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Allergien bei Naturkosmetik und veganer Kosmetik

Es folgt ein Text von Allergieberaterin Roswitha Stracke.

 

Wussten Sie schon, …

 

dass Naturkosmetik immer beliebter wird? Laut einer aktuellen Presseveröffentlichung des Nürnberger  Marktforschungsunternehmens GfK stieg der Absatz „grüner“ Kosmetik binnen eines Jahres um 10,5 %, der damit erzielte Gewinn sogar um 10,6 %. Besonders stark gefragt ist laut GfK „grüne“ Kosmetik bei Verbrauchern bis zum Alter von 34 Jahren. In dieser Altersgruppe hat sich der Ausgabenanteil für solche Produkte seit 2009 sogar verdoppelt. Im Jahre 2011 gaben Bundesbürger 815 Millionen Euro für Naturkosmetik aus (Quelle: Naturkosmetik Jahrbuch 2012).

Dabei sollte man nicht vergessen, dass auch Naturkosmetik Allergene enthält und durchaus „Nebenwirkungen“ haben kann. Sie gilt zwar gemeinhin als sanft und weniger hautirritierend, doch können bestimmte Inhaltsstoffe „reizen“ oder allergische Symptome über die Haut oder Atemwege auslösen.

Der Begriff „Naturkosmetik“ darf bereits verwendet werden, wenn sich nur ein natürlicher Stoff (z.B. ein Öl oder Pflanzenauszug, der allerdings als Hauptbestandteil) in einem Produkt befindet, auch wenn der Rest aus der Chemieküche stammt! Begriffe wie „Rohstoff aus kontrolliert biologischem Anbau“ bzw. Öko-Sternchen hinter dem botanischen Namen oder den Gütesiegel-Labels geben die Sicherheit, dass es sich tatsächlich um geprüfte Naturkosmetik handelt. Zu den derzeitigen Labels gehören u.a. BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel. Das Label wurde seit 2001 an über 5000 Produkte vergeben),  NaTrue (europäischer Branchenverband NaTrue und Industrieverband Körperpflegemittel und Waschmittel IKW. Das Label gibt es seit 2011, je nach Bio-Standard mit einem, zwei oder drei Sternen), Demeter (strenges, international anerkanntes Gütesiegel. Der Demeterverband besteht seit über 80 Jahren),  Ecocert (Kontrollsiegel aus Frankreich (seit 1991), heute europaweit für über 600 Bio-Kosmetika).

Generell sind künstliche Duft- und Konservierungsstoffe in Bio- oder Naturkosmetik-Produkten verboten, ebenso der Einsatz von Parabenen, Silikonen oder Tierversuchen. Außerdem sollten die Inhaltsstoffe zu 95 % natürlichen Ursprungs sein, davon 50 % aus Bio-Anbau oder Wildsammlungen bestehen. Natur- bzw. Bio-Kosmetik unterliegt den gleichen gesetzlichen Bestimmungen wie herkömmliche Kosmetik, d.h. die Inhaltsstoffe müssen deklariert werden. Leider sind diese oft nur mit dem lateinischen Namen benannt, so dass der Laie ohne Lateinkenntnisse hier an seine Grenzen stößt. Nicht allen ist der lateinische Begriff Buxus chinensis geläufig, gemeint ist Jojoba (hätten Sie das gewusst?). Die Inhaltsstoffe werden mit den botanischen Bezeichnungen der Stammpflanze benannt, ohne Hinweis darauf, ob es sich um ein Öl, einen wässrigen oder alkoholischen Auszug handelt oder welcher Pflanzenteil verwendet wird.

