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Antimykotikum – Antimykotika

Mit einem Antimykotikum (Mehrzahl Antimykotika) werden Pilzinfektionen, sogenannte Mykosen, behandelt. Am häufigsten sind Haut, Schleimhäute und Nägel von Pilzen befallen, seltener ein ganzes Organsystem oder der komplette Körper.

Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern eine eigene Gattung. Sie sind unbeweglich und ernähren sich von organischen Stoffen aus ihrer Umgebung, die sie mittels Enzymen aufspalten und verarbeiten. Von den Tieren und Pflanzen unterscheiden sie sich vor allem auf zellulärer Ebene. Ihre Zellen sind anders aufgebaut und bestehen aus anderen chemischen Substanzen. Pilze sind aber nicht per se schädlich. Zum Beispiel wird Penicillin und weitere Medikamente aus ihnen gewonnen.

Auch bei gesunden Menschen leben zahlreiche Pilze auf der Haut. Sie ernähren sich von abgestorbenen Hautzellen sowie von Schweiß und werden erst dann zum Problem, wenn zum Beispiel das Immunsystem geschwächt ist. Dann vermehren sie sich ungehindert und können verschiedene Krankheiten verursachen.

Wie wirken Antimykotika?

Das Antimykotikum hindert Pilze daran, weiter zu wachsen oder tötet sie ab. Danach unterscheidet man die vermehrungshemmenden (fungistatischen) und die abtötenden (fungiziden) Mittel gegen Pilzerkrankungen.

Die Arzneimittel können entweder äußerlich als Salbe auf die Haut, die Schleimhäute oder die Nägel aufgetragen werden oder eingenommen werden – dann verteilen sie sich über den Blutkreislauf im ganzen Körper und wirken „systemisch“.

Wann wird ein Antimykotikum verschrieben?

Bei folgenden Krankheiten wird ein Antimykotikum verordnet:

  • Hautpilzerkrankungen (Dermatomykosen)
  • Fußpilz
  • Vaginalpilz
  • Nagelpilz (Onychomykosen)
  • Kopfpilz und Pilzbefall am Bart, bei denen sich die Pilze auf den Haaren festsetzen
  • Hefepilz-Infektionen (Candidosen), zum Beispiel der Mundhöhle und des Magen-Darm-Traktes (Soor)
  • Organ- bzw. Systemmykosen, bei denen sich die Pilze über ein Organ oder den gesamten Organismus ausgebreitet haben
  • Windeldermatitis (der Windelbereich ist von Pilzen befallen)
  • Seborrhoisches Ekzem (sofern Pilzbefall vorliegt, die Krankheit kann auch andere Ursachen haben)

Verschiedene Anti-Pilz-Mittel bei verschiedenen Krankheiten

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Wirkstoffe aus der Gruppe der Antimykotika. Während bis zu den 1960er-Jahren nur unspezifisch wirkende Mittel eingesetzt wurden, können heute einzelne Pilzarten mit den speziellen Wirkstoffen viel effektiver und nebenwirkungsärmer bekämpft werden.

Welches Antimykotikum zum Einsatz kommt, hängt vom Erreger ab und von der Schwere der Infektion. Wenn die Pilzerkrankung eher schwach ausgeprägt ist, wird das Arzneimittel lokal aufgetragen (sofern möglich), um die Nebenwirkungen zu reduzieren.

Die wichtigsten Wirkstoffe im Überblick:

  • Allylamine: greifen in den Stoffwechsel von Pilzzellen ein.
  • Amorolfin: stört den Aufbau der Pilze und macht sie weniger lebensfähig.
  • Azol-Antimykotika: moderne Mittel gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Pilze. Azole greifen in den Stoffwechsel der Pilze ein, die meisten Mittel dieser Kategorie hemmen die Vermehrung der Pilze. Wirken zwar langsam, sind aber bei äußerlicher Anwendung gut verträglich. Die Einnahme als Tabletten kann jedoch die Leber schädigen. Zu den Azol-Antimykotika zählen: Clotrimazol, Bifonazol, Econazol, Isoconazol, Ketoconazol, Miconazol und Sertaconazol. Erhältlich sind die Medikamente als Cremes, als Zäpfchen, als Sprays und als Tabletten. Während manche Wirkstoffe nur lokal eingesetzt werden können, sind andere Azole auch zur systemischen Einnahme geeignet.
  • Caspofungin: wird nur bei sehr schweren Erkrankungen eingesetzt und als Infusion verabreicht.
  • Ciclopirox: durch Ciclopirox entstehen schädliche Stoffwechselprodukte in den Zellen der Pilze, die zum Tod dieser führen. Wird in der Regel äußerlich und lokal aufgetragen.
  • Cilofungin: aufgrund starker Nebenwirkungen nie auf den Markt gekommen.
  • Flucytosin: verwandelt sich in den Zellen des Pilzes in ein Zellgift. Nur bei schweren Organmykosen. Häufig kombiniert mit einem Polyen-Antibiotikum, siehe weiter unten.
  • Griseofulvin: hemmt die Zellteilung der Pilze. Dadurch können sie sich nicht weiter vermehren.
  • Thiocarbamate (Tolnaftat): hindern die Pilze daran, sich zu vermehren.

Daneben werden manchmal auch Polyen-Antibiotika wie das Nystadin oder Amphotericin B gegen Pilze eingesetzt. Sie blockieren lebenswichtige Stoffwechselvorgänge der Pilzzellen und werden eingesetzt, wenn Pilze die Haut, die Schleimhaut oder den Verdauungstrakt befallen haben.

Je nachdem, welche Pilzerkrankung vorliegt bzw. welcher Teil des Körpers von den Pilzen befallen ist, werden bestimmte Antimykotika eingesetzt:

  • Hautpilz: Clotrimazol als Creme, Salbe oder Spray; Griseofulvin als Tablette oder Creme.
  • Nagelpilz: Nagellacke mit Amorolfin oder bei schwerem Nagelpilz: Tabletten mit Itraconazol.
  • Seborrhoisches Ekzem: Ketoconazol.
  • Soorerkrankungen: Tropfen oder Lutschtabletten mit Polyen-Antibiotika.
  • Systemische Pilzerkrankungen: Itraconazol.
  • Windeldermatitis: Clotrimazol und weiche Zinkpaste, stellen Apotheker bei Bedarf her.
  • Vaginalpilz (Scheidenpilz): Vaginal-Tabletten oder Cremes mit Clotrimazol. Der Partner muss mit behandelt werden, damit man sich nicht gegenseitig immer wieder ansteckt.

 


 


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