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Ernährung bei Asthma (Gibt es eine Asthma-Diät?)

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

Wussten Sie schon, …

dass nicht nur die Liebe, sondern auch das Asthma bronchiale durch den Magen geht? Nahrungsmittelallergien können nicht nur über den Magen-Darm-Trakt oder über die Haut Beschwerden verursachen, sondern auch die über die Bronchialschleimhaut die Atemwege „reizen“. Dazu gehören neben Milch, Sellerie und einigen Gewürzen auch Pseudoallergene wie Histamin, verschiedene Farb- und Konservierungsstoffe sowie Glutamat als Geschmacksverstärker. Welche Mechanismen zu dieser problematischen Folge einer Nahrungsmittelallergie führen, ist noch nicht abschließend geklärt, jedoch werden mehrere Faktoren als „Initialzündung“ diskutiert. Neue Studien haben erwiesen, dass eine Asthmaerkrankung davon abhängig ist, ob ein bestimmtes Eiweißmolekül die Lungenwand durchdringt. Andere Studien weisen darauf hin, dass u.a. eine durchlässige bzw. noch nicht ausgereifte Darmschleimhaut, aber auch die Inhalation sogenannter volatilen Allergene (flüchtige organische Verbindungen wie z.B. bei Schimmelpilzen, Milbe, Latex) verstärkend wirken. Schimmelpilze werden u.a. als natürliche Konservierungsstoffe in Nahrungsmitteln verarbeitet.

Worauf sollte ich als Asthmatiker achten?

Eine spezielle Diät bei Asthma gibt es nicht. Die Ernährung sollte generell aus frischen unverarbeiteten Lebensmitteln bestehen. Symptomlindernd (wenn eine Nahrungsmittelallergie nicht bereits nachgewiesen wurde) kann sich aber eine Ernährung auswirken, die sich an den Wirkungsweisen diverser Lebensmitteln orientiert und bei der asthmaverstärkende Lebensmittel reduziert (im besten Fall gemieden) werden. Im Lebensmittelbereich ist neben Sellerie (unabhängig vom Alter) vor allem Kuhmilch für das Entstehen von Asthma verantwortlich. Eine vorbeugende Milchkarenz im bzw. über das 1. Lebensjahren hinaus kann zwar eine spätere Asthmaerkrankung ursächlich nicht verhindern, aus diesem Grund sieht die aktuelle Präventionsregelung auch generell keine vorbeugende Milchkarenz mehr vor. Allerdings ist das Auftreten von Asthma deutlich erhöht bei Kindern, die an Neurodermitis leiden bzw. sehr früh mit Kuhmilch in Kontakt kommen. Asthma wird als solches vererbt, deshalb sollten Eltern so früh wie möglich auf die in der letzten Kolumne genannten Warnsignale achten, besonders wenn bereits eine Kuhmilchallergie nachgewiesen wurde. In diesem Zusammenhang sei deutlich darauf hingewiesen, dass auch ausschließliches Stillen nicht vor der Entstehung eines Asthmas schützt!

Kuhmilch-induziertes Asthma ist ein häufiges Symptom bei Kindern mit Nahrungsmittelallergie auf Milch, genauso Rhinokonjunktivitis und seröse (chron.) Otitis media. Bei Kleinkindern verliert sich diese Art der Allergie häufig bis zum Schulalter, bei älteren Kindern und Erwachsenen bleibt sie meist erhalten. Bleibt die Allergie bestehen, gehen zwar Ekzembildung zurück, dafür treten vermehrt Atemwegs- und GI-Beschwerden auf (gastrointestinal). Kleinkinder mit Neurodermitis bzw. einer frühen Sensibilisierung auf Kuhmilch haben ein erhöhtes Risiko, später Nahrungsmittelallergien und eine Empfindlichkeit auf inhalative Allergene zu entwickeln. IgE- Antikörper auf Milch entwickeln sich (wahrscheinlich bereits im Mutterleib), bevor Symptome auftreten, daher kann eine frühzeitige in-vitro- Messung (Allergologe) sinnvoll sein.