Die Inhaltstoffe von Kosmetika müssen lt. der Kosmetik-Verordnung seit einigen Jahren mit der sogenannten INCI-Bezeichnung auf den Produkten deklariert werden (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients). Seit März 2005 (7. Änderungsrichtlinie der EU-Kosmetikverordnung) gilt dies auch für Duftstoffe, seither sind zumindest einige Duftstoffe deklarationspflichtig. Hierzu zählen allerdings nur die Duftstoffe, die bereits eindeutig als Allergen aufgefallen sind. Parfümfrei bedeutet demnach nur, dass der Stoff bisher nicht als Allergen aufgetreten ist. Parfüme enthalten in der Regel bis zu 100 Einzelkomponenten. Im Zweifelsfall oder bei unklarem Hauttest hilft nur ein Anwendertest mit dem oder den vermutlich unverträglichen Produkten. Als „Pflanzliche Kosmetik“ bezeichnete Produkte können Bisabolol oder Azulen, Wirkstoffe der Kamille (ein starkes Allergen) oder Arnika enthalten. Unter dem Begriff Fragance verstecken sich 6.000 registrierte Duftstoffe in unbekannter Mischung. Teebaumöl enthält frisch kaum Allergene, die Lagerung setzt aber photooxidative Prozesse frei, deshalb kleine Packungen kaufen, diese kühl und dunkel lagern. Hypoallergen bedeutet, dass möglichst wenige allergene Stoffe enthalten sind bzw. nur wenige Zusatzstoffe, sodass man hoffen kann, dass keine Allergie auftritt. Die Farbstoffe CI 77288 und CI 77289 (Grüntöne) sind nicht enthalten. Ohne Duftstoffe bzw. ohne Konservierungsstoffe heißt lediglich, dass die bekannten Auslöser fehlen (auf Ersatzstoffe kann man aber auch reagieren). Keine Farbstoffe bedeutet lediglich, dass das bekannteste Allergen Chromoxid fehlt. Als Allergiegetestet können alle Produkte bezeichnet werden, bei denen die Mehrzahl oder mind. 1/3 der Versuchspersonen das Produkt vertragen hat. Tipp: der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (www.ikw.org ), Frankfurt a.M., gibt kostenlos eine Broschüre zu INCI-Deklarationen heraus.

Majantol, ein kritischer Stoff, der zunehmend Allergiesymptome verursacht, ist bisher nicht deklarationspflichtig. Majantol ist enthalten in Körperlotionen, Zahncreme, Aftershaveprodukten, Babylotionen, Nagellacke usw. Grundsätzlich gilt: Allergene, die wieder abgewaschen werden (z.B. im Shampoo), müssen erst ab einer Menge von 100 ppm (0,01 %) deklariert werden, Kosmetik, die auf der Haut bleibt, ab 10 ppm (0,001 %).

In der Natur gibt es eine Reihe an Pflanzenauszügen mit allergisierenden, sensibilisierenden oder irritierenden Eigenschaften. Dazu gehören u.a. Aloe vera; Das farblose Gel wird aus einem subtropischen Gewächs gleichen Namens gewonnen und wird (ohne tatsächlichen Wirknachweis) eingesetzt zur Wundbehandlung, Geschwüre/Ekzeme, Hautalterung, Magenschmerzen, Unruhe und Angstzuständen, Migräne, onkologische Behandlungen. Aloe ist ebenso Bestandteil von Salben, Tees, Kapseln, Waschmitteln. Aloe ist ein Kreuzallergen des Naturlatex sowie der  Liliengewächse (Zwiebel, Knoblauch, Spargel, Lauch, Schnittlauch), die Pflanze darf nicht bei Implantaten und einigen Arten von Nierenerkrankungen genommen werden, der hohe Anteil an Salicylsäure verbietet die Anwendung bei Histamin- und Salicylat/Citronensäure- Unverträglichkeit, Rückstände von Aloin können Wehen auslösen und zu Frühgeburten führen. Anis bzw. Anisöl wird in der Duftindustrie eingesetzt als Kopfnote in Duftölen, Duftkerzen, Kosmetika, Zahncreme, Kinderpflegeprodukten und Massageölen. Hennaprodukte (Lawsonia inermis); Lawson wird als Farbstoff in Haarfärbemitteln eingesetzt, aber auch in Tattoos und Hautfärbeprodukte. Kamille (Chamomilla recutitia, Gemeine Feldkamille, echte Kamille, „Mutterkraut“); regt den Hautstoffwechsel an, wegen der krampflösenden und antiseptischen Wirkung Einsatz bei Asthma, Mittelohr- und Augenentzündungen, Magenkrämpfen, Zahnschmerzen, Regelbeschwerden. Verwendung in Kamillentee (Lebensmittel und Arzneimittel), Cremes, Hautpflegemittel, Seifen, After-Sun-Lotionen, Gesichtswasser, Shampoos, Badezusätze, Mundwasser, Haarfärbemittel, Tönungsshampoo, Einläufe vor medizinischen Eingriffen. Nur die Dämpfe (ätherisches Öl) der „echten“ Kamille sind allergisierend, sie können die Schleimhäute reizen oder auch allergische Reaktionen wie z.B. Verengung der Bronchien sowie Kontaktekzeme hervorrufen. Kreuzreaktionen auf Kamille gehören zu dem sogenannten Beifuss-Sellerie-Gewürz-Syndrom. Kampfer (Laurus Camphora); der Wirkstoff Alantolakton wird aus dem in Japan wachsenden Kampferbaum (Cinnamomum camphora) gewonnen. Einsatz bei Bronchitis, Cholera, Epilepsie, Magen, Rhinitis, Kopfschmerzen, Nieren- und Lungenerkrankungen, Vergiftungen, Sonnenstich als ätherische Bäder, Erkältungsbäder, krampflösendes Mittel. Kreuzallergen zu Birke. Kostus (Indische Kostuswurzel, Kostuswurz, Königswurz, Kostwurz, lat. Saussurea lappa); Kostus bzw. der Wirkstoff Costunolid („Costus root oil“) ist hitzelabil, der Einsatz in Parfümen ist mittlerweile wegen der stark allergisierenden Wirkung eingestellt. Costunolid ist auch in Lorbeer enthalten, Lorbeeröl bzw. lorbeerhaltige Substanzen werden weiterhin in der Kosmetikindustrie sowie der Veterinärmedizin (Eutersalbe) verwendet. Häufige Kreuzreaktionen zu anderen Gewürzen (z.B. Anis). Perubalsam (Myroxylon pereirae); Duftstoff in Seifen, Lippenstift, Rasierwasser, Zahnpasta, medizinische Salben sowie in Kaugummi und Softdrinks. Ringelblume (Calendula officinalis); Handpflegecremes, Babypflegemittel, Badezusätze. Wollwachs; rückfettende und hautpflegende Wirkung (Wasch- und Pflegemittel, Wundsalben, Sonnenschutz, Schuhcreme, Polituren, Rostschutzmittel u.a.), allerdings ein extrem starkes Kontaktallergen.

