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Asthma – Ursachen, Erkennung, Medikamente

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

Wussten Sie schon, …

dass mehr als 2 Infekte in den ersten 2 Lebensjahren ein geringes Risiko für die Entstehung von Asthma bedeuten, mehr als 1 Infekt im Alter über 2 Jahren aber ein hohes Risiko? Allerdings spielt auch eine Rolle, wo sich der Infekt abspielt (Nase, Ohren, Bronchien), welcher Typ Kind betroffen ist (allergische Disposition?) oder welche bzw. wie viele schwere Erkältungen und Infektionen der Bronchien im Säuglings- und Kleinkindalter auftreten.  Bauernkinder entwickeln weniger häufig ein Asthma, der schützende Effekt erfolgt wohl über die Stallarbeit der Mutter. Je mehr Kinder in einer Familie bzw. der Kindergartengruppe sind, desto weniger Allergien treten laut einer Statistik auf, Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

10 % aller Kinder in Deutschland haben Asthma, davon sind ca. 80 % Allergiker (HNO-Nachrichten 4/12). 

Im Kindesalter dominiert im Gegensatz zum Erwachsenen vor allem das allergische Asthma, nur ein geringer Prozentsatz der Asthmakinder hat keine bislang erkennbare Allergie. Die Veranlagung für Asthma wird vererbt, der allgemein gültige Risikograd erhöht sich von 10 % auf 20%, wenn ein Elternteil auch Asthma hat. Ob sich dann tatsächlich ein Asthma entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, u.a. von  Präventionsmaßnahmen. Diese sollten zwingend eingehalten werden, wenn bereits Allergien bzw. asthmatische Erkrankungen in der Familie bekannt sind. Ein Asthma tritt selten deutlich vor dem 2./3. Lebensjahr auf, gewisse Anzeichen sind aber oft schon früh erkennbar und sollten dann symptomorientiert behandelt werden. Die Symptome wie häufige Atemwegserkrankungen, Reizhusten, Räuspern, Atemnot bei Anstrengung etc. habe ich bereits in den beiden vergangenen Kolumnen hinreichend erläutert. Wird in Gegenwart eines disponierten Kindes geraucht, ist das Risiko unvertretbar hoch. Rauchen (auch Passivrauchen) ist immer der „sicherste“ Weg zum Asthma.

Von entscheidender Bedeutung für die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung ist das Erkennen asthmatischer Beschwerden. Zu oft wird jahrelang eine angebliche “Erkältung, Bronchitis” symptomatisch behandelt, ohne den Ursachen auf den Grund zu gehen. Eine gelegentliche Erkältung liegt durchaus im Bereich des Normalen, hat das Kind aber immer wiederkehrende Infekte der oberen Atemwege mit allmählicher Beteiligung der unteren Atemwege -mehr als 2x Bronchitis pro Jahr zeigt lt. ÄDA auf ein beginnendes Asthma-, wird es Zeit, einen Lungenfacharzt, zumindest aber HNO-Arzt aufzusuchen. “Spastische Bronchitis” ist nur eine Umschreibung eines Asthmas! Lungengeräusche sind mit einfachen Mitteln des Allgemein- bzw. Kinderarztes (das so beliebte Abhorchen) nicht immer erkennbar, da ist der Facharzt nötig. Außerdem sind die meisten Infekte virusbedingt. Antibiotische Medikamente helfen dann nicht und können auch nicht ein Asthma verhindern!

 

Auch treten Beschwerden meist nur in Verbindung mit einem Allergen auf, die übrige Zeit besteht  weitgehend Beschwerdefreiheit. Eltern werden zu oft vertröstet oder hingehalten, weil das Kind z.B. im Kindergartenalter ist (Infekte “normal”), der Arzt über die allergische Komponente selbst nicht genügend Bescheid weiß, die Pubertät abgewartet werden soll… usw. Jungen leiden übrigens bis zur Pubertät häufiger unter Asthma als Mädchen, danach sind keine relevanten Unterschiede erkennbar.

