt eine Substanz eine weitere wichtige Rolle, eine Substanz, die auch natürlich im menschlichen Körper vorkommt, v.a. in der Haut: die Hyaluronsäure.

Hyaluron erfüllt verschiedene Aufgaben für die Haut:

  • Glättung und Straffung der Haut
  • Unterstützung der Zellerneuerung
  • Schutz vor schädlichen Einflüssen aus der Umwelt
  • Binden von Feuchtigkeit

Im Alter wird die Haut jedoch dünner und weniger elastisch, was zu den sichtbaren Falten führt. Neben dem dann geringer vorhandenen Kollagen und Elastin wird dies auch auf die schwindende Hyaluronsäure zurückgeführt.

Studien zufolge kann dieses Hyaluron-Defizit ausgeglichen werden, indem man die Haut von außen mit der Substanz versorgt. Als Teil von Pflegeprodukten soll die Haut durch Hyaluronsäure wieder mehr Wasser binden und daher praller und fester werden, zudem soll ein hauchdünner Feuchtigkeitsfilm hergestellt werden, der die Haut vorm Austrocknen schützt.

Da die reine Form der Hyaluronsäure schlecht von der Haut aufgenommen wird, werden meist Fragmente von Hyaluron eingesetzt, die auch als HAF bezeichnet werden und besser in die Haut eindringen, wo sie die zelleigene Produktion von Hyaluron ankurbeln, indem sie sich an bestimmte Rezeptoren in den Zellen heften.

Hyaluron in der Medizin

In der Medizin verwendet wird Natriumhyaluronat, das Natrium-Salz der Hyaluronsäure. Die Säure wird aus tierischem Ausgangsmaterial oder per Biotechnologie aus Streptokokken-Kulturen gewonnen. Dabei wird die Säure teils auch verändert – zum Beispiel stabilisiert.

Hinweis: Bei Hyaluron, das aus Hahnekämmen gewonnen wird, können allergische Reaktionen bei einer vorliegenden Allergie gegenüber Vogelproteinen kommen.

Die Einsatzmöglichkeiten des Stoffs in der Medizin sind vielfältig:

Arthrose: in die Gelenke gespritzt kann Hyaluron als eine Art Stoßdämpfer wirken, je nach verwendeter Säure sind dazu mehr oder weniger Injektionen nötig, die Anzahl der Injektionen sagt aber nichts über die Wirksamkeit und Dauer des Therapieerfolgs aus, sondern nur über das verwendete Produkt. Hyaluron kann wie die Einnahme von NSAR oder eine Spritze mit Cortison wirken. Die Wirksamkeit ist umstritten, in einer Metaanalyse aus 2003/2004 konnte kein sicherer Zusammenhang zur Linderung der Arthrose festgestellt werden, allerdings gibt es auch Studien, die andere Schlüsse nahelegen. Von den gesetzlichen Krankenkassen wird diese Behandlung meist nicht bezahlt.

Nasensprays und Augentropfen: gegen trockene Augen oder stark ausgetrocknete Nasenschleimhäute. Hyaluronsäure kann einen stabilen, langanhaltenden Tränenfilm begünstigen und wird daher auch häufig in Lösungen für Kontaktlinsen eingesetzt, um deren Tragekomfort zu erhöhen.
Belastungsharninkontinenz: Injektion von Hyaluronsäure-Depots in die Harnröhre, wirkt allerdings nur für ein Jahr und auch nur bei jedem zweiten Patienten.

Weitere Einsatzmöglichkeiten: vesikorenaler Reflux (VUR)

Im Handel erhältlich ist Hyaluron bzw. die Säure als Medikament in Form von Monopräparaten sowie kombiniert mit anderen Wirkstoffen:

  • Monopräparate: Curavisc (D), Durolane (CH), Fermavisc (CH), Hyalart (D), Hyalubrix (D), Hyalur (CH), HYGAG (D), Ial (CH), Ialugen (CH), Lacrycon (CH), Laservis (CH), Ostenil (D, CH), Recosyn (D), Rhinogen (CH), Sinovial (CH), Suplasyn (D, CH), Synvisc (D, CH), Unike-Injekt (D), Viscoseal (CH), Hylo-Vision (D), Visiol (CH), Vislube (CH), Vismed (CH), Xidan (D), zahlreiche Generika (D, CH)
  • Kombinationspräparate: Alphastria (CH), Ialugen Plus (CH), Hyalofemme (D)

Daneben wird Hyaluron als Nahrungsergänzungsmittel verkauft sowie als Teil einer ergänzend bilanzierten Diät. Die Produkte sollen die Gelenkfunktion unterstützen und sind häufig mit anderen Nährstoffen kombiniert. Es finden sich meist geringe Mengen von 50 bis 250 mg der Säure in diesen Präparaten.

Vor allem jedoch spielt Hyaluron eine Rolle in der ästhetischen Medizin und Kosmetik:

  • Zur Faltenunterspritzung
  • Zum Modellieren von Lippen („Aufspritzen“)
  • Zum Aufbau von Gesichtskonturen
  • Zur Hautauffrischung
  • Zur Modellierung bei Körperdeformierungen: Gesäß, Waden etc.
  • Zum Ausgleich eingesunkener Narben oder anderer Unebenheiten (z.B. nach Fettabsaugung)
  • Zur Brustvergrößerung (ohne OP, der Arzt spritzt das Gel zwischen Brustmuskel und Brustdrüsen unter örtlicher Betäubung)

Die Dauer der Wirkung hängt vom verwendeten Mittel ab und liegt zwischen 6 Monaten und mehreren Jahren.
 


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