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Glutenunverträglichkeit & Glutensensitivität? Unterschiede und worauf man achten sollte

„Eine Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen.“ Nicht umsonst gibt es diese Redewendung: Der Verdauungstrakt und das Gehirn arbeiten tatsächlich eng miteinander zusammen und befinden sich in einem steten Austausch von Informationen. Eine Balance zwischen Magen-Darm-Trakt und Gehirn herzustellen, wirkt sich deshalb nicht nur positiv auf Ihre Verdauung aus, sondern beeinflusst zudem Ihre physische und psychische Gesundheit.

Doch, was passiert, wenn diese Balance aus dem Gleichgewicht gerät? Bauchschmerzen. Verstopfung. Durchfall. Blähungen. Kopfschmerzen können die Folge sein. Immer häufiger liest man in diesem Zusammenhang etwas über die „Nebenwirkungen“ getreidehaltigen Lebensmittel. Von einer Glutensensitivität oder einer Glutenunverträglichkeit ist dann die Rede.  Doch, was ist das Überhaupt? Und, kennen Sie den Unterschied?

Der folgende Beitrag soll Sie über diese Begrifflichkeiten informieren und zudem über „Risiken und Nebenwirkungen“ des Getreideverzehrs aufklären. Zudem erfahren Sie etwas zu den Möglichkeiten der Diagnostik.

Kommunikation zwischen Magen-Darm-Trakt und Gehirn

Sprechen wir über den Informationsaustausch zwischen Gehirn und Verdauungstrakt: Beide Areale Ihres Körpers tauschen sich, in beide Richtungen, über die Darm-Gehirn-Achse aus. Das passiert auf vier unterschiedlichen Wegen: über Darmhormone, Immunbotenstoffe (Cytokine), sensorische Neurone und Signale des Darm-Mikrobioms.

Diese Kommunikationskanäle nutzt Ihr Verdauungstrakt, um neben Hunger und Appetit,  Empfindungen wie Übelkeit und Schmerz aber auch Emotionen, kognitive Prozesse und Stressresistenz zu steuern. Signale aus dem Magen-Darm-Trakt haben dabei einen besonders starken Einfluss auf die zerebralen Schaltkreise, die für die Steuerung ihrer Gefühlswelt zuständig sind. Ist diese Kommunikation gestört, kann dies ihren Körper in Ungleichgewicht bringen. Oft ist eine Unverträglichkeit oder Sensitivität gegenüber einem oder mehrerer Lebensmittel dafür verantwortlich.

Kurz und knapp: Unterschiede zwischen Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Weizenallergie und Glutensensitivität

Stolpern Sie bei dem Thema Lebensmittelunverträglichkeit auch immer wieder über die Begriffe „Glutenunverträglichkeit“ und „Glutensensitivität“? „Das ist gar nicht dasselbe?“ „Worin unterscheiden sie sich?“ „Alles nur eine Modeerscheinung und eigentlich nur Quatsch!“ Was auch immer Ihnen dazu gerade durch den Kopf gehen mag. Wir hoffen, die gelisteten Fakten geben Ihnen ein besseres Verständnis von dieser Thematik.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) verstehen

Definition:

  • T-zellvermittelte Autoimmunerkrankung des Magen-Darmtrakts
  • Der Kontakt mit Gluten provoziert im Körper ein Bilden von Antikörpern, die sich gegen das eigene Gewebe richten
  • Es kommt im Dünndarm zu einer chronischen Entzündung, wodurch die Darmschleimhaut geschädigt wird
  • auf Dauer werden die Darmzotten zerstört
  • Zöliakie kann bereits bei Kindern auftreten

Diagnostik und Symptomatik:

Eine Diagnose kann durch endomysiale oder Tissue-Transglutaminase-Antikörper der Klasse IgA erfolgen. Voraussetzung ist dabei jedoch, dass vorab ausgeschlossen wurde, dass ein IgA-Mangel vorliegt. Ansonsten kann es zu einem verfälschten Testergebnis kommen. Doch, selbst ein positiver Antikörper-Nachweis ist noch KEIN ausreichendes Indiz für das Vorliegen einer Zöliakie. Der sicherste Analyse-Weg ist deshalb eine Dünndarmbiopsie. Durch sie lässt sich eine Veränderung der Dünndarmschleimhaut, und damit das Indiz für eine Glutenunverträglichkeit, gut erkennen.