Ein einmal entstandenes Asthma kann nur durch gezielte Behandlung eingedämmt werden, eine völlige Heilung gibt es nicht, da die Übererregbarkeit der Bronchien während des gesamten Lebens nicht völlig verschwindet. Außerdem kann es unweigerlich wegen unzureichender Behandlung dazu kommen, dass die Bronchien wegen ständiger Überreizung später auch auf nichtallergische Stoffe reagieren (Rauch, Düfte, Stress, Kälte usw.). Bei frühzeitig behandelten Kindern macht sich das Asthma allerdings kaum noch bemerkbar, meist nur noch bei sehr schweren Infekten oder schwerer Anstrengung. Ebenso kann das Asthma jahrelang „ruhen“ und erst im Erwachsenenalter wieder auftreten. Selten behalten Kinder ihr Asthma unverändert bei, manchmal verschlechtert es sich im Laufe der Jahre trotz guter Behandlung.

Forscher aus Quebec, Kanada, konnten einen Zusammenhang zwischen fehlender Asthmamedikation im ersten Schwangerschaftsdrittel und Fehlbildungen beim Fötus nachweisen. So kam es bei Asthmapatientinnen, die während der Schwangerschaft nicht entsprechend medikamentös behandelt wurden, bei jedem 10. Kind zu einer Missbildung, besonders häufig waren der Bewegungsapparat und das Herz betroffen. Asthmatikerinnen ohne Kortisonbehandlung brachten doppelt so häufig ein Kind mit z.T. schweren Fehlbildungen zur Welt als Frauen ohne Asthmasymptome, die Fehlbildungen können also nicht mit der Kortisongabe erklärt werden. Quelle: AllergoJournal 8/08.

Das Asthmarisiko ist höher bei Herbstgeburten, hier wird empfohlen, dass Mütter zusätzlich Vitamin D über den Winter erhalten. Häufiges Händewaschen ist ebenso wichtig, da die erbliche Neigung zu Asthma vermutlich durch schwere Vireninfektionen der Mutter verstärkt wird. Auch Sodbrennen bei Kindern frühzeitig behandeln lassen. Durch den sogenannten Reflux atmet das Kind Magensäuretröpfchen ein, dadurch kann Asthma ausgelöst bzw. eine bestehende Erkrankung verschlimmert werden. Zwei Drittel aller an Asthma erkrankten Kinder leiden auch an Reflux. Häufigste Ursache für Reflux: Kuhmilch- oder Sojaallergie.

Adipositas und Asthma: Kinder von übergewichtigen Müttern (BMI >35) erkranken häufiger an Asthma bzw. asthmatischem Giemen. Dies gilt auch für Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft mehr als 25 Kg zunahmen.

Eine „Taubenzüchterlunge“ kann auch bereits im Kindesalter auftreten, wenn auch selten. Sie ist die am weitesten verbreitete Form der sogenannten exogenen Alveolitis bei Kindern und Jugendlichen. Auslöser sind wiederholte Inhalationen von Antigenen wie Eiweißverbindungen in Vogelexkrementen sowie Bestandteilen verschiedener Pilz- und Bakterienarten. Bei lang anhaltendem Husten sollte immer an diese Form des Asthmas gedacht werden, ohne Therapie kann dies sonst zu irreversiblen Schäden an der Lunge führen. Der Begriff Taubenzüchterlunge bedeutet übrigens nicht, dass dies nur bei Taubenzüchtern auftritt, Kontakt hat das Kind auch bei Bauernhofbesuchen, im Zoo, beim Enten füttern etc. (beliebte Ausflugsziele nicht nur in der Kindergartenzeit).

Als Teil der Untersuchung zu Asthma und Paracetamolgabe in den ersten zwei Lebensjahren konnte die International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) belegen, dass eine Gabe von Paracetamol 1x/Jahr das Risiko auf Asthma, Rhinokonjunktivitis und Ekzem erhöht. Bereits eine Gabe von 1x/Monat verdreifachte das Risiko. Kinder, die im ersten Lebensjahr mit Paracetamol behandelt wurden, zeigten ein signifikantes und um 50 % erhöhtes Risiko für Asthma im Alter von 6-7 Jahren.

