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Gerbstoffe

Gerbstoffe sind Stoffe, die sich mit einem Protein (Eiweiß) verbinden, wenn sie damit in Kontakt kommen. Dadurch verändern sich die Proteine folgendermaßen:

  • Das Wasser, das in den Eiweißen gebunden ist, wird durch die Gerbstoffe verdrängt (Entwässerung)
  • Die Eiweiße können kaum oder nicht mehr durch Mikroorganismen abgebaut werden
  • Vermindertes Quellvermögen in Wasser, Laugen und Säuren
  • Erhöhte Temperaturbeständigkeit der Proteine
  • Denaturierung biologisch aktiver Proteine (die dann nicht mehr biologisch aktiv sind)

Zwar behalten strukturierte Proteine wie das Kollagen in der Haut ihre natürliche Struktur, jedoch werden sie durch den Einfluss der Gerbstoffe vernetzt. Unstrukturierte Proteine wie das von Hühnereiern werden ausgefällt.

Diese Veränderungen bezeichnet man als „Gerben“.

Ein Einsatzgebiet von Gerbstoffen ist die Umwandlung abgezogener Tierhaut in Leder, wodurch die Tierhaut andere Eigenschaften erhält und zum Beispiel vor Fäulnis geschützt ist.

Man unterscheidet natürlich vorkommende und künstlich hergestellte (synthetische) Gerbstoffe.

Natürliche Gerbstoffe

In der Natur kommen pflanzliche Gerbstoffe und quervernetzende Fettgerbstoffe in Form von Fetten wie Leinöl oder Trane vor. Bei Tranen handelt es sich um Öle aus Meeressäugern oder Fischen. Damit sie gerben können, müssen ausreichend viele ungesättigte Fettsäuren in ihnen enthalten sein.
Erst bei der Oxidation von Trane entstehen Abbauprodukte, die Gerbwirkung haben und das Kollagen quervernetzen.

In Pflanzen kommt der „vegetabile Gerbstoff“ in Wurzeln, Rinden, Hölzern, Blättern und Früchten vor, zum Beispiel bei den folgenden Pflanzenarten:

  • Eiche
  • Fichte
  • Kastanie
  • Mimose
  • Quebracho
  • Tee und Kaffee

Auch in Weintrauben sind Gerbstoffe in den Stielen, Beerenhäuten und Kernen enthalten, die Tannine, die auch zum Geschmack von Wein, vor allem Rotwein, beitragen. Sofern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tannin, Säure und Restzucker sowie Aromen besteht, ist der Tanningehalt ein wesentlicher Qualitätsfaktor eines Weines.

Weiterhin können pflanzliche Abbauprodukte wie Torf Gerbstoffe enthalten.

Zwar können auch andere Naturprodukte eine gewisse konservierende Wirkung mit sich bringen, von echter Gerbwirkung kann hier aber nicht die Rede sein. Zu diesen Naturprodukten zählen:

  • Eigelb
  • Hirn, Leber und andere tierische Innereien
  • Mehl

Künstlich hergestellte Gerbstoffe

Die künstlichen Gerbstoffe unterteilt man in:

  • Aldehyde: zu den gerbenden Aldehyden zählen unter anderem Formaldehyd und Glutardialhyd, die nicht nur in der Herstellung von Leder eine Rolle spielen, sondern auch als keimtötende Desinfektionsmittel sowie zur Fixierung in der Taxidermie oder Histologie benutzt werden.
  • Mineralgerbstoffe: hierzu gehören Aluminiumsalze (vor allem in der Form von Alaunen), Zirkonsalze, Polyphosphate und dreiwertige Chromsalze
  • Aliphatische Paraffinsulfochloride
  • Auf Phenolderivaten basierende, synthetische Gerbstoffe
  • Polymer-Gerbstoffe („Harzgerbstoffe“)

Zudem besitzen manche künstlich hergestellten organischen Verbindungen wie Konservierungsmittel oder Farbstoffe eine Gerbwirkung.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Gerbstoffe synthetisch hergestellt.