Je nachdem, wie stark die Veränderung der Dünndarmschleimhaut fortgeschritten ist, zeigen sich, von einer Malabsorption ausgelöst, verschiedene Symptome. Unter anderem können die Betroffenen unter leichten bis starken Blähungen, einem Eisenmangel oder auch leichten bis starken Durchfällen leiden. Basierend auf Screening-Untersuchungen diagnostizierter Fälle, zeigt sich, dass die gastrointestinalen Symptome nur einen Bruchteil der Symptome darstellen, die durch Zöliakie ausgelöst werden. Viele Symptome sind sehr diffus und werden von Ärzten deshalb oft nicht als Indiz einer Zöliakie erkannt.

Atypische Symptome, die nicht direkt mit der Darmfunktion zusammenhängen, können sein:

  • Konzentrationsprobleme und Motivationslosigkeit
  • Autoimmun-Reaktionen der Haut (bspw. Schuppenflechte)
  • Psychologische Symptome wie starke Stimmungsschwankungen, Depressionen, Mutlosigkeit
  • Häufige, oft migräneartige Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit
  • Gliederschmerzen und rheumatische Erscheinungen (bspw. Schmerzen in Gelenken und Knien)

Weizenallergie verstehen

Definition:

  • Bei einer Weizenallergie werden Immunglobulin-E-Antikörper oder T-Lymphozyten im Körper gebildet, die sich gegen bestimmte Allergene im Weizen richten.
  • Abhängig von der Art der Allergene und Mechanismen des Immunapparates, werden verschiedene Formen der Weizenallergie unterschieden
  • Vor allem Kinder sind von diesem Krankheitsbild betroffen. Erwachsene leiden selten unter einer Weizenallergie. Wenn, dann führt diese oft zu gastrointestinalen Beschwerden.

Diagnostik und Symptomatik:

Eine Diagnose erfolgt über IgE-Antikörper im Blut. Die Ausprägung dieser Erkrankung ist sehr unterschiedlich: Sie kann eine Reaktion auf Omega-5-Gliadine, aber auch auf andere Weizenproteine sein. Zudem wird eine allergische Reaktion nicht zwangsläufig nur durch den Verzehr dieser Weizenproteine ausgelöst. Bereits eine Inhalation kann eine allergische Reaktion hervorrufen. Diese kann sofort, aber auch zeitverzögert auftreten.

Die klassische Weizenallergie kommt vorwiegend bei Kindern, in Form von Atemwegs- und Hautreaktionen, zum Ausdruck. Eine anstrengungsinduzierte Weizenallergie – allergische Symptome werden dabei durch den Verzehr von Weizenprodukten in Kombination mit physischer Anstrengung ausgelöst – tritt jedoch auch bei Erwachsene auf. Beginnt eine allergische Reaktion mit Hautreaktionen, kann sie bis hin zu einem Anaphylaktischen Schock führen.

Glutensensitivität verstehen

  • Ist auch als „Nicht-Zöliakie-bedingte Glutensensitiviät“ (Non-Celiac-Glutensensitivity) bekannt
  • Im Gegensatz zur Zöliakie, kommt es bei einer Glutensensitivität, trotz einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten oder anderen Getreidebestandteilen, nicht zu einer Veränderung der Darmschleimhaut.
  • Eine Zöliakie wurde ausgeschlossen; dennoch lindert eine glutenfreie Diät die Symptome
  • Glutensensitivität tritt vor allem bei Erwachsenen auf

Diagnostik und Symptomatik:

Die Diagnose erweist sich als sehr schwierig, da bei den Betroffenen weder Antikörper im Blut noch eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut nachweisbar sind. Dennoch fühlen Patienten einen positiven Effekt, wenn Sie auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Die schwierige Diagnostik führt dazu, dass diese Krankheit oft noch immer als „eingebildet“ gilt.

