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Die Ei-Allergie: Risiken und Folgen

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

Wussten Sie schon,

 

dass sich eine Ei-Allergie bei Babys mit hohem Allergierisiko durchaus verhindern lässt? Nach allgemeiner Studienlage wurde bisher immer geraten, Hochrisikokindern im ersten Lebensjahr keine Hühnereiprodukte zu füttern. Prinzipiell geht man heute davon aus, dass frühes Zufüttern von Allergenen wie z.B. Kuhmilch, Erdnuss, Weizen keine Allergie auslöst, sondern sogar bis zu einer Erfolgsquote von 80 %  verhindern kann. Bei Hühnerei wurde aber weiterhin vom Verzehr abgeraten, da dies ein extrem hohes Allergenpotential hat und gerade Kinder mit Hühnereiallergie bereits im ersten Lebensjahr ein sehr hohes Risiko für Aeroallergien haben (Pollen, Milbe, Tierhaare). Eine Studie einer japanischen Gruppe unter Leitung von Dr. Osamu Natsume (Pädiater des Nationalen Zentrums für Kindergesundheit in Tokio) konnte belegen, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Reaktionsrisiko drastisch gesenkt werden kann. Als Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war vorgegeben, dass die Kinder noch kein Hühnerei bekommen hatten bzw. weder gegen Hühnerei noch andere Lebensmittel allergisch waren.

 

Die Forscher um Dr. Natsume haben in einer placebokontrollierten Studie mit gesunden und auch sensibilisierten Kindern (andere Studien befassten sich immer nur mit einer gesonderten Gruppe) nachgewiesen, dass bei Gabe von geringen Dosen Eipulver das Allergierisiko gedämmt werden kann. Die Kinder bekamen dann ab dem sechsten Monat statt der sonst in Studiengruppen üblichen 6 g Eipulver anfangs nur 0,2-1 g pro Woche (eingebunden in eine Packung Kürbispulver), wobei die Dosis im Laufe der Studie zunehmend erhöht wurde, bis sie im Alter von 1 Jahr 250 mg bekamen. Außerdem wurde nur erhitztes Pulver verwendet, das im Vergleich mit unbehandeltem Pulver weniger allergen ist. Diese Strategie war erfolgreich, denn im Alter von 1 Jahr hatten nur 9 % der Kinder eine Hühnereiallergie, in der Kontrollgruppe ohne Eipulver waren es 38 %.

 

An der Studie sollten ursprünglich 150 Kinder teilnehmen. Die Studie wurde nach einer Zwischenauswertung bei 100 Kindern vorzeitig abgebrochen, da der Vorteil einer Eipulvergabe auf die Sensibilisierungsrate klar erkennbar war. Allerdings warnt der britische Pädiater Graham Roberts von der Uni Southhampton vor allzu hohen Erwartungen. Er ist der Meinung, dass der frühe Abbruch der Studie dazu führt, dass die Wirksamkeit der Eipulvergabe in der beschriebenen Form überschätzt wird.

 

Ein vorrangiger Risikofaktor für das Entstehen einer Hühnereiallergie bei Kindern ist Neurodermitis. Rund 12 % der Kleinkinder mit Neurodermitis haben auch eine Hühnereiallergie – und 25 % der Kinder mit Neurodermitis sind Kaiserschnittkinder, wobei sich der „Nachteil“ einer Kaiserschnittgeburt (fehlende Darmbesiedelung mit „guten“ Darmbakterien) innerhalb eines Jahres aufhebt.

 

Doch was ist zu tun, bis die orale Sensibilisierung durch erhitztes Eipulver auch alle pädiatrischen Kliniken erreicht und das Risiko einer Hühnereiallergie nahezu ausgeräumt ist bzw. bereits eine Hühnereiweißallergie vorliegt? Das Zaubermittel heißt Karenz, leider hilft nichts anderes vor unerwünschten allergischen Reaktionen. Diese sind bei Hühnerei immer IgE-vermittelt, d.h. sie treten unmittelbar auf und umfassen vielfältige, dabei meist unmittelbar nach Kontakt auftretende Reaktionen, z.B. starke Hautrötungen, Urtikaria, Asthma und andere chronische Atemwegsreaktionen (z.B. Dauerschnupfen), Schleimhautschwellungen bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen.

 

Hühnereiweiß – Proteine – werden in gekochten als auch in rohen Eiern gefunden (hitzestabil), wobei rohes Ei meist schlechter vertragen wird als gekochtes. Neben der Reaktion auf das Eiweiß können auch Reaktionen auf das Eigelb auftreten. Enten-, Gänse-, Möwen-, Kiebitz- und Wachteleier können Kreuzreaktionen auslösen, allergische Reaktionen auf die Ei-Alternativen sind allerdings selten. Vereinzelt sind auch Kreuzreaktionen auf Putenfleisch möglich.

