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Allergien und vegetarische Ernährung sowie bestimmte Diäten

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

Wussten Sie schon, ...


dass laut einer aktuellen Ausgabe des FOCUS (10/14) eine große Studie aus Österreich den Streit um die „richtige“ Ernährung schürt? Das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie in Graz kommt nach Analyse der Daten von 1320 Studienteilnehmern zu dem Fazit, dass Vegetarier häufiger an Krebs, Allergien und seelischen Störungen litten als Fleischfresser.  „Wir wissen nicht, ob vegetarische Ernährung ungesünder ist oder kranke Menschen häufiger Vegetarier werden“, erklärt Studienautorin Nathalie Burkert. Nur hätten einzelne Studien gezeigt, dass pflanzliche Kost das Darmkrebsrisiko erhöhe.

 

Heute wird jede Empfindlichkeitsstörung gerne auf die „richtige“ oder „falsche“ Ernährung geschoben. Das öffnet natürlich den Markt für Anbieter, die für jedes Problem die ultimative Lösung haben, siehe „Fit for Life“, „Anti-Aging“, „Life Balance“  oder auch die neue radikal vegane Ernährungsrichtung. Jede für sich bietet Alternativen zu einer eingefahrenen Ernährung, aber nicht alles ist wirklich medizinisch sinnvoll oder nachvollziehbar. Wenn man kritisch hinterfragt, stellt sich oft heraus, dass sich dahinter Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln oder sonstige ideologische Dachverbände verbergen. Es gibt natürlich für verschiedene Erkrankungen eine geeignete Ernährung, aber die Erkrankung sollte schon diagnostiziert sein und nicht durch werbewirksame Beredsamkeit eines „Gurus“ im Kopf entstehen. Wie „Wunderdiäten“, mit denen man schnell und reichlich abnimmt, helfen diese Ernährungen wohl nur, wenn man sich ab sofort und bis ans Lebensende ausschließlich so ernährt/verhält usw. Wer will das? Also, ich will lieber alt und klapprig, dann aber zufrieden sterben, als alt und kerngesund, das wäre doch Verschwendung. Oder wie sehen Sie das?

 

Tatsache ist, dass der Mensch einen Entwicklungssprung gemacht hat, als er Fleisch in der Nahrung akzeptierte. Tatsache ist aber auch, dass man ohne Fleisch auch glücklich wird (so man grundsätzlich für Glück offen ist). Vegetarier ersetzen Fleisch mit vermehrter Zufuhr von Gemüse, Getreide, Körnern (notwendigerweise als Sättigungsersatz). Das birgt natürlich die Gefahr in sich, den Darm durch ein Überangebot an schlecht oder schwer verdaulichen Grundstoffen wie z.B. Vollkornschalen zu überfordern und Schäden an der Darmschleimhaut zu riskieren, die u.U. auch zu Krebszellen ausarten können. Über die Wirkung von stark nickelhaltigem Getreide auf den Darm habe ich schon berichtet (siehe z.B. Kolumne Nr. 25). Gerade die „gesunde“ Ernährung mit Vollkorn ist also nicht für jeden gesund. Dazu kommen (nicht nur) in der vegetarischen Ernährung als Vitamin B-Lieferanten Nüsse, wegen Nickel auch nicht wünschenswert. Diverse Nickelverbindungen sind krebserregend (siehe dazu auch meinen „Ratgeber Nickelallergie“, Neuauflage März 2014), das weiß die Wissenschaft schon lange. Beim Endverbraucher kommen diese Informationen aber nicht an, da sie meist in Fachliteratur veröffentlicht und diese nur von Fachleuten gelesen werden. Verschwiegen wird das vor allem auch von der Vollwertlobby, das könnte einen florierenden Wirtschaftszweig lahm legen. Fleisch ist übrigens im Gegensatz zu Getreide und Gemüse nahezu nickelfrei!