Einige Nahrungsmittel verlieren ihre Wirksamkeit als Asthmaauslöser durch Kochen bzw. Erhitzen (z.B. Äpfel, Karotten, Auberginen), dazu gehören aber nicht Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Krebstiere, Erdnuss, Sellerie, Tomate und diverse Gewürze sowie der natürliche Histamingehalt diverser Lebensmittel. Natürlich sind diese Nahrungsmittelallergene in nahezu allen industriell gefertigten Lebensmitteln enthalten, das macht ein Meiden nicht einfacher, besonders wenn durch Gewohnheit auf diese Lebensmittel zurückgegriffen wird. Aber: Mahlzeiten können auch „von Hand“ hergestellt werden, und zwar mit Zutaten, die sich ohnehin in den meisten Haushalten befinden, z.B. Speisestärke und Backpulver (statt Ei oder „gehaltvoller“ Bindemittel), Öl (statt milchhaltiger Streichfette), Mineralwasser oder Saft (statt Kuhmilch), Schnittlauch (statt Petersilie), rote und gelbe Paprika (statt grüner), Fenchel oder Lauch (statt Sellerie im Eintopf) und so weiter. Gerade die häufige oder nahezu ausschließliche Verwendung eines Lebensmittels macht dieses oft zu einem Allergen. Eine Rückbesinnung auf einfache, allergenarme Zutaten ist zwingend nicht nur z.B. bei Reaktionen auf Farb- und Konservierungsstoffe erforderlich, sondern hilft generell bei Atemwegsproblemen wie Reizhusten und Asthma.

Sellerie begegnet uns nicht nur als Gemüse, sondern auch in Würz- bzw. Gemüsemischungen (z.B. deklariert als Suppengemüse, Gartengemüse, Gewürzmischungen, Salzzubereitungen). Sellerie ist bis ins hohe Alter ein dominierendes Allergen (und reizt zudem die Magenschleimhaut), da oft noch nach altem Muster gekocht wird und Mahlzeiten ohne Sellerie „undenkbar“ sind.

Pollenassoziierte Kreuzallergene wie z.B. schwarzer Pfeffer (Auslöser ist hier das Alkaloid Piperin), Kamille, Beifuß oder Nüsse ebenso wie koffein- und teinhaltige bzw. phosphatreiche Getränke (Kaffee, Cola, Fanta, schwarzer Tee, auch als Zutat in Zitrusgetränken, Teemischungen) können einen Reiz über die Atemwege auslösen.

Histamin (ein Gewebshormon) wird nicht nur bei allergischen Sofortreaktionen freigesetzt, sondern kommt auch in natürlicher Form in diversen Nahrungsmitteln vor. Dazu gehören z.B. Erdbeeren, Tomaten, Spinat, Sauerkraut, Käse (beträchtliche Mengen durch Kochsalzgehalt in Schweizer Käse, Gouda, Cheddar, Edelpilzkäse, Harzer, Emmentaler, Tilsiter, Camenbert, Brie, Handkäse, Roquefort; Alternative: Frischkäse), Schalentiere (vor allem Krabben), Fisch (je dunkler das Fleisch, desto höher der Histamingehalt), Fischölkapseln, Schweinefleisch, Pökelfleisch, Innereien, Fleischextrakte, Salami, Trockenwurst, Dosennahrung, Alkohol (Sekt, Wein, Weizenbier, Schnaps). Durch den biologischen Säureabbau der Apfelsäure zu Milchsäure entsteht der hohe Histamingehalt, deshalb können Weine je nach Herstellung von 1mg/l – 30 mg/l enthalten.

Asthmatiker sollten verstärkt auf ihr Gewicht achten. Eine unmäßige Gewichtszunahme kann zu einem beschleunigten Verlust der Lungenfunktion führen. Eine griechische Studie konnte zudem 2011 nachweisen, dass das Asthmarisiko um den Faktor 4,8 anstieg, wenn mehr als dreimal pro Woche salzhaltige Snacks wie Chips oder Salzgebäck verzehrt wurden. Eine sogenannte mediterrane Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse, Fisch wirkt sich dagegen günstig aus.