Ei findet vor allem Verwendung in Emulgatoren (Herstellen von stabilen Öl-Wasser-Gemischen bei Margarine, Mayonnaise, Soßen, Suppen, Cremes, Gebäck, Süßspeisen), Bindemitteln (Speiseeis, kalt und warm aufgeschlagene Soßen, Gebäck, evtl. Schokoladen, Eiscreme), bei der Schaumbildung und Lockerung von Speisen (Souffles´, Meringen, Angel Cakes, Biskuits), als Geschmacksgeber (Kuchen, Suppen, Süßspeisen), zur Gelbfärbung (Karotinoide) und bei der Thermischen Koagulation (Gerinnungshilfe; Klären von Flüssigkeiten wie Brühen, Aspik, Sülze, Corned Beef, Säfte, Herstellung von Gebäck).  

 

Es gehört zur natürlichen und deshalb nicht deklarationspflichtigen Herstellung von Säften, Brühen etc., dass ein Klärmittel eingesetzt wird, um Schwebstoffe oder ähnliches herauszufiltern. Die Hausfrau verwendet dazu z.B. Eierstich, die Lebensmittelindustrie alle „lebensmittelrechtlich zugelassenen natürlichen Verfahren“ wie u.a. Hühnerei, Schweine- oder Fischgelatine (im Rahmen der Herstellung, nicht als Zutat), Bentonit (Tonerde), Kieselschönung/Ultrafiltration. Lt. Auskunft der HassiaGruppe  (bizzl, Rapp` s Säfte etc.) können „je nach Produktionscharge diese Verfahren im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten variieren“, d.h. im Allgemeinen kann für ein bestimmtes Produkt eines der genannten Verfahren nicht ausgeschlossen werden. Dazu werden Säfte auch von Vorlieferanten bezogen, die nicht auskunftspflichtig sind. Eine grundsätzliche Deklarationspflicht besteht nur bei einem Gehalt von mind. 5 % in der Gesamtmenge. So dürfen Nudeln als Eifrei bezeichnet werden, wenn sie weniger Hühnereiweiß enthalten als bei Teigwaren vorgeschrieben ist (Teigwarenverordnung vom 12.11.1934).

 

Deklarationen: In der EU umfasst das Deklarationsgesetz 13 verschiedene Lebensmittelgruppen. andere Länder deklarieren nach dem sogenannten Codex Alimentarius jedoch mindestens Milch, Ei, Erdnuss, Weizen und glutenhaltiges Getreide, Krebs- und Schalentiere (Krustazeen).

 

Was wäre das Leben als Hühnereiallergiker einfach, wenn Ei als Ei deklariert wäre. Aber wo bleibt da der Spaß? Also gibt es für den Einsatz von Hühnerei diverse andere Bezeichnungen, die der Laie nicht auf Anhieb zuordnen kann. Einfach ist die Bezeichnung Ei, Eiprodukt, Vollei, Eigelb, Eilezithin, Eiöl, Hühnereiweiß, Eipulver, Eiklar oder Flüssig-, Gefrier-, Trockenei-, eiklar-, eiweiß-, eigelb. Wie sieht es aber aus bei Eiprotein, tierischem Eiweiß, Fremdprotein, Ovoprotein, Ovo („Ovomaltine“), Ovoeiweiß, Simplesse oder E 322? Wissen Sie da auf Anhieb, dass damit eine Zugabe von Hühnerei gemeint ist? Wird die Bezeichnung Lezithin mit dem in Klammern gesetzten Hinweis (Ei) ergänzt, macht das die Sache einfacher, ebenso bei Stabilisatoren (Ei) oder Emulgatoren (Ei). Und auch wichtig: Lysozym (E 1105) wird aus Bakterien, Hühnerei, Kuhmilch oder gentechnisch aus Reis hergestellt und ist als solches deklariert. Lediglich die Art der Gewinnung wird nicht immer angegeben, z.B. Lysozym aus „…“.  Lysozym durfte bisher ausschließlich für gereiften Käse eingesetzt werden, um die Rissbildung in der Käsekrume zu verhindern. Die EU-Verordnung 471/2012 erlaubt nun den Einsatz auch in der Bierherstellung! Biere, die weder pasteurisiert noch sterilisiert werden (obergärige Biere wie Kölsch oder Berliner Weiße) können nun mit Lysozym konserviert werden. Wird Lysozym aus Milch oder Ei verwendet, muss dies allerdings nach der Allergenkennzeichnung deklariert werden. Lecker! Kölsch mit Ei!

 

Ei kann auch enthalten sein in: Ei- Shampoo, Russisches Brot, Paniermehl, Kroketten, Instantdrinks, Panaden, Würzpasten, Zuckerwatte (Eieiweiß), Schokoküsse, Nougat (auch weißer Nougat), Trauben- bzw. Apfelsaft, Mischgetränke mit Lezithinzusatz, klare Suppen. Auch wichtig: „Ohne Gentechnik hergestellt“ bedeutet, das Produkt ist nicht generell ohne Gentechnik hergestellt, es wurden lediglich in den letzten 4-12 Monaten keine Futtermittel aus gentechnisch veränderten Zutaten gefüttert. Dies gilt auch für Reformhausware!