Weitere allergene Stoffe in Naturkosmetik sind Baummoosextrakt (Evernia Furfuacea), Cinnamylalkohol (Eugenol), Citronellol (Citronellol), Cumarin (Coumarin), Eichenmoosextrakt (Evernia Prunastri), Geraniol sowie Linalool.

Vegane Kosmetik

Dass keine Tierbestandteile in Natur- bzw. Reformhauskosmetik verwendet werden, ist selbstverständlich. Der aktuelle Trend zu veganer Ernährung/vegane Lebensweise zwingt jedoch einmal mehr zum Überdenken, was sich eigentlich unter den verschiedenen Begriffen für Inhaltsstoffe verbirgt. Da wären zum einen Aminosäuren aus tierischem Eiweiß in pflegender Kosmetik oder Chitin aus der Schale von Krebstieren für Haarkosmetik. Collagen, eine Proteinsubstanz, wird z.B. aus der Schweinehaut für Anti-Aging-Produkte gewonnen, Fettsäuren von Rindern oder Ziegen für Cremes, Körpermilch, etc. Fischschuppen sorgen für Glimmer in dekorativer Kosmetik und Make-up, Glyzerin aus tierischen Fetten sorgt z.B. in Cremes zur Feuchtigkeitsbindung. Bienenprodukte finden sich als Honig, Propolis und Gelee Royal in vielen Pflegeprodukten, Bienenharz (Propolis cera) z.B. in Cremes, Lippenstiften, Augen-Make-up-Präparate, Zahnpasta. Karmin, ein roter Farbstoff von ausgequetschten Chochenille-Läusen (Koquenille) wirkt farbgebend in Kosmetikprodukten. Der Einsatz in Lippenstiften ist mittlerweile unterbunden, aber Karmin wird oft auch als Farbstoff in Campari eingesetzt. Keratin aus den Hufen, Horn, Fell oder Federkielen von Tieren sorgen in Haarpflegeprodukten für Glanz und gute Kämmbarkeit, Lecithin aus Hühnerei wird verwendet in Shampoos, Augen- und Handcremes, Lysozym aus Hühnerei z.B. als Konservierungsstoff in Augentropfen, Lutschpastillen usw. Lipide sind Fett- und fettartige Substanzen aus Tierbestandteilen. Milchsäuren und Milchemulgatoren zur Hautpflege stammen aus Kuhmilch (Fett, Eiweiß). Schellack wird aus Schildläusen gewonnen und z.B. in Nagellack und Haarspray eingesetzt. Die Seide von Larven der Seidenraupe zaubert einen schimmernden Effekt in Seifen, Duschgels und Körperlotionen. Aber auch Meeresbewohner wie Schwämme (Tierstamm innerhalb der vielzelligen Tiere) sollten unter dem allergologischen (sie lösen heftige Kontaktallergien aus) als auch veganen Aspekt überdacht werden. Naturschwämme können aus dem Sponginskelett der Hornkieselschwämme bestehen, werden heute aber oft aus Synthetik hergestellt. Die Natur-Konjac-Schwämme aus einer asiatischen Wurzel („Teufelszunge“) sind ein adäquates Ersatzprodukt.  

