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Heilfasten bei Neurodermitis

Heilfasten ist längst nicht mehr nur religiös motiviert, sondern eine der alternativen Heilmethoden, die immer häufiger angepriesen werden. Heilfasten soll den Körper entgiften und “entschlacken”. Aber hilft Heilfasten denn bei Neurodermitis?

Was passiert beim Fasten?

Ein Körper, der keine Nahrung bekommt, wechselt nach ein bis zwei Tagen auf den “Hungerstoffwechsel”. In diesem Modus verbraucht er so wenig Energie wie möglich. Dies führt zu gesenktem Blutdruck, einem entlasteten Herz und Kreislauf und einer Entwässerung des ganzen Körpers. Nach mehreren Tagen des Fastens werden nach und nach Eiweiß- und Fettreserven aufgelöst, was über eine Bildung von sogenannten Ketokörpern zu Mund- und Körpergeruch führen kann. Um die Hungerphase erträglicher zu machen, schüttet der Körper teilweise auch Endorphine aus, die als körpereigene Drogen wirken. Während der Fastenzeit nimmt man durchschnittlich etwa 400 Gramm ab täglich ab – anfangs verliert man aber vor allem Muskelmasse.

Vorsicht: Fasten über mehrere Wochen kann den Herzmuskel angreifen!

Die richtige Vorbereitung

Vor der Kur bereitet sich der Fastende bereits bis zu einer Woche auf die kommende Zeit vor. Genussmittel, Süßigkeiten, Fleisch und fetthaltige Nahrung wird nicht mehr gegessen. In den letzten zwei Tagen vor Beginn der Fastenkur isst er idealerweise fettarm und balaststoffhaltig.

Die wichtigsten Arten des Heilfastens 

  • Beim Buchinger-Heilfasten (nach Otto Buchinger, einem deutschen Arzt) werden ausschließlich Gemüsebrühe und bestimmte Säfte eingenommen. Dem Körper wird dadurch eine geringe Menge an Kalorien, Mineralien und Vitaminen zugeführt – der Stoffwechsel wird entlastet. Zusätzlich sollen Einläufe den Darm reinigen.
  • Fasten nach Mayr (auch bekannt als Franz-Xaver-Mayr-Kur) ist an das Buchinger-Heilfasten angelehnt, ergänzend werden aber zweimal täglich alte Brötchen mit einer geringen Menge Milch verzehrt.
  • Saftfasten: der Praktizierende trinkt ausschließlich Obst- und Gemüsesäfte
  • Früchtefasten: Neben Früchten werden auch Gemüse, Kräuter und Nüsse gegessen
  • Modifizierte (eiweißergänzte) Fastenkur: ein spezielles Eiweißkonzentrat, der Ulmer Trunk wird täglich konsumiert – alternativ geht auch ein festgelegte Menge Buttermilch. Ziel der eiweißergänzten Fastenkur ist die Verhinderung von Eiweißverlusten, außerdem soll der Körper so dazu gebracht werden, mehr Fett als Eiweiß zu verbrennen.
  • Schrothkur: Tage mit fester Nahrung wechseln sich ab mit Tagen ohne feste Nahrung.
  • Molke-Fasten: 1 Liter Molke, ½ Liter Obstsaft und 3 Liter Wasser ohne Kohlensäure werden über den Tag verteilt aufgenommen. Morgens gibt es außerdem ein Glas Sauerkraut- oder Pflaumensaft, das den Darm von Schadstoffen befreien soll. Auf feste Nahrung wird aber gänzlich verzichtet.
  • Beim Teefasten verzichtet man sowohl auf feste Nahrung als auch auf Säfte. Nur Tee wird getrunken und wahlweise Wasser mit wenig oder gar keiner Kohlensäure. Von dieser Extremform des Fastens raten Ärzte dann ab, wenn der Praktizierende nicht vollkommen und rundherum gesund ist

Manche Arten vom Heilfasten sehen, wie angesprochen, auch eine Darmentleerung vor, die am Anfang der Kur entweder per Einlauf, also über das Pumpen von bestimmter Flüssigkeit in den Darm oder per Abführmittel wie dem Glaubersalz durchgeführt werden kann

Fasten gegen Neurodermitis

Neurodermitis ist keine reine Hautkrankheit, sondern hat nachweislich vor allem auch mit dem Immunsystem zu tun – welches zu einem großen Teil von der Funktionstüchtigkeit des Darms abhängt. Störungen, Entzündungen und ein Ungleichgewicht im Darm gelten als Ursachen für die Auslösung oder Verschlimmerung der Neurodermitis. Eine Reinigung und Entlastung des Darms macht damit bei Neurodermitis durchaus Sinn.