 

Kürzlich sah ich einen Fernsehbericht über einen jungen Mann, der das Rad erfunden hat. Nein, nicht das Rad, sondern eine Anti-Aging-Ernährung mit vielen freien Radikalen. Freie Radikale sollen über die Nahrung aufgenommene Schadstoffe im Körper eliminieren und uns das ewige Leben schenken (ein weites Thema und wissenschaftlich durchaus umstritten). Er propagiert frisches Obst und Gemüse, nicht wirklich was Neues, aber seine spezielle Rezeptzusammenstellung mache den Unterschied zu anderen Ernährungsweisen aus und bringe Kraft, Weisheit, Reichtum und sicher auch 6 Richtige im Lotto. Jetzt kann man begeistert auf diese frische jugendliche Art anspringen, man kann sich aber auch fragen, woher dieser junge Schnösel wissen will, dass man mit seiner Ernährung jungendlich alt wird. Hat er da eigene Erfahrung? Ist er nicht Anfang dreißig, wie er sagt, sondern schon 107 und wirkt nur so jung? Ha, Lästern ist schön. Sie wissen schon, wie ich das meine. Klappern gehört zum Handwerk und wenn er sein Buch verkaufen will, muss er dick auftragen, sonst hört keiner zu.

 

Wenn wir wirklich alles essen wollten, was man am Tag so zu sich nehmen sollte, um jeden Ernährungsvorschlag abzudecken, hätten wir außer Essen nichts anderes mehr zu tun – also nur die Ruhe!

 

Ich denke da immer an den „Fit for Life“ -Papst Ulrich Strunz, der trotz der von ihm propagierten Fitnessernährung  mittlerweile wegen einer Sportverletzung  im Rollstuhl sitzt (trotz seiner Extremsporttipps, die doch zu ewiger Fitness führen sollten, ist es ihm nicht gelungen, das Leben in seinem Sinne zu kontrollieren). Oder der Krebsguru  und Heilpraktiker (was sonst?) Manfred Köhnlechner, der uns jahrelang mit seiner Krebsklinik und dem ausgefeilten biologisch- vollwertigem Ernährungsprogramm genervt hat (die älteren werden sich erinnern). Woran er gestorben ist? Ja, an Krebs. Linda McCartney (für die jüngeren Leser – das war mal die Frau von Beatle Paul) war berühmt für ihre vegetarischen Vollwertrezepte (zu ihrer Zeit etwas ganz Neues), statt dadurch ewige Jugend und Gesundheit zu erlangen, starb auch sie recht jung an Krebs.

 

Berühmte Vegetarier waren u.a. Pythagoras, Leonardo da Vinci und Jean Jaques Rousseau. Ob die „Schöne von Xiaohe“ auch vegetarisch oder sogar vegan lebte, ist nicht bekannt, aber die über 4000 Jahre alte Mumie aus der Bronzezeit trug als Grabbeigabe eine Kette aus veganem Käse um den Hals (wohl als Wegzehrung für das Jenseits  gedacht). Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts Dresden fanden mittels einer Datenbank von 35 Millionen anderer Substanzen heraus, dass dieser Käse aus einer Art Kefir hergestellt wurde.

 

Bei einer gemüselastigen Ernährung, ob als Vegetarier oder Veganer, werden auch vermehrt Schadstoffe wie Nickel oder Rückstände aus Anbau und Düngung aufgenommen. Biogemüse wird ebenfalls gedüngt, wenn auch in geringerer Menge (und kontrolliertem Einsatz). Faserreiche Gemüse belasten den Darm, sie sind zwar gute Ballaststoffe, aber nur in kleinen Mengen pro Mahlzeit wirklich verdaulich. Um mit einer Gemüsemahlzeit satt zu werden, sind aber oft größere Volumen nötig, damit auch größere Aufnahme von Schadstoffen.

 

Wann eine Mahlzeit verdaut wird, hängt übrigens nicht von der Uhrzeit ab, die Verdauung beginnt immer 2 Stunden nach Nahrungsaufnahme. Dem Stoffwechsel ist die Uhrzeit völlig egal, auch Sommer- oder Winterzeit spielen da keine Rolle (da hat die Evolution noch nicht reagiert). Die Verdauung spielt sich immer gleich ab, sie wird weder durch die Art der Ernährung noch durch die Zusammensetzung zeitlich beeinflusst. Sie dürfen also ruhig abends ein Brot essen, statt sich noch eine eiweißhaltige Mahlzeit kochen zu müssen, nur um die Low Carb- Fraktion zufrieden zu stellen. Am Ende zählt nur der Gesamtkalorienverbrauch.

