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Erste Hilfe bei Juckreiz

Juckreiz (Pruritus) ist ein Volksleiden. In einer Untersuchung der Uniklinik Münster gaben 17% von 11.000 befragten Berufstätigen an, regelmäßig unter Juckreiz zu leiden. Der Juckreiz hat unabhängig vom Schmerzreiz eigene Nervenbahnen im Körper. Wer sich kratzt, und dabei etwas Schmerz empfindet, blockiert mit dem Schmerzreiz den Juckreiz. Ständiges Kratzen führt jedoch zu stärkerem Juckreiz, nicht nur bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Neurodermitis. Der häufig gehörte und gelesene Rat „Hör auf Dich zu kratzen!“ ist allerdings nicht praktikabel, wie jeder Betroffene weiß (mehr zum Thema Juckreiz finden Betroffene auch bei noreiz.de).

Woher kommt der Juckreiz? Den Impuls, sich kratzen zu müssen, hin und wieder zu verspüren ist völlig normal. Beeinträchtigt er jedoch den Alltag und kommt für sechs Wochen oder länger immer wieder auf, spricht der Hautarzt vom „chronischen Pruritus“. Dieser kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Angefangen bei den Hautkrankheiten, die mit Ekzemen einhergehen, über Darmprobleme hin zu Leber- oder Nierenerkrankungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes, Stoffwechselerkrankungen oder Nährstoffmangel im Organismus können verschiedene organische, aber auch psychosomatische Ursachen wie Depressionen einen chronischen Juckreiz auslösen.

Der Juckreiz kann sowohl akut ausgelöst werden, als auch durch die schlichte abgespeicherte Erfahrung des Juckens erneut aktiviert werden – ohne organischen Grund. Ärzte sprechen dabei manchmal vom „Juckreizgedächtnis“. Typisch für den chronischen Juckreiz ist, dass körperliche Faktoren (Krankheiten, empfindliche, trockene Haut) und Lebensumstände (z.B. Dauerstress) zusammenspielen. Auch die Zimmer- oder Außentemperatur und Schweiß, Alkohol und scharfe Speisen können den Juckreiz steigern.

Betroffene greifen häufig zu rabiaten Methoden. Heißes Duschen führt die Liste der meistgenutzten, aber mittel- und langfristig verschlechternden Wege im Umgang mit der juckenden Haut an. Und auch Umschläge mit alkoholischen Lösungen oder Eispackungen schädigen die Haut weiter und führen schnell zu noch schlimmeren Attacken.

Stattdessen können folgende Tipps zur Ersten Hilfe bei Juckreiz helfen:

  • Akute Juckreiz-Anfälle können mit schnell wirksamen, juckreizstillenden Cremes gelindert werden
  • Wer die Präparate im Kühlschrank lagert, profitiert zusätzlich vom kühlenden, ebenfalls juckreizstillenden Effekt
  • Feuchte Umschläge, zum Beispiel mit schwarzem Tee beruhigen die Haut
  • Klopfen, massieren oder reiben statt kratzen schont die Haut und verhindert den Teufelskreis
  • Anstatt der juckenden Haut kann ein Teddybär oder Kopfkissen gekratzt werden. Das fällt den meisten Betroffenen leichter, als dem Kratz-Impuls gar nicht zu folgen

Langfristig sollte man dem Juckreiz begegnen mit einer täglichen Hautpflege mit rückfettenden, feuchtigkeitsspendenden Cremes und Salben. Bei stark ausgeprägtem chronischen Pruritus kann der Arzt auch Medikamente verordnen, die den Juckreiz unterdrücken.

Häufig zum Einsatz kommen dabei Antihistaminika, Cortison, Calcineurininhibitoren, Cannaboide, Cylcosporin A oder Opioidrezeptorantagonisten, manchmal auch Psychopharmaka wie Antidepressiva.

Auch Entspannungsübungen helfen einigen Patienten.
 


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