In der Fachzeitschrift British Medical Journal wurde die Nicht-Zöliakie-bedingte Glutensensitiviät im November 2012 erstmals als autonomes Krankheitsbild benannt. Dr. Imran Aziz vom Royal Hallamshire Hospital in Sheffield wies darauf hin, dass Gluten nicht nur bei Zöliakie-Patienten einen negativen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden hat.

Noch immer ist die Wissenschaft sich nicht einig, ob die Symptomatik durch Gluten oder ATI’s (Amylase-Trypsin Inhibitoren) ausgelöst wird. Auch für den starken Anstieg dieser Krankheit in der Bevölkerung gibt es keinen eindeutigen Grund. Vermutet wird jedoch, dass eine Veränderung des Weizens oder die gesteigerte Verwendung von Gluten im Lebensmittelsektor für den Anstieg verantwortlich ist. 

Symptome der Glutensensitivität sind denen von Zöliakie-Betroffenen sehr ähnlich. Allerdings treten Durchfälle weniger häufig auf und die Symptomatiken sind insgesamt weniger stark ausgeprägt als bei einer Zöliakie. Aufgrund der häufig auftretenden Bauchschmerzen bei fehlenden Zöliakie-Antikörpern, diagnostizieren Ärzte bei den Betroffenen oft ein Reizdarmsyndrom. Wie bei Zöliakie-Patienten kann es atypischen Symptomen, wie Kopfschmerzen, chronischer Müdigkeit und rheumatischen Erscheinungen kommen.

Die optimale Ernährung bei Ihrem Krankheitsbild

Ebenso, wie die drei Krankheiten sich unterscheiden, so unterschiedlich ist auch die Ernährungsanpassung, die für eine Linderung, der Symptome empfohlen wird. Leiden Sie unter einer Zöliakie, Glutensensibilität oder einer Weizenallergie, kann bereits eine angepasste Ernährungsweise, Ihre Lebensqualität erheblich steigern:
Abhängig von der Ausprägung der Allergie, können Weizenallergiker Ur-Formen des Weizens, wie beispielsweise Dinkel, symptomfrei konsumieren, während sich bei ihnen, mit dem Verzehr glutenfreier Weizenstärke, Symptome einstellen. Die Begründung ist darin zu finden, dass Weizenstärke Restbestände der Proteingruppe Albumin enthält, die aber nicht zöliakie-toxisch sind. Ein Allergiker reagiert häufig nur auf ein einzelnes Protein. Eine Möglichkeit der Behandlung stellt die Desensibilisierung dar.

Sind Sie von Zöliakie betroffen, ist eine strikte, glutenfreie Diät essentiell – und zwar ein Leben lang – um Folgeschäden vorzubeugen.  Zudem werden Lebensmittel immer häufiger mit dem Prüfsiegel des Internationalen Glutenfrei-Symbol versehen, das Ihnen Gewissheit über eine ausgiebige Analyse des Glutenfreien Lebensmittels gibt.

Liegt eine Nicht-Zöliakie-bedingte-Glutensensitivität vor, müssen Sie Ihre Ernährung nicht komplett umstellen. Es kann bereits ausreichen, große Glutenquellen, wie Teigwaren und Brot vom Speiseplan zu streichen. 

Über den Autor

Dr. Walter Mair führt seit 2003 sehr erfolgreich die Stadtapotheke im südtiroler Sterzing. Zum Erfolg des Unternehmens tragen das bestmögliche Service, ein Team aus kompetenten Mitarbeitern und qualitativ hochwertige Produkte bei.


 


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