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Erfrierungen

Erfrierungen (lat. congelatio) bezeichnen Schädigungen des Gewebes durch die Einwirkung von Kälte. Am häufigsten treten Erfrierungen an den Körperstellen auf, die besonders stark der Kälte ausgesetzt bzw. nicht ausreichend vor ihr geschützt sind – an der Nase, Ohrmuschel, Fingern und Zehen.

Die Schädigungen können auch Folge einer allgemeinen Unterkühlung sein.

Abgrenzen kann man Erfrierungen von Kälteverbrennungen, deren Symptome einer Verbrennung ähneln und die nach dem direkten Kontakt mit extrem kalten Substanzen wie flüssigem Stickstoff oder Trockeneis auftreten, zum Beispiel nach technisch verursachten Unfällen oder schlecht isolierten Transportbehältern.

Erfrierungen – Ursachen

Wirkt eine starke Kälte auf den Körper ein, versucht dieser, sich der Unterkühlung entgegenzustellen. Der Körper erhöht die Bildung von Wärme und mindert deren Abgabe. Die Wärme entsteht durch Muskelarbeit, daher das Zittern. Die Wärmeabgabe wird vor allem über den Blutfluss in der Haut reguliert – die Blutgefäße in den Armen und Beinen verengen sich, wodurch diese weniger durchblutet werden und der Körper weniger Wärme verliert. Die Wärme lenkt er dabei gleichzeitig zum Körperstamm mit seinen wichtigen Organen. Je mehr die Arme und Beine jedoch erkälten, umso höher das Risiko für dortige Erfrierungen, vor allem an den Enden (Fingern, Fußzehen). Die gesamte Körpertemperatur sinkt, sobald der Körper mehr Wärme verliert als er bilden kann, dann kommt es zur Unterkühlung.

Unangepasste Kleidung bei langanhaltend starker Kälte unter dem Gefrierpunkt ist die Hauptursache von für Erfrierungen. Im Krieg ist die Erfrierung in kalten Gebieten oft die Todesursache Nummer 1.

Begünstigt werden die Beschwerden zum Beispiel durch eine akute Alkoholvergiftung. Alkohol führt zur erhöhten Durchblutung der Haut – allerdings nur so lange, wie der Körper Energie dafür hat. Stark alkoholisiert schlafen viele Menschen infolge von Benommenheit und Müdigkeit etwa nach einer Feier im Winter ein. Auch zu enge oder feuchte Kleidung tragen zu Erfrierungen bei. Einen Einfluss haben zudem Rauchen, Diabetes mellitus, Unterernährung und Erschöpfung, Durchblutungsstörungen sowie bestimmte Medikamente.

Zu den Risikogruppen für die Schädigungen zählen Bergsteiger, da diese sich in Notsituationen oft nicht schnell selbst helfen können. Ebenso gefährdet sind Bootsfahrer oder Schlittschuhläufer im Winter, wenn sie ins kalte Wasser fallen.

Auch der sogenannte Windchill-Effekt kann zu Erfrierungen führen: bei hohen Windgeschwindigkeiten können auch Temperaturen kurz unter dem Gefrierpunkt zu Schäden führen, davon ist besonders oft das Gesicht getroffen, zum Beispiel bei Motorschlittenfahrern und anderen Wintersportlern. Da die Kälte schmerzunempfindlich machen kann, werden die Schäden mitunter zu spät bemerkt.

Erfrierungen – Symptome und Grade

Bei Erfrierungen handelt es sich um Gewebsschädigungen, die insbesondere an den Körperstellen auftreten, die der Kälte stark ausgesetzt sind.

Dabei setzen Frostgefühle vor allem an den Händen und Füßen sowie im Gesicht. An den Füßen können sich die Beschwerden auch anfühlen, als würde man zu kleine, enge Schuhe tragen. Weitere Symptome sind blaurote Flecken, erfrorene Körperpartien sind erst weich, schmerzen wie Nadelstiche und verfärben sich weiß-grau, später sind keine Empfindungen mehr spürbar, die Körperteile sind hart – so hart, dass sie  brechen können. Eine klare Grenze zwischen dem erfrorenem und dem noch gesunden Gewebe ist nur undeutlich wahrnehmbar.

Warum Erfrierungen von Fingern, Zehen, Ohren oder Nasenspitze überhaupt Schmerzen hervorrufen können, wurde erst 2007 aufgedeckt. Zwar entstehen unterhalb von 10°C keine gewöhnlichen Schmerzreize mehr durch geöffnete Ionenkanäle für Natrium in Nervenfasern, doch gibt es einen zweiten Typ dieser Natriumkanäle, der auch unter 10°C funktioniert und der bei höheren Temperaturen inaktiv ist. Wissenschaftler vermuten, dass es sich damit um einen Notsignal-Mechanismus des Körpers handelt.