Neben Nahrungsmitteln gehen auch Medikamente durch den Magen. Ein Risiko stellen z.B. sogenannte Entzündungshemmer wie ASS dar (ein Enzym aus der Gruppe der Cyclooxygenase). ASS, genauer gesagt Acetylsalycilsäure, ist z.B. Bestandteil von Rheumamitteln, Schmerzmittel (u.a. Aspirin, Paracetamol), Blutverdünnern („Herz-ASS“, Aspirin, ASS 100 etc.). Die ASS-Unverträglichkeit tritt häufig gemeinsam auf mit nasalen Polypen (Poliposis nasi), chronischer Urtikaria sowie Asthma bronchiale. 1902 wurde diese Unverträglichkeit auf ASS erstmals kurz nach Einführung von Aspirin (1899) durch Hirschberg als anaphylaktoide Reaktion dokumentiert. 1922 stellte eine französische Arbeitsgruppe unter Widal und Samter den Zusammenhang zwischen Asthma, Nasenpolypen und ASS her, auch Morbus Widal/Morbus Samter genannt
 („Samter-Trias“). ASS ist generell also nicht geeignet für Asthmatiker, aber auch nicht für Kinder unter 12 Jahren (wegen diverser Nebenwirkungen)  sowie bei Magen-Darm-Geschwüren und Gastritis, da ASS auch die Magenschleimhaut reizt bzw. bei bestehenden  Beschwerden diese extrem verschlimmern kann bis zu Magenblutungen. Aber ASS ist auch natürlich enthalten in Lebensmitteln, besonders hohe Werte in Curry (2180 mg/kg, Paprika/Chiligewürz (bis zu 2030 mg), Oregano (660 mg). Zum Vergleich: Champignons enthalten 12,6 mg/kg. Aber auch Veilchen enthalten natürliches Histamin, diese werden z.B. verarbeitet in Lutschpastillen (z.B. Jasimenth mit Vitamin C) und Dragees aller Art.

Als Teil der Untersuchung zu Asthma und Paracetamolgabe in den ersten zwei Lebensjahren konnte die International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) belegen, dass eine Gabe von Paracetamol 1x/Jahr das Risiko auf Asthma, Rhinokonjunktivitis und Ekzem erhöht. Bereits eine Gabe von 1x/Monat verdreifachte das Risiko. Kinder, die im ersten Lebensjahr mit Paracetamol behandelt wurden, zeigten ein signifikantes und um 50 % erhöhtes Risiko für Asthma im Alter von 6-7 Jahren. Quelle: AllergoJournal 8/08.

„Herr Ober, haben Sie Schnitzel..?“ – „Hhhm, sind ausgegangen…“ „Äh, und Koteletts..?“ – Hhhm, auch nicht mehr da…“ – „Hhhm, gemischter Salat…?“ – „Hhhm, soeben alle geworden…“ – „Sagen Sie mal, haben Sie Asthma..?“ – „Hhhm, muss ich erst nachfragen..“

Jährlich zum Welt-Asthmatag (in diesem Jahr am 6. Mai) bzw. zum Deutschen Lungentag  (20.9.2014)  habe ich u.a. in einer hiesigen Apotheke Kundentage angeboten, zum Service gehörte dabei auch eine Peak-Flow-Messung (aktuelles Lungenvolumen) sowie eine Fragebogenaktion der Deutschen Atemwegsliga, der grob die Richtung Asthma oder COPD abklärte. Kunden mit auffälligem Peak-Flow bekamen dann den Rat, sich einem Facharzt vorzustellen. Natürlich sind neben Pollenallergikern mit drohendem „Etagenwechsel“ hauptsächlich Kunden mit bereits bekannten Atemwegsproblemen (Asthma, COPD) zu dem Termin gekommen, viele davon mit Folgeerkrankungen im Herz-Lungen-Bereich. Nicht wenige der besagten Kunden waren bzw. sind Patienten einer ansässigen Arztpraxis mit Schwerpunkt Naturheilkunde. Dort wird gerne bis zum Äußersten mit Kügelchen und „natürlichem“ Abwarten, ob sich nichts von selbst bessert, behandelt. Leider gehört dazu auch, Patienten mit Herzerkrankungen generell mit Herz-ASS zu versorgen, ungeachtet der bestehenden oder womöglich dadurch ausgelösten Asthmaprobleme (und den Warnhinweisen auf Beipackzetteln). Nur mit viel Diplomatie – und potentiell immer am Rand einer Verleumdungsklage-  habe ich dann versucht, auf den Zusammenhang zwischen Asthma und Herz-ASS hinzuweisen. Mit Unterstützung des Apothekers konnte so die ein oder andere Medikation verbessert werden.