 

Ei ist ein gutes Bindemittel. Allerdings lässt sich Ei ebenso gut ersetzen, z.B. durch ein Öl-Wasser-Gemisch plus Backpulver, Mineralwasser mit Kohlensäure, reife Bananen, Apfelmus, Quark (auch Schaf- oder Ziegenjoghurt, Büffelmilchquark) oder Quark-Mineralwassergemisch, Kartoffel,- Mais- oder Weizenstärke, Gelatine, pflanzliches Geliermittel Agar Agar, Natron (in Verbindung mit Säure, z.B. Orangensaft, Obstessig, Mineralwasser). Andere Ei-Ersatzprodukte aus Leinsamen, Chia, Lupine oder Kichererbsen sind mit Vorsicht zu genießen, sie können wegen des extrem hohen Nickelgehalts bei Allergikern/Neurodermitikern zu unliebsamen Reaktionen führen. Tipp: Eine Panade aus grob geriebener frischer Kartoffel kommt übrigens auch ohne Ei aus.

 

 

US-Amerikanische Wissenschaftler haben eine Proteinmasse aus 11 verschiedenen proteinhaltigen Pflanzen das eifreie Rührei hergestellt. Die Masse verfestigt sich beim Erhitzen. Die Lebensmittelforscher des Unternehmens Hampton Creek Food haben bereits früher eine eifreie Mayonnaise entwickelt. Die Rühreimasse besteht hauptsächlich aus Bohnen, die in der Kombination vergleichbare Eigenschaften und damit eine ähnliche Konsistenz und Geschmack wie ein Rührei aufweisen, siehe auch www.hamptoncreekfood.com Pflanzliches Rührei kann auch aus Tofusorten (Achtung: Nickel), Kurkuma, Salz und Pfeffer angerührt werden.

 

 

Ich achte auf meine Ernährung – wenn ich mal nichts zu essen habe, fällt es mir sofort auf!

 

Die 2jährige J. bekam mit 6 Wochen erste Ekzeme, die laut Kinderarzt aber „normale Babyakne“ seien. Die Haut war sehr rau, rot entzündet und die Ekzeme breiteten sich über den ganzen Körper aus, besonders heftig rund um die Oberschenkel („Toilettenbrillenekzem“) sowie Fußrücken und Beugen allgemein. Sie erbrach nach jeder Mahlzeit, vor allem wenn Hühnerei enthalten war bzw. sie Hühnerei zu essen bekam. Da der Kinderarzt nach Augenschein eine Allergie für ausgeschlossen hielt (und ohne einen Test für nötig zu erachten), wurde J. natürlich weiterhin „normal“ ernährt. Außerdem ließen verschiedene Obstsorten das Gesicht anschwellen (sogenanntes Quinke-Ödem). Wegen der heftigen Brechattacken war schließlich eines Tages ein Klinikaufenthalt notwendig. Dort bekam sie zudem einen Fieberschub, der Fiebersaft ließ das Gesicht, aber auch Hände und Füße anschwellen. Man veranlasste sofort einen Allergietest, der zum einen die Diagnose Allergie sicherte, und u.a. die vermutete Ursache Ei bestätigte. Durch die Karenz (auch der unverträglichen Obstsorten) endete das Erbrechen, die Ekzeme blieben aber zunächst bestehen. Dies und die mit der Ei-Karenz verbundenen praktischen Fragen führte die Familie dann zu mir. Wie sich im Beratungsgespräch herausstellte, war die Ernährung im Übrigen sehr nickelhaltig mit reichlich Kakao, Vollkorndinkelkeksen, Vollkornbrei usw. (die vom Kinderarzt propagierte „gesunde Ernährung“). Als Konsequenz konnten wir uns in der Beratung auf eine nickelarme Ernährung einigen und die bis dahin ausgeprägten Ekzeme verschwanden daraufhin völlig. Damit war auch die Diagnose Babyakne ad absurdum gestellt.

 

Nun blieb nur noch der Mutter der Gang zum Allergologen, denn auch sie reagierte permanent mit Magenkrämpfen, Übelkeit bis hin zu Erbrechen, bezeichnenderweise nach schwarzem Tee, Kakao, Hülsenfrüchten und Buchweizen, alles „Nickelhochburgen“. Als kleines „Zubrot“ stellte sich dann im Test neben der bestätigten (seltenen IgE-vermittelten) Nickelallergie auch noch eine Latexallergie heraus. Nur der Vater, Neurodermitiker, wollte „seine Diagnose“ lieber nicht gestellt bekommen.

 

Fazit: bei chronischen Beschwerden (häufig und immer wieder kehrende Reaktionen), egal ob „nur“ Ausschlag bzw. Verallgemeinerungen wie o.g. Babyakne, Magenbeschwerden oder sogar häufiges Erbrechen (wie deutlich soll der Körper denn noch werden?), sollte immer an eine Allergie gedacht und ein Facharzt aufgesucht werden, auch wenn der behandelnde (Kinder)-Arzt in seiner eingeschränkten (beschränkten?) Sichtweise so etwas nicht für möglich hält – im eigenen Interesse.

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de


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