Erfrierungswunden ähneln im Ablauf den Verbrennungswunden. Daher gilt hier eine fast identische Gruppierung nach Graden der Erfrierung:

  • Erfrierung 1. Grades: blasse Hautfarbe, geschwollene Hautpartie, Schmerzen
  • Erfrierung 2. Grades: Haut färbt sich blau-rot, es kommt zur Blasenbildung
  • Erfrierung 3. Grades: das Gewebe stirbt ab – meist ohne Schmerzen zu verursachen
  • Erfrierung 4. Grades: Vereisung und die völlige Zerstörung des Gewebes setzen ein, betroffene Körperteile müssen häufig amputiert werden

Unterkühlungen hingegen lassen sich drei Stadien zuordnen:

  • Unterkühlung 1. Grades: Muskelzittern, tiefe Atmung, erhöhter Puls, Körpertemperatur 35-32°C
  • Unterkühlung 2. Grades: Beeinträchtigung der Hirnfunktionen, steife Muskulatur, Schläfrigkeit, Patient kaum noch ansprechbar, Körpertemperatur: 32-28°C
  • Unterkühlung 3. Grades: Lebensgefahr, Bewusstlosigkeit, kaum zu ertastender Puls, bei Körpertemperaturen unter 24°C Atemstillstand und Kreislaufversagen

Erfrierungen – Behandlung (Allgemeines)

Wie schlimm eine Erfrierung wirklich ist, kann man als Laie – vor allem in einer stressigen Situation – oft nicht erkennen. Daher am besten immer 112 wählen.

Früher lautete die Empfehlung: ganz langsam auftauen. Heute ist die gängige Meinung, man solle die erfrorenen Partien mit 40°C warmem Wasser schnell auftauen – allerdings ohne stark zu reiben oder zu massieren, und natürlich auch, ohne Unterbrechung bzw. wiederholtes Einfrieren und Auftauen.

Das Auftauen ist sehr schmerzhaft, dafür können die Schäden so besser im Zaum gehalten werden. So steigt der Sauerstoffbedarf des auftauenden Gewebes schnell an, obwohl die noch nicht wieder vollständig funktionsfähigen Gefäße diesen nicht liefern können, diese Unterversorgung mit Sauerstoff hinterlässt jedoch weniger Schädigungen als ein erneuter toxischer Schaden, zu dem es beim langsamen Auftauen kommt. Schmerzen lassen sich dabei ebenso wenig vermeiden wie die häufig auftretenden Ödeme.

Die Wunden sollten anschließend trocken gehalten werden.

Neben dieser äußerlichen Behandlung sollte der Körper mit warmen Getränken von innen gewärmt werden. Diese sollten auf keinen Fall Alkohol enthalten.

Bei schweren Unterkühlungen mit stillstehendem Atem und Kreislauf kommt es erst verzögert zum Hirntod – so kann das Gehirn länger überleben. So können Patienten tot scheinen, es aber noch längst nicht sein, deshalb sollten stets Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden. Arme und Beine sollten dabei nur wenig bewegt werden.

Erste Hilfe bei Erfrierungen

Ist der Patient noch vollständig ansprechbar, zittert er aber und hat vermutlich erfrorene Fußzehen oder Finger, dann sollte er zunächst an einen warmen Ort (Berghütte, beheiztes Auto) gebracht werden. Danach sollten Schmuck und nasse Kleidung entfernt und die erfrorenen Körperteile erwärmt werden – ständig warmes (40°C) Wasser darüber laufen lassen, siehe oben. Unter Umständen können die starken Schmerzen, die beim Auftauen auftreten, Schmerzmittel nötig machen. Anschließend betroffene Bereiche mit lockerem, sterilen Verband einwickeln (alle Finger und Zehen einzeln).

Wenn kein warmes Wasser zur Verfügung steht, können die kalten Finger des Patienten zum Beispiel in die eigenen Achselhöhlen gesteckt oder Erfrierungen im Gesicht mit den warmen Händen gewärmt werden.

Was man sonst noch beachten sollen:

  • Blasen nicht öffnen, sonst drohen Infektionen
  • Patient darf nicht rauchen, da sonst die Blutgefäße weiter verengt werden
  • Erfrorene Körperpartien nicht massieren
  • Haut nicht mit zu starker oder zu trockener Hitze aufwärmen (Fön, Heizkissen, Lagerfeuer, Heizung …), die gefühllos gewordene Haut droht sich sonst noch Verbrennungen zuzuziehen
  • Wenn sich der Betroffene im Freien befindet und dort verweilen muss, bis Rettung kommt, sollte man die erfrorenen Gliedmaßen NICHT erwärmen, frieren sie anschließend nämlich erneut ein, drohen besonders schwere Gewebsschädigungen. Wärmende Decken und trockene Kleidung helfen aber immer.
     

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