 

Rohkost ist nicht immer zu empfehlen, denn viele Allergene werden erst durch Kochen, Erhitzen bzw. Dünsten zerstört, und das Gemüse dadurch erst gut verträglich. Salate sind oft besser verträglich, wenn das Dressing aus leicht erhitztem Öl bzw. Brühe besteht. Feldsalat speichert zudem wegen seiner Blatt- und Wurzelstruktur sehr viel Nickel.

 

Wie jeder Allergiker sicher schon festgestellt hat, spielt bei Allergien natürlich auch die Ernährung eine Rolle, denn Hautirritationen können durch Allergene wie Nickel, Eiweiße(Allergene) aus Nüssen, Getreide oder Gemüse und vieles andere hervorgerufen bzw. verstärkt werden. Dazu kommt, dass fast 90 % der Immunabwehr über den Darm ablaufen, da sollte man schon die Ernährungsform bewusst wählen. Nur ist nicht jede Ernährungsform für jeden Allergiker gleich gut geeignet, wie nicht jede Diät auch jeden auf Dauer schlank macht. Wenn man sich über die Eigenschaften diverser Nahrungsmittel informiert, findet man das Ergebnis der o.g. Studie durchaus nachvollziehbar (und die genannten Beispiele sind schon auffällig im Hinblick auf Ernährung und Krankheitsbild). Sie ist aber sicher nicht bindend, denn gerade Krebs hat so viele diverse Gesichter, dass Ernährung als Auslöser nur ein Aspekt sein kann. Man sollte diese Studie als hilfreiche Information ansehen und sich mit diesem Wissen im Hintergrund

-abwechslungsreich- ernähren.

 

 

Der Mann stochert in seinem Essen. „Ist das wieder aus der Dose?“ „Ja, mein Schatz. Es war so ein süßer Hund darauf abgebildet und daneben stand: Für Ihren Liebling!“

 

 

Biologisch über alles! Nach diesem Motto handelte auch der Vater eines kleinen Sohnes. Der Junge reagierte bereits mit 2 Wochen auf das ausschließliche Stillen (bei normaler Ernährung der Mutter) mit Blähungen, Magenkrämpfen, Schreien, dann bildeten sich großflächig Ekzeme am ganzen Körper, er war sehr unruhig und schwitzte auffällig stark. Unter strengem Protest des Vaters (Lehrer, ein Bruder vertrieb als Bio-Bauer „gesunde Milch“) wird nach einem Allergietest Kuhmilch weggelassen, dem Kind ging es daraufhin besser. Die Suche nach milchfreier Säuglingsnahrung gestaltete sich aber schwierig, da der Vater aus ökologischen Erwägungen nestle´ Produkte ablehnte (z.B. sinlac), Sojanahrung (wegen des Alters) und H.A.-Nahrung (Reaktion auf Kasein) nicht in Frage kam. Als Alternative blieb nur eine Nahrung auf Aminosäurebasis, die es damals noch nicht auf Rezept gab, auf Dauer ein notwendiges, doch teures, biologisch einwandfreies Vergnügen. Der Vater erwartete quasi „Heilung in 2 Stunden“, als Lehrer setzte er wohl beim 4monatigen Sohn unbedingten Gehorsam voraus – hat so nicht geklappt -. Zweiter Termin nach 3 Jahren: mittlerweile auf Drängen des Vaters wieder Kuhmilchernährung (bio!), dazu Umstieg auf extrem nickelreiche Nahrung (Müsli, Schokoaufstrich, Vollkornbrot, natürlich bio). Nach langer ekzemfreier Zeit seitdem wieder Ekzeme, dazu im Wohnumfeld für das Wohlbefinden ein Schaffell im Bett, als Dekoration überall staubige Trockensträuße, Teppiche  usw. Gehäufte Infekte und ein chronischer Schnupfen wurden dafür in Kauf genommen. Die auffällig schnüffelnde Atmung, geschwollene Augen und Hautrötung bei Aufenthalten im Freien wurden auf den Kindergartenbesuch geschoben. Ein erneuter Allergietest zeigte neben der weiterhin bestehenden Kuhmilchallergie andere Sensibilisierungen, die auch weitere notwendige Karenzmaßnahmen nach sich zogen

– sehr zum Unmut des Vaters -.

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de


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