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Glutamatallergie und Glutamatunverträglichkeit

Glutamat ist ein Geschmacksverstärker, der in unzähligen industriell hergestellten Nahrungsmitteln vorkommt. Und in den meisten Speisen in Chinarestaurants. Daher wird die Glutamat-Unverträglichkeit auch „Chinarestaurant-Syndrom“ genannt. Hierbei handelt es sich um eine Intoleranz gegenüber dem Glutamat, nicht um eine echte (und sehr seltene) Glutamatallergie. Immunsystem und entzündliche Prozesse spielen dabei keine Rolle.

Was ist Glutamat – und wo ist es enthalten?

Glutamat ist ein Salz der Glutaminsäure, die auch im menschlichen Körper vorkommt und als Neurotransmitter verantwortlich ist für die Reizübertragung, die Appetitsteuerung und Regulierung des Gewichts sowie für das Körperwachstum. Außerdem ist Glutaminsäure als auch am Aufbau körpereigener Eiweiße (Proteine) beteiligt.

Glutamat wird neben chinesischen Speisen auch unzähligen Fertigprodukten,  Gewürzmischungen, Konserven, Knabberwaren und Kantinenessen beigemischt, um dem Essen einen würzigen Geschmack zu verleihen, ohne dabei auch teure Gewürze zurückgreifen zu müssen.

Glutamat muss laut Lebensmittelkennzeichnungsverordnung auf der Verpackung aufgeführt sein.

Erkennbar ist es als

  • Mononatriumglutamat
  • Geschmacksverstärker E 621
  • E 620
  • E 622
  • E 623
  • E 624
  • E 625

Auch hinter folgenden Begriffen kann sich Glutamat verstecken (dort kommt es von Natur aus vor und ist daher nicht kennzeichnungspflichtig):

  • Aroma
  • Fermentierter Weizen
  • Fleischextrakt
  • Hefeextrakt
  • Sojawürze
  • Speisewüruze
  • Würze

Weitere Lebensmittel enthalten ebenfalls von Natur aus Glutamat in Form von Glutaminsäure:

  • Fleisch
  • Milchprodukte
  • Parmesan
  • Tomaten

Der Körper macht übrigens keinen Unterschied zwischen den von Natur aus vorhandenen Glutamaten und den künstlich beigemischten.

Lose Waren mit Glutamat, die ohne Zusatzstoffliste ausgestellt werden, müssen an der Ware oder als Aushang mit dem Hinweis „Mit Geschmacksverstärker“ deklariert werden. In Kantinen und Restaurants muss ein Hinweis auf den Speisekarten oder in einem Aushang angebracht sein.

Glutamat = umami

Inzwischen ist der zwischen süß, sauer, bitter und salzig liegende Geschmack von Glutamat sogar als fünfte Geschmacksrichtung anerkannt, das sogenannte „umami“, was übersetzt soviel heißt wie „wohlschmeckend“ oder „köstlich“. Forscher haben Geschmacksrezeptoren auf der menschlichen Zunge entdeckt, die nur zur Wahrnehmung von umami dienen.

Was genau im Körper passiert, wenn ein Mensch mit einer Glutamatunverträglichkeit den Geschmacksverstärker verzehrt, ist noch nicht geklärt.

Fakt ist aber: nicht jeder verträgt gleich viel oder wenig Glutamat. Während ein Betroffener erst nach mehreren Fertigprodukten Probleme bekommt, können beim nächsten bereits sehr geringe Mengen an Glutamat ausreichen, um die entsprechenden Symptome hervorzurufen. Letzteres ist jedoch eher selten.

Einheitliche Richtlinien zu den Toleranzschwellen gibt es daher nicht. Die meisten Menschen bleiben daher beschwerdefrei, wenn sie darauf achten, nicht zu viel von dem Zusatzstoff zu konsumieren.

Medikamente gibt es für Glutamatunverträglichkeit keine.

Symptome einer Allergie oder Intoleranz gegenüber Glutamat

Die Symptome einer Glutamatunverträglichkeit treten meist in den ersten 10 bis 20 Minuten nach dem Verzehr des Glutamats auf und dauern wenige Minuten bis einige Stunden an:

  • Hautrötungen
  • Ekzeme
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Übelkeit
  • Zittern
  • Schwächegefühle
  • Taubheitsgefühle im Nacken und an den Armen
  • Hitzewallungen
  • Mundtrockenheit
  • Juckreiz und Prickeln, auch im Gesicht, am Nacken und an den Schultern sowie an den Gliedmaßen
  • Verdauungsprobleme, z.B. Durchfall
  • Starkes Schwitzen
  • Herzklopfen
  • Engegefühl in der Brust

Bei Asthma zusätzlich:

  • Bis zu 12 Stunden nach dem Glutamat-Verzehr können Asthma-Anfälle auftreten

Bei Kindern zusätzlich:

  • Fieber
  • Angstzustände
  • Verwirrtheit

Glutamat und die möglichen Nebenwirkungen drangen erst in den 70er-Jahren in die Bewusstheit der Öffentlichkeit. Damals eröffneten die ersten chinesischen Restaurants. Als immer mehr Menschen Beschwerden nach dem Genuss der dortigen Speisen bekamen, wurde das Glutamat erstmalig als Ursache verdächtigt. Daher stammt auch der Name „Chinarestaurant-Syndrom“.