Gerbstoffe in der Medizin

Gerbstoffe sind ein wichtiger Bestandteil der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie). Während sie in hoher Dosis schädlich wirken können, können sie bei Erkrankungen bewusst eingesetzt werden.

Gerbstoffe wirken vor allem:

  • zusammenziehend (adstringierend)
  • entzündungshemmend
  • antibakteriell (bakterizid)
  • antiviral
  • antimykotisch (fungizid)
  • Gift-neutralisierend (bei Alkaloidvergiftung oder Schwermetallvergiftung)

Weitere Wirkungen, mit denen Gerbstoffe in der Phytotherapie in Verbindung stehen, sind:

  • blutstillend
  • schmerzlindernd
  • stopfend (bei Durchfall)
  • sekretionshemmend
  • schleimhautschützend
  • austrocknend

Gerbstoffe sind eine Hauptgruppe von pflanzlichen Wirkstoffen neben ätherischen Ölen, Alkaloiden, Anthrachinonen, Bitterstoffen, Flavonoiden, Glykosiden, Phytoöstrogenen und Schleimstoffen.

Offizinell zugelassene Pflanzen(-bestandteile) mit Gerbstoffen sind:

  • Blutwurzwurzel
  • Eichenrinde
  • Galläpfel
  • Hamamelisblätter
  • Heidelbeeren
  • Ratanhiawurzel
  • Walnussblätter
  • In der Volksmedizin werden wegen ihrer Gerbwirkung auch eingesetzt:
  • Blutroter Storchschnabel
  • Breitwegerichblätter
  • Brombeerblätter
  • Catechu
  • Echte Nelkenwurz
  • Erdbeerblätter
  • Fingerkraut
  • Frauenmantelkraut
  • Gänsefingerkraut
  • Gewöhnliches Eisenkraut
  • Hasenklee
  • Kleine Brunelle
  • Kriechender Günsel
  • Odermennigkraut
  • Rosenblüten
  • Schlangenknöterich
  • Spitzwegerichblätter
  • Wiesenklee
  • Wiesenknopfblätter

Die medizinische Wirksamkeit der Substanzen lässt sich auf den Prozess der Gerbung zurückführen: das Gewebe wird durch die Reaktion mit den Gerbstoffen oberflächlich so verdichtet, dass sich beispielsweise auf Schleimhäuten eine schützende Membran bildet. Damit können die Substanzen Bakterien auf der Haut oder Schleimhaut den Nährboden entziehen. Weiterhin sollen die Mittel Entzündungen hemmen, Blutungen stillen, Schmerz lindern und die Wundsekretion reduzieren.

Einsatzgebiete sind Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen, zum Beispiel bei Entzündungen von Magen oder Darm, bei leichten Durchfällen, zur Beschleunigung der Wundheilung, bei leichten Verbrennungen und Erfrierungen sowie bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
Nimmt man eine zu große Dosis der Gerbstoff-Präparate, können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Brechreiz
  • Entzündung der Magenschleimhaut
  • Leberschäden
  • Verminderte Aufnahme basischer Arzneimittel
  • Verminderte Aufnahme diverser Mineralstoffe (z.B. Eisen)

Nicht verwendet werden sollten die Mittel bei:

  • Verstopfung
  • Trockener Nasenschleimhaut
  • Trockenen Ekzemen

Werden die Mittel innerlich angewendet, sollten sie mit Schleimstoffen kombiniert werden.

Gerbstoffe – Weitere Einsatzgebiete

Den Pflanzen dienen die Substanzen als Fäulnisschutz. Zudem werden sie von ihnen benötigt, um Harze, Kork, Flavonoide oder Anthocyane herzustellen.

Mit Gerbstoffen lassen sich weiterhin Proteine, Alkaloide und Schwermetall-Ionen aus ihren Verbindungen lösen.
 


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