Zudem offeriert die besagte Praxis das Angebot eines Heilpraktikers und Nahrungsergänzungsmittelherstellers, der ob seiner rabiaten Ansichten („Trenn dich von allem, was dich krank macht – Familie, Freunde….“) und Geschäftspraktiken auch schon mal ins Visier der Staatsorgane geraten ist. Die Mitarbeiter seiner Nahrungsergänzungsfirma müssen ein Geheimhaltungsgelübde unterschreiben (das mag in der Branche üblich sein…?). Nun, eines Tages rief mich einer der Ärzte der o.g. Gemeinschaftspraxis an und empfahl mir diesen besagten Herrn H., der mir und den Mitgliedern meines Allergikertreffs doch mit seinen Ratschlägen und Wundermitteln (er sprach allerdings von wohldurchdachten ergänzenden Hilfsstoffen) helfen könnte, ob ich nicht Interesse an einem Vortrag des Herrn hätte…..? Zuerst war ich sehr verdutzt, denn in erster Linie schien mir diese „Zusammenarbeit“ ein Interessenkonflikt zu sein, den sich ein seriöser Arzt sicher nicht leisten kann bzw. sollte (über die monetären Aspekte solcher „Zusammenarbeit“ später mehr). Dann habe ich vorsichtig angefragt, ob er wüsste, mit wem er es am Telefon zu tun hätte. Ich habe ihm dann kurz meine bisherigen „Verdienste“ wie 20 Jahre Dozentin, Referentin, Sachbuchautorin etc. erläutert und ihm dann zugesichert, dass ich sehr wohl wüsste, wie Menschen mit Allergien zu „helfen“ sei und bisher auch keine Klagen oder gar Wünsche nach Wunderheilern aufgetreten seien (außerdem wäre es das Letzte gewesen, was mir einfiele). Nun war es an ihm, verdutzt zu sein, nein, das wäre ihm nicht klar gewesen. Er hätte von Herrn H. den Tipp für den Anruf bekommen und wollte nur helfen (Wunderheiler schnippen mit dem Finger und Ärzte springen?! Der Nebenverdienst durch solche Hilfestellungen muss enorm sein). Derselbe „Wohltäter“ rief mich mal an, da waren meine Kinder noch sehr klein und, wie aus bisherigen Kolumnen bekannt, noch stark von Allergien betroffen. Er hätte gehört (???), dass wir uns mit Allergien plagen, da wüsste er Abhilfe. Ich müsste nur allen Salben und Diäten abschwören und mich vertrauensvoll in seine Hände begeben…. Hä, wo sind wir hier? Ich habe ihm (angestrengt) höflich und gepflegt den Marsch geblasen und auf seine Hilfe verzichtet.

Neulich wurde wieder ein öffentlicher Vortrag des Herrn H. angepriesen, diesmal zum Thema Histaminintoleranz. Natürlich hat seiner Ansicht nach jeder eine solche Intoleranz (allein die Fachärzte sind so blöd und kommen nicht darauf) und nur seine Mittelchen können die schlimmen Folgen beseitigen. Auch hier wieder ein Beispiel für Allmachtsgebaren und Exklusivitätsanspruch, den alle Wunderheiler an sich haben.
 

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 

 


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