Um den Ansprüchen einer sich wandelnden Verbraucher-Wahrnehmung Rechnung zu tragen, gibt es mittlerweile eine Reihe von Alternativen zu den tierischen „Beiträgen“, u.a.: Oliven-, Sonnenblumen-, Maiskeim-, Avocado-, Jojoba- oder Kokosöl, Kakao- oder Sheabutter, Sojaproteine, Rote-Bete-Extrakt und Carnaubawachs.  

Wie setze ich meinen Wunsch nach mehr Natur in Pflegeprodukten um? Dazu gehört erst einmal der Verzicht auf bereits bekannte Allergene sowie Stoffe aus der gleichen chemischen Gruppe. Idealerweise verzichtet man auch auf Produkte bzw. Inhaltsstoffe mit erhöhtem Allergierisiko. Beachten Sie die Reinheit aller Inhaltsstoffe,  Produkte nach der Apothekenverordnung sind in der Regel geeigneter als nach der Kosmetikverordnung. Pflegemittel ohne Konservierungszusatz, Parfümstoffe oder optische Aufheller sind generell besser geeignet, ebenso Produkte mit immun- oder heilungsunterstützenden Substanzen (Carotin, Dexpanthenol, Urea pura) bzw. mit Nachtkerzenöl (Gammalinolensäure) angereicherte Produkte. Achten Sie darauf, dass nicht mehrere fetthaltige Cremes übereinander angewendet werden („Okklusionseffekt“).  Das Reduzieren auf Grundstoffe wie kühlende Gele (juckreizlindernd) oder milde Reinigungs-Peelings, z.B. mit Kokosöl oder auf Zuckerbasis statt grober Partikel auf Tonerde- oder Muschelsandbasis ist für die empfindliche Haut besser verträglich. Sauna, Solarium, Rauchen oder scharfe Gewürze sind Extremsituationen für die Haut und sollten ebenso gemieden werden wie zusätzliche, aber unnötige Reizstoffe wie z.B. Fruchtsäuren in Cremes. Vorsicht ist auch bei durchblutungsfördernden Stoffen, z.B. Rheumasalben, geboten. Diese haben ein erhöhtes Allergiepotenzial und beinhalten eine Vielzahl von unerforschten Stoffen, diverse Pflanzenextrakte können zudem Kreuzreaktionen  auslösen. Bei Neurodermitis, Rosazea oder Psoriasis kann eine Zusammenarbeit von Dermatologen und eventuell einer Kosmetikerin hilfreich sein, um geeignete Produkte abzustimmen. Meiden Sie Modewirkstoffe mit bisher unbekannten oder ungenügend erforschten Wirkungen/Nebenwirkungen, auch wenn die Werbung oder eine hübsche Verpackung einen Kaufreiz ausübt.

Auch Naturkosmetik verdirbt! Um das zu verhindern, sollten Packungen nur zum unmittelbaren Gebrauch geöffnet und angebrochene Packungen möglichst zügig verbraucht werden. Kosmetika und andere Körperpflegemittel sind nach jeder Anwendung sorgfältig wieder zu verschließen und Produkte, die sich farblich oder im Geruch verändern, sofort zu entsorgen! Kontrollieren Sie öfter das Haltbarkeitsdatum und bewahren Sie Kosmetika, besonders die mit kürzerer Mindesthaltbarkeit, kühl, trocken und dunkel auf. Pflegeprodukte dürfen niemals verdünnt oder miteinander vermischt werden. Das ist nur sinnvoll, wenn dies ausdrücklich vorgeschrieben ist.

