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Bilsenkraut, schwarzes

Bilsenkraut, genauer: Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse und der Gattung der Bilsenkräuter und wird auch „Hexenkraut“ genannt. Neben dem schwarzen gibt es auch das „helle“ oder „weiße“ Bilsenkraut.

Die Bezeichnung „Hexenkraut“ verdankt die Pflanze ihrer Geschichte als Bestandteil von Hexenprozessen. Der Hexerei Beschuldigten wurde das Mittel verabreicht, um ein Geständnis im Rauchzustand zu erzwingen, etwas höher dosiert wurde es für Morde und Selbstmorde verwendet. Zudem soll sie, gemischt mit Tollkirsche und Stechapfel sowie weiteren Pflanzen, wichtiger Bestandteil von Hexensalben gewesen sein. Auch Massenvergiftungen wurden damit durchgeführt. Shakespeare erwähnte das Kraut zum Beispiel in Hamlet.

Weitere, weitgehend veraltete Bezeichnungen sind:

  • Appolonienkraut
  • Becherkraut
  • Hühnertot
  • Hundsgift
  • Rasewurzel
  • Schlafkraut
  • Teufelsauge
  • Zahnwehkraut
  • Zigeunerkraut

Die krautige Pflanze wurde früher als Medizin genutzt und noch heute als Rauschmittel mit sehr hohem Risiko. Bis ins 16. Jahrhundert wurde außerdem Bier versetzt mit den Bilsenkraut-Samen, wodurch das Bier stärker wirken sollte. Nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 durfte die Pflanze nicht mehr in der Bierbrauerei eingesetzt werden.

Der Name könnte sich aus der berühmten Stadt Pilsen, aus der Pilsner Bier stammt, ergeben haben.

Das Schwarze Bilsenkraut wird meist 30-60 Zentimeter hoch, kann aber auch bis zu 1,7 Metern anwachsen. Erkennbar ist die Pflanze an folgenden Merkmalen:

  • Klebriger Stängel
  • Spindelförmige Wurzel, nach oben hin rübenförmig
  • Grob buchtig gezähnte, länglich-eiförmige Blätter, die unteren umfassen den Stängel, die oberen sind schmal gestielt
  • Trichterförmige Blüte mit gelblich-weißer Farbe und violetten Adern
  • Vom Kelch umschlossene Frucht in Form einer bauchigen, etwa 1,5 Zentimeter langen Deckelkapsel
  • Graubraune Samen mit Vertiefungen, etwa 1 mm mal 1,3 mm groß
  • Unangenehmer Geruch

Das Kraut wächst einjährig oder zweijährig, je nachdem, wann es keimt. Zweijährige Varianten zeigen im ersten Jahr nur eine Blattrosette und blühen erst im zweiten. Einjähriges Bilsenkraut hat meist keinen purpurnen Blütenfarbstoff. Blütezeit sind die Monate Juni bis Oktober.

Bei den Blüten handelt es sich um große Trichterblumen, die erst bei einer Tageslänge von wenigstens 11 Stunden aufgehen. Die am Grund behaarten Staubfäden dienen als Saftdecke. Diese erschwert den Zugang zum Nektar, Zugang erlauben nur die drei spaltförmigen Öffnungen. Bestäubt wird die Pflanze von Hummeln, Selbstbestäubung ist auch über andere Besucher der Blüten möglich.

Die Früchte stehen auf einem kurzen starren Stiel und enthalten 300-400 Samen pro Kapsel. Der Kelch erweitert sich nach der Reife der Samen und wird somit zum Windfang, wodurch die Kapsel bei starkem Wind den Inhalt verstreut. Der klebrige, drüsige Kelch macht die Fruchtkapsel zudem zum Tierstreuer. Weiterhin wird die Pflanze über Menschen ausgebreitet.

Bilsenkraut – Verbreitung

Verbreitet ist das Kraut vor allem in Europa (von Skandinavien bis Südeuropa), Nordasien und Westasien und Afrika. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst das Schwarze Bilsenkraut je nach Gebiet zwischen weit verstreut und selten.

Die Pflanze bevorzugt frische Sand- und Lehmböden mit reichlich Nährstoffen und Stickstoff. Sie wächst in Schuttunkrautgesellschaften sowie an Mauern und Wegrändern.

Bilsenkraut – Inhaltsstoffe und Vergiftung

Bilsenkraut ist äußerst giftig – und zwar als gesamte Pflanze. Besonders giftig sind jedoch die Wurzeln und die Samen – 15 Samen sind für Kinder tödlich. Die Blätter wirken in Mengen von mehr als 0,5 Gramm giftig. Auch Tiere können vergiftet werden, bei Pferden etwa liegt die tödliche Dosis bei 300 Gramm der frischen Pflanze. Gefährdet sind zudem Vögel, Hasen, Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen sowie Kleinstsäuger.

Die Samen sind leicht mit Mohnsamen zu verwechseln.

Für die giftige Wirkung ist vor allem der Gesamtgehalt an Alkaloiden verantwortlich, der zwischen 0,06 und 0,17% in den Blättern, 0,08% in den Wurzeln und 0,05-0,3% in den Samen liegt. Enthalten sind vor allem die folgenden Alkaloide:

  • Hyoscyamin und Scopolamin (auch in Stechapfel und Tollkirche enthalten)
  • Apoatropin
  • Cuskhygrin

Weiterhin enthalten sind:

  • Gerbstoffe
  • Gerbsäure
  • Cumarine

Das „Hexenkraut“ wirkt berauschend, immer wieder probieren Menschen das Mittel als Droge aus. Dabei gibt es jedoch zwei Probleme:

  • die Pflanzen können sehr unterschiedlich toxisch sein
  • die Spanne zwischen „berauschend“ und „schwer vergiftend“ ist sehr gering

Symptome einer Bilsenkraut-Vergiftung sind:

  • Hautrötung
  • Trockener Mund
  • Unruhe
  • Schläfrigkeit
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Erweiterte Pupillen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Komatöse Zustände und Bewusstlosigkeit
  • Tod durch Atemlähmung

Zudem drohen dauerhafte Gedächtnisverluste und Verhaltensstörungen.

Die Rauschwirkungen beträgt mehrere Tage bis hin zu einer Woche.

Schwarzes Bilsenkraut – Anwendung in der Medizin

Als alte Volksmedizin wurde das Bilsenkraut schon von den Babyloniern sowie im alten Persien und Ägypten als krampflösendes und narkotisches Mittel, als Schmerzmittel und als Räuchermittel bei Asthma verwendet. Die Samen und die Blätter wurden zudem wegen ihrer halluzinogenen Wirkung geraucht.

Da es heute Präparate mit besserer Wirkung und deutlich weniger Nebenwirkungen gibt, wird Bilsenkraut inzwischen nicht mehr verwendet – zumindest nicht in der Schulmedizin.

Homöopathen ordnen dem Bilsenkraut folgende Wirkungen zu:

  • beruhigend
  • blutreinigend
  • harntreibend
  • krampflösend
  • schmerzstillend

Als homöopathisches Mittel ab D11 wird Bilsenkraut in äußerst verdünnter („potenzierter“) Form angewendet bei:

  • Erregungen wie Hysterie, Manie oder Halluzinationen
  • Delirien, Schlaflosigkeit
  • Lähmung der Schließmuskeln
  • Durchfall und Magenkrämpfe
  • Kitzelhusten
  • Fieber
  • Schmerzen
  • Rheuma

Für die Urtinktur wird die blühende Pflanze verwendet. Mit den Extrakten wird zudem Laudanum hergestellt.

 


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