Die Wirkung von DNCG (bronchienerweiterndes Mittel wie z.B. Sultanol) in der Dauerbehandlung bei chronischem Husten ist nicht genau belegt, in den Niederlanden ist DNCG z.B. ganz aus der Therapie verschwunden. Wenn DNCG gegeben wird, dann immer nur symptomorientiert, bei einer Dauerbehandlung ist eine höhere Gefahr für das Entstehen von Asthma gegeben! Übrigens sind Nebenwirkungen wie z.B. Wachstumsstörungen bei cortisonhaltigen Sprays nur bei Überdosierung zu erwarten und nur bei sogenannten Kombipräparaten wie z.B. Viany. Das verzögerte Wachstum wird aber bei Absetzen des Sprays wieder vollständig aufgeholt. Ein guter Arzt wird immer die niedrigst mögliche Dosierung anordnen und die Wirkung mit regelmäßigen Kontrollen überwachen. Viany darf übrigens laut Verordnung nur als Anfangsmedikament gegeben werden, nach spätestens 2 Monaten muss zwingend auf ein anderes (für Kinder verträglicheres Mittel) umgestellt werden. Grundsätzlich aber sind die Wirkungsmoleküle fettlöslich, d.h. sie entfalten sich erst in der Lunge und gehen nicht in die Schleimhaut bzw. den Blutkreislauf über.

Ab Pubertätsalter nimmt die allergische Bereitschaft allgemein etwas ab, so dass auch Asthmabeschwerden dann nachlassen. Diese setzen aber ab ca. 16-17 Jahre wieder ein, deshalb darf eine Behandlung in dieser Zeit nicht ausgesetzt werden, wenn mal keine oder kaum Beschwerden auftreten. Gerade dann stellen sich die Weichen für das Erwachsenenleben und somit die Berufswahl, ein Aussetzen der notwendigen Behandlung wäre fatal. Dies erfordert viel Information durch den Arzt, denn gerade in dem Alter kommt es auch oft zum Hinterfragen des Sinns einer Behandlung oder sogar Medikamentenverweigerung.

Zur Unterstützung der Therapie (im Einzeln später mehr) stehen bereits für Säuglinge Inhalierhilfen zur Verfügung. Diese gehören zu den Hilfsmitteln (Rezept) und gehen nicht über das Budget des Arztes! Das sind z.B. der Able Spacer (Inhalierhilfe für das Asthmaspray) mit variablen Atemmasken, Nebulator, Turbohaler, Peak-Flow u.a.!. Ein Lungenfunktionstest zur Diagnose ist für Kinder erst ab dem 3. Lebensjahr technisch möglich, aber bei Säuglingen und Kleinkindern kann mittels einer Maske bei normaler Atmung der Stickoxidgehalt in der Atemluft gemessen werden (NO-Test), dies gibt einen sicheren Hinweis auf Bestehen einer obstruktiven Bronchitis mit Verlauf zu Asthma. Außerdem kann bei dieser Altersgruppe durch Hautelektroden die Aktivität der Muskulatur am Zwerchfell und zwischen den Rippen ermittelt werden (Elektromyographie). Bei Atemwegsverengungen müssen die Muskeln stärker arbeiten, um die eingeatmete Luft nach außen zu befördern. Die Wissenschaftler der Uni Groningen haben den Klosterfrau Forschungspreis für dieses neue Testverfahren erhalten.

Nur ein geringer Prozentsatz von Asthmatikern reagiert auch auf Glukokortikoide (z.B. Tixocortol, Budesonid, Hydrocortison, Prednison) oder Bestandteile des Sprays. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass betreuende Personen (z.B. die Mutter, die ihrem Kind bei der Anwendung des Sprays hilft), auf die passive, über die Luft vermittelte Exposition reagiert. Hierdurch kann nicht nur bei Kindern  eine primäre Sensibilisierung bis hin zum Kontaktekzem auftreten. 