Nachfüllsysteme sind immer vor der Wiederverwendung zu reinigen und zu  trocknen. Denken Sie daran, Cremes nur mit sauberen Händen oder einem Spatel zu entnehmen. Bei Wimperntusche und Eyelinern sollte man vermeiden, dass durch die Auf- und Abbewegung des Bürstchens Luft in das Produkt gepumpt wird. Alle Gegenstände, die mit kosmetischen Produkten in Berührung kommen, sind peinlich sauber halten. Dazu gehören: Make-Up Schwämmchen, Spatel, Pinsel. Diese können regelmäßig mit Seife, Spülmittel oder mildem Shampoo ausgewaschen und dann auf einem sauberen Tuch vor dem weiteren Gebrauch gründlich getrocknet werden.

 

„Wie alt sind Sie eigentlich, Frau Meier?“, fragt der Schönheitschirurg seine neue Patientin. „Ich gehe auf die vierzig zu“, antwortet die Frau. – „Ach, und aus welcher Richtung?“


Was wenige wissen, auch Lebensmittelallergien können durch Naturkosmetik ausgelöst werden. Eine Gesichtsseife, die hydrolysiertes Weizenmehlprotein enthielt, sensibilisierte einen Teil der (japanischen) Kundinnen so sehr, dass sie eine weizenmehlassoziierte, anstrengungsinduzierte Anaphylaxie entwickelten. Die Sensibilisierung ist also auch über die Haut möglich. Der Seifenhersteller hat das Produkt mittlerweile vom Markt genommen. Weizen wird in der Kosmetik- und Pharmaindustrie unter (modifizierter) Stärke oder Vitalkleber deklariert. Kuhmilch findet sich z.B. in Kosmetik unter der lateinischen Bezeichnung Lac bzw. Lactis Proteinum, Lactis Lipida (Kuhmilchfett), Sine Adipe Lac (fettfreie Milch), Yogurt bzw. Yogurt Filtrate, Butyrum (Butter) und Butyris Lac (getrocknete Buttermilch). Kuhmilchproteine in Salben lösen sogenannte Proteindermatitis aus. In Badezusätzen, Cremes, Seifen, Lotionen u.a. erkennen Sie die Zutat an der Bezeichnung Lactoferrin, Lactoglobulin, Lactoperoxidase, Lacoyl Methylslanol Elastinate.

Das Enzym Papain aus dem Milchsaft der Papayapflanze- und Frucht wird in pharmazeutischen Produkten (z.B. Wobenzym N, Lysopaine Nahrungsmitteln) und in der Kosmetikindustrie z.B. als Hautschuppenlöser in Peelings (EC-Nummer 3.4.22.2). eingesetzt. Papaya (Carica papaya) gehört zur botanischen Familie der Caricaceae. Die orale Einnahme von Papain löst selten allergische Reaktionen aus, weitaus größer ist die Gefahr einer Sensibilisierung durch inhalative Kontakte (Berufsallergen). Die häufigsten Symptome sind Rhinokonjunktivitis, Asthma bronchiale, aerogene Kontakturtikaria, Konjunktivitis, periokuläres Ödem (Lidödem) bei direktem Kontakt (z.B. Kontaktlinsen-Reiniger) oder auch intradiskale Injektion von Chymopapain. Papain wird in der Nahrungsmittelindustrie als Fleischzartmacher und als Bierklärer verwendet, 1983 wurde in Texas der wahrscheinlich erste Fall einer systemischen Reaktion mit Angioödem und Bronchospasmus nach Verzehr von papainhaltigem Fleisch beschreiben. Kreuzreaktionen sind möglich auf Ficus (Ficus-benjamini-Frucht-Syndrom) und Naturlatex (Latex-Frucht-Syndrom). Weitere Bestandteile der Papaya, die Allergien auslösen können, sind Papayasaft (z.B. in Pastillen) und Papayapollen (Plantagen- bzw. Gärtnereiarbeiter). Laut des Wirtschaftsmagazins für den Hautarzt (20. Jahrgang, Nr. 3, Seite 31, Mai/Juni 2015) öffnet Papain die Hautbarriere, so dass Allergene und Bakterien eindringen können. Laut deren Empfehlung sollten Personen mit empfindlicher Haut und Kleinkinder Papain in Kosmetika (dazu gehören auch Babypflegeprodukte) besser meiden.

