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Allergien bei Neurodermitis

Üblicherweise werden Allergien in 4 Haupttypen eingeteilt, z.T. auch noch mit Untertypen.

Für Ekzemkrankeiten wichtig sind einerseits die Typ I oder Soforttyp-Allergien, die genetisch mit den „atopischen“ Erkrankungen Neurodermitis, allergische Rhinokunjunktivitis (vor allem Heuschnupfen)  und Asthma verknüpft sind. Dabei sind die Soforttyp-Allergien in vielen Fällen zwar bei Neurodermitikern vorhanden, aber für die Hauterkrankung nur von untergeordneter Bedeutung. Dies liegt z.T. daran, dass die Allergene häufig in der Luft vorkommen und dann zu Erkrankungen vorwiegend der Schleimhaut (Heuschnupfen, Asthma) führen, der die schützende Hornschicht fehlt. Typische Allergene: z.B. Baum-, Gras-, Kräuterpollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze.

Zusätzlich kommen Soforttypallergien auch auf Nahrungsmittel vor, z.T. durch die enge biologische Verwandtschaft, z.B. zwischen (Hasel)nüssen und Haselpollen, Äpfel und sonstigen Kernobstsorten mit Birkenpollen, Gemüse wie Sellerie, Karotten u.a. mit Beifußpollen. In der Kindheit kommt weiterhin öfters eine Kuhmilchallergie vor, die sich im Gegensatz zu anderen Allergien im Laufe des Lebens häufig komplett rückbildet. Weiter relevante  Nahrungsmittel-Allergene: Fisch, Krustentiere, auch Soja, was z.B. bei der Kuhmilch-freien Ernährung von Säuglingen mit Sojamilch beachtet werden muss.

Typische Test-Verfahren:

Hauttests wie Reibetest, Pricktest, Scratchtest (mit intensiverem Einritzen des Allergens), Intracutantest oder Bluttest zur Bestimmung des spezifischen IgE (meist als RAST bezeichnet, obwohl dieser Begriff streng genommen nur die inzwischen nicht mehr übliche Bestimmung mittels radioaktiver Substanzen bezeichnet).

Oft sind die Soforttyp-Allergien zwar vorhanden aber nicht entscheidend für die Neurodermitis. Die sehr häufige Nuß-  oder Apfelallergie wird von den Betroffenen in der Regel innerhalb wenigen Sekunden bis Minuten im Mund wahrgenommen, wie auch Pollen- oder Tierhaarexposition an Nase und Augen. Somit wird der Auslöser rasch erkannt und weitgehend gemieden, leider meist ohne wesentliche Besserung der Intensität des Ekzems. Trotzdem sollten diese Allergien selbstverständlich beachtet werden, da sie zumindest eine Mitursache des Ekzems sein könne. In wie weit dies zutrifft kann aber nicht durch den Allergietest sondern nur durch Expositionstests, d. h. Selbstbeobachtung nach dem Kontakt  gesichert werden.
 
Der zweite Allergietyp mit Relevanz für Ekzemkrankheiten ist die Typ IV oder verzögerte Allergie. Diese Reaktion liegt den allergischen Kontaktekzemen zugrunde, die von der Neurodermitis abzugrenzen sind. Ein rein allergisches Kontaktekzem ist durch komplette Allergenkarenz im Gegensatz zur Neurodermitis abheilbar, häufig kommen aber auch Mischbilder vor.  Hier kommt es bei längerem Kontakt der Haut mit dem Allergen erst innerhalb von mehreren Tagen zur Ekzemreaktion, so dass im Gegensatz zur Soforttypallergie der Auslöser schwer zu erkennen ist.

Typische Kontaktallergene: Metallsalze wie Nickel und Kobalt (z.B. Jeansknopfallergie), Chromsalze (häufig z.B. in Zement, sogenannte „Maurerkrätze“), Konservierungsstoffe in Kühlschmiermitteln bei Metallarbeitern aber auch in Cremes (z.B. Parabene), Klebstoffe (z.B. Epoxidharz), Duftstoffe in Cremes, Kosmetika u.v.m..

Typisches und einzig gebräuchliches Testverfahren: Epikutantestung (Pflastertest).
 
Wichtig für Neurodermitiker, speziell bzgl. der Nahrungsunverträglichkeiten, sind zusätzlich die Intoleranzreaktionen oder Pseudoallergien. Diese rechnen nicht zu den eigentlichen Allergien und sind durch Allergietests in der Regel nicht nachweisbar, sondern nur durch Provokationstestungen in Form von Suchdiäten.

Typische Auslöser: Medikamente wie ASS und andere Schmerzmittel, aber auch natürliche Salicylate in Nahrungsmittel, Konservierungsstoffe und Farbstoffe in Nahrungsmittel, aber auch z.B. Lactose=Milchzucker-Intoleranz, Glutenintoleranz, Histaminintoleranz  u.a.

 

Der Beitrag wurde erstellt von Dr. Andreas Eisenmann, Chefarzt der Dermatologie der Strandklinik St. Peter Ording (www.strandklinik-st-peter-ording.de)


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