Arzt: „Haben Sie meinen Rat befolgt und bei geöffnetem Fenster geschlafen?“ Patient. „Ja.“ „Ist Ihr Asthma verschwunden?“ „Nein. Aber meine Uhr, mein Fernseher, mein Handy und der Schmuck meiner Frau!“

Immer wieder ergibt sich in der Beratung die Notwendigkeit, auf ein mögliches Asthma beim Kind hinzuweisen. Wenn Eltern im Vorgespräch auf mein Nachfragen auf häufige Infekte oder Dauerschnupfen hinweisen, kommt von mir immer die Frage, ob bereits ein Lungenfacharzt in die Behandlung eingebunden wurde. Meistens stoße ich damit auf Unverständnis, denn was hat der Lungenfacharzt mit dem Ekzem oder der Allergie zu tun? Eltern wiegen sich ja auch in trügerischer Sicherheit, wenn der Kinderarzt nie von Asthma spricht und für die Erkältung gibt es ja schleimlösende Säfte. Klar ist dann erst mal die Verschleimung besser, die Bronchien werden etwas entlastet, aber heilen so nicht aus und bleiben dann „reizbar“. Stellvertretend für unzählige Beispiele ist die folgende Geschichte:
Das Kind wurde bei normaler Ernährung der Mutter voll gestillt. Mit Beginn des Zufütterns traten extreme Durchfälle und Erbrechen auf, laut Kinderarzt aber alles normal. 6 weitere Versuche des Zufütterns mit Kuhmilch mussten immer wieder wegen heftiger Reaktionen abgebrochen werden. Zum Schluss wurde eisern bis zum 1. Geburtstag gestillt, dann auf eine Sojanahrung umgestellt. Nun kamen starke Migräne und eine zunehmend trockene Haut dazu. Das Kind war auffällig blass, wurde sehr schnell müde, hatte Kreislaufprobleme und Höhenangst, dazu kamen Gesichtschwellungen nach Tomate, Graskontakt sowie nach Kamille, z.T. schwoll der ganze Körper extrem an (aber für den Kinderarzt noch kein Grund für eine Facharztbehandlung) . Mit 1 ½ Jahren folgte ein kurzer Aufenthalt in einer esoterisch angehauchten Klinik, hier wurden die Durchfälle als Folge einer Magenschleimhautentzündung abgetan. Eine Allergiediagnostik fand nicht statt, das Kind hatte keine auffälligen Ekzeme, also auch keine Allergie, so die einfache Schlussfolgerung. Nach 4 Lungenentzündungen im ersten Lebensjahr und unzähliger spastischer Bronchitiden, starkem Reizhusten und auffälligem Räuspern stellte man dort zwar Asthma fest, aber eine Behandlung passte nicht zum alternativen Konzept. Der ein Jahr ältere Bruder reagierte auch nicht über die Haut und entwickelte unbemerkt ebenfalls ein Asthma. Vom Kinderarzt wurde nun zwar ein Inhaliergerät verschrieben, doch mit dem verschriebenen bronchienerweiterndem Spray fand natürlich keine adäquate Behandlung statt. Die wurde erst auf mein Drängen nach Vorstellen der Kinder beim Allergologen bzw. Pneumologen begonnen.

In einem anderen Fall hatten Eltern auf meinen Rat als Vorbereitung auf das Beratungsgespräch das 2jährige Kleinkind (Anstrengungsasthma, Atemnot, ständige Bronchitis/Erkältungen) dem Facharzt vorgestellt, der symptomorientiert eine Cortisonbehandlung mittels Inhalierspray anordnete. Im Beratungsgespräch stellte sich raus, dass die Behandlung noch nicht begonnen wurde, weil den Eltern das Spray nicht suspekt war, man blieb beim bisherigen DNCG. Abgesehen davon, dass die Kleine keine Lust hatte (verständlich), jeden Tag mehrmals 20 Minuten still vor dem Inhaliergerät zu sitzen, hätte ein Rezept für den Able Spacer die Sache extrem vereinfacht und erträglicher gemacht, aber soweit konnte der Arzt wohl nicht denken. Immerhin war ihm klar, dass dringend behandelt werden musste. Diese Tatsache mussten nun auch noch die Eltern akzeptieren lernen, eine schwierige, der Mutter im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlagende Erkenntnis. Leider hilft da keine „schonende“ Ansprache, im Interesse des Kindes darf nichts verharmlost oder verzögert werden, denn nur die konsequente Behandlung wird der Kleinen weiterhelfen. Ich stehe dann immer vor Grenzen, einerseits will man mit seinem Wissen helfen, andererseits sind Eltern oft überfordert bzw. vertragen Informationen nur häppchenweise. Bei Kindern zählt aber jeder Tag, denn das Zeitfenster zur vernünftigen Behandlung ist sehr eng gefasst.

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 

 



 


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