Wie oben schon erwähnt, ist Kostus ein starkes Kontaktallergen und als Lorbeeröl (Costunolid) immer noch in diversen Kosmetikprodukten enthalten. Doch haben Sie auch daran gedacht, dass Lorbeer ebenso in der deutschen Lebensmittelverarbeitung eine wichtige Rolle spielt? Denken wir da nur mal an unsere Lieblingsgerichte wie Sauerbraten oder Rotkohl bzw. diverse Gewürzzubereitungen oder Aromazusätze in Fertigprodukten. Auch hierbei sind Reaktionen von Ekzemen bis Asthma möglich. Kreuzreaktionen auf andere Kräuter sind möglich, vor allem bei Birke-, Beifuß- und Ambrosia-Allergien  sowie auf alle diesbezüglichen kreuzreaktiven Gewürze wie z.B. Anis, Dill, Kerbel, Kümmel, Koriander, Petersilie oder Sellerie.

Frau G., die mich per Internetanfrage um Rat bat, reagierte jedes Mal mit Allergiesymptomen, wenn sie einen bestimmten Eintopf aß. Aus unerklärlichen Gründen entwickelten sich Pusteln und Juckreiz, obwohl der Eintopf angeblich keines der ihr bekannten Allergene enthielt, denn sie litt an einer Gräserpollenallergie und Pollen waren nicht in der Suppe! Nachdem ich ihr klarmachen konnte, dass auch eine Pollenallergie Kreuzreaktionen auslösen kann und Gewürze dazu gehören, stellte sich heraus, dass sie schon einmal mit Anis (in einem Weihnachtsgebäck) Probleme hatte. Jetzt galt es nur noch, den genauen Inhalt des Eintopfs zu definieren. Der enthielt zwar keinen Anis, aber dafür Lorbeerblätter und Lorbeer ist nun mal eines der häufigsten Kreuzallergene zu Anis (und damit Birke) im Gewürzsortiment. Nachdem Frau G. nun auf Lorbeer (und weiterhin auf Anis) verzichtete, konnte sie den geliebten Eintopf ohne „Begleiterscheinungen“ genießen.

Gut zu wissen: Anis (lat.: Pimpernella anisum) gehört zu den Doldengewächsen, auch bekannt als: Brotsamen, Anais, Süßer Kümmel. Anis ist daneben ein hervorragendendes Konservierungsmittel, da es die Schimmelbildung in Lebensmitteln unterbindet. In der Fleischherstellung wird Anis vor allem bei Dauerwurstsorten eingesetzt, daneben auch in Fischgerichten, Hackfleisch, Geflügelfüllungen oder Gemüsegerichten. und findet sich auch in Süßwaren (Bonbons, Gelees), Spirituosen und Likören (Sambuca, Raki, Ouzo, Pernod, Absinth, Pastis, Agurdiente, Anisette). Das Kraut wurde bereits in den Küchen des alten Ägyptens sowie in Kreta, Zypern, Griechenland und Syriens und sorgte für eine gute Verdauung, frischen Atem und galt als Appetitanregung. Im Mittelalter diente Anis als Aphrodisiakum und als Mittel gegen Schlangenbisse, Magengeschwüre, Bauchschmerzen und Erkältungen. Anis (Pim a 1) ist hitzelabil und wird beim Kochen oder Backen nahezu zerstört. Auftretende Reaktionen (OAS) verlaufen meist sehr mild, sehr selten als anaphylaktische Symptome. Heute bekannte Wirkungsweisen: hilfreich bei Blähungen, magenberuhigend, verdauungsfördernd, appetitanregend, schleimlösend, hustenstillend, leicht bakterienhemmend sowie milchfördernd. Anis und Lorbeer gehören nicht zu den 14 Lebensmitteln, die als allergieauslösend kennzeichnungspflichtig sind. Deshalb müssen sie als ein Bestandteil von Gewürzen mit weniger als 2 % Anteil nicht genannt werden.

 

 

Text von und herzlichen Dank an:

Roswitha Stracke – Allergieberaterin
www.allergieberatung-stracke.de

 


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