Beim Fasten soll der Darm auf natürliche Weise gereinigt und von Giftstoffen befreit werden. Allein der Verzicht auf Genussmittel wie Koffein, Alkohol und Nikotin zur Fastenkur kann “Durchatmen” des dauerbelasteten Darms zur Folge haben.

Ein wichtiger Bestandteil des Fastens ist das Trinken von ausreichend viel Flüssigkeit. Das gilt besonders für Neurodermitis, da die Haut sonst durch die verminderte Zufuhr von Nährstoffen Gefahr läuft, noch weiter auszutrocknen. Häufig wird Neurodermitikern empfohlen, fünf Liter am Tag oder mehr zu trinken, um dem Austrocknen entgegenzuwirken.

Verschiedene Neurodermitis-Patienten berichten: häufig helfen bereits zwei Tage Fasten bei Neurodermitis, in den meisten anderen Fällen eine Woche. Wissenschaftlich bewiesen ist das bisher aber nicht. Außerdem könnten die Symptome nur während des Nahrungsmittelverzichts reduziert sein, was auf eine unerkannte Nahrungsmittelallergie hindeutet.

Umso sinnvoller ist es, das Heilfasten bei Neurodermitis mit zusätzlichen Maßnahmen zu begleiten. Dazu zählt die Bewegung, draußen, an der frischen Luft. Für diesen Fall werden sogar Fastenwanderkuren angeboten, die behutsame, gemäßigte Fußstrecken in der Natur verbinden mit dem Verzicht auf Nahrungsmittel. Auch ein Aufenthalt in einer Reizklimazone, wie zum Beispiel dem Toten Meer, kann mit einer Fastenkur kombiniert werden. 

Wer auf Heilfasten verzichten muss

… Kinder unter 10 Jahren, schwangere oder stillende Frauen, Menschen mit Neigung zur Blutung, mit Schilddrüsenüberfunktion, Durchblutungsstörungen des Gehirns, Krebs, Typ-1-Diabetes sowie Untergewicht. Auch bei psychischen Erkrankungen muss das Fasten unbedingt mit einem Arzt abgeklärt werden.

Das heißt: nur grundsätzlich gesunde und fitte Menschen sollten sich einer Fastenkur aussetzen, und – vor allem bei längeren Kuren – auch dann nur in Absprache eines Arztes und unter dessen Überwachung. Menschen mit psychischen Krankheiten sollten ihren Arzt befragen, bevor sie fasten.

Das sagt die Wissenschaft

Obwohl dem Fasten immer mehr Aufmerksamkeit zukommt und es von immer mehr Heilpraktikern etc. angepriesen wird, stehen wissenschaftliche Belege für die gesundheitsfördernden Wirkungen nach wie vor aus. So etwas wie “Entschlacken” gäbe es aus wissenschaftlicher Sicht überhaupt nicht, denn: der gesunde Körper lagert keinen Schlack an, sondern scheidet nicht verwertbare Stoffe über Darm und Nieren aus, sofern er genug Flüssigkeit bekommt.

Ein weiterer Kritikpunkt: Blasen- und Nierensteine werden begünstigt. Sogar Gichtanfälle können durch das Fasten ausgelöst werden können.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erkennt Heilfasten zwar an als einen möglichen Impuls für eine Änderung hin zu einem gesundheitsbewussterem Leben, steht dem Fasten ansonsten aber kritisch gegenüber – eben mangels wissenschaftlicher Beweise.

Einig sind sich alle Ärzte vor allem auch in einem Punkt: ärztliche Aufsicht und vorherige Gesundheitschecks sind bei Heilfastenkuren unverzichtbar.

 

Linktipp: 
Wenn Sie als Neurodermitiker selbst einmal ausprobieren wollen, ob das Fasten Ihre Beschwerden lindern kann, finden Sie auf www.kur-und-gesundheitsurlaub.de eine Vielzahl entsprechende Angebote. Wesentlich konkreter wird es auf der Seite www.kur-und-gesundheitsurlaub.de/f-x-mayr-kur/. Dort finden Sie ausschließlich Angebote für das Mayr Fasten.
 


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