Uns sind keine genauen Zahlen dazu bekannt, wie viele Menschen Glutamat nicht vertragen.

 


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6 Antworten zu “Glutamatallergie und Glutamatunverträglichkeit”

  1. Manuela sagt:

    Hallo,

    meine Tochter (8 Jahre) reagiert auf Glutamat und auf Kakao mit motorischer Unruhe ( “zappelig”), mit einer geringeren Frustrationstoleranz (sie flippt wegen Kleinigkeiten aus), mit erhöhter Agressivität und mit verminderter Selbstkontrolle – das ausflippen äußert sich in schreien und um-sich-schlagen, sie ist dann nicht zu beruhigen, will auf keinen Fall angefaßt werden.Oft ist sie dann auch einfach weinerlicher bzw. empfindlicher. Ihre Freundinnen beschreiben sie dann als “zickig”, obwohl sie sich erstaunlicherweise außerhalb der Familie einigermaßen beherrschen kann.

    Diese Symptome werden im Zusammenhang mit Glutamatunverträglichkeiten/ Kakaounverträglichkeiten leider nur selten beschrieben. Ich war deshalb schon versucht, einen ADHS-Test machen zu lassen. Zum Glück habe ich eine gute Heilpraktikerin, die die Unverträglichkeit festgestellt hat.

    Liebe Grüße
    Manuela

  2. Thorsten Wohlers sagt:

    Bei mir fängt die Unverträglichkeit nach etwa 1 bis 2 Stunden mit sehr starkem Harndrang an und dauert häufig 2 Tage und Nächte mit Toilettengang im Stundenintervall.

  3. Susanne sagt:

    Ich leider seit nunmehr fast 20 Jahren an einer extremen Intoleranz gegen Mononatriumglutamat. Wenn ich Mononatriumglutamat zu mir nehme, bekomme ich 3- 4 Tage später heftige Migräne, die nur mit entsprechenden Mitteln zu bekämpfen ist. Leider glaubt mir das kein Arzt- ich musste auch durch Selbstversuche herausfinden, dass die Migräne ausschliesslich vom Mononatriumglutamat kommt. Wenn ich keines zu mir nehme, habe ich auch keine Probleme. Leider liest man auch fast überall, dass dieses Zeug unbedenklich sei und derartige Reaktionen auf andere Mittel/ Zusätze zurückzuführen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich nicht alle Lebensmittelhersteller an die Deklarationspflicht halten. Manchmal erwische ich deshalb ungewollt Mononatriumglutamat und muss die unangenehmen Folgen tragen. Ich wäre froh, wenn dieses Thema ernster genommen würde…

  4. Frank sagt:

    Ich bekomme immer ziemlich rasch ein Gefühl als würde mir jemand ein Band um den Kopf schnüren und immer enger ziehen. Dann kommen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Schweißausbrüche, Reizbarkeit und extreme Stressintoleranz. Das hält ein paar Tage bis zu einer Woche und mehr an. Das heftigste was ich je bekam war ein schweres Bronchialasthma das mich für viele Nächte nicht schlafen ließ.

    Ich kann nicht glauben das es immer noch Leute gibt die glauben das Zeug sei unbedenklich. Ich kenne keinen noch so hartgesottenen der nicht irgendwie auf Glutamat reagiert. Das mindeste was sie haben ist extreme Müdigkeit und Kopfschmerzen.

    Die Folgen können über Tage oder auch Wochen gehen, weshalb man auch nicht immer gleich drauf kommt !!! Sie setzen auch nicht immer sofort ein. Sie können auch einen oder 2 Tage später einsetzen!!!

    Ein riesen Quatsch das alles schnell vorbei sei!

  5. Mr. T sagt:

    Im englischen Sprachraum ist der Begriff “bakers yeast allergy” verbreitet, aber im deutschsprachigen Raum lese ich immer nur Glutamat oder Histaminintoleranz (was ich damit aber nicht gleichsetzen möchte).

    Sind “bakers yeast allergy” und Glutamat-Unverträglichkeit dasselbe? Oder gibt es einen Unterschied oder eine Möglichkeit der Differenzierung zwischen Glutamat-Unverträglichkeit und Hefe-Allergie?

  6. Heiko P. sagt:

    Sobald ich Mononatriumglutamat zu mir nehme, bekomme ich spätestens nach einer halben Stunde wahnsinniges Sodbrennen, habe das Gefühl mir brennt der ganze Magen weg und leider fängt dann die Magensäure auch an Fahrstuhl zu fahren.

    Normalerweise versuche ich dem Zeug aus dem Weg zu gehen, aber leider passiert es ab und zu doch mal und erwischt Essen wo das Glutamat drinn ist. Ich versuche dann das brennen einigermaßen mit Natron in den Griff zu bekommen, funktioniert aber auch nur bedingt.

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