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Allergien durch Möbel und Sportbekleidung

  

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

 

Wussten Sie schon, …

dass auch das geliebte Sofa eine Allergie auslösen kann? Hierbei handelt es sich zumeist um eine Kontaktallergie gegen Möbelbestandteile (diverse Hölzer, Klebstoffe) oder gegen die antimikrobielle Ausrüstung mit Dimethylfumarat (DMF). DMF (Antischimmelmittel) findet sich vor allem (aber nicht ausschließlich) in asiatischen Möbelfabriken bei der Fertigung gepolsterter Möbelstücke. Die an der Kontaktstelle auftretenden Symptome äußern sich als stark juckende, ausgeprägte Ekzeme am Rücken, an Gesäß, Abdomen, Armen. Die Läsionen/Ekzeme sind bei weiterem Kontakt mit dem auslösenden Stoff therapieresistent, Abhilfe schafft nur der Austausch des Sofas gegen ein verträglicheres Modell.

In der Kolumne Nr. 10 habe ich ja schon einmal auf die verschiedenen speziell in Textilien verwendeten Kontaktallergene hingewiesen. Hautsensible Menschen (z.B. Neurodermitiker, Allergiker allgemein und Personen mit überempfindlichen Atemwegen) reagieren manchmal scheinbar grundlos mit juckenden, roten Pusteln oder auch vereinzelt mit schweren allergischen Reaktionen wie Quaddeln, Atemwegs- oder Kreislaufbeschwerden, Ursache kann eine sogenannte Textildermatitis sein. Dabei reagiert der Körper auf unterschiedliche Substanzen, die in einem Stoff verarbeitet oder bei der Herstellung des Stoffes eingesetzt werden. Eine klassische Textildermatitis tritt als allergische Spätreaktion meist nach Stunden, manchmal auch nach Tagen auf. Betroffen sind Körperstellen mit intensivem Kleiderkontakt wie z.B. Armbeugen, Achseln, Kniekehlen, Leistengegend oder Gesäß. Verstärkt wird die Reaktion durch Schwitzen (Kunstfaser, Wärme) oder Reiben (bei enger, körpernaher Kleidung bzw. dünnem Stoff).

Textilien ohne den Einsatz chemischer Stoffe herzustellen ist laut dem Direktor des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf, Heinrich Planck, bisher unmöglich. Je nach ökologischem Anspruch werden dafür mehr oder weniger chemische Hilfsstoffe verwendet, dabei ist die Stoffart (Seide, Baumwolle, Synthetik) unerheblich. In der Kleider- bzw. Textilindustrie werden neben Farbstoffen, Formaldehyd (ein Textilharz) und anderen Hilfsmitteln auch Duftstoffe eingesetzt. Welche Substanzen im Einzelnen verwendet wurden, kann auch durch gezielte Nachfragen nicht immer geklärt werden, das Etikett gibt nur bedingt Auskunft. Riecht ein Stoff streng, so lassen Sie besser die Finger davon, nicht alles kann durch Lüften oder häufiges Waschen aus dem Stoff entfernt werden.

 

Zur Allergiediagnostik bei einer Textildermatitis gehört der Epikutan-Test, d.h. die vermutete Substanz (Allergen) wird mit einem speziellen Pflaster („Pflaster- oder Läppchentest“) auf die Haut geklebt. Nach ein oder zwei Tagen wird das Pflaster entfernt, nach weiteren 48 Stunden kann eine eventuelle Hautreaktion dann verbindlich nachgewiesen und zugeordnet werden.

 

Kunstfasern oder Textilien aus Tierwolle (inklusive Wollwachs) können bei Menschen mit Neurodermitis Juckreizattacken auslösen, ohne dass speziell eine Allergie vorliegt. Reaktionen auf Farbstoffe (besonders schwarz, blau) oder Duftstoffe sind im Allergietest gut nachzuweisen. Der Einsatz von Nickel ist augenfällig (und auswechselbar) bei Reißverschlüssen und Knöpfen. Nickel- und Chromsalze (Chrom VI)  können aber auch z.B. bei der Imprägnierung eines Stoffes eingesetzt werden („schmutzabweisend“). In Schuhen (Turn-, Sportschuhe, Lederschuhe, Leder- und Fellverarbeitung) ist hauptsächlich Chrom der auslösende Faktor, Chromsalze und synthetische Stoffe wie Formaldehyd, Acrylharze, organische Phosphorsalze werden bei der Gerbung eingesetzt. Alternative: pflanzliche Gerbung. Weitere Kontaktsensibilisierungen sind durch Latex (Elastikfasern), Farbstoffe (48 von derzeit 800 bekannten Farbstoffen gelten als potenzielle Kontaktallergene), Metallionen (z.B. Kobalt) o.ä. möglich. So können in eine Stofffaser eingearbeitete Metallfäden 24-48 Stunden nach Ablegen des Kleidungsstückes oder dem Kontakt mit dem Couchbezug  hautsensible Menschen (Neurodermitis, Psoriasis, Kontaktallergiker) mit einem Hautausschlag überraschen.

 

Wer Informationen zu umweltverträglicher Kleidung oder dem nützlichen Verbleib von Altkleidern wünscht, kann einmal auf den Seiten www.label-online.de und www.fairverwertung.de nachschauen. Gütesiegel für schadstoffarme Möbel sind  z.B. „Goldenes M“ (Gütergemeinschaft Möbel) oder „LGA“ (schadstoffgeprüft). Einheimische Hölzer erkennt man z.B. an dem FSC- oder PEFC-Label.

 

In der Textilindustrie wird wie schon erwähnt u.a. die antimikrobielle Substanz Dimethylfumarat (DMF) eingesetzt, vor allem bei Bettwäsche, Matratzen und Sitzmöbelbezügen (z.B. „Anti-Milben-Ausrüstung“). Dazu kommen weitere Schimmelpilzblocker und Pilzvernichter, wenn Textilien transportfertig gemacht werden. Was somit den Verbraucher vor seinem Allergen (Milbe) schützen soll, birgt auf der anderen Seite die Gefahr, eine weitere Allergie auszulösen. Wobei ich persönlich niemals eine chemische Ausrüstung gegen Milbe oder was auch immer haben wollte. Meine Milbenallergie habe ich mittels Hyposensibilisierung und sorgfältigem Befolgen der empfohlenen Karenzmaßnahmen usw. überwunden. Aber der Verbraucher ist ja heute nicht mehr geduldig und einmal wöchentlich die Bettwäsche wechseln… Wozu, wenn die Chemie dafür ein Mittel hat?

DMF findet aber auch Verwendung bei der Herstellung von Sportbekleidung. Besonders unangenehm aufgefallen sind in diesem Zusammenhang die großen Anbieter wie Nike, Puma und Adidas. Eine Studie von Greenpeace weist auf den Einsatz von DMF in Trikots, Torwarthandschuhen und Fußballschuhen hin. Dabei sind nicht einmal die Endverbraucher besonders betroffen (da wäre der Aufschrei vielleicht hörbarer), sondern vor allem die Arbeiter in den Herstellungsländern. DMF und ähnliches stören das Immunsystem, schädigen die Fruchtbarkeit und können das Tumorwachstum begünstigen.

Wie kann ich mich schützen? Gut wäre natürlich, wenn der Geldbeutel es zulässt, dass alle Textilien aus biologisch einwandfreiem Material sein könnten, handgewebt, ohne künstliche Farb-, Gerb- oder Kunstfaserstoffe usw. Ein für den Großteil der Menschheit materiell nicht zu erfüllender Traum. Hilfreich ist es aber auch, stark riechende Stoffe gar nicht erst zu kaufen (der Verbraucher entscheidet über den Handel), ansonsten Neues vor dem Gebrauch mindestens einmal waschen, alles gut auslüften lassen, keine chemische Reinigung (was sich nicht eigenhändig waschen lässt, gar nicht kaufen), beim Bügeln immer gut lüften usw. Ausreichend lüften ist vor dem ersten bzw. dauernden Gebrauch auch wichtig bei Matratzen, Stoffsitzmöbeln und anderen stoff- oder lederbezogenen Gebrauchsgegenständen, die nicht in die Waschmaschine passen.

  

Zwei Studenten schlendern über den Campus. Sagt der eine: „Woher hast du denn dein tolles Fahrrad?“ Der andere: „Als ich gestern spazieren ging, fuhr ein hübsches Mädchen mit diesem Rad an mir vorbei. Als sie mich sah, sprang sie runter, riss mir die Kleider vom Leib und schrie: „Nimm dir alles, was du willst!“ Der erste zustimmend: „Gute Wahl. Die Kleider hätten vermutlich eh` nicht gepasst.“

 

Helene Fischer hat sich die Warnung vor DMF in Sportkleidung zu Herzen genommen. Wie? Ganz einfach, sie hat alles Überflüssige am Nationaltrikot abschneiden lassen. Sicher haben Sie Deutschlands Lieblingsträllerine  bei ihrem Auftritt zu Ehren „unserer Jungs“ in Berlin gesehen, wie sie „atemlos“ ihr Liedchen trällerte. Nun waren „wir“ grad mal zwei Tage Weltmeister und schon war sie im Besitz eines aktuellen Trikots mit den ersehnten vier Sternen. Und nicht nur das, sie hat auch fleißige Bienchen gefunden, die das Trikot mal schnell über Nacht um etliche Zentimeter kürzten, damit sie a) nicht so viel Berührung mit Schadstoffen hat und b) genug durchtrainierten, gebräunten Bauch zeigen kann. Vielleicht hat sie auch im Hinblick auf die Fruchtbarkeitsbeeinträchtigung von DMF gehandelt? Wobei – wenn das eine Vermehrung von Silbereisen Juniors verhindern kann…? Gaaanz böse, ich weiß, aber über Geschmack lässt sich… unendlich diskutieren. Mal ehrlich, wieviel Patriotismus zeigt das, wenn das Nationaltrikot, das ja in diesem Moment die Leistung der Mannschaft hervorheben soll, sozusagen verschandelt wird, um die Person Fischer in den Vordergrund zu stellen? Wäre es nicht passender gewesen, das Original zu würdigen als einmal mehr einen sexy Auftritt hinzulegen? Wenn schon, denn schon, oder nicht? Helen Fischer will ja auch nicht, dass sie (ihre Art) gedoubelt wird und legt Wert auf Originalität (wie war das letztens mit dem Auftritt eines Fischer-Doubles? Da konnte sie nicht schnell genug Klage einreichen). Sporttrikots sind natürlich nicht sakrosankt, aber das Nationaltrikot so zu verhunzen, da fehlte doch meiner Meinung nach etwas Feingefühl. Oder – das wäre eine Erklärung –   ist sie vielleicht so klein, dass es gekürzt werden musste, damit es ihr nicht in den Kniekehlen hing? Andererseits – vielleicht erklärt sich mit der Furcht vor DMF auch die gängige Bühnenkleidung unserer Stars und Sternchen sowie die allgemein vorherrschende Bauch-frei-Mentalität der Jugend und Möchtegern-Jugendlichen (auch ohne den dafür notwendigen Körper). Das ist doch einen Gedanken wert – oder?


 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 

 


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