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Herpes in der Schwangerschaft

Herpes in der Schwangerschaft bringt einige Besonderheiten für die Mutter und vor allem für das ungeborene Kind mit sich. Das Herpes-Virus kann in unterschiedlichen Arten unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen. So sind die Viren vom Herpes-simplex –Virus Typ 1 (HSV1) überwiegend für Lippenherpes verantwortlich, die Viren vom Typ 2 für Genitalherpes. Einmal angesteckt bleiben die Viren lebenslänglich im Körper. Geschätzte 80-90% der Bevölkerung sind mit dem HSV1 infiziert, 20-80% mit dem HSV2. Ersterer überträgt sich vor allem durch Tröpfcheninfektion, letzterer durch den Austausch von Geschlechtssekreten.

Herpes in der Schwangerschaft – Die Gefahren

Steckt sich eine Frau schon vor der Schwangerschaft mit dem Herpesvirus an und tritt in der Schwangerschaft eine erneute Erkrankung auf, ist dies für das Ungeborene weniger schädlich, da es dann bereits selbst über Antikörper verfügt. Dann reichen Virustatika, die die Viren hemmen und die Symptome lindern. Virustatika können als Salbe oder Lösung sowie („systemisch“) als Tabletten verabreicht werden.

Anders jedoch, wenn sich die Mutter erst kurz vor der Geburt zum ersten Mal mit Herpes ansteckt. Insbesondere dann, wenn es sich dabei um den schwerwiegenderen Genitalherpes handelt. Bei der Geburt können die Viren nämlich über die Haut und die Augen des Babys in dessen Blut gelangen. Von dort aus drohen sie, auch ins Gehirn transportiert zu werden und schwere Erkrankungen wie eine Gehirnhautentzündung auszulösen. Bei akuten Erstinfektionen mit Genitalherpes in der Schwangerschaft wird daher oft ein Kaiserschnitt angewendet, um das Risiko einer Ansteckung für das Neugeborene zu senken.

Gleiches gilt jedoch auch für Zweitinfektionen, also einen wiederholt auftretenden Herpes. Vor allem, wenn die Infektion kurz vor der Geburt stattfindet und der Geburtskanal mitbetroffen ist. Dann besteht selbst bei im Körper des Ungeborenen vorhandenen Antikörpern kein sicherer Schutz.

Nur 5 Prozent der Babys infizieren sich schon im Mutterleib, 95% dagegen erst während der Geburt. Über die Blutbahnen und den Mutterkuchen werden die Herpes-Viren während der Schwangerschaft also nur sehr selten übertragen.

Symptome bei der Mutter

Bei einer geschwächten Immunabwehr können die Erreger neu ausbrechen und Symptome wie die typischen Bläschen und den Juckreiz heraufbeschwören. Dies ist zum Beispiel der Fall bei:

  • Fieber
  • Stress
  • Verletzungen
  • Sonnenbrand
  • Hormonellen Umstellungen bei Menstruation und Schwangerschaft
  • Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken

Der Genitalherpes verläuft meist schwerer als der Lippenherpes – und ist damit auch in der Schwangerschaft ein größeres Risiko für das Kind.

Lippenherpes zeigt sich an folgenden Symptomen:

  • Erstinfektionen bleiben oft unbemerkt
  • Bei Zweitinfektionen treten kleine Bläschen auf, die später aufplatzen
  • Die Bläschen treten überwiegend an der Lippe auf, können sich jedoch auch in den Mundraum ausbreiten

Genitalherpes erkennt man an diesen Symptomen:

  • Schmerzhafte kleine Bläschen
  • Die Bläschen sind in Gruppen angeordnet
  • Die Bläschen platzen auf und können kleine Geschwüre nach sich ziehen, die meist ohne Narben abheilen
  • Teils Fieber und geschwollene Lymphknoten, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen
  • Teils Schmerzen beim Wasserlassen

Symptome beim Neugeborenen

Hier müssen wir unterscheiden nach dem Zeitpunkt der Infektion des Neugeborenen.

Symptome bei Neugeborenen nach einer Herpesinfektion in der Frühschwangerschaft:

  • Hautbläschen
  • Augeninfektion, schlimmstenfalls mit Blindheit
  • Kleiner Schädel oder „Wasserkopf“
  • Beeinträchtige Intelligenz

Die Beschwerden treten nur äußerst selten auf. In der Literatur sind nur wenige Einzelfälle bekannt.

Symptome bei Neugeborenen nach Infektion im Geburtskanal:

  • Bläschen im Mundbereich
  • Hautexanthem mit Blutungen
  • Augeninfektion, schlimmstenfalls mit Blindheit
  • Fieber, Erbrechen, Lethargie
  • Verweigerte Nahrungsaufnahme
  • Befall von Lunge, Niere, Leber, Magen, …
  • Entzündungen des Gehirns, oft mit Krampfanfällen und schweren geistigen Defiziten

Die Sterblichkeit liegt zwischen 50 und 80 Prozent, wenn Organe und Gehirn mitbetroffen sind – auch bei einer antiviralen Therapie.
Hiervon sind besonders Frühgeburten stark gefährdet.

Herpes in der Schwangerschaft – Diagnose

Die Diagnose ist bei einem Herpes in der Schwangerschaft besonders wichtig mittels Antikörperbestimmung oder Polymerase-Chain-Reavtion (PCR).

Pränatal können das Fruchtwasser entnommen und untersucht oder die Nabelschnur punktiert werden.

Zeigen sich Auffälligkeiten beim Ultraschall, können weitere Diagnosemaßnahmen sinnvoll sein.

Zeigt ein Neugeborenes Symptome einer Infektion, sollte sofort eine Probe entnommen und auf Viren untersucht werden – ganz gleich, ob die Mutter ebenfalls Beschwerden hat. Dazu können Blutabnahme, Bläschen-Punktur, Hirnwasser-Punktur oder Rachenabstrich angewendet werden.

Herpes in der Schwangerschaft – Behandlung

Im Mittelpunkt der Therapie steht die Gabe des Virustatikums Aciclovir – lokal als Creme oder Lösung, oral als Tablette oder gespritzt. Eine HSV1-Erstinfektion um den Geburtstermin sollte sowohl lokal als auch systemisch (Spritze / Tabletten) behandelt werden.
Eine Erstinfektion mit Genitalherpes kann ab der 30. SSW mit Aciclovir behandelt werden, anschließend wird eine erneute Verabreichung kurz vor der Entbindung empfohlen.

Bei Genitalherpes-Symptomen während der Wehen wird der Kaiserschnitt empfohlen, wenn Bläschen sichtbar sind, gibt es keine Symptome in und an der Scheide, kann die Entbindung normal unter Aciclovir-Gabe durchgeführt werden.

In der frühen Schwangerschaft wird Aciclovir meist nur lokal angewendet.

Herpes in der Schwangerschaft vorbeugen

Eine Impfung gegen die Herpesviren gibt es noch nicht, das Risiko einer Infektion kann jedoch mit Kondomen deutlich reduziert werden. Prophylaktisch können Neugeborenen Aciclovir oder Immunglobuline verabreicht werden, wenn die Mutter kurz vor der Geburt eine Erstinfektion mit oder ohne Symptome erlitten hat. Nach der Geburt sollten vorbeugend Augentropfen gegeben werden.

Wenn die Erstinfektion der Mutter nah am Geburtstermin liegt, sollten Mutter und Kind von anderen Patienten isoliert werden, bis die Bläschen abgeheilt sind. Wiederaufkommende Infektionen sollten sorgfältig hygienisch versorgt werden, dabei ist jedoch keine Isolierung